Beim Fard-Konzert in Berlin fiel uns ein junger Rapper im Vorprogramm des Gladbeckers auf, der später am Abend auch den Back-Up-Rapper gab. Etwa zur gleichen Zeit erreichte uns per Mail ein Link zu einem Video des besagten jungen Rappers, "80 Bars Therapie" hieß das gute Stück und Nima38 der Rapper. Da beides, Live-Auftritt wie Video, unübersehbare Qualitäten aufwies, sind wir stolz, euch heute die Premiere seines neuen Videos "Unsichtbare Handschellen" zu präsentieren. Das Streetalbum "ReaNIMAtion" erscheint am 3. Februar und wird überall online erhältlich sein - oder einfach direkt auf Nima38s Seite.
rap.de: Erzähl ein bisschen was über deine Vorgeschichte. Wann hast du angefangen zu rappen? Und warum?
Nima38: So merkwürdig es auch klingt für einen Rapper hat es bei mir neben Rap aus den Staaten mit Gedichten in der Schule angefangen. Inspiriert davon fing ich an, meine eigenen Gedichte auf Englisch zu schreiben, bis sich das eines Tages meine Englischlehrerin durchlas und meinte 'Hey, cooler Rap, Nima!'. Das schloss sie sicherlich aus meinem Erscheinungsbild damals, wegen der Klamotten (lacht), aber ich hielt es für eine gute Idee und ab dort fing es an.
rap.de: Du kommst ja aus dem Harz, einer eher beschaulichen Gegend. Wie muss man sich das Leben dort vorstellen? Und wie bist du dort aufgewachsen?
Nima38: Kommt ganz drauf an, aus welcher Sicht man es betrachtet. Wenn man ein Rentner ist, ist der Harz sicherlich die beste Bleibe, allein wegen der Ruhe, die man durch die Natur hier genießen kann. Der Harz ist ja auch sehr bekannt als Kur- und Urlaubsort - jedoch nicht in unserer Altersklasse. Nun zur Kehrseite der Medaille und zwar, wie ich da aufgewachsen bin... Leider bin ich so gut wie an der Grenze zu Sachsen-Anhalt aufgewachsen und das als Immigrantenkind der ersten Generation. Heiß, man war wirklich eine Minderheit und absolut unerwünscht zur damaligen Zeit. Ins Detail möchte ich da gerade nicht gehen, aber ich denke nicht, dass diese Zustände vergleichbar sind mit Großstädten. Heute hat sich das aber auch stark verändert durch die Generationen, die folgten, so dass wir hier keine Minderheit mehr sind. Allgemein ist der Harz jedoch kaum für Jugendliche geeignet, da die Jugend hier auch kaum gefördert wird. Sie stellen uns paar kleine Jugendtreffe hin, die eher dazu dienen, dass die alten Sozialarbeiter eine Stube für ihr tägliches Kaffeekränzchen haben. Es gibt nur ganz selten Streetworker, die ihre Arbeit wirklich nach draußen verlegen. Mein ganzes Leben verbringe ich schon in diesem Gebiet und ich kenne original nur einen Einzigen, der hier wirklich mit Herz bei der Jugend ist! An dieser Stelle also auch schöne Grüße an Magnus Wewer, der leider zurzeit durch einen Unfall im Krankenhaus ist, wie ich traurigerweise erfahren musste! Gute Besserung, mein Freund!
rap.de: Du hast an einigen Battles teilgenommen. Ist dieser Geist, dieser Wettbewerbsgedanke, auch in deinen Releases noch vorhanden?
Nima38: Nein, gar nicht! Ich habe für mich selbst entschieden, diese Schiene nicht mehr zu fahren, auch, wenn es ein Riesenbestandteil von Rap ist. Eher gehe ich, wie man so schön sagt, back to the roots und pack die Probleme in meinem Umfeld an. Themen, die mich und meine Mitmenschen betreffen und eventuell auch darüber hinaus. Texte, die nicht so von Fäkalausdrücken geprägt sind wie es heutzutage leider üblich ist, um eine Sprache zu sprechen, die wirklich jeder verstehen kann, wenn man sich darauf einlässt. Deswegen ist das für mich mit der Battlegeschichte auch nicht mehr vereinbar. Ich bin zwar kein Typ, der sich was gefallen lässt, jedoch würde ich Auseinandersetzungen nicht mehr auf diesem Wege klären.
rap.de: 2010 hast du mit Manuellsen und Favorite eine TV-Show moderiert. Wie kam es dazu? Und wie wichtig war die Erfahrung für dich und deine Karriere?
Nima38: Das hatte auch was mit der Battlegeschichte zu tun. Damals gab es eine Art Internetbattle, wo es um ein vierstelliges Preisgeld ging und die Songs dazu wurden bei einer Show auf Center-TV bewertet. Um mich gab's dann ein großen Wirbel, da Fav mir was unterstellt hatte, was ich jedoch umgedreht und gegen ihn verwendet hatte, worauf selbst die Selfmade Forum-Community sich auf meine Seite stellte. Als Wiedergutmachung wurde ich dann in die Show eingeladen, die wir dann zusammen moderiert haben. Es war mal eine neue Erfahrung für mich, eine TV-Show zu moderieren, aber kaum ausschlaggebend für meine Karriere, da ich ja nun komplett eine andere Richtung eingeschlagen habe.
rap.de: Du bist auf Tour mit Fard, bist gleichzeitig Backup und Vorgruppe. Wie habt ihr euch kennen gelernt?
Nima38: Wir kannten uns schon vor seinem Durchbruch über gemeinsame Freunde.
rap.de: Hat das Interesse an dir seit den Auftritten mit Fard zugenommen?
Nima38: Ja, klar! Natürlich interessiert sich der eine oder andere Konzertbesucher dafür, wer der Typ neben Fard ist und spätestens, nachdem ich meine eigenen Songs auch auf der Bühne performt habe, war das Interesse auf jeden Fall immer geweckt.
rap.de: Dein Video "80 Bars Therapie" kommt recht düster und verzweifelt rüber. Ist Rap für dich tatsächlich Therapie? Und würdest du dich als eher düsteren Menschen beschreiben oder lässt du das in der Musik einfach raus und bist danach ein zufriedenerer Mensch?
Nima38: In "80 Bars Therapie" ging es ja ausschließlich um mich und von daher kann man sich schon ein kleines Bild machen, was mich als Menschen betrifft. Tatsächlich habe ich mich selbst mit diesem Song therapiert und hoffentlich entgültig mit diesem Kapitel in meinem Leben abgeschlossen, so dass ich in Zukunft zu einem zufriedenen Mensch werden kann.
rap.de: Welche Rolle spielt Rap in deinem Leben? Und was würdest du ohne Rap machen?
Nima38: Allgemein Musik begleitet mich schon ein ganzes Leben lang und würde die Kathegorie Rap da fehlen, ist es so als würdest du einen Cheeseburger ohne Käse essen (lacht). Aber ernsthaft, Rap ist für mich die größte Leidenschaft bisher und ohne Rap wäre ich wenn dann wahrscheinlich ein guter Sportler geworden, aber ich wüsste jetzt nicht, auf welchen Bereich ich mich da festgelegt hätte.
rap.de: Was darf man von deinem Streetalbum "ReaNIMAtion" erwarten?
Nima38: Wie der Name schon sagt werden einige vergessene Tatsachen wiederbelebt wie z.B. Geschichten von Schicksalsschlägen, die in Vergessenheit geraten sind bzw. ungern gesehen werden. Es werden Sachen erwähnt, vornehmlich im "Killuminati"-Sinne, die von den Medien gerne ignoriert werden. Ansonsten gibt es Erzählungen von Erlebnissen und Erfahrungen, die einen zum Nachvollziehen einer Reanimation bringen.
rap.de: Hast du noch ein paar Abschlussworte?
Nima38: An alle Leser: Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr euch auf meine Musik einlasst und sie supportet. Viel Spaß noch mit dem neuen Musikvideo "Unsichtbare Handschellen"! Ich hoffe ich kann euch mit diesem Albuminhalt überzeugen, dass Rap mit Vernunft auch hart sein kann und dennoch aus der Seele spricht. In dem Sinne bedanke ich mich noch für's Interview bei rap.de und bis zum nächsten Mal hoffentlich.
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