Fler – Frei im Kopf

By Oliver Marquart
In INTERVIEW
Okt 25th, 2011
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Ein Shisha-Café im Süden Berlins. Draußen regnet es in Strömen. Fler sitzt an einem der Tische, scherzt mit dem Inhaber und berät mit einem Kumpel, ob er heute mit zum Sport kommen soll – Boxen steht auf dem Programm. Der Kumpel ist übrigens einer der Sänger von Puls030, die "Die Straße geht ewig" von Flers neuem Album "Im Bus Ganz Hinten" mit ihrem kraftvollen, maskulinen Gesang veredelt haben. Während der Puls-Sänger sich genüsslich einer Wasserpfeife mit Apfeltabak widmet, stellt Fler sich unseren Fragen. Zur Wasserfpeife greift er erst nach getaner Arbeit.

?rap.de: Auf deinem Album gibt es eigentlich keinen Song, auf dem du richtig glücklich zu sein scheinst.

Fler: Echt, ja?

rap.de: Ja. Es ist immer diese "Die Welt ist scheiße"-Grundstimmung, so: Okay, ich habe zwar eine teure Jacke an, aber eigentlich ist die Welt trotzdem kalt und scheiße. Auch mein teures Auto kann daran nichts ändern.

Fler: Vielleicht liegt es ja daran, dass ich in gewissen Sachen unzufrieden bin. Eigentlich ist diese Rapszene, wie sie gerade ist, genau nach meinem Geschmack. Das Problem ist nur, dass dieses Business gerade nicht funktioniert, die Musikindustrie. Das ist für einen Künstler natürlich deprimierend. Ich bin nicht nur unzufrieden, ich bin ja auch dankbar. Aber es ist eine Mischung, auf der einen Seite das Geld, das man hat, auf der anderen die Stimmung in diesem Land. Geld macht ja nicht glücklich. Es erleichtert dir vieles, aber als Rapper polarisiert man in diesem Land immer sehr krass. Es ist ja nicht wie in Amerika, wo man akzeptiert wird. Als Rapper bist du voll der Exot, du schwimmst immer gegen den Strom.

rap.de: Und sitzt bei Stefan Raab und musst dir immer noch seine Witze über Rap anhören.

Fler: Genau. Obwohl ich es sympathisch fand, wie er's gemacht hat, aber man merkt halt, dass er sich mit dem Thema nicht wirklich beschäftigt hat. Und das ist traurig. Eigentlich müsste er meine Platte kennen. Ich bin auf 3 gechartet. Das müsste doch für einen wie Stefan Raab ein Grund sein, sich die Songs mal anzuhören. Aber die Zeit nimmt er sich halt nicht. Weil HipHop immer noch so eine Randgruppe ist. Rapper sind immer noch Außenseiter.

rap.de: Kämpft du denn für mehr Akzeptanz gegenüber HipHop in Deutschland?

Fler: Nee, wir haben ja seit Aggro Berlin die Haltung, dass wir nicht versuchen, es den Leuten Recht zu machen. Wir machen einfach unser Ding, bis die Leute es vom Erfolg her akzeptieren müssen. Und dann sitze ich halt bei Stefan Raab. Und dann ist der ja auch nett. Aber wenn du dir ankuckst, wie die Leute in den USA gefeiert werden, wie Rap zelebriert wird und im alltäglichen Leben stattfindet – dann kuckst du dich hier um und denkst dir, oh Mann. Deutschland ist sehr grau. Und das macht natürlich schlechte Laune. Aber an sich, mit meiner Situation und mir selber bin ich zufrieden.

rap.de: Warst du auch mit Platz 3 für das Album und Platz 13 für das Buch zufrieden?

Fler: Ja, ich war zufrieden, habe aber schon die nächsten Schritte im Kopf. Mein persönliches Feeback zu dem Release ist natürlich positiv, aber ich bin ja auch ein Perfektionist und sehr schwer zufrieden zu stellen, weil ich immer alles sofort, hier und jetzt möchte. Man muss die Sache mit ein bisschen Abstand auf sich wirken lassen. Das Album ist ja immer noch in den Top 100 .

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