Eko Fresh vs Ekrem Bora

By Oliver Marquart
In INTERVIEW
Sep 2nd, 2011
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Die Vergangenheit, Vergangenheit sein lassen und nur noch in die Zukunft blicken. Eko Fresh wagt einen Neustart – wieder einmal – doch diesmal soll alles anders werden. Das reale „Ich“ des Rappers, der als 17-jähriger ins Deutsche Rap Game steppte, steht auf seiner neuesten CD im Vordergrund, die deshalb auch den bürgerlichen Vornamen des Künstlers im Titel trägt. „Ekrem“ heißt der Tonträger, der am heutigen Freitag den 02. September erscheint und mit viel Selbstironie sowie Nino DeAngelo Feature aufwartet.
Man kann sagen, was man will, aber eines muss man Eko Fresh auf jeden Fall zu gute halten. Der Junge ist zäh, denn trotz aller Widrigkeiten ist er immer noch am Ball. Totgesagte leben eben doch länger.
Ein optimistisches Gespräch über eine vielleicht chillige Zukunft. – Unter Umständen. Möglicherweise. Ganz bestimmt! 

 

rap.de: Du hast entschieden, dein neues Album nach deinem bürgerlichen Vornamen „Ekrem“ zu nennen. Ist das ein Hinweis darauf, dass du darauf wieder zu deinem alten Ich zurückkehrst?

Eko Fresh: Genau. Es soll einerseits bedeuten, dass es so persönlich ist, wie bisher noch kein Release von mir. Die Kunstfigur Eko Fresh hab ich auf diesem Album weitestgehend raus gelassen. Es gibt hier und da zwar noch Ansätze, aber es ist das Album, das am nächsten an mir dran ist.
Andererseits soll es verdeutlichen, wie sehr ich dahinter stehe. Das soll ein Zeichen nach Außen sein: Ich stehe zu einer Million Prozent dahinter und wenn da einer was zu meckern hat, soll er mir das persönlich sagen, weil ich da mit meinem Namen hinter stehe. 

rap.de: Du hast ja schon vor zwei Jahren versucht, mit "Jetzt kommen wir wieder auf die Sachen" an deine alten Zeiten anzuknüpfen. Würdest du diesen Versuch im Nachhinein als erfolgreich betrachten oder ist dir das erst jetzt gelungen?

Eko Fresh: Das war damals auf jeden Fall ein guter Ansatz. Wenn man die NewSchool von Eko Fresh betrachtet, ist das am besten angekommen. Aber dieses Album bringt es erst so richtig auf den Punkt. „Jetzt kommen wir wieder auf die Sachen" war ja sozusagen unter dem Motto Revival, da waren auch viele OldSchool-Anspielungen dabei, aber ich kann ja nicht die ganze Zeit über meine Vergangenheit rappen. Das kann man mal auf EP-Länge machen, aber ein Album sollte schon zukunftsorientiert sein. Da geht es gar nicht um meine Vergangenheit.
Ich wollte auch nicht schon wieder der Vergangenheit hinterher trauern, nach dem Motto: "Ich hab nicht bekommen, was ich verdiene".
Ich hab es ja auch gar nicht nötig, der Vergangenheit nachzuhängen. Wenn man nur die Erfolge betrachtet, hab ich genug Platten verkauft, weshalb man ja auch nicht mehr darüber reden muss, ob ich überhaupt eine Daseinsberechtigung habe. Wenn du nach den Skills gehen würdest, hab ich’s auch nicht nötig.
Nur weil ich ein weiches Herz habe und möchte, dass alle wirklich die Wahrheit kennen, war ich auf so einer Mission, alle zu überzeugen. Aber das ist mittlerweile Vergangenheit und ich leb nicht mehr in der Vergangenheit.

rap.de: Hast du früher zu viel Zeit drauf verschwendet, dich zu rechtfertigen und immer zu versuchen, es jedem zu beweisen?

Eko Fresh: Definitiv. Ich hätte einfach nur weiter solche Videos machen und mein Geld kassieren sollen, um weiter unterwegs zu sein. Stattdessen hab ich halt aus meinem Komplex heraus gehandelt, da ich ja eigentlich aus der realen HipHop-Szene kam und ich wollte, dass das alle wissen. Viele meiner Fans, die nur meine kommerziellen Sachen kannten, konnten damit ja gar nix anfangen. Da kann man jetzt tausend Jahre drüber reden. Ich red da mittlerweile ungern drüber. Wissen doch jetzt eh alle.
Ich bin halt vor den Augen der Leute aufgewachsen. Wieso sollte ich mich jetzt dafür rechtfertigen, dass ich mit 17 ein anderer Bursche war oder noch nicht so entwickelt war, wie ich es heute bin? Ob das jetzt meine Persönlichkeit betrifft, meinen Rap oder was auch immer. Das kann man auch tot reden. Damit höre ich jetzt definitiv auf.

rap.de: Man merkt dem Album an, dass du diesmal sehr entschlossen zu Werke gegangen bist und anscheinend genau wusstest, wo du mit dem Album hin willst.

Eko Fresh: Definitiv. Nach meinen beiden Mixtapes Ende letzten Jahres hab ich ein halbes Jahr erstmal gar nix gemacht. Nach diesem Megaoutput hab ich gedacht, man muss auch mal die Schnauze halten, auf gut deutsch. Zu der Zeit hatte ja auch mein Freund Farid seinen Riesenhype. Dadurch fühlte ich mich genug vertreten im Game.
Es war noch nicht an der Zeit, dass ich großartig irgendwas machen musste und gleichzeitig dachte ich an meine eigenen Fans – ich hab ja auch Fans, die mir seit Jahren treu geblieben sind – dass es für die halt auch ne coole Überraschung wäre, wenn ich ein bisschen Pause mache und dann wirklich mit was Tightem wiederkomme. Der erste richtige Track war "Hartz V".  Da habe ich gemerkt: Das ist die Attitüde, die die Leute an mir mögen. Das ist die Attitüde, mit der man nach draußen gehen und zeigen kann, dass man es wirklich ernst meint. Und als ich diesen Track hatte, hab ich den Rest, den ich bis dahin aufgenommen hatte, weggeschmissen und hab von da aus neu angefangen.

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