Interview mit Joshi Mizu

By Oliver Marquart, Anna Mengels
In INTERVIEW
Feb 22nd, 2013
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Joshi Mizu ist Österreicher. Die Österreicher haben das Schnitzel erfunden. Oder jedenfalls perfektioniert. Also gehen wir mit Joshi Schnitzel essen. Bestechend logisch. Das kann man zum Beispiel am Richardplatz in Neukölln machen. Dort haben sie nicht nur das angeblich größte Schnitzel von Berlin (ca. 80 cm lang und breit), sondern auch einen absolut unterhaltsamen österreichischen Kellner, der seine Gäste gerne mit kleinen Anekdoten und Lebensweisheiten unterhält. Auch von unserem eingeschalteten Aufnahmegerät ließ er sich davon nicht abhalten. Die schönsten Bonmots aus seinem Mund haben wir wiedergegeben, auch wenn natürlich die Aussagen von Joshi Mizu, der der Welt am 1. März mit seinem Debütalbum “Zu!Gabe” vorstellig wird. Wir sprachen über seine Vorgeschichte, seinen Freund und Förderer Raf Camora, österreichisches Essen und Bier sowie weitere wichtige Dinge mit Joshi Mizu. 

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rap.de: Du bestellst Almdudler, bist du denn auch der typische Österreicher?

Joshi Mizu: In Österreich trink ich nie Almdudler. Aber wenn ich in Deutschland bin und es gibt Almdudler, dann trink ich immer Almdudler.

rap.de: Im Ausland bist du also österreichischer als in Österreich?

Joshi Mizu: Nein, eigentlich nicht. Ich bin ja auch nicht so typisch österreichisch. Auch nicht, wenn ich in Wien bin.

rap.de: Woran machst du das fest, typisch österreichisch zu sein?

Joshi Mizu: Naja, die typischen Österreicher, in Wien zum Beispiel, die sind alle Trotzköpfe und regen sich über alles auf.

rap.de: Du meinst ein bisschen Grantlermäßig.

Joshi Mizu: Ja genau, Grantler. Man muss sich daran gewöhnen. Irgendwann sieht man es witzig. Es ist witzig, also ich find’s witzig. Man darf das halt nicht so ernst nehmen.

rap.de: Das ist ja auch eine besondere Form von Humor. Der berühmte Wiener Schmäh.

Joshi Mizu: Ja genau, es gibt ja auch Gasthäuser, wo sie extra Kellner anstellen, die dann schauspielern. Die sehen dann aus wie Pinguine. Ich hatte einen Kumpel aus Deutschland, der hat das immer voll gefeiert. Es gibt so ein Cafè und da sind sie wirklich so Pinguine, immer nett und freundlich, “Grüß Gott, was wollen Sie essen?“, mit einer höflichen Verbeugung und so.

(Getränke werden gebracht, der Kellner reicht das Bier, ohne Verbeugung)

Joshi Mizu: Ja, ein Gösser. Ich bin ja eher der Ottakringer-Fan. Ich glaube, das kennt hier aber keiner.

rap.de:  Du sagst, du fühlst dich nicht als der typischer Österreicher, aber als der typische Wiener dann schon, oder?

Joshi Mizu: Ja, das ist halt meine Heimatstadt, aber ich komme aus einer anderen Generation. Ich bin schon eher multikulturell aufgewachsen, also in Wien kommen ja auch alle Nationen zusammen, das ist wie in Berlin.

rap.de: Mit noch mehr Balkan-Einschlag wahrscheinlich.

Joshi Mizu: Ja, genau. Ich habe eigentlich nur Jugo-Freunde. Und da gibt es sehr viele von. Ich glaube, es wohnen so 200 bis 250.000 in Wien.

rap.de: Hast du selber auch einen Jugo-Background?

Joshi Mizu: Nein, ich hab selber einen philipinisch-ungarischen Background. Also mein Vater ist Ungar und meine Mutter ist aus den Philipinen. Ich habe aber selber auch nicht viel damit zu tun, also mit Ungarn oder Phillipinos.

(Kellner kommt und nimmt die Bestellung auf und glänzt dabei mit Sprüchen wie: “Das ist für die Frau, denn wenn sie in die Küche geht, dann soll sie dort auch kochen. Das ist nicht frauenfeindlich, wenn sie ins Arbeitszimmer geht, dann muss sie ja auch arbeiten und wenigstens nähen oder stricken“)

rap.de: Ja, wer hat auch heute schon noch ein Arbeitszimmer.

Joshi Mizu: Ich habe kein Arbeitszimmer. Ich schreibe in meinem Schlafzimmer. In meinem Schlaf-Arbeitszimmer. Ich hab da im Schlafzimmer meine eigene Ecke, mit einem Mini-Keyboard und so. Aber das habe ich schon lange aufgegeben, das Beats machen. Das mache ich gar nicht mehr.Also, ich flash mich sehr gerne auf Beats machen, aber letztendlich haben die Beats dann nicht die Qualität wie die, die ich von den Stereoids, KD-Supier oder so bekomme.

rap.de: Du hast ja auch einen Namensvetter der produziert, Joshimixu. Werdet ihr öfters verwechselt?

Joshi Mizu: Ja, sehr oft. Aber mittlerweile geht’s. Jetzt checken die Leute langsam, dass man ihn zusammen schreibt und mich schreibt man auseinander. Das habe ich extra gemacht, damit man uns nicht verwechselt. Oft kommen auch so Kommentare, “Boah, die Beats, die du machst und jetzt rappst du auch noch. Überkrass. Hammer!” (lacht) Aber die Leute checken das langsam.

 

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