rap.de: Herr Schuster, auf der O2 Seite sprechen sie über Verantwortung und das Verantwortung Ihr wirtschaftliches Handeln leitet. Was verstehen sie unter dieser Verantwortung?
René Schuster: Ich meine damit, dass es in unserer Verantwortung liegt, dass ausschließlich Produkte auf den Markt kommen, die nicht schädlich sind. Es ist für uns als Firma wichtig, gesellschaftliches Engagement zu unterstützen. Deswegen ist
Think Big nicht nur für
O2 Germany sondern für
O2 europaweit relevant. In Lateinamerika hat unsere Muttergesellschaft
Telefónica ein soziales Projekt gestartet unter dem Namen "
pro ninño“, in das mehr als 100.000 Kinder involviert sind.
Jedes Land kann im Endeffekt selber entscheiden welches Projekt am besten zu ihm und seinen Strukturen passt, das Thema ist jedoch immer das Gleiche: Junge Menschen.
In Deutschland haben wir uns überlegt, wie wir etwas zurückgeben können, um Jugendlichen mögliche Zukunftsperspektiven zu eröffnen. Wir sind seit dreieinhalb Monaten unterwegs und denken, dass wir mit
Savas als Begleitung einen passenden Coach für unseren Kontext gefunden haben, um Leute von 16 bis 21 Jahren zu begeistern.
rap.de: Wenn Sie jetzt von zurückgeben sprechen, ist das ein sehr amerikanischer Ansatz?
René Schuster: Die Amerikaner haben vielleicht eine längere Tradition, was dieses Thema betrifft. Ich glaube allerdings, das ist nicht auf eine Nation oder ein Land beschränkt.
rap.de:
Ich glaube aber in der Unternehmenskultur von amerikanischen Firmen ist das mehr Gang und Gebe.
René Schuster: Ja, vielleicht. Viele sind natürlich immer skeptisch und denken es steckt ein Marketingplan dahinter. Aber das stimmt nicht. Unser Mandat ist nicht, ausschließlich Handys zu verkaufen, sondern zu zeigen, dass sich die Marke
O2 differenzieren kann, womit wir bei dem Zurückgeben wären.
rap.de: Sind solche Projekte eine Alternative zu staatlichen Projekten oder eher eine Ergänzung?
René Schuster: Es ist eher eine Ergänzung. Wir suchen Gebiete auf denen wir Erfahrung haben. Wir versuchen Jugendlichen beizubringen, mit neuen Technologien verantwortungsbewusst umzugehen und ihnen die Angst davor zu nehmen. Wir haben die Möglichkeiten dazu. Im Internet-Festnetz-Geschäft ist
O2 einer von drei großen Marktführern in ganz Deutschland. Auch das Handygeschäft bewegt sich, kaum jemand lebt noch ohne Smartphone.
Durch
Social-Media und die ständige Präsenz des Internets ändert sich unser Kommunikationsleben. Wir überlegen uns, wie man eine Verbindung herstellen kann zwischen der sozialen, innovativen und der praktischen Seite dieser Entwicklungen.
rap.de: Haben Sie das Gefühl, dass bestimmte Bereiche dieser modernen Technologien für gewisse Gesellschaftsschichten nicht zugänglich sind?
René Schuster: Ich denke, moderne Technologien sind generell offen für alle. Man muss nur wissen, wie man die Sachen bedient und was für einen selbst Sinn macht.
rap.de: Savas, glaubst Du, dass alle in dieser Gesellschaft an diesem Fortschritt teilhaben können.
Kool Savas: Ich glaube, wenn das jetzt so komprimiert in den neuen Handys stattfindet, dann passiert das mehr oder weniger schon, weil alle damit ja jetzt auch ins Netz gehen können. Aber ich weiß jetzt nicht ganz genau, worauf du hinaus willst.
rap.de: Ich hab nämlich den Eindruck, dass die unterschiedlichen Gesellschaftsschichten diese Technologien sehr unterschiedlich nutzen. Gesellschaftsschichten mit wenig Bildung nutzten diese Technologien tatsächlich nur zum Chatten. Das sind Enduser, die einfach nur in diesen Chaträumen vergammeln.
Da gibt es Kinder, die sind von Schulschluss bis Abends im Internet und es passiert NICHTS.
René Schuster: Ja, aber was sie vielleicht auch tun können, ist suchen. Sich über etwas genauer informieren, wovon man nicht viel weiß. Jeder kann jetzt mit Google und Wikipedia umgehen und man kann Informationen heutzutage viel einfacher bekommen.
rap.de: Aber Herr Schuster, das Problem ist doch, dass diese Leute heutzutage gar kein Interesse mehr daran haben.
René Schuster: Ich glaube, das ist eine Frage der Förderung der Interessen und des Alters. Ich würde sagen, mit spätestens 18 Jahren denken die anders darüber und wenn sie 25 sind, wieder anders. Dasselbe dann mit 35. Wir wissen schon heute, dass das am schnellsten wachsende Segment die Menschen über 60 sind. Ich könnte mir nie vorstellen, dass meine Oma einmal im Internet surft und genau weiß, was da los ist.
rap.de: Also sollte man in Zukunft doch eigentlich Media Colleges für über 60 Jährige anbieten?
René Schuster: Wer weiß.