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rap.de: Ich meine jetzt nicht unbedingt, dass man sich vorher in diese Stimmung bringt, sondern man durchleidet das beim Schreiben ja noch mal. Das kommt dann mit dem Schreiben und beeinflusst das dementsprechend.
Fatoni: Ja, doch. Das auf jeden Fall.
rap.de: Wie ist das aber, wenn man zu zweit arbeitet an so einem Text? Wenn der eine unterbewusst an seinen Beats und der andere unterbewusst an seinen Texten arbeitet, ist das ja schwierig abzustimmen unter drei Menschen. Außer man vibet auf einem selben Vibe.
Bustla: Also ersten sind wir da schon sehr gut in diesem zusammen Viben und das ist zu dritt natürlich noch mal einfacher als zu fünft oder zu zehnt. Das ist natürlich auch ein Prozess. Wir kennen uns jetzt seit zehn Jahren und machen seit acht Jahren zusammen Musik. Natürlich ist das die Kunst und was wir immer besser können von mal zu mal. Dank der Technik kann man so ein Ding ja auch schnell mal unfertig auf einen Stick ziehen und jemand kann sich das mit nach Hause nehmen und sich mit dem hineinviben Zeit lassen. Der kann sich den unfertigen Track mit nach Hause nehmen und sich so lange davon berieseln lassen, bis er drin ist oder halt auch nicht. Das ist auch was, was passieren darf.
Fatoni: Es ist ja in der Regel vor allem bei solchen Songs so, dass wir die Strophen nicht zusammen schreiben. Da kann man vielleicht mal was vom anderen holen, aber wir schreiben das nicht zusammen. Bei uns ist es im allgemeinen so: Das, was derjenige rappt, hat er selbst geschrieben, außer bei einzelnen Zeilen und den Hooks. Zusammen schreiben tun wir eigentlich nur die Hooks oder Parts, die man hat zusammen rappt. Das sind aber dann auch nicht solche Tracks.
Bustla: Es ist auch lustig, wenn wir solche Tracks machen, dass oft eine Situation kommt, in der beide sagen "Ich verpiss mich jetzt mal und lauf mit den Kopfhörern eine Runde um den Block“. Dann laufen sie in entgegengesetzter Richtung um den Block und treffen sich immer mal wieder.
Fatoni: Wir schreiben alleine und ich glaube, das machen eh die meisten. Es ist aber manchmal auch so, dass wir zusammen im Studio sind und dann einfach innerhalb von ein paar Stunden einen Track machen. So macht man vor allem ja auch oft Features. Du kennst das ja wahrscheinlich, wenn die fünf Rapper da sitzen und sich gegenseitig fragen, wie weit sie schon sind.
Bustla: Und dann ruft einer "Erster!“ und geht an’s Mic.
Fatoni: Aber das ist ja eine ganz andere Herangehensweise. Auf unserem letzten Album ist ein Track mit Holundermann von Blumentopf drauf, wo wir die Strophen sehr abwechslungsmäßig rappen und da haben wir den Text tatsächlich auch zu dritt geschrieben. Das ist aber auch ein ganz anderer Song und da geht es nicht um Persönliches, wo man sich vorher eincatchen muss, wie man das im Schauspiel sagt.
rap.de: Seid ihr manchmal unzufrieden mit dem, was einer von euch Dreien macht?
Bustla: Ja, ständig und dann wird es halt auch weggeschmissen. Wir sind da im Umgang nicht gerade sanft miteinander. Wir finden nicht, dass das ein sozialer Fauxpas ist und man solche Sachen nicht machen kann. Wir sagen, ob wir es feiern oder eben nicht. Und entweder einer ist stark genug und sagt "Doch, genau so!“ und lenkt den Track in seine Richtung, oder halt meistens auch nicht.
Wir lassen auch vieles liegen, gerade bei so einer Albumproduktion bleibt viel übrig. Das ist wiederum auch dieses Zerbrechen-Ding: Jeder ist befugt dazu, Sachen wegzuschmeißen, sowohl von sich selber, als auch von anderen. Seien das einzelne Spuren, sei das ein Beat, sei das ein ganzer Arrangement-Teil, sei das ein Part, seien das einzelne Zeilen... Jeder darf jederzeit aus diesem Mosaik wieder etwas herausnehmen und ersetzen.
rap.de: Die Beats sind zuerst da?
Fatoni: Nee, das ist ja auch gerade bei dem Album Teil des organisierten Zerbrechens. Meistens sind Teile der Beats schon zuerst da, aber das läuft bei uns gar nicht so, wie bei ganz vielen anderen Rapkünstlern, dass einfach die Beats da sind und darauf geschrieben wird. Oft ist ein Grundgerüst von einem Beat da, dann wird darauf geschrieben und dann verändert Bustla noch einmal unglaublich viel daran. Manchmal so sehr, dass man den Text noch mal neu aufnehmen muss, weil schon wieder so viele neue Stimmungen drin sind, und vielleicht sogar noch mal am Text an sich was ändern muss. Es gab tatsächlich auch einen Track auf dem Album, der so entstanden ist, dass wir was aus einem Amirap-Song geloopt haben, darauf den Track gemacht haben, dann den Loop gelöscht haben und ihm auch nicht gesagt haben, was das war. Er hatte nur die Bpm-Zahl und ein Acapella und hat dann produziert.
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