|
rap.de: So wie ich dich jetzt interpretiere, heißt das, dass es diese "Authenz“-Diskussion...
Fatoni: Schönes Wort übrigens, danke dafür. Ich benutze es auch.
rap.de: (lacht) ...dass es die so für dich gar nicht gibt.
Bustla: Authenz. Entweder man lässt es halt weg, oder man will es gar nicht erzeugen, sondern es ist halt da und man braucht nicht darüber reden. Wenn jemand anderes sagt, dass er das und das toll findet, weil es authentisch ist, ist das ok. Aber wenn jemand sagt "Ich bin das und das und ich bin authentisch“ – der Satz allein stimmt nicht.
rap.de: Warum mich diese Image-Diskussion jetzt aber so ein bisschen interessiert: Ich habe mir euer Album durchgehört und es ist nicht wirklich greifbar. Es ist das Gegenteil von dem, was teilweise an Musik- und Image-Shaping betrieben wird. Dass da ein Image raus gegeben wird und dem muss man entsprechen. Euer Album ist ein Splitterberg und deshalb für manche auch nicht so...
Bustla: Hendrik zum Beispiel... Aber wir haben ja vorgewarnt, allein durch den Titel. Ich möchte dem Hendrik übrigens mein herzliches Beileid aussprechen, dass er das Album hören musste.
rap.de: Das ist übrigens so ein wahnsinniger Deutschrap-Titel. So was wie "Wortkommission“.
Fatoni: Wir haben uns ja erst mal gegen den Titel entschieden und dann wieder dafür. Das Lustige ist nämlich: Leute, die Deutschrap nicht kennen oder fast weg davon sind, würden nie sagen, dass das Deutschrap-mäßig klingt. Wir haben mindestens ab der Hälfte von der Produktion in Bahnen gedacht, die... Wir waren einfach komplett von dem Gedanken weg, dass das so ein Deutschrap-Wortspiel sein könnte. Als wir dann irgendwann die News raus gehauen haben wie das Album heißen wird, kamen dann doch hauptsächlich solche Reaktionen, weil das eben meistens Leute hören, die aus dem Deutschrap-Bereich kommen. Ich bin normalerweise eigentlich schon wer, der sich in diesem Kontext sehr bewegt und dann vielleicht bei anderen Leuten auf so was kommt, aber als wir bei der Namensfindung von dem Album waren, waren wir irgendwie weit weg von diesem ganzen Szeneding. Gedanklich auch einfach. Das ist jetzt aber keine Entschuldigung, der Titel ist dope!
rap.de: Hinter diesem Titel steckt dann ja auch ein richtiges Konzept. Das der Zersplitterung.
Bustla: Eigentlich schon, wobei uns das Konzept erst aufgefallen ist, nachdem wir es gemacht hatten. Wir haben erst das Album gemacht und dann festgestellt, dass der Titel eigentlich ein Überbegriff dafür ist, was wir darauf machen.
Fatoni: Wie Bustla auch so schön in einem anderen Interview gesagt hat: Das Konzept folgt dem Album, nicht das Album dem Konzept. So war es halt auch bei der Produktion. Wir haben noch nie irgendwas mit Konzept gemacht, die Platte ist in zwei Jahren entstanden und das ist einfach passiert.
Bustla: Das ist in der Zeit gewesen, in der wir viele Sachen gemacht haben. Egal ob jetzt Shows, Songs oder was auch immer. Vorher war das auch schon so, aber noch nicht so stark, dass man immer wieder Stücke von sich selbst nimmt und sich selbst samplet. Alles kaputt machen und wieder neu zusammen setzen, bis du irgendwann ein freakiges Mosaik hast. Das ist ganz von selbst gekommen. Ich habe mir nicht im Vorfeld oder bei der Zusammenstellung gedacht: Braucht das jetzt einen roten Faden? Will ich eine Soundästhetik? Will ich ein oder zwei Einflüsse aus anderen Musiken und den Rest nicht? Das ist mir alles viel zu bewusst, weil dann habe ich gar keinen Bock mehr, Musik zu machen.
Wenn ich mir vorher überlege, wie der Song klingen soll, dann wird er scheiße. Andere können das, ich kann das nicht und deswegen habe ich das nie berücksichtigt. Das kann man mir gerne vorwerfen und dann sage ich "Ja, aber dann gefällt dir das eben nicht“. Aber um mal zum Tracklisting zu kommen, das war ganz interessant. Da war für mich der rote Faden, dass man das erzählt, was zusammen gehört. Zur Mitte des Albums hin wird das wie so eine richtige Geschichte, in Epochen. Was ein Mensch zum Beispiel innerhalb eines halben oder ganzen Jahres erleben könnte.
|