|
München. Eine Stadt, die insbesondere bei Berlinern für abfälliges mit der Zunge schnalzen sorgt. Eine Stadt, die wie wohl keine andere in Deutschland für gutbetuchte Bussi-Gesellschaft und Studenten aus wohlhabendem Hause steht. Andererseits aber auch eine Stadt, aus der amüsanter, intelligenter Rap kommt und wir reden hier nicht von Blumentopf. Creme Fresh heißt die sympathische Crew, die für die Münchner Rap-Altmeister zwar schon mal als Toursupport fungierte, allerdings bereits mit ihrer beinahe Theater-haft wirkenden Bühnenshow klarstellte, dass man sich ihren Namen definitiv merken sollte. Nicht zuletzt sorgten sie auch mit ihren Auftritten bei der Feuer über Deutschland Reihe für reichlich Amusement in HipHop-Deutschland. Am 26. Februar erschien über das Independent Label Kopfhörer Recordings ihr mittlerweile drittes Studioalbum "Organisiertes Zerbrechen", an dem Keno, Fatoni und Bustla ganze zwei Jahre gearbeitet haben.
Was genau in dieser Zeit alles passiert ist und wie man sich die Zusammenarbeit zwischen den drei jungen Männern überhaupt vorzustellen hat, haben uns Fatoni und Bustla in einem ausführlichen Interview erläutert. Die Beiden wagten sich nämlich aus der Süd-Metropole in die Hauptstadt und haben sich neben dem Gespräch mit uns auch in dunklen Kellern Friedrichshainer Freestylecyphers herumgetrieben. Warum sie von genau dieser Art von Veranstaltung so begeistert sind, sich innerhalb der Musikszene alles wiederholt und die Diskrepanz zwischen Raptexten und wahrem Leben nicht fake, sondern sogar wichtig und gut ist? In dem gut einstündigen Gespräch wurden all diese Fragen geklärt.
Fatoni: Wir waren gestern im Lauschangriff. Bei dieser Freestyle-Cypher. Das war cool, ich hab da auch gerappt.
rap.de: Macht dir das richtig Spaß? Also ist das so der Flavour, den du magst?
Fatoni: Das ist schon geil manchmal. Vor allem so als Tourist in Berlin. Das letzte Mal, dass ich mich in München so gefühlt habe, ist schon echt fast acht, zehn Jahre her. Das ist wie so eine Zeitmaschine gewesen. Zurück in die 90er Jahre mäßig. Alle mit Rucksack im Kreis und so.
rap.de: Glaubt ihr, dass das wieder erstarken könnte? Du sagst, das ist Zeitreise und vielleicht ist es das ja auch, aber für manche von denen ist es ja total neu.
Bustla: Ich glaube nicht, dass das mit wieder erstarken zu tun hat, sondern dass das damit zu tun hat, dass wenn so eine Kultur sich so aufbläst und dann wieder platzt. Was ja der Unterschied ist zu den Neunzigern, ist das Niveau. Technisch sind wir natürlich ganz woanders alle, aber da bleibt dann halt so dieser steady Kern übrig oder die Leute, die halt wirklich wie früher Bock auf die Sache haben, richtig mit Ambition dabei sind und auch so ein bisschen Rap-Nerds sind. Da geht es dann nicht darum, wie man das jemandem vermittelt, der gar nicht rappt. Man bleibt da unter sich. Das ist schon geil.
Fatoni: Also, ich glaube schon, dass so etwas wieder leben wird. Aber was sicher nicht passieren wird, beziehungsweise was ich mir nicht vorstellen kann ist, dass Leute aus so einem Kreis, mit so einer Attitüde, irgendwie kommerziell erfolgreich werden. Ich glaube, dass da Huss und Hodn schon das Maximum ist. Aber das zeigt ja auch, dass die Leute so was wollen.
Bustla: Huss und Hodn haben halt ganz viele da abgeholt, wo sie stehen gelassen worden sind oder wo sie nicht erwartet haben, dass jetzt jemand mit der Untergrund-Attitüde kommt und trotzdem viele Leute damit erreicht.
rap.de: Aber bei dem einen Gedanken wollte ich noch so ein bisschen einhaken. Du meintest, es bläst sich auf und platzt und fällt dann quasi wieder auf den harten Kern zurück.
Bustla: Wobei wenn etwas platzt, dann gibt’s ja auch immer Teile, die fliegen ganz weit weg und machen dann etwas ganz anderes.
rap.de: Genau. Aber glaubst, du das schrumpft und bläst sich dann irgendwann wieder auf oder wird das vielleicht so etwas wie Punk. Das war ganz, ganz groß und dann platzt es und es bleibt dann zwar irgendwie so ein harter Kern übrig, aber es wird nie wieder so richtig groß.
Bustla: Ich glaube schon eher so. Allein schon, weil mit Punk das gleiche passiert ist. Und Punk war auch nicht das Erste, mit dem das passiert ist.
|