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Chimperator
Interview: staiger
Fotos: staiger
08.02.2010 Chimperator
"Wir sind wie Aggro 2003"

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rap.de: Ihr habt ja angefangen mit Tapes und Vinyls. Fällt es Dir schwer umzuswitchen? 

Basti:  Ich bin ’78er Jahrgang und hab selber noch Platten und Tapes gekauft, aber ich bin sehr internetaffin und habe zum Beispiel auch keine Anlage mehr zu Hause. Ich höre Musik über meinen iPod oder meinen Computer und so was habe ich schon immer sehr verfolgt.

Wie ist das Nutzerverhalten der Musikkonsumenten? Wie konsumieren die Musik, wo bekommen die ihre Musik her? Deshalb fällt mir das nicht schwer, dass diese Zeiten vorbei sind. 

rap.de: Fällt es dir als Musiker schwer, Tua?

Tua: Nee, mit Platten und Tapes hatte ich sowieso nichts mehr zu tun, dafür bin ich zu spät reingeschlittert. Für mich hat sich das mittlerweile auch irgendwie von selbst erübrigt. Früher dachte ich, mit Platten verdient man Geld und Punkt. Jetzt habe ich gemerkt, dass einem das schon so ein bisschen Kohle bringt, aber nicht längerfristig, sondern nur punktuell.

Auftritte sind so was schönes, weil man direkt Geld kriegt. Da kann man von leben.


rap.de: Jetzt bringst Du eine Platte raus, auf der zwei EPs sind, die es eigentlich als Free Download gab. Das ist doch ein Anachronismus, warum macht ihr das? Was ist das Konzept?

Basti: Die Downloads gibt es eigentlich gar nicht mehr, die findet man nicht mehr im Netz.

Tua: Man muss dazu sagen: "Stille“ ist eine Neuauflage von der 2008er EP "Inzwischen“, die über Deluxe Records "raus kam“. Das war nur eine 500er Auflage mit ganz wenig Promo und ich war nie zufrieden der Art der Veröffentlichung plus auf dem Ding sind noch ein paar neue Songs und dann hatte ich noch so eine Free Download EP gemacht, von der es wie gesagt den Link eigentlich nirgendwo mehr gibt. Die hieß "Fast“, auch so ein wahnsinnig toller Name. Dieses ganze Ding hab ich neu bearbeitet, teilweise noch mal neu gemischt, teilweise noch verbessert und das soll jetzt nachträglich noch klar aufzeigen, wie das Kapitel zwischen damals bei Royalbunker und Deluxe Records war.

rap.de: Also ist es quasi ein Prequel zu "Grau“?

Tua: Ja, genau. Tatsächlich war es aber so, dass ich vier Sachen von "Inzwischen“ erst nachdem ich "Grau“ fertig produziert hatte, gemacht habe.

rap.de: Zu dieser Zeit, nämlich zu der Zeit als Du zu den Orsons gestoßen bist, hätte ich noch ein Frage. Du bist da ja mit einer ganz anderen Attitude dazu gekommen und warst auch nicht ganz glücklich am Anfang mit diesem Schweine-Zirkus, oder?

Tua: Nee, furchtbar. Ich habe das am Anfang überhaupt nicht gefühlt, was die da machen wollten, aber ich mochte die anderen drei halt.

Entstanden ist das ganze Ding dadurch, dass KAAS und ich bei Maeckes und Plan B. auf dem Album gefeatured haben. Und dann kam es zu mehreren Zusammenarbeiten, wo wir dann gemerkt haben: "Hey, das sind keine Schwuchteln, die sind ja doch ganz in Ordnung!“ Und dann haben wir gesagt: "Cool, lass uns was starten!

Maeckes, Bartek und KAAS waren voll auf einer Wellenlänge, "Boah, geil, wir können machen, was wir wollen!“ Und ich war gerade mit "Grau“ fertig, habe tiefsinnige Texte geschrieben und ausgearbeitet und ausgefeilte Produktionen gemacht und dann meinten die: "Ey, lass mal dem whacksten Beat von dem und dem nehmen und den whacksten Text schreiben, über "Baden am Weiher“. Ich dachte nur: "Oh Gott!

Dann dachte ich mir aber, "Okay, lasse ich mich drauf ein, aber sag den Leuten auch, dass ich gar nicht feier, was ihr hier macht“. Und dadurch ist ja auch diese Haltung entstanden, dass ich auf jedem Track sage, dass ich scheiße finde, was die da machen, aber trotzdem ein Teil davon war. Erst im Nachhinein habe ich die Tragweite von dem Ganzen verstehen können.

rap.de: Hattest du das Gefühl, dass du damals eingeengt oder verspannt warst? Haben Dich die Orsosn befreit?

Tua: Die Orsons, das ist ein bisschen…Hmm, stell dir mal ein Zelt vor, das von vier Heringen im Boden gehalten wird. Es weht zwar im Wind hin und her und man kann damit machen was man will, aber es ist fest im Boden verankert, durch die Heringe, ah, das ist so ein schönes Bild für uns Rapper. Naja, es steht halt für vier Typen, die auf Solo-Pfaden dann doch wieder anspruchsvolles Zeug machen. Und so fühle ich mich als Teil der Orsons. Ich kann Dinge bei den Orsons machen, die ich als Solo-Künstler nicht machen wollen würde. Da gefällt es mir gut, innerhalb der Gruppe mal loslassen zu können.


rap.de: Auch Deine letzten Bühnen-Performances, wirkten auch viel lockerer als früher.

Tua: Gerade von Maeckes und Bartek habe total viel gelernt. Auch KAAS. Ich habe immer zu denen gesagt, "Ich finde euch beide Studio-mäßig nicht so geil!“ Aber ich fand schon, dass es geile Rapper waren, aber die Studio-Sachen, die sie vorher gemacht haben, waren mir nicht konsequent genug, nie stringent genug.

Aber wenn ich die Live gesehen habe, waren die auf einem ganz anderen Level, als ich und KAAS zu der Zeit. Die waren ja wie eine Person. So abgecheckt. Ich denke, die haben uns da viel beigebracht. Mir sogar mehr als KAAS, weil der ja auch so eine Rampensau ist, was ich ja nicht so sehr bin. Ich habe viel Lockerheit dadurch gewonnen und natürlich auch, weil wir in den letzten zwei Monaten soviel Auftritte gemacht haben.

Ich glaube aber andererseits, dass sie von KAAS und mir gelernt haben, wie man im Studio konsequent einen Sound kreiert. DA konnten WIR wiederum Fähigkeiten einbringen.

rap.de: Wie hat dir das zweite Orsons-Album gefallen?

Tua: Deutlich besser. Das ist ja auch diesmal ein richtiges Album. Es hätte größer sein können, wir hätten noch mehr feilen können, aber "Hätte, Würde, Könnte“, das war schon gut. Das erste Album war eher so ein Punk-Projekt, ein Statement und das zweite war ein Album, und darauf können wir aufbauen und das werden wir auch machen.

rap.de: Letzte Frage: Werdet ihr Deutschland abbrennen? (Grunzendes Gelächter)

Basti: Ja, auf jeden Fall. Ich finde, Chimperator ist jetzt gerade da, wo Aggro 2003 war. Uns kennen schon ein paar Leute und die merken, "Okay, da passiert was!“ Dieser Funken springt bald über und dann kommt unser "Mein Block“.

rap.de: Wer macht Euren "Mein Block“?

Basti: KAAS. Oder die Orsons!

rap.de: Und Tua ist dann der Bushido! Der, der keine Single-Hits hat, aber wahnsinnige Alben.
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Kommentare:
Biene   08.02.2010
"Ich finde, Chimperator ist jetzt gerade da, wo Aggro 2003 war." ACH SO.

DashX   09.02.2010
Gelungenes Interview. Bastis Rapperkarriere wusste ich z.B. nicht. Witzige Vorstellung^^ Und dieser Plan, nachdem ein Album fertig ist, ist auch sehr interessant. Tua hat auch mal vermieden in Lautschrift zu rülpsen.

Arkadac   09.02.2010
interessantes Interview. Die Chimperator Jungs machen schon ein guten Job. Eigentlich sind die und Selfmade ja die einzigsten die es noch gibt. Also von den Labels die nen paar mehr Leute kennen.

ich dachte...   09.02.2010
mag eure musik nicht aber menschlich kommt ihr korrekt rüber.

Wat? Wer bist du denn?   09.02.2010
@Arkadac du vergiesst den German Dream! @Staiger gutes Interview. Wusste nicht, dass Tua nicht so begeistert von den Orsons war, obwohl man das aus den beiden Alben schon n'bisschen heraushören konnte. Ich dachte da, dass er es ironisch meint.. aber naja.. die Orsons sind geil! Kollegah hat STil, German Dream sowieso..

Trinke Fanta - lebe Bunter   09.02.2010
KORREKTE LEUTE ;)

Orschel Hagen   09.02.2010
bringt mal wieder die alten kolschose pullis auf den markt, würden sich super verkaufen

Mustershiva   09.02.2010
Ja Mann. Das wär ne geile Idee, alte Chimperator-Sachen zu re-releasen. Würd sich sicher gut verkaufen :)

Marekmarkus   10.02.2010
Man kann ja doch nicht ernsthaft German Dream mit Chimperator & Selfmade auf eine Stufe stellen. Also bitte. GD kennen vielleicht ein raar Rap-Kids und selbst in der Szene lang nicht alle. Selfmade und vor allem Chimperator sind weit darüber raus bekannt, touren regelmäßig und charten. Mehr solche Hintergund-Interviews bitte.

www.still-hungry.de   10.02.2010
die ju7ngs leisten gute arbeit und sind immernoch am ball, dass in diese schweren zeiten, daumen hoch!!

kidcut   10.02.2010
nur hatte aggro zu der zeit schon längst tightere videos als ihr *lg*

schokke   11.02.2010
also selfmade ist chimperator meilenweit voraus. waren 3 oder 4 mal top 20. und gibt es laut wiki auch seit 2005.

dgfadg   11.02.2010
chimperator 2010 = aggro 2003....na da kann man sich ja jetzt schon darauf freuen, dass das label in 6 jahren zu macht!! dankööö

moin   11.02.2010
selgmade ist besser, chimpeartor kann man sich auch geben aber nix geht über entourage business! ;)

Haboul   15.02.2010
Gutes Interview. Gutes Label. Wenn nich das beste Indie in Brd. Selfmade ist zwar cool aber kommt da nicht ran. Die haben ja nur "Rap-Acts". Richtig Big werden die damit nie werden.

die KUh macht MUH   16.02.2010
CHIMPERATOR macht definitiv derzeit die beste Musik!!! Die Beats sind außergewöhnlich und die Tracks laden ein zum Lachen und Nachdenken ein!! Aber ich bin ehrlichgesagt vom "11-Jahre-Chimperator-Sampler" ein bisschen enttäuscht.. Dafür ist der 1.Track (INTRO) HAMMERGEIL geworden =) .. Tua ist einer der besten Rapper & Produzenten in Deutschland, Kaas ist das "Aushängeschild der Liebe", Maeckes ist extrem vielseitig und kreativ und Plan B. bringt mich dauernd zum Lachen mit sein Humorvollen Rap ;) Vasee & Kodimey haben mich auch positiv Überrascht.. ALSO ich wünsche dem Label weitere 11 Jahre und noch ne Menge ERFOLGE UND SCHÖNE ZEITEN ;) Chimperator macht die graue Welt bunter.. so eine Musik brauchen wir ;)

Gallus   21.02.2010
ich feier die schon seit dem Dayz of the Championz Album von maeck und plinch. Hatten immer coolen Newsletter, später dann Blogs und Homepage imma Top. Ganz früher hatten die eine mit so Affengehege. Auf jeden fall geiles Label mit den besten Acts im Moment..