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Chimperator
Interview: staiger
Fotos: staiger
08.02.2010 Chimperator
"Wir sind wie Aggro 2003"

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rap.de: Hast du den Eindruck, dass da auch viel Glück dabei ist, wenn man als Label erfolgreich ist?

Basti: Ja, ich glaube Glück ist immer dabei. Das ganze Geschäft ist halt nicht so berechenbar wie mit Schrauben zu handeln oder so. Es ist auf jeden Fall immer ein Risiko dabei und selbst wenn der Act super ist, wenn der alles kann, technisch perfekt ist, gut aussieht kann es auch sein, dass es nicht funktioniert. 

 

rap.de: Bist Du jetzt Chimperator oder gehören da noch andere dazu?

Basti: Nee, wir sind zu dritt. Mein Kumpel Niko, der macht die kaufmännische Leitung, alles was mit Steuern zu tun hat, er macht Vertrieb, den Shop und er guckt auf’s Geld.

Ich mach das Marketing, Künstlerentwicklung, wenn sie mich lassen, die Promo und den kreativen Bereich.

Und Steffen macht das Booking, das ganz Live-Geschäft. 

rap.de: Ist das eine Aufteilung, die Du für ein Label empfehlen würdest?

Basti: Ja, auf jeden Fall. Diese Konstellation gibt es jetzt auch erst seit zwei, drei Jahren und davor hab ich auch das Booking mitgemacht und das ist einfach nicht mein Ding und ich hatte wenig Zeit dafür.

Und auch gerade dieses Finanzielle ist überhaupt nicht mein Ding. Ich kann überhaupt nich mit Geld umgehen, das weiß ich und habe davon von Anfang an die Finger gelassen.

Ich glaube, dass es wichtig ist, dass man guckt, wer was kann und sich das so ein bisschen aufteilt.

rap.de: Würdest Du sagen, dass Euer Label erst vor zwei, drei Jahren so richtig an den Start gekommen ist? Oder ab wann ging’s wirklich los?

Basti: 2004 haben wir den Vertriebsvertrag unterschrieben mit Rough Trade und ab da konnten wir dann deutschlandweit releasen und haben auch direkt das erste Maeckes & Plan B Album veröffentlicht, was auch schon sehr gut war, fand ich.

Ich glaube, dass unsere Künstler immer so ein bisschen unterschätzt wurden. Das war auch gerade die Zeit, als es gerade richtig rund ging mit Aggro. Alles wurde sehr aggressiv und das waren wir halt nich und dazu war es noch witzig und wenn’s witzig ist, dann nimmt man das gleich eh nich so ernst und außerdem war die Zeit noch nich reif dafür.

Ich glaube aus unserer Sicht ging’s schon 2005 los. 

rap.de: Das heißt fünf Jahre Aufbauarbeit und dann ging’s erst richtig los. Das ist ja eigentlich schon beachtlich, weil viele Labels, die fünf Jahresklippe gar nicht erreichen. Was hat euch motiviert weiter zu machen?

Basti: Also es gab immer wieder Momente, wo wir kurz davor waren, zu sagen, wir lassen’s jetzt, es reicht. Wenn halt wieder kein Geld da war.

Ich hab das halt auch immer neben meinem Studium gemacht, konnte dann auch nicht wirklich viel jobben nebenher, hatte wenig Geld, hab halt nur Nudeln gegessen und Pfandflaschen weggebracht und so was.

Dann geht das so ein bisschen an die Substanz und ich hab auch überlegt, was mir das eigentlich gibt? Das weiß ich nich so richtig. 

rap.de: Muss man ein Getriebener sein, um das zu  machen? Muss man besessen sein?

Basti: Ich glaube ja. Auf jeden Fall. Man darf das nicht machen, um Geld zu verdienen.

rap.de: Stichwort Künstlerentwicklung, das interessiert mich dann doch. Machst Du da so Pläne für die einzelnen Künstler oder wie stellt man sich so einen Künstlerentwicklungsplan vor?

Basti: Bei den Orsons zum Beispiel war ich beim ersten Album nicht involviert in die Produktion, überhaupt nicht. Das wurde ja innerhalb von vier Tagen gemacht und dann haben sie gesagt: "So, hier ist das Album. Jetzt macht, damit was ihr für richtig haltet.“.

Ich hab das Album gehört und überlegt, was wir damit machen und wie wir das rausbringen können. Wer sind die Orsons? Was machen die? Ich habe anhand des Album dann den Pressetext geschrieben. Ich hab gesagt, ich möchte, dass die Orsons so und so gesehen werden, deswegen schreib ich den und den Pressetext, deswegen machen wir bunte Fotos, deswegen machen wir was mit Schweinen, wir machen Herzen, wir machen rosa.


Tua: Basti ist an allem schuld.

Basti: Wir machen alles, was die anderen NIE machen würden und provozieren damit, anstatt Hurensohn zu sagen.

Das schreib ich mir tatsächlich auf und mach mir einen Plan. Ich schreib mir Schlüsselwörter auf. Was sind die Orsons? Zehn Schlagwörter.

Ich schreib mir auf, welche Zielgruppe wir haben möchten oder was ich denke, was die Zielgruppe ist.

Ich schreib auf, wo wir diese Zielgruppe treffen, wie wir die ansprechen und schreib mir die Ziele auf, die wir promotechnisch erreichen wollen.

So einen Plan mache ich bei jedem Album und den Plan gehe ich durch, auch mit dem Vertrieb und sag dem Vertrieb, was das Album für uns ist, es kann ja sein, dass jemand was ganz anderes darin hört.

Das ist vor allem auch für die Band wichtig, weil sie der Hauptkommunikator nach außen ist und das natürlich auch alles verinnerlichen sollte und nach außen sprechen sollte und für mich als Promoter ist es auch wichtig, das immer vor mir zu  haben und mich auch immer darauf berufen zu können. 

rap.de: Wo hast du das Know How her, dass Du diesen Plan da so entwickelst? 

Basti: Ehrlich gesagt denke ich, dass das jeder so macht, oder nicht?

rap.de: Tua, wie findest Du das als Künstler? Hast Du diesen Plan dann auch mal zu Gesicht bekommen? 

Tua: Was ich im Vergleich zu allen anderen Labels, bei denen ich bisher war, sagen muss, ist, dass bei Chimperator eine ganz andere Kommunikation vorherrscht.

Da gehen wirklich an einem Tag 20 E-Mails hin und her. Das war schon beim ersten Orsons Album so. Wenn man eine Idee hatte, hat man die in den Mailpool geworfen und darauf wurde dann auch reagiert. Von jeder Seite kommen Ideen oder auch schon abgecheckte Sachen. 
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Kommentare:
Biene   08.02.2010
"Ich finde, Chimperator ist jetzt gerade da, wo Aggro 2003 war." ACH SO.

DashX   09.02.2010
Gelungenes Interview. Bastis Rapperkarriere wusste ich z.B. nicht. Witzige Vorstellung^^ Und dieser Plan, nachdem ein Album fertig ist, ist auch sehr interessant. Tua hat auch mal vermieden in Lautschrift zu rülpsen.

Arkadac   09.02.2010
interessantes Interview. Die Chimperator Jungs machen schon ein guten Job. Eigentlich sind die und Selfmade ja die einzigsten die es noch gibt. Also von den Labels die nen paar mehr Leute kennen.

ich dachte...   09.02.2010
mag eure musik nicht aber menschlich kommt ihr korrekt rüber.

Wat? Wer bist du denn?   09.02.2010
@Arkadac du vergiesst den German Dream! @Staiger gutes Interview. Wusste nicht, dass Tua nicht so begeistert von den Orsons war, obwohl man das aus den beiden Alben schon n'bisschen heraushören konnte. Ich dachte da, dass er es ironisch meint.. aber naja.. die Orsons sind geil! Kollegah hat STil, German Dream sowieso..

Trinke Fanta - lebe Bunter   09.02.2010
KORREKTE LEUTE ;)

Orschel Hagen   09.02.2010
bringt mal wieder die alten kolschose pullis auf den markt, würden sich super verkaufen

Mustershiva   09.02.2010
Ja Mann. Das wär ne geile Idee, alte Chimperator-Sachen zu re-releasen. Würd sich sicher gut verkaufen :)

Marekmarkus   10.02.2010
Man kann ja doch nicht ernsthaft German Dream mit Chimperator & Selfmade auf eine Stufe stellen. Also bitte. GD kennen vielleicht ein raar Rap-Kids und selbst in der Szene lang nicht alle. Selfmade und vor allem Chimperator sind weit darüber raus bekannt, touren regelmäßig und charten. Mehr solche Hintergund-Interviews bitte.

www.still-hungry.de   10.02.2010
die ju7ngs leisten gute arbeit und sind immernoch am ball, dass in diese schweren zeiten, daumen hoch!!

kidcut   10.02.2010
nur hatte aggro zu der zeit schon längst tightere videos als ihr *lg*

schokke   11.02.2010
also selfmade ist chimperator meilenweit voraus. waren 3 oder 4 mal top 20. und gibt es laut wiki auch seit 2005.

dgfadg   11.02.2010
chimperator 2010 = aggro 2003....na da kann man sich ja jetzt schon darauf freuen, dass das label in 6 jahren zu macht!! dankööö

moin   11.02.2010
selgmade ist besser, chimpeartor kann man sich auch geben aber nix geht über entourage business! ;)

Haboul   15.02.2010
Gutes Interview. Gutes Label. Wenn nich das beste Indie in Brd. Selfmade ist zwar cool aber kommt da nicht ran. Die haben ja nur "Rap-Acts". Richtig Big werden die damit nie werden.

die KUh macht MUH   16.02.2010
CHIMPERATOR macht definitiv derzeit die beste Musik!!! Die Beats sind außergewöhnlich und die Tracks laden ein zum Lachen und Nachdenken ein!! Aber ich bin ehrlichgesagt vom "11-Jahre-Chimperator-Sampler" ein bisschen enttäuscht.. Dafür ist der 1.Track (INTRO) HAMMERGEIL geworden =) .. Tua ist einer der besten Rapper & Produzenten in Deutschland, Kaas ist das "Aushängeschild der Liebe", Maeckes ist extrem vielseitig und kreativ und Plan B. bringt mich dauernd zum Lachen mit sein Humorvollen Rap ;) Vasee & Kodimey haben mich auch positiv Überrascht.. ALSO ich wünsche dem Label weitere 11 Jahre und noch ne Menge ERFOLGE UND SCHÖNE ZEITEN ;) Chimperator macht die graue Welt bunter.. so eine Musik brauchen wir ;)

Gallus   21.02.2010
ich feier die schon seit dem Dayz of the Championz Album von maeck und plinch. Hatten immer coolen Newsletter, später dann Blogs und Homepage imma Top. Ganz früher hatten die eine mit so Affengehege. Auf jeden fall geiles Label mit den besten Acts im Moment..