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rap.de: Aber Du hast doch da auch eine Meinung zu. Seid ihr da zum Beispiel mal in Verhandlung getreten, mit der Bundesprüfstelle, wegen so etwas wie einer Freiwilligen Selbstkontrolle und den entsprechenden Stickern?
Frauenarzt: Ich habe einfach nicht so den Nerv, mich auch noch damit zu beschäftigen. Wir sind den ganzen Tag auf Tour und arbeiten am neuen Album. Dann kommen die noch von der Seite und boxen dir in die Niere: "Hier Jungs, noch mal Strafe zahlen“.
rap.de Ist dieser Allround-Job jetzt eigentlich ein Schritt in Richtung Bürgerlichkeit? Wobei, es ist ja eigentlich nicht bürgerlich, was ihr gerade macht.
Manny Marc: Nee, überhaupt nicht. Wobei es ja die Bürger sind, die uns feiern.

rap.de: Wie findet ihr euer Publikum?
Manny Marc: Immer cooler. Das krasse ist ja, dass von den alten Fans alle dabei sind und neue kommen dazu und alle feiern es zusammen. Alle, egal woher sie kommen oder ob sie eine grüne Haut haben. Die haben Hirntot-Shirts an, die haben Atzen-Shirts, haben K.I.Z-Shirts an. Die kommen von überall her und feiern. Geil.
Frauenarzt: Man merkt auch, dass viele Leute zu den Konzerten kommen, die privat ganz andere Musik hören. Die ziehen sich da dann ein Kool Savas-Album rein oder was von MC Bogy und auf den Konzerten lassen die dann die Sau raus. Die können das halt trennen.
Ich sage mal so, dass ist wie in den 90ern. Da gab es N.W.A., mit der Gangsta-Schiene, dann gab es Ice Cube und Public Enemy, das war mehr politisch, und dann gab es auch wieder Digital Underground, Beastie Boys oder 2Live Crew, die eher was lustiges gemacht haben, und die haben sich alle respektiert.
In Deutschland war das halt mehr so eine Entwicklungssache, da gab es halt auch die Hamburger, die Stuttgarter und so was. Aber da kam dieser Party-HipHop-Ding immer nur klamaukig und blöd rüber, ganz komisch irgendwie. Es war nicht real. Und heute verschwimmt es wieder.
So ein komischer Hamburger Klamauk-Rapper hätte nie zusammen gepasst mit einem Berliner Gangsta-Rapper. Heute passt so was alles viel mehr zusammen. Heutzutage kann man als Party-Rapper auch mal mit einem Horror-Rapper featuren, oder mit dem Gangsta-Rapper.
rap.de: Du hast gerade gesagt, dass euer Tagesablauf sehr stressig ist. Ihr macht auch gerade Euer neues Album fertig, oder ist das schon fertig?
Manny Marc: Ja, zu 90 Prozent.
Frauenarzt: Es wird jetzt noch gemixt und gemastert, am Cover und an der Grafik wird noch rumgefeilt, so was halt. Es steht aber schon im Vorverkauf, die Leute können es schon vorbestellen bei Amazon.
Das wird ein ganz krasses Ding, das wird ja eine Dreier-CD. Wir waren das ganze letzte Jahr auf Tour, wir konnten uns gar nicht vorstellen, dass im Endeffekt soviel Musik zusammen gekommen ist. Wir haben überall Tracks gefunden.
Manny Marc: Am Ende waren es fast 160 Minuten

rap.de: Also war es wirklich Musik aus Spaß?
Frauenarzt: Ja! Wir haben uns da auch nicht hingesetzt und gesagt: "Ey, wir müssen jetzt ein Album machen und da anknüpfen!“. Wir haben uns richtig gefreut, wenn wir zwischenzeitlich mal in Berlin ins Studio gehen konnten und nicht "Es gibt kein Bier auf Hawaii“ performen mussten.
rap.de: Ist das Leben stressiger als früher?
Manny Marc: Auf jeden Fall! Im Moment ist es ein 24-Stunden-Job! Es gibt Vorteile und Nachteile! Manches macht Spaß, manches nicht.
rap.de: Was macht keinen Spaß?
Manny Marc: Die Fahrten. Wie mieten uns einen Wagen, kriegen dann echt so eine Bauarbeiter-Karre, wo hinten keine Heizung ist, wo alle frieren.
Und dann kommst du zur Location und da ist auch alles wieder cool, 1000 Leute. Aber die Fahrten sind echt das Schlimmste. Wenn du dann auch noch ein Kack-Hotel hast, dann hast du echt keinen Bock mehr! Und dann noch der Schnee, Baustellen, Stau.
rap.de: Es wird ja auch wieder Sommer. Und irgendwann seid Ihr dann nur noch auf Mallorca!
Frauenarzt: Ey, diese Mallorca-Geschichten waren auch sehr anstrengend! Also, die Parties sind schon echt geil, aber wenn du Mittwoch, Donnerstag, Freitag, Samstag aufgetreten bist und dann wachst du am Sonntag völlig verkatert und benebelt auf und denkst dir: "Scheiße, wir müssen ja gleich noch fliegen!“. Dann kommst du abends auf Mallorca an, wenn du Glück hast, kannst du noch eine Pizza essen gehen im Restaurant, ansonsten musst du nämlich zu Grill Maxe und dir eine Curry-Wurst reinziehen. Dann kannst du dich noch mal für eine Stunde hinlegen und dann musst du auch schon auf die Bühne. Dann, um 3 oder 4 Uhr ist die Show im Rio Palace.
Das Gute ist, dass ich total umswitchen kann, wenn ich auf die Bühne gehe. Dann bin ich voll gut drauf, dann überschwemmt mich richtig die Energie und ich bin voll dabei. Aber danach, wenn du von der Bühne gehst und du weißt, "Ey, ich muss um 12 Uhr aufstehen, weil dann der Flieger zurück nach Deutschland geht!“, dann bist du richtig im Eimer. Wenn dann der Wecker klingelt, denkst du dir echt: "Es kann nicht wahr sein!“
Im Flieger bist du völlig fertig und dann fällt dir ein, "Marc, wir müssen ja am Mittwoch schon wieder los!“
Manny Marc: Ja und einen Song müssen wir auch noch aufnehmen. Vielleicht schaffen wir ja einen!
Frauenarzt: Aber nicht vergessen. Am Dienstag müssen wir noch zum Finanzamt! (Gelächter)

rap.de: Ist das Endziel trotzdem eine Finca auf Mallorca?
Frauenarzt: Es gibt kein Endziel, ich habe für mich selber entschieden, dass ich das mein Leben lang durchziehe. Bis ich nicht mehr leb’!
rap.de: Wie dieser Jürgen Drews?
Manny Marc: Der ist jetzt 65! Und macht das trotzdem noch voller Energie, voller Power.
Frauenarzt: AC/DC! Mick Jagger!
Manny Marc: Udo Lindenberg.
Frauenarzt: Du siehst, wer Musik macht, weil er das liebt und bei den Leuten, die jetzt aufhören, Musik zu machen, weil es finanziell nicht mehr so gut läuft, kann man sich ja denken, warum die überhaupt Musik gemacht haben: Nicht aus Spaß.
Die könnten ja auch sagen: "Gut, ich verdien damit kein Geld mehr, ich mach jetzt nebenbei was anderes." Aber zu sagen, "Ich hör auf mit Musik, denn da gibt es nichts mehr zu holen“, dann bist du eben auch kein Musiker.
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