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rap.de: Aber ihr hattet Hass?
Frauenarzt: Ja, wir hatten Hass.
rap.de: Würdest Du im Nachhinein auch sagen, dass das Aufgrund von Neid oder Verbitterung war?
Frauenarzt: Ich glaube, das hatte was mit Unwissenheit zu tun. Du hast eine bestimmte Vorstellung davon, wie die Industrie läuft und wie das Geschäft läuft und denkst, dass alle nur gegen dich sind und dich unten halten wollen.
rap.de: Aber im Endeffekt merkt man, man braucht eigentlich nur einen guten Song, oder?
Frauenarzt: Oder so. Man ist immer nur selbst dafür verantwortlich, was man aus seinem Leben macht. Du kannst nicht andere dafür verantwortlich machen, wenn du selbst erfolglos bist. Da kannst du dann nicht kommen und rumheulen. Fuck you, Alter! Guck auf dich selbst und dann kannst du deinen Weg gehen.
Ich glaube, dazu muss man aber auch schon etwas älter sein und erst mal erwachsen werden. Ich meine, ist klar: Wenn du als 20-Jähriger irgendwie deinen HippediHop machst, fängst du leicht an, Leute zu hassen. Und wenn du dann noch darauf hörst, was andere so sagen, von wegen Sell-Out, blablabla – dann ist eben alles Kotze.

rap.de: Du warst aber auch mal ein starker Vertreter von Anti-Sellout.
Frauenarzt: Ich bin auch immer noch Anti-Sellout, aber die Sache ist, dass die Leute sich nicht damit beschäftigen, was Sellout ist und was nicht.
rap.de: Und was ist Sellout?
Frauenarzt: Sellout ist, wenn du irgendwas gegen deinen Willen machst und deinen Arsch verkaufst, nur um Erfolg zu haben.
Kommerzieller Erfolg ist ja nicht gleich Sellout. Du bist ja nicht Sellout, nur weil du Platten verkaufst oder einen Hit hast oder weil du ein paar Ausdrücke in deinen Songs weglässt, weil du einfach gerade keinen Bock drauf hast. Es war zum Beispiel nicht abzusehen, dass "Das Geht Ab“ ein Hit wird und wir diesen Erfolg mit Atzenmusik haben.
Wir wollten das ursprünglich ganz normal über Distributionz rausbringen, wie immer, und haben dann halt über Alexander Marcus den Kontakt zu Kontor gekriegt und beschlossen, das über dieses Techno Label raus zu bringen. Damit hatten wir bessere Vertriebsmöglichkeiten und außerdem haben wir gedacht: Mhm, immer nur Spaghetti-Essen jeden Tag? Lass doch mal was Neues machen.
Das Album hätten wir, wie wir es gemacht haben, aber genau so über Distributionz raus gebracht.
rap.de: Es war am Anfang ja auch nicht abzusehen, dass das wirtschaftlich überhaupt erfolgreich wird.
Frauenarzt: Absolut nicht! Aber wenn die Leute dann im Nachhinein kommen und sagen "Ihr habt euch verändert! Das ist kommerziell, blablabla“, dann ist das absoluter Schwachsinn. Natürlich, eine Veränderung ist da, aber...
Manny Marc: ... man entwickelt sich ja auch weiter. Man wird ein bisschen erwachsener und so weiter... Das ist doch bei allen so.

Frauenarzt: Aber deswegen ist man doch nicht gleich Sellout! Wenn wir jetzt auf einmal sagen würden, dass wir wirklich Schlagermusik machen dann ok. Aber "Das Geht Ab“ ist kein Schlagersong. Nur weil das plötzlich auf Mallorca Erfolg hat und die jungen Leute keine Lust mehr haben, zu Olaf Henning zu feiern, ist es doch kein Sellout. Deswegen ist es doch kein Schlager.
Natürlich ist es auch Pop-Musik. Wir machen Pop, wir machen Schlager, wir machen Techno, wir machen HipHop – das sagen wir ja auch die ganze Zeit. Wir mixen alles zusammen, wir machen das, worauf wir Bock haben.
Wir haben keine Lust, in irgendeine Schublade gesteckt zu werden. Wir sind jetzt in den Dance-Charts auf Platz Eins mit "Disco Pogo“ und dann ist es eben in dem Moment Dance Musik. Aber frag mal einen etablierten Techno-Musiker, ob das für ihn ein Techno-Lied ist.
rap.de. Man muss zu Deiner Ehrenrettung ja auch sagen, dass Du vor vier, fünf Jahren mit abgeschnittener Armee-Hose und Birkenstock Sandalen auf dem Splash aufgetreten bist. Da dachte auch: Ok, der Mann macht, was er will.
Frauenarzt: So sieht’s aus. So ist es immer noch. Wir machen einfach, worauf wir Bock haben.
rap.de: War HipHop zu eng?
Frauenarzt: Nee, wir sind HipHop im Herzen. Aber ich glaube, viele HipHopper verstehen HipHop falsch. HipHop ist open minded, du musst deinen Kopf öffnen für HipHop.
Wir waren Graffiti-Sprüher früher, wir sind BC, wir sind mit Breakern auf Jams gefahren... Wenn du es so siehst, waren wir richtige Backpacker. Aber wir haben auch Elektro-Schallplatten gesammelt und aufgelegt. Für uns ist HipHop nicht Redman und "Throw your hands up!“ und Joint im Mund.
Rapmusik ist nicht gleich HipHop. HipHop ist so ein Allround-Ding, eine Sache, die du in dir drin hast und fühlst. Rap ist eine Musikrichtung und wir machen Rap. Wir machen Techno-Rap, wir machen Atzen-Rap – wir rappen und dadurch sind wir schon ein Teil von HipHop. Da brauchen wir gar nicht drüber reden. DJ Bobo ist ja auch ein HipHopper.

rap.de: (lacht) Ja, ich weiß. Der war irgendwie Breaker oder so.
Manny Marc: Sprüher! Der hat richtig Wholecars gesprüht.
Frauenarzt: Ich habe kürzlich eine DVD von ihm gesehen, wo so alte Aufnahmen von ihm drauf waren. Da war er noch jugendlich und hat gebreakt.
Manny Marc: Richtig mit Trainingsanzug und Stirnband. Er macht das richtig gut! (lacht)
rap.de: Warum sind die Ausdrücke jetzt weg gefallen?
Manny Marc: Weil die Scheiße indiziert wird und man dann die Sachen nicht mehr performen kann. Das heißt, die Musik gibt es nicht mehr. So würde ich das knallhart sagen. Man kann die nicht mehr performen und keine Party mehr mit den Atzen machen.
Trotzdem ist es Eins zu Eins dieselbe Musik.
Frauenarzt: Du musst es so sehen: Auf mich wird schon alleine aufgrund meines Namens mehr geachtet und wenn wir jetzt zusammen Musik machen, dann ist das ja kein Frauenarzt Album. Dann ist es ein Manny Marc und Frauenarzt Projekt und kein Pornorap.
Wenn ich mit Mr. Long ein Album mache, dann ist das wieder was ganz anderes, aber das liegt jetzt auch schon ein paar Jährchen zurück.
Mr. Long macht mittlerweile eine Klamottenfirma oder sonst was, Orgi macht Imbiss Bronko und wir machen Atzenmusik. Jeder geht ja auch weiter und macht das, worauf er gerade Bock hat.
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