Der Pflanzenmensch, der Ranger Storm oder der Dorn im Fleische der Gesellschaft. Zwar ist das neue Werk von Meyah don sehr viel ruhiger und weniger radikal als die Vorgängeralben, nichtsdestotrotz ist der Berliner nach wie vor auf einem... sagen wir mal Pflanstrip hängen geblieben.
Mittlerweile als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der FU Dahlem engagiert, macht Meyah Don demnächst seine Doktorarbeit und redet mit uns über die Kommunikation mit Pflanzen, Rap als Hobby uns auch über, sehr viel Drogenerfahrung.
Eine interessante Zeitreise, die Carlos Castaneda durchaus gefallen hätte.
rap.de: In Deinem Track "Fragen Ans Ich“ hast Du gesagt, dass du gerne Schamane geworden wärst? War das wörtlich zu verstehen, so richtig mit Seelenreise und so?
Meyah Don: Ja, das war schon relativ ernst gemeint. Als ich jünger war, habe ich mich ziemlich intensiv damit beschäftigt und viel darüber gelesen und wir haben auch so Rituale durchgeführt. Ich wollte damals wirklich Stadtschamane werden und hätte ich einen Schamanen getroffen, der mir die Möglichkeit geboten und gesagt hätte: "
Du, mit Dir hatte ich ein Omen, Du bist mein neuer Schüler!“, ich hätte es gemacht!
Ich habe auch das bewusste Träumen erlebt und konnte mir da vorher auch nicht viel drunter vorstellen. Mir sind einfach viele Dinge passiert, die mich darin bestätigt haben, dass bei vielen Naturreligionen doch sehr viel Wahrheit drin steckt. Zum Beispiel bei der Beseeltheit der Natur, was ja von den Weltreligionen nicht so sehr rübergebracht wird.
rap.de: Aber geht es nicht bei allen Religionen nicht um dasselbe? Ziel ist doch immer der Ausbruch aus dem Ego-Tunnel und die Vereinigung mit dem großen Ganzen.
Meyah Don: Ja, und das finde ich ja besonders faszinierend, dass diese Rituale sich nicht nur auf Südamerika beschränken, sondern auch bei den Aborigines, im asiatischen Raum oder auch hier gefunden wurden. Die Schamanen nannte man hier halt Druiden, aber das Interessante war , dass sich da sehr viele Sachen entsprechen.
Meskalito, dieses Wesen, das sich angeblich im Peyotl-Kaktus aufhält, taucht in ganz vielen Naturreligionen auf, ohne dass diese unterschiedlichen Völker in Kontakt miteinander standen. Das hat mich immer sehr fasziniert und ich ziehe auch nach wie vor meinen Glauben aus diesen Sachen. Jedenfalls eher als aus dem christlichen Glauben.
Ich habe die Bibel zwar nie ganz gelesen, aber da stehen ja auch gute und interessante Sachen drin. Dieses Überirdische oder die Kraft, die da
Gott oder
Allah genannt wird, das hat mich schon immer fasziniert. Bei den Naturreligionen gibt es dafür ja keinen richtigen Namen, bei den Indianern Nordamerikas hieß es dann
Manitu, aber die hatten ja ganz viele andere Geister und Götter. Ich glaube ja auch an Geister. Ich glaube auch daran, dass ich mich mit Pflanzen unterhalten kann und die auch auf mich reagieren. Ich habe da auch schon Versuche gemacht.
Rap.de: Was waren das für Versuche?
Meyah Don: Ich hatte da so einen Gummibaum von meiner Oma. Meine Oma hat mir immer gesagt, dass man mit Pflanzen reden muss wie mit Kindern. Die hat mir auch gesagt, „Wenn Du eine Pflanze hast und Du willst, dass die schönere Triebe kriegt, dann musst Du immer am Stamm mit den Fingern entlang streicheln und der Pflanze sagen, dass sie die Kraft zum Wachsen hat. Naja, auf jeden Fall ist dieser Baum eigentlich immer nur nach oben gewachsen und bei dem habe ich dann auch diese Versuche gemacht und der hat dann Seitentriebe gekriegt. Innerhalb eines Monats.
Bei einem anderen Versuch habe ich Blätter von einer Pflanze genommen, frische Blätter, und habe die nebeneinander gelegt. Und bei dem einen Blatt habe ich dann meine Hand drüber gelegt und gesagt, "
Schön, wie grün du bist, bleib doch noch ein bisschen so!“ Und das Blatt, das ich nicht angesprochen habe, ist dann halt auch schneller welk geworden. Das sind so kleine Versuche, die man für sich machen kann.
Ich bin ja auch Wissenschaftler und natürlich zweifle ich das auch an. Ich habe den Versuch nicht hundertmal wiederholt und habe da auch keine reproduzierbaren Ergebnisse, aber so kleine Sachen habe ich immer wieder gemacht. Mir haben auch sehr viele Leute ihre kranken Zimmerpflanzen gegeben und ich habe auch nicht viel mehr gemacht, als die gegossen und mich mit denen unterhalten. Die haben dann überlebt.
Ich glaube da irgendwie dran. Das muss ja auch jeder für sich selber wissen, was er davon hält.