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Prinz Pi
Interview: staiger
Fotos: staiger
04.09.2009 Prinz Pi
"Ich hasse Urlaub"

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rap.de: Gab es denn deiner Meinung nach falsche Entscheidungen, die bei deinem letzten Release getroffen wurden?

Prinz Pi: Ja. Ich sag mal so, es gab auf jeden Fall falsche Entscheidungen, aber es gab auch falsche Einschätzungen. Ich hätte zum Beispiel nie gedacht, dass es für so viele Menschen wichtig ist, was da unten klein für ein Label steht, oder ob da halt nur ein kleines Urban Music Logo drauf ist. Dann gibt es auch andere Entscheidungen, wo man sagt, man hätte diesen einen Song nicht so prominent benutzen sollen, weil das Album dann nur an diesem Song festgemacht wird. Natürlich zerbricht man sich im Nachhinein den Kopf und fragt sich, warum man das so gemacht hat. Da kriegt man dann schon krasse Selbstzweifel. Ich glaube, die "normalen“ Hip Hop Fans fanden es vielleicht nicht so cool, weil sie vielleicht diese Affen Single gehört haben und dann dachten, das ganze Album wäre so wie diese Single. Ich glaube aber, dass viele andere Songs auf dem Album den Leuten gefallen hätten. Die Songs hatten aber gar keine Chance, weil die Leute nur diese Single im Kopf hatten und dachten, der Rest sei auch so und man müsse sich das eh nicht anhören. Natürlich zerbricht man sich im Nachhinein den Kopf und fragt sich: “Warum hat man das gemacht?“.

rap.de: Okay, aber was hat dich dazu bewogen, das "Neopunk“-Album so zu machen, wie du es gemacht hast?


Prinz Pi: Es war auf jeden Fall eine Veränderung, aber jetzt nicht um 180 Grad, weil nicht alle Songs so waren. Ich glaube, die Hälfte der Songs hätten auch auf dem "Donnerwetter!“-Album drauf sein können. Gerade so ein Track wie "Aschenbecher" ist ein klassischer HipHop-Track. Oder der "2030“-Song. Eigentlich waren ganz viele Tracks so und es gab nur ein paar Veränderungen. Das ist so, wie wenn du dir einen Anzug anziehst, nur für einen Tag. Und plötzlich sagen alle, dass du ein Banker und Bonze bist, dass du jetzt immer einen Anzug trägst.

rap.de: Nimmst du es den Leute eigentlich übel, dass sie so engstirnig sind?

Prinz Pi: Auf gar keinen Fall, das kannst du denen nicht übel nehmen. Es gibt so ein mathematisches Gleichnis, dass wenn ein Computer eine Schafherde betrachtet, in der hundert weiße Schafe sind und zwei schwarze Schafe sind, und der Computer sieht durch seinen Sensor diese zwei schwarzen Schafe, dass er dann daraus schließt, alle in der Herde wären schwarz. Und dieser Mechanismus setzt halt bei den Fans auch ein. Wenn ich jetzt irgendeine Single von irgendeiner Band höre und die Single geht in eine bestimmte Richtung, dann denke ich auch, "Okay, das Album wird auch so!“ und wenn es mir nicht gefällt, was die in dem Video anhaben, dann gefällt mir auch der Künstler in dem Augenblick nicht so.

rap.de: Was treibt dich an, weiter zu machen? Gab es für dich den Gedanken aufzuhören?

Prinz Pi: Nö. Für mich ist das kein Antrieb, wenn Leute meine Musik cool finden, ich mache das nicht aus dieser Motivation heraus. Ich höre auch nicht auf, Musik zu machen, nur weil niemand meine Musik mag. Wenn du anfängst Musik zu machen, dann mag ja auch niemand deine Musik, weil niemand sie kennt. Und du machst diese Musik ja trotzdem.

rap.de: Ja, weil man Anfang dieses "Ich-gegen-das-Establishment“-Gefühl hat. Man muss sich durchsetzen, sich durchbeißen.


Prinz Pi: Ja, aber dieses Gefühl kann man sich ja auch beibehalten und ich habe mir das Gefühl auch bewahrt. Ich mache diese Musik, weil ich sie so machen will. In mir ist etwas drin, dass mich dazu bringt, meine Musik so zu machen, wie ich sie mache. In dem neuen Album sind ja auch sehr viele Gefühle verpackt, sei es jetzt eine Depression, weil es nicht so gelaufen ist, wie ich es mir erhofft hatte, oder Beziehungsstreits oder Zukunftsängste, die ich habe. Gerade jetzt, wo ich eine Tochter habe, mache ich mir ja auch viel mehr Gedanken über die Zukunft. Und da habe ich mir mal ausgemalt, wie die Welt in 20 Jahren aussehen könnte. Das macht ja auch einen Künstler aus, dass er, in der Disziplin die er ausübt, sich Sachen von der Seele arbeitet und ob ihm dabei jetzt zwei, zwanzig oder zweitausend Leute zugucken, ist da völlig nebensächlich.

rap.de: Spürst du Häme oder hämische Kommentare? Oder, besser gesagt: Empfindest du das als Scheitern?


Prinz Pi: (kauend) Mhmhmja, in gewisser Art und Weise schon. Es ist halt nicht so aufgegangen, wie man sich das erhofft hätte. Aber auf der anderen Seite darf man nicht aufhören, wenn irgendwas nicht klappt. Ich mache schon so lange Musik und ich hatte bisher immer das Glück, dass ich meistens positive Reaktionen für meine Musik bekommen habe und auch von Leuten, die mit so einer Musik gar nichts zu tun haben. Wenn man sich mal so die Kommentare der Fans anguckt oder hört, was die auf Konzerten sagen, dann ist das meistens so was wie "Ich finde Rap eigentlich überhaupt nicht gut, aber deine Musik ist echt voll geil!“ Und wenn die Leute das nicht so geil finden, dann muss man halt auch damit leben. Man darf sich nicht vom Erfolg verwöhnen lassen. Man muss sich auch nicht entmutigen lassen. Wenn ich jetzt wollen würde, dass alles gut läuft und dass alle meine Musik mögen, dann würde ich was total Einfaches und Dummes machen, irgendwas, wo der gemeinsame Nenner so klein ist, dass es jeden trifft. Dann würde ich halt Popmusik machen.


rap.de: Wie bewertest du es im Nachhinein, dass es im HipHop immer wichtiger wurde, wie viel die Leute verkaufen?


Prinz Pi: So was ist für mich aber kein Qualitätsmerkmal. Die Zeitungen, die am meisten verkaufen und am dümmsten sind, wie zum Beispiel die BZ sind ja trotzdem im Vergleich mit einem eher auflageschwachen Blatt wie der FAZ die schlechteren Zeitungen. Und so ist bei der Musik auch. Wenn Musik komplizierter wird, dann wird sie halt von weniger Leuten verstanden. Man sagt ja auch, dass umso besser Jazz ist, ihn umso weniger Leute hören und verstehen.

rap.de: Ja gut, aber so was nimmt dann schnell überhand. Dann gefällt es nur noch dem Lieblingstrompeter meines Lieblingstrompeters. Musik für Fachleute.

Prinz Pi: Das stimmt schon.  Aber Verkaufszahlen, das ist doch was Wirtschaftliches,

rap.de: Ja, aber wie bewertest du das denn jetzt, dass die Verkaufszahlen in der HipHop-Szene so wahnsinnig wichtig wurden?

Prinz Pi: Das spiegelt doch nur unsere Gesellschaft. Die wird immer materialistischer und dadurch werden natürlich auch die HipHop-Heads immer materialistischer. Das sieht man doch schon daran, dass sie diese Äußerlichkeiten und Statussymbole pflegen. Dass man die und die Jeans an hat, oder das und das Cap oder Shirt. Das ist doch genauso bescheuert. Und wenn man einen Rapper danach bewertet, wie viel er verkauft, dann hat es doch nichts mit der Musik zu tun. Wenn der "Schnappi“-Song 200 Millionen mal heruntergeladen wird, dann ist es doch jetzt kein Gütesiegel, dass es gute Musik ist. Natürlich ist der Umkehrschluss auch nicht richtig, dass Musik nur dann gut ist, wenn sie wenig verkauft wird. Aber für mich sind das auch einfach zwei Variablen, die nichts miteinander zu tun haben. Es könnte ja sein, dass irgendwer ein komplett bescheuertes Album macht, aber durch irgendwas verkauft es sich total gut. Zum Beispiel, dass er ein bekannter Fußballspieler ist und die Leute kaufen das Album, obwohl es scheiße ist, weil sie den Typen mögen. Auf der anderen Seite kann ein wahnsinnig begnadeter Musiker ein Superalbum machen, aber dann verkauft er trotzdem wenig, weil er sich nicht ums Marketing kümmert, weil es ihn ankotzt.
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Kommentare:
333   04.09.2009
Gutes Album Pi, danke!

fischbroetchen   04.09.2009
gleich wenn ich von der Arbeit komme, ist das Album da... Yieeeeeeehhhaaa! Lass dich nicht so wegen Neopunk runterziehen, war auf jeden fall killer!

marcel   04.09.2009
ich bin echt gespannt, wann rap.de endlich mal die das-/dass-schreibweise lernt. armutszeugnis für eine so bekannte seite.

Biene   04.09.2009
Viel Liebe für Pi!Mir hat Neopunk ja gefallen

der bärenisraelist   04.09.2009
sehr gutes interview staiger, dieser krasse unterschied zwischen diesen beiden neuen interviews... man erkennt an der anzahl der kommentare schon das deutschrap für einen 23jährigen schon teilweise peinlich ist... danke staiger dass es wenigstens dich noch gibt, gerade in einer zeit wo rücktritt auf rücktritt folgt... hauste

Retrogott   04.09.2009
Tolles Interview und ein grandioses Album.

der Zeuge   04.09.2009
Endlich mal ein ganz normaler Mensch Danke!Kenne seine Musik nicht aber werde mal reinhören.

snooker   04.09.2009
der is in ordnung der junge

Pi4President   04.09.2009
TMHS 2 rockt einfach derbst. Pi bleibt Deutschlands Lyrikgott!!!!

General Neopunk   05.09.2009
is schon fleißig der junge. album ist ein meisterwerk. jetzt mal objektiv betrachtet. ich glaub das niemand in rapdeutschland einen song wie regenmacher chreiben könnt.

fresh-prince   05.09.2009
endlich mal wieder ein rapper und nicht so ein homopaar wie bushido und fler.

Neopunkt   05.09.2009
Korrigiert doch bitte mal die Rechtschreibfehler bevor ihr etwas veroeffentlicht. Ihr betont doch so oft euren moralischen Bildungsauftrag, dann kann man auch mal dafuer sorgen das die Rechtschreibung nicht voll den Bach runtergeht. Meiner Meinung nach sollte das Teil des journalistischen Anspruchs sein.

DaHanney   05.09.2009
Hat diesmal kein Bock mir das übers Internet zu holen und wollte es mir im Laden kaufen. Und das hatte ich nun davon, Saturn findet anscheind nicht nur Geiz geil sondern auch Verspättung eines Albumrealeses :D

....   05.09.2009
super album abgeliefert!

SDK   06.09.2009
Danke für das gute Interview!!

flora   07.09.2009
also ick fand dit jut hier neopunk und so

ganzargmitaugenroll   07.09.2009
Es gibt noch Hoffnung für deutschen Rap....

wahrheit   07.09.2009
das neopunk album sowie das neue album sind einfach der hammer....was für ein genie dieser pi. danke das du da bist und die sache klar machst. KAUFT euch das album leute!

doughboy   07.09.2009
neopunk war n gutes ding, erst seit neopunk feier ich Pi

fool   07.09.2009
es gibt upers -und es gibt downers

buddha   08.09.2009
vinyl veröffentlichung wäre schon nett gewesen... aber nettes interview.

Sp   08.09.2009
Sowohl Neopunk als auch TMHS 2. Beides großartige,nachdenkliche, gefühlvolle Alben.Wobei man zu Neopunk mehr abgehen kann :D

hans peter baxxter   08.09.2009
der is ja soo schlecht der typ sieht aus wie günther jauch und will Rapper sein oder wie??

phlipmode   08.09.2009
was ist das für ein gelaber über neopunk? dieses album war ebenfalls sehr fett. mal was anderes. eine mutprobe. nein^^, ich habs gefeiert. in ein paar jahren können pi und biz auch ruhig ein neopunk 2 machen. der grüne king kong oder back to congo^^...

LOL :-)   09.09.2009
da hat sich der "sneaker king" aber ganz schön gehen lassen LOL :-)

japsy malone   09.09.2009
haha staiger macht wie immer grausame fotos aber super interview!!!

RIBSBO   09.09.2009
Nach Fler und Eko der mit RiesenAbstand hässlichste aller Rapper! Ja ich weiss Aussehen ist wurscht nur die Mucke zählt aber ausser dem einen Lied von ihm damals (Ich reduzier mich auf das Minimum etc..) ist im kein einziger guter Hit mehr gelungen. Rest in Pi!

ganzargmitaugenroll   09.09.2009
Is völlig wurscht wie der aussieht, im Gegensatz zu manch anderen ach so gut aussehenden Rappern hat der ne Frau und ein Kind. Fler und Bubu z. B. nicht....

Th1rd-eye   10.09.2009
Das Album ist echt sehr geil

PrinzessinDelta   02.09.2010
Ich fand' Neopunk auch gut, auch ansonsten macht Pi wirklich die beste Musik!