Ein Rapper, dem von all jenen, die ihn kennen, eigentlich durchweg gute MC-Fähigkeiten zugestanden werden, der ganz nebenbei seit 12 Jahren produziert und noch nie durch irgendwelche Beef-Verstrickungen negativ auffiel? Und dann ist der auch noch beim Label des genau so erfolgreichen wie kontroversen Berliners Bushido unter Vertrag? Ja, den gibt es. Bizzy Montana, geboren in der Nähe von Freiburg, schickte vor einigen Jahren sein Demo an Ersguterjunge und wurde direkt für den kommenden Sampler verpflichtet. Glück, könnte man meinen, harte Arbeit, würde es der Künstler selbst wohl nennen. Wir haben uns mit dem Wahl-Berliner, dessen Streetalbum "Mukke Aus Der Unterschicht 3" am 24.07. erscheint, in der Küche des EGJ-Büros zusammen gesetzt und uns ausgiebigst unterhalten. Über selbstgebaute Computer in Kinderzimmern, die Camp-Entwicklung innerhalb der Deutschrap-Landschaft und starke Alkoholprobleme.

rap.de: Du bringst jetzt bald dein neues Street Album raus. Warum wieder ein Street Album und kein richtiges Album?
Bizzy Montana: Hm, bei dem ersten Streetalbum wusste ich eigentlich gar nicht, was ich mache. Da habe ich noch zu Hause gewohnt und einfach irgendwelche Songs mit ein paar Kumpels zusammen aufgenommen. Das habe ich dann abgegeben und das kam dann als erstes Streetalbum raus. Ich habe mich einfach noch nicht danach gefühlt, ein Album aufzunehmen. Dann bin ich nach Berlin gezogen, habe wieder Songs aufgenommen und weil die von der Thematik her dasselbe waren, habe ich dann eben "
Mukke Aus Der Unterschicht 2“ gemacht. Da habe ich nicht großartig darüber nachgedacht, das kam einfach raus und ist gut gelaufen. Jetzt beim dritten Teil wollte ich das einfach abschließen, nur zwei Teile sind ja bescheuert. Außerdem muss ich mich meinen Fans und meinen Noch-Nicht-Fans noch ein bisschen vorstellen. Es bringt mir nichts, jetzt ein Album raus zu bringen, wenn ich sehe, dass ich noch nicht so viele Leute erreiche, deswegen auch der dritte Teil. Ich habe mir einfach gesagt: “
Komm, jetzt schließt du mit dieser Geschichte ab und dann kannst du dich auf ein Album konzentrieren.“ Streetalbum, Mixtape, Album, das ist doch im Endeffekt sowieso alles das gleiche. Schlußendlich steckt in einem Streetalbum halt nicht so viel Promo drin, das Budget ist viel kleiner. Ich habe im Endeffekt alles für mich selbst gemacht, ohne mir jetzt großen Stress zu machen, wie ich in die Charts einsteige und wie das ankommt. Ich habe mich im Kopf einfach noch nicht so weit gesehen, dass ich wirklich da oben mitspielen kann. Deswegen mache ich auch drei Streetalben, denn so kann ich sagen, dass ich drei Teile erfolgreich abgeschlossen habe und jetzt auch ein Album machen kann.
rap.de: Ist “Mukke Aus Der Unterschicht“ so ein bisschen das Mantra deiner bisherigen Karriere gewesen?
Bizzy Montana: Was heißt Mantra?
rap.de: Wenn du deine Karriere zusammenfassen müsstest, könntest du sie dann auf diesen einzigen Satz reduzieren? Es muss ja einen Grund dafür geben, dass du deine Trilogie beziehungsweise dein erstes Streetalbum so genannt hast.
Bizzy Montana: Das waren halt private Geschichten. Unterschicht habe ich das genannt, weil mein Leben sich eben in diese Unterschicht entwickelt hat. Ich hatte eine super Kindheit, alles super, aber privat ist dann zwischen meinen Eltern und mir viel passiert, so dass wir in eine andere Schicht abgerutscht sind. Ich habe dann angefangen zu saufen, dann kam viel mit Drogen, dies und das, meine Freunde, alles was ich um mich herum gesehen habe, war eben Unterschicht. Das war für mich dieser Aufhänger, deswegen "
Mukke aus der Unterschicht“. Das hat mich die ganze Zeit begleitet, also warum sollte ich mir einen anderen Namen überlegen? Wahrscheinlich kann man also schon sagen, dass das mein Mantra ist, auch wenn ich das Wort noch nicht kenne.
rap.de: Was macht die Unterschicht zur Unterschicht?
Bizzy Montana: Pffh. Was macht die Unterschicht zur Unterschicht? Unterschicht ist doch ein ganz normales Wort, das weiß man doch. Eins unter der Mittelschicht.
rap.de: Du sagtest ja gerade, du hättest eine ganz normale Kindheit gehabt...
Bizzy Montana: Ja, ja, meine Kindheit war super, aber dann ist mit meinem Vater seiner Firma viel passiert, das ist alles den Bach runter gegangen. Wir hatten einen Riesenberg mit Schulden und sind aus unserem Haus in eine kleine Wohnung. Es gab ständig Gerichtsverhandlungen mit meinem Vater wegen den Schulden, wo ich jetzt gar nicht so krass drauf eingehen will. Mein ganzes Umfeld war einfach fern ab von Geld haben. Dieses Rumhängen, Hartz IV Fernsehen schauen, “
We are Family“, “
Mitten im Leben“, das ist für mich einfach Unterschicht. Talkshow Flavour. Natürlich macht man das immer an Geld, beziehungsweise an materiellen Dingen fest, dieses Asoziale. Wenn man Leute auf der Straße abhängen sieht. Ich muss das jetzt erklären, ohne in diese Straßen/Ghettogeschichte abzudriften. Das ist einfach mein Lifestyle. Mein Kiosk Lifestyle. Mit Bierdosen irgendwo rumzuhängen bis spät in die Nacht und halt einfach asozial zu sein.
rap.de: Hat sich dein Leben denn davon weg entwickelt oder bist du immer noch der Mann, der mit der Bierflasche in der Hand am Kiosk steht?
Bizzy Montana: Ja klar. Wenn ich sage asozial, dann sehe ich das ja nicht als schlimm an oder möchte mich selbst als leidende Person darstellen. Ich finde das ja cool, ich finde ja alles geil wie es ist. Aber ich kann halt einfach nicht sagen, dass es mir den ganzen Tag gut geht. Ich bin zufrieden mit dem was ich habe. Irgendwann gibt es dann halt wieder Tage, an denen ich gar keine Kohle habe, wo ich nichts habe und wirklich abgebrannt bin. An solchen Tagen kommen dann wieder diese Abturns und alles ist ekelhaft. Aber ich bin zufrieden damit, wie ich lebe. Alles easy.