Berlin im Jahre 2009. Die Entsolidarisierung der Gesellschaft schreitet voran und Finanzsenatoren schreiben ALG II Empfängern vor, wie man sich von 2 Euro am Tag gesund ernähren kann. Das ist super und gilt als existenzielle Grenzerfahrung, wenn man das mal einen Monat durchhält. Aber ein Leben lang?
Icke & Er, das Fantasieduo aus Berlin-Spandau sind selbst vielleicht gar nicht davon betroffen, aber man muss auch nicht jede Suppe selbst auslöffeln, um zu wissen, dass Spülwasser scheiße schmeckt. Aus diesem Grund organisieren die beiden am 19.07.2009, in der Zitadelle Spandau eine Benefizgala, deren Einnahmen der Berliner Tafel zugute kommen, einer Organisation, die stadtweit Essen einsammelt und dieses dann wiederum an Bedürftige verteilt. Und das sind mehr als man denkt.
Für uns dann ebenfalls ein Grund, mit Icke & Er ein Interview zu führen. Übrigens das erste Live Interview, seit 1992, weswegen wir uns dann doch ein bisschen cool fühlen.
rap.de: Wir haben heute eine Premiere. Das erste Liveinterview mit Icke und Er. Wie kommt es, dass ihr jetzt langsam aufbrecht? Es war ja neulich schon eine große Pressekonferenz mit großen Pressevertretern. War ja bislang immer so ein kleines Versteckspiel mit Video und Interviews, man musste die Fragen zu euch schicken und dann habt ihr geantwortet. Wie kommt die neue Offenheit?
Icke: Wir haben unsere Karriere beendet, weißt du ja selber. Danach hat sich ja auch deine Plattenfirma verabschiedet, als wir nicht mehr da waren. Wir waren ja, sag ich mal, das Zugpferd des Labels. Wir hatten ja nie wirklich Bock auf Interviews und Journalisten kennen lernen. Aber dich kennen wir ja schon und außerdem geht es um die Sache. "
Ein Hartz für Berlin“. Und dafür spalten wir unsere Prinzipien auf, damit das maximal gut wird.
rap.de: Okay, um was geht es bei "Ein Hartz für Berlin“?
Icke: "
Ein Hartz für Berlin“ ist eine große Spendenkonzertgala, die wir zusammen mit unserem alten Nachbarn
Bela B. ins Leben gerufen haben. Wir haben uns gedacht, dass die Welt zu retten schön und gut ist, aber wir fangen erst mal mit Berlin an. Hier gibt es ja auch genug zu retten. Dann haben wir uns überlegt, was wir machen und haben dann einfach mal die Leute, die wir bereits kennen gelernt haben in unserer kurzen Karriere, kontaktiert. Wir sind ja jetzt auch noch nicht so lange dabei, sind auch keine richtigen Stars geworden, aber wir haben so richtige Stars kennen gelernt. Unter anderem
Bela B. oder
sido oder
K.I.Z. Anfang des Jahres hatten wir die Idee und dann haben wir die alle angerufen, haben gesagt "
Wir wollen ein Konzert machen, also alle hinkommen und umsonst spielen und am Ende gibt es ordentlich Kohle für einen guten Zweck.“ Zum Beispiel jetzt für die
Berliner Tafel. Das ist
"Ein Hartz für Berlin“.
rap.de: Die Veranstaltung? Oder soll das eine Bewegung werden? Heutzutage gründet man ja nicht nur Labels, sondern man gründet Bewegungen.
Icke: Bewegung wäre schön, aber das kann man nicht vorher wissen. Wir fangen jetzt an mit einer Veranstaltung, die, sag ich mal, magisch sein wird. Ohne jetzt zu viel zu verraten. Aber es wird sehr magisch werden, weil da Sachen passieren, die sonst noch nirgendwo passiert sind.
rap.de: Was könnte das sein? Weil magisch ist ja auch sehr schwammig.
Icke: Magisch ist schwammig, wenn man nicht sehr fantasiebegabt ist. Wie du beispielsweise oder auch andere. Aber für dich und auch alle anderen werde ich es versuchen zu erklären: Es geht darum:
Peter Fox,
Michael Hirte,
K.I.Z.,
sido,
Bela B., The Schreck Pistols und noch ein paar geheime Acts. Die haben ja irgendwie alle schon mal zusammen Musik gemacht, aber das noch nie irgendwo aufgeführt. Dies so als kleiner Hinweis…
rap.de: Also wird eine richtige Jamsession von allen die mitmachen angestrebt. Und eine Hymne entsteht: "Heal The World“.
Icke: Ja, "
Heal The World“ jetzt gerade aus gegebenem Anlass nicht. Aber wir haben die Idee einer großen Hymne, wo auch gerne gepfiffen werden darf. (pfeift "
Wind Of Change“) Ich will nicht zu viel verraten.
rap.de: Es war ein Kommentar auf rap.de zu lesen, in dem stand, dass solche Veranstaltungen das Feigenblatt des Kapitalismus seien. Also quasi Entsolidarisierung der Gesellschaft, das Kapital wandert ab, die großen kümmern sich nicht mehr, Hartz IV wird ausgezahlt. Könnt ihr diese Kritik nachvollziehen, dass solche Veranstaltungen zwar versuchen, die Symptome zu lindern, aber die Ursache nicht?
Icke: Absolut, absolut. Das ist eine Kritik, die wir verstehen und die äußern wir teilweise auch selber. Wir hatten um ganz ehrlich zu sein im Januar noch die Idee, Großkonzerne mit einzubinden. So dass wir sagen "
Tachchen Herr Volkswagen, wir machen da was, gib doch mal 50.000€ rüber.“ Das ist ja nicht so viel für Herr Volkswagen oder Herr Porsche. Wobei, für Herr Porsche ist glaube ich jede Mark grade zu viel. Aber vom Prinzip her hatten wir schon die Idee, Großkonzerne mit einzubinden. Aber das hat überhaupt nicht funktioniert. Die wollten nicht. Die haben zwar gesagt, die könnten nicht, aber die wollen nicht. Dann haben wir uns gedacht "
Okay, vergiss die Konzerne, wir machen das von uns aus, von unten aus. “ Deswegen ist es jetzt so, dass jeder, der für 28 Euro eine Karte zuzüglich Vorverkaufsgebühr erwirbt, zum Hauptsponsor der Veranstaltung wird. Der wird dann auch eine Urkunde oder einen Button oder sowas bekommen und wie gesagt, wir wollen nichts kaschieren, wir wollen Spaß haben. Diese Veranstaltung ist nämlich in zwei Teile geteilt. Das ist einmal der Spaß-Teil, die Veranstaltung an sich, in dem ein Jahrmarkt der guten Laune vorherrschen wird.