Auch wenn Worte wie Vorreiter oder Pionier mittlerweile so oft verwendet werden, dass sie eigentlich keinerlei Bedeutung mehr haben, treffen sie auf diesen Mann irgendwie beide zu. Mr. Mixx war Mitte der 80er mitverantwortlich für einen der aller ersten waschechten Rapskandale, nämlich die 2 Live Crew. Das Kollektiv aus Miami zeigte sich damals verantwortlich für schockierte Eltern rund um den Globus, Auftrittsverbote und Indizierungen en masse. Doch nicht nur die heute fast harmlos wirkenden Reime über weibliche Rundungen haben bleibenden Eindruck hinterlassen, sondern auch der treibende Miami Bass Sound, der angesichts aktueller 808 Gewitter auf Tanzflächen weltweit seine Renaissance erfährt. Eigentlich wollten wir mit einem der Mitbegründer dieses Sounds ausschließlich übers Feiern, Bass und große Hintern sprechen, herausgekommen ist ein Gespräch über Politik, Hip Hop, den Unterschied zwischen Europa und den USA und natürlich: große Hintern.

rap.de: Als erstes muss ich dir sagen, dass du meine Kindheit zerstört hast. Schon als fünjähriger habe ich heimlich die 2 Live Crew Platten meines Bruders gehört.
Mr. Mixx: Also hat dein Bruder deine Kindheit verdorben, nicht ich. (lacht)
rap.de: (lacht) Was ich eigentlich fragen wollte ist, ob du jemals gedacht hättest, dass du mit der Musik bis in die Wohnzimmer einer kleinen Vorstadt-Familie aus Deutschland kommst?
Mr. Mixx: Nein, denn eigentlich sollten es nur lustige Songs für das ältere Publikum werden. Das war eigentlich so die Intention, aber die Partyvibes und das Glücksgefühl, das unsere Lieder transportieren, machte es einfach für alle möglichen Hörer attraktiv. Als wir das erste Album herausgebracht haben, hatten wir keine Warnhinweise auf dem Cover oder so was in der Art, wir haben wirklich nicht gedacht, dass das auch jüngere Leute hören werden.
rap.de: Du bist ja einer der Erfinder des 808-Sounds, des Miami-Bass-Sound oder wie auch immer du es nennen möchtest. Damit hast du viele der heutigen Clubsachen wie Crunk oder Hyphy, Baltimore, und diese ganzen Electro-Sachen beeinflußt. Macht dich das stolz oder fühlst du dich ein wenig vergessen?
Mr. Mixx: Das ist so ein Fifty-Fifty Ding. Die Leute wissen, dass der Sound aus Miami kommt, aus Florida, aber sie wissen eben nicht, von wem er wirklich kommt. Sie kennen das Zugpferd der Sache nicht. Sie kennen unsere Platten und wissen, über welches Label es gelaufen ist, aber sie kennen die Person dahinter nicht. Das ist der einzige Aspekt bei dem ich mich unter Wert verkauft fühle. Ich war der Typ und ich bin sehr stolz darauf. Ich wusste bereits 1983, welches Potential in diesem 808 Sound steckt. Ich wusste, dass dieser Sound um die Welt gehen und sich bis heute halten und weiterentwickeln würde.
rap.de: Magst du die 808 Sachen von Kanye West??
Mr. Mixx: Kanye West ist für mich ein C-Klassen Produzent. Das Zeug was er macht ist cool und ich gebe ihm Probs für “
Jesus Walks“, weil ich die Dynamics in dem Sounds mag. Doch der Rest? Er ist wie
Pete Rock, er genießt einfach nur hohes Ansehen. Er ist nicht anders als
Premiere oder
Pete Rock oder die anderen HipHop Leute. (lacht)
rap.de: Okay, lass uns über das Album reden. Es heißt “The Money and the Booty“. Wenn du dich entscheiden müsstest, was würdest du wählen?
Mr. Mixx: Das geht Hand in Hand. Das eine geht nicht ohne das andere. (lacht)
rap.de: Und auf einer einsamen Insel?
Mr. Mixx: Na die Ärsche. Geld kannst du doch nicht ficken. (alle lachen)
rap.de: Wieso gibt es eine spezielle deutsche Version deines neuen Albums?
Mr. Mixx: Als Hip Hop in den Staaten in die Charts kam, wusste ich, wohin das führen würde. Das sich eines Tages alles nur noch um den Mainstream drehen wird und der ist im Moment
Souljah Boy und sein
Walt Disney Rapstuff. Das ist einfach das, wovon sie glauben, dass es sich am meisten verkaufen kann. Aber du kannst
Souljah Boy nicht mit
Common oder
Young Jeezy vergleichen. Oder
Kanye West. (lacht) Also bin ich nach Deutschland gegangen, um mich mit meinen Sound an Künstler zu wenden, die bereits hier in Deutschland einen Status im Business haben, sodass ich einfach nur noch einsteigen muss. Ich musste nicht hoffen, dass die Leute mir Aufmerksamkeit schenken, sondern wusste, dass die Sachen bemerkt werden. Eben durch die Personen, mit denen ich arbeite. Und außerdem wollte ich mir musikalisch eine Heimat in Europa schaffen und dachte, Deutschland wäre der perfekte Ort dafür.
rap.de: Hast du noch andere spezielle Länder-Editionen geplant?
Mr. Mixx: Nein. Wir haben auch ein paar Franzosen getroffen, die den Electro Miami-Bass Sound feiern. Wenn die Leute mit mir zusammen arbeiten wollen, warum nicht? Ich verstehe nur leider die Sprache nicht. Die Zusammenarbeit mit
Michelmann kam auch einfach über MySpace zustande. Er hat mir einfach geschrieben.
rap.de: Das wäre dann auch meine nächste Frage gewesen...
Mr. Mixx: (lacht) Ja,
Michelmann hat das ja alles ins Rollen gebracht, weil er den Kontakt zu den anderen Künstlern wie
Frauenarzt,
Manny Marc,
Eko Fresh und
DJ Tomekk hat. Er hat mich einfach angeschrieben und gesagt, dass er meine Musik mag und im Gegenzug dazu hab ich ihn gefragt, ob er mir zu ein paar DJ Gigs in Deutschland verhelfen kann. Das hat dann auch geklappt, bis es Probleme mit verschiedenen Promotern gab und sich
Michelmann daraufhin entschloss, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Ich hatte das Konzept ein paar meiner alten und ein paar meiner neuen Sachen auf den Markt zu bringen und er hat sich um die nötigen Lizenzen gekümmert.
rap.de: Du hast ja auch eine kleine Deutsch-Lektion auf der Platte.
Mr. Mixx: Oh yeah. Weißt du, die Amerikaner sind im Glauben, dass sie die einzigen sind, die das Leben, also besonders das Streetlife, kennen. Und der Grund dafür ist simpel: Sie sind ignorant und reisen nicht. Sie wissen nicht, dass es überall auf der Welt Streetpeople gibt, es gibt überall krasse Menschen. Aber wenn du auf deiner Insel beziehungsweise deinem Kontinent sitzt und die einzigen Länder, die du außerhalb der USA kennst, Kanada und Mexico sind, kannst du eben nichts über die Engländer, die Franzosen oder eben die Deutschen erzählen. Wenn Deutsche in die USA kommen, glauben die Leute da, dass die die dummen wären oder so. Dabei sind die schlauer als die, denn sie können drei Sprachen sprechen. Das alles nur, weil sie nicht aus einem Land kommen, was als krass gilt. Aber das ist quatsch, denn krasse Orte gibt es überall auf der Welt. Äh, kannst du mir die Frage noch mal stellen?
rap.de: Ich war mit der Frage noch nicht wirklich fertig...
Mr. Mixx: Oh.
rap.de: Ich wollte dich eigentlich fragen, ob du dir vorstellen könntest, nach Deutschland zu ziehen.
Mr. Mixx: Es gibt viele Dinge, die mir an Deutschland gefallen, aber genauso gibt es auch eine menge Sachen, die mir in den Staaten gefallen. Also bleib ich lieber Globetrotter. Was ich hier wirklich mag, ist der Flavour der Leute und die Atmosphäre. Auch im musikalischen Bereich. Hier ist immer Beef und Competiton im Business. Was die Frauen angeht, habe ich mitbekommen, das einfach überall außerhalb der Staaten der Respekt gegenüber den Männern ein bisschen stärker ist. Das ist schon ein leichter Unterschied.