Bei den Schreibern hingegen ist mittlerweile etwas Ruhe eingekehrt. "Die Texte sind sich alle ziemlich ähnlich“, sagt Bacapon, während er nachdenklich den Blick über die Jugendlichen schweifen lässt. "Die wünschen sich alle eine glückliche Familie und Geld.“ – die Dinge also, die ihnen im Alltag zumeist verwehrt bleiben. In der Arche bekommen sie aber zumindest Aufmerksamkeit, jemand interessiert sich für ihre Probleme. Insbesondere mit Rap lassen sich sozial benachteiligte und schwierige Kinder gut erreichen, meint Colos. Gerade das Verpacken eigener Probleme in Songtexte könne eine selbst therapierende Wirkung haben, die Dinge aufzuschreiben falle vielen leichter, als sie auszusprechen. Nach gut eineinhalb Stunden Vorbereitungszeit haben die Engagiertesten nun die Möglichkeit, ihre Texte den restlichen Jugendlichen vorzutragen. Wenig überraschend folgen nur vier Jungen der Aufforderung, den wenigen Mädchen war schon während der Ausarbeitungs-Phase die Motivation ausgegangen. Direkt der erste Akteur, mit eingezogenen Schultern und unsicherem Lächeln, sich mehr auf der Bühne versteckend als stehend, schafft es, zumindest die erwachsenen Zuschauer im Innersten zu treffen. In einem poetisch wie raptechnisch simplen Vortragsweise, erzählt er vom Tod seiner Mutter und schließt mit dem Satz "Ihre letzten Worte waren 'Mach dir keine Sorgen!’“ Applaus brandet auf und in der nachfolgenden Stille scheint niemand so wirklich zu wissen, was nun zu sagen ist. Als der nächste Nachwuchs-Rapper das Mikrofon ergreift und darüber spricht, seinen Weg von unten nach oben zu schaffen und dabei trotzdem hart und true to the Street zu bleiben ("Gehe durch die Straßen und das auch in der Nacht – YO!“), scheinen die Verantwortlichen erleichtert aufzuatmen.
Während draußen die Graffiti-Sprüher in spe unter der fachkundigen Anleitung von Ben mittlerweile mit richtigen Dosen hantieren dürfen, ist auch Sleepwalker wieder aufgetaucht. Immer noch in höchstem Maße erregt, was einem mitgereisten Presseverantwortlichen langsam etwas unangenehm zu werden scheint. "Ich will nicht zusammen mit der Tanzgruppe in einem Raum sitzen! Ich komme extra 300 Kilometer hierher gefahren und gucke denen beim Zweitklass-Armwackeln zu oder was?“. Hauptaufreger ist für den Hamburger wohl das fehlende Interesse an Musikproduktionen an sich und nicht zuletzt auch an seiner Person. "Meine glorreiche Zeit war zwar vor acht Jahren, aber wir wurden hier überhaupt nicht beworben. Niemand wusste, dass Bacapon und ich komme! nIrgendjemand hat Schuld, ich weiß nur noch nicht wer. Eigentlich will ich es auch gar nicht wissen, sonst rege ich mich noch mehr auf.“ Die Frage, ob und warum ein Hilfswerk-interner Workshop eigentlich beworben werden muss, bleibt hierbei leider offen. Zumindest gibt der Ex-Produzent von Samy Deluxe aber zu, derartige Angebote für sehr wichtig zu halten. Schließlich habe Hip Hop auch ihn damals auf die richtige Bahn zurück gebracht.
Darum soll es bei den Workshops hier in der Arche eigentlich auch gehen. Spielerisch einen Weg finden, Probleme und Wünsche auszudrücken. Freude an etwas zu entwickeln, Aggressionen in Positives zu verwandeln und vielleicht auch endlich mal Bestätigung für etwas zu bekommen, was man tut. Der Rapper Bacapon ist für die Kinder seiner Stadt zu einem Vorbild geworden, auf dessen Wort sie hören und dem sie Vertrauen und Respekt entgegenbringen. Noch fehlt Berlin so eine Figur. "Jeder Bezirk hat seine eigene Mentalität. Hier in Hellersdorf sind die Kinder ganz anders als in Neukölln oder Kreuzberg.“, fasst Colos es zusammen. In einem Punkt sind er und sein Rap-Kollege aus Hamburg sich allerdings einig: "Wenn einer ein Vorbild innerhalb von ganz Berlin sein könnte, dann sido. Er denkt viel darüber nach, was er tut und sagt.“ und Bacapon fügt hinzu: "Nur wer Inhalte vermittelt, kann auch ein Vorbild sein.“
Der Tag neigt sich dem Ende zu und die Gäste aus der Musikindustrie verabschieden sich. Vielleicht hat nicht jeder Teilnehmer heute wahnsinnig viel erreicht, einen guten Text geschrieben oder ein beeindruckendes Graffiti gesprüht. Dafür wurden die Jugendlichen in ihren Belangen ernst genommen und ermutigt, etwas Eigenes zu schaffen. Geplant sind die Workshops noch bis Ende des Jahres im zwei Wochen Takt, danach soll der zweite "Deutschlands Vergessene Kinder“-Sampler erscheinen. Ein Tropfen auf den heißen Stein, aber irgendwo muss angefangen werden, wieso also nicht im östlichsten Randbezirk der Hauptstadt? "Wenn es nach dem finanziellen Aspekt geht, dürften wir das hier gar nicht machen“ sagt Ben und lächelt dabei etwas traurig. "Wir machen das für die Kids, wenn die von ihren Eltern schon nichts Gutes mehr mitkriegen, was wird dann, wenn sie mal eigene Kinder haben? Ich nehme das sehr ernst, vielleicht weil ich mittlerweile auch selbst Vater bin.“ Hip Hop, die Kultur, die seit ihren Anfangstagen den schlechter Gestellten und Benachteiligten Trost gespendet und sie zumindest temporär aus ihrem tristen Alltag herausgeholt hat. Wenn man Sozialpädagoge Samuel zuhört, wie er mit glänzenden Augen davon erzählt, dass der gewalttätigste Junge der Gruppe den bisher besten Text geschrieben hat, will man das auch gerne glauben.
ganzargmitaugenroll 11.06.2009 Sleepwalker ist ein A*schloch!!!
Ansonsten, gute Sache.
rappar 11.06.2009 is natürlich schwer die kids und jugendlichen zu erreichen wenn man wegen der kohle nich so oft so etwas veranstalten kann..
mehr sponsoring is angesagt.
ansonsten natürlich gute sache, hier wird der erste schritt gesetzt!
de Weltaller 11.06.2009 Das is ja mal wieder liebevolle Mithilfe, wo die Manieren, also das BLÜMSCHE^PFLÜCKSCHE; von neben uns im Garten in uns hinein und dann zum Weltallraumlicht+schatte(n)lunginzenz energisch goerig dynamisiert wieder in Zimmer kräftigt, wo wir dann gestärt an der (Ir°s)Er(°s)arbeitung sitzen die Heimat zu heirat*in*z*en*z.
Mit Stift & Papier
zuuum Manier
ganzargmitaugenroll 11.06.2009 @ weltaller
Du solltes mal deinen Dealer fragen was er dir ins Kraut mischt. Könnte bleibende Schäden anrichten.
firebürt 12.06.2009 ben is der coolste ....der man is real ...der ist IMMEr seinen prinzipien treu geblieben was man von den wenigsten sagen kann !!
dicken respekt! freut mich !
Wahrheit 12.06.2009 Ganz ehrlich: Das ist eine richtig gute aktion. Endlich mal ein Punkt wo man stolz als hip hop fan sein kann, dass solche projekte statt finden. Von meiner seite aus viel respekt an die organisatoren. Allerdings ist der artikel vollkommen beschissen geschrieben. der ironische unterton ist sehr unangebracht und man muss sich auch nicht über nachwuchskünstler lustig machen. Der Autor sollte sich schämen
hirty darry 13.06.2009 ich finde das ne gute sache, ganz im ernst. also eigentlich finde ich das noch besser als gut. bis auf die schreibweise der redakteurin xy... aber das ist man ja gewohnt, dass sie öfter mal (aus mir unerfindlichen gründen) die gebotene objektivität ignoriert und ihren unmut (über die gesamtsituation?) in völlig unpassender weise freien lauf lässt... schade.
sonst top!
Dave777 17.06.2009 Also ich kann mich nur meinen Vorgängern anschließen. die Arche finde ich ne gute Sache und vor allem das HipHop Künstler sich die Zeit dafür nehmen. Schade allerdings das die Autorin, sehr negativ schreibt und die Objektivität vergisst.