Beschweren wir uns an dieser Stelle sonst regelmäßig über zu spät kommende Ami-Künster, so sind wir dieses Mal selbst nicht ganz pünktlich zum Interview-Termin mit D-Bo erschienen. Das mag aber unterem daran gelegen haben, dass wir nicht so oft im Berliner Bezirk Lichtenberg unterwegs sind, wo wir uns im Studio von Raf Camora verbredet hatten, und auch an der Tatsache, dass uns noch nicht einmal die ortsansässigen Bahn-Mitarbeiter sagen konnten, wo sich die angegebene Straße befindet. Gott Sei Dank haben wir dann schlußendlich doch noch zueinander gefunden, herausgekommen ist dabei nämlich ein durchaus interessantes Gespräch mit dem Ex-Guten Jungen über alternative Verkaufsstrategien seines neuen Albums "Die Lüge der Freiheit", Vorteile des Dumm-Seins und die drei Kategorien, in die sich die Mädchen einteilen lassen, die man nach Rap-Konzerten so im Backstagebereich trifft.
rap.de: Dein Album hat ja einen sehr ungewöhnlichen Aufbau. Du hast quasi immer einen Track und dann wieder einen Skit. Wolltest du für dein fünftes Album von Anfang an etwas komplett Anderes machen?
D-Bo: Ja, auf jeden Fall. Ich habe schon vier Alben nach dem normalen Hip Hop Prinzip gemacht – ins Studio gehen, aufnehmen, irgendwann genug Songs haben und dann die CD raus bringen. Vielleicht ordnet man die Songs dann noch so ein bisschen thematisch an, damit nicht ständig ein Partysong und dann wieder was Tiefgründigeres kommt, aber das war mir dieses Mal einfach zu blöd. Ich wollte einen roten Faden haben und irgendwie hat sich das dann nach und nach entwickelt.
Raf und ich haben das alles zusammen gemacht und sind auf die Idee gekommen, das Ganze wie ein Hörbuch aufzubauen. Wir haben zusammen, damals noch bei ihm zuhause, einen Skit produziert und geguckt, ob das reinpassen würde. Das Gesamtkonzept fanden wir dann ganz cool und deshalb haben wir das ganze Album so aufgebaut. Die Texte hatte ich schon vorher geschrieben, dass ich eine durchgehende Story haben wollte war auch schon klar, nur wie ich das im Endeffekt umsetzen würde eben noch nicht. Jetzt haben wir das mit Skits und musikalischer Untermalung gemacht.
rap.de: Stand bei den Skits genau fest, wer was sagt oder wurde da so ein bisschen improvisiert?
D-Bo: Du wusstest ja, welche Songs davor und danach kommen und der Skit sollte eben einen sinnvollen Übergang darstellen, von daher wusste ich schon, was da jetzt thematisch gesagt werden sollte. Natürlich musste es aber auch noch einigermaßen authentisch klingen, wir sind alle keine Schauspieler und wenn ich
Chakuza anrufe, dann sage ich ihm nur "
Du, ich rufe dich gleich an und du bist gerade aufgewacht. Dann frage ich dich was und du musst einfach nur sagen, dass du mitkommst.“ Das Ganze haben wir drei, vier Mal aufgenommen und im Endeffekt die beste Variante genommen.
rap.de: Darauf wollte ich eigentlich hinaus. Ob jetzt jeder einen Zettel hatte, auf dem dann stand "Ja. Ich komme mit. Cool.“
D-Bo: Nein, das nicht. Ich weiß ja auch gar nicht, wie sich
Chakuza oder andere Leute artikulieren. Also… (lacht) Natürlich erkenne ich schon, ob das
Chakuza gesagt hat oder nicht, aber es wäre ja total schwachsinnig, wenn ich denen die Texte vorgeben würde. Es war einfach nur klar, worauf das hinauslaufen sollte und dann haben wir uns hingesetzt und das aufgenommen. Das war manchmal unfassbar anstrengend und langwierig, manchmal aber auch krass witzig. An einem Abend haben wir hier mit
Max Mostley gesessen und ein paar Skits aufgenommen und so einen lustigen Abend wie mit ihm und
Raf habe ich selten in meinem Leben gehabt. Das muss auch mal sein, auch wenn die Skits an sich eher ernste Themen darstellen sollten.
rap.de: Bist du ein Hörspiel-Fan?
D-Bo: Nö! (lacht)
rap.de: Also könntest du dir das nicht als zusätzlichen Karrierezweig vorstellen?
D-Bo: Doch, das allerdings schon. Als wir die Skits aufgenommen haben, haben wir uns gedacht, dass es doch übelst geil wäre, mal so einen Auftrag zu kriegen. Das wäre eine richtige Herausforderung. Von den ganzen Hintergrundgeräuschen, die du hörst, haben wir die wenigsten nachträglich aufgenommen. Nur ein paar Schritte oder andere Sachen, die man schnell und einfach machen kann, aber ansonsten haben wir alles aus Computerprogrammen zusammen geschnitten und
Raf hat das dann alles noch bearbeitet. Zum Beispiel mit einem Hall-Effekt, damit es sich eben so anhört, als würdest du durch eine Häusergasse gehen.
rap.de: Aber du warst jetzt als Kind nicht irgendwie…
Raf Camora:
Benjamin Blümchen-Fan!
D-Bo: Als Kind schon. Ich habe immer
Calimero gehört.
Raf Camora: Das gab es als Hörspiel?
D-Bo: Sogar als Platte! Ich hatte eine
Calimero-Vinyl.
rap.de: Du Oldschooler.
D-Bo: Ja, voll cool. Was habe ich noch gehört?
Die Schwarze Sieben, das war so die Aldi-Variante von
TKKG. Die waren so wack, ey. (lacht)
rap.de: Es gibt ja viele Leute, die das immer noch hören. Zum Einschlafen oder so.
D-Bo: Wenn einen das so an die Kindheit erinnert, gibt das einem bestimmt ein beruhigendes Gefühl. Aber ich brauche das nicht. Ich brauche Licht aus und Ruhe, sonst kann ich nicht schlafen. Wenn da irgendwo Geräusche sind oder Licht, das mich nervt, dann… Wobei nee, bei Licht ist es nicht so. Ich kann auch bei Tageslicht schlafen, aber es muss schon eine gewisse Atmosphäre da sein. Obwohl ich mich auf Tour inzwischen daran gewöhnt habe. Da kann ich auch schlafen, aber zuhause ist das ganz komisch – gerade mit Geräuschen. So ein Handyladegerät hat zum Beispiel immer so ein Piepen. Das fällt den meisten Leuten gar nicht auf.
rap.de: Ein Piepen?
D-Bo: Stickle hört das bestimmt auch, oder?
DJ Stickle (aus dem Hintergrund): Häh? Was? Also mein Handyladegerät hat noch nie gepiept.
D-Bo: Du musst mal dein Ohr dran halten, das piept auf jeden Fall.
Raf Camora: Ich höre manchmal meinen Fernseher piepen.
D-Bo: Ja genau, wenn der Fernseher auf Stand-by ist.
rap.de: Ist das nicht eher so ein Summen?
D-Bo: Das ist ein richtig hohes Piepen. Da werde ich wirklich verrückt von. Wenn ein Fernseher an ist, kann ich nie schlafen.