Auch wenn wir hier an der Grenze zu Polen relativ wenig von all den Aktivitäten mitbekommen, denen Fiva MC so nachgeht, ganz ging das Erscheinen der neuesten Platte namens "Rotwild" doch nicht an uns vorbei. Neben Radioshows in München und Österreich zeichnete sich Fiva in den letzten Jahren als Buchautorin und Spoken Word Slam Poetin aus. Doch so ganz konnte sie ihre alte Liebe zur Rap Musik dann doch nicht vergessen und schließlich ist nach eigenen Aussagen selbst das große Kollaboalbum mit Melbeatz noch lange nicht zu den Akten gelegt. "Das kommt... irgendwann 2040" erklärte sie gegen Ende des Interviews, das im Übrigen auch vorzüglich als Radioshow funktioniert hätte. Warm, herzlich und voll von guten Gefühlen.
rap.de: In deinem Pressetext steht, dass du Teil dieser HipHop-Szene bist. Seit wann bist du dabei?
Fiva: Also, ich rappe aktiv seit 1999. Und seit 1995 hör ich deutschen Rap, vorher eher so was aus Amerika. Und dann kam halt
Feierwerk und
Die Klasse von `95, und das fand ich echt super. Auch
David Pe war für mich eine Offenbarung. Heute könnte ich mir das wahrscheinlich auch nicht mehr geben, damals fand ich das aber total toll. Und ich bin auch ein Riesenfan von
Aphroe und von
RAG sowieso. Der hat mir damals auch die Vinyl von "
Stille Post“ geschenkt!
rap.de: Echt, ich bin auch ein großer Fan von denen. Du wusstest schon, dass die Platte auf knapp 500 Stück limitiert ist?
Fiva: Na klar, haben die mir zum Abschied geschenkt, als ich mit denen auf Tour war. Naja, und ich hatte das irgendwie schon vorher auf Kassette und da dachte ich mir, das willst du auch machen. Aber das hat echt vier Jahre gedauert, weil ich so ein Schisser bin. Alle haben bei uns gefreestyled und ich saß daneben und fand das so toll, aber ich hab mich einfach nicht getraut. Und dann bin ich von Zuhause ausgezogen und da war mir manchmal langweilig und dann habe ich mich in die Küche gesetzt und bei diesem
RAG-Tape immer zum Anfang gespult, wo er noch nicht rappt und habe dann Freestylen geübt. Und dann bin ich dann zum
Basti (
DJ Radrum) und habe ihm gesagt, "
Du, ich kann jetzt rappen“ Und er hat sich das angehört, und es war ihm so peinlich, und er meinte "
Hmmm, das können wir bestimmt auch irgendwie anders ausprobieren“. Dann hat er mir Beats gegeben und dann ging’s richtig los. Dann waren wir im
Flava Club im München, das war so ein Freestyleclub, und haben da gerappt. Und dann bin ich auch ziemlich schnell mit
MC Rene auf Tour gegangen, ich kannte ja "
Renevolution“ und fand das so gut.
rap.de: Echt? Ich fand das voll scheiße. Als Freestyler fand ich den auch gut, aber auf Platte? Nee, da konnte der nie halten, was er vorgelegt hat.
Fiva: Ja, ich bin ja mit "
Ein Tape namens Bernd“ auf Tour gegangen. Au-Pair-Mädchen aus Lettland und so. Ich hatte drei Lieder und sonst nichts und habe dann auch gleich gelernt, live zu spielen
rap.de: Und warum habt ihr es dann nicht weiter in die großen Hallen geschafft? Das hört sich ja ein bisschen an wie der Karrierestart von Jay-Z.
Fiva: So fühle ich mich auch tagtäglich. Wir waren bei
Buback, haben dann da "
Spiegelschrift“ rausgebracht. Und da war ja auch kein einziger Hit drauf, selbst mit dem besten Willen nicht. Aber das war genau die Art von Musik, die ich machen wollte. Ich war da auch schon beeindruckt von diesen
HBO-Geschichten, von
Def Poetry Jam. Diese
Nas-Sachen. Und ich wollte auch so etwas machen, etwas erzählen. Ich hatte auch da schon gar nicht mehr das Gefühl, wirklich Lieder zu machen, sowie die
Beginner, die man nachsingen konnte. Und das war auch
Buback damals klar, dass damit nicht das große Geld zu verdienen ist, weil ich immer ein sehr eigensinniger Mensch bin. Wir waren immer der gesunde Mittelstand und der ewige Support, wir waren dann ja auch mit
Fettes Brot auf Tour und das war auch in Ordnung. Ich weiß, dass sich nicht jeder meine Musik anhören kann, und ich weiß auch, dass wir nicht gerade dem Bild entsprechen, das man so von Rap hat. Wir verkaufen ja auch trotzdem ganz gut, aber ich weiß nicht wie viele von den Hörern Rapfans sind. Wir haben vor
Biohazard gespielt und da sind die Leute durchgedreht, das war wirklich super. Ich weiß jetzt aber nicht, wie es werden würde, wenn ich jetzt vor
sido spielen würde, aber ich glaube auch nicht, dass die sich für mich interessieren. Ich bezweifle auch, dass mich welche von denen kennen. Ich habe ja noch nicht mal so eine München-Fanbase, wenn ich durch München laufe, brüllen die da nicht jetzt "
Yo, Fiva“. Also, ich habe schon Fans, aber die sind überall in der Welt verstreut, aber es muss sie geben, denn ich habe im ersten Monat von "
Rotwild“ 2000 Platten verkauft. Und uns wundert das ja selber. Nicht weil wir das so scheiße finden, was ich da mache, sondern weil es uns wundert, dass das sich noch heutzutage so verkauft. Diese Fans müssen uns auch echt treu geblieben sein, weil wir nie viel Werbung in den Printmedien gemacht haben, viel Radiowerbung natürlich, aber sonst haben wir das eher so stiefmütterlich behandelt.
rap.de: Wirst du eigentlich auch im Tagesprogramm gespielt, so richtig Mainstream?
Fiva: Ja, natürlich. Jeden morgen bei
Jam FM in der
Morning Show! (lacht) Nein, aber wir werden schon gespielt, auch wenn ich sagen muss, dass ich selbst das etwas stiefmütterlich behandle. Ich weiß, dass wir viel in Österreich bei
FM 4 gespielt werden, wo ich zwar arbeite, was aber auch nichts mit Kollegenrabatt oder so zu tun hat, weil die so etwas sonst gar nicht machen. Wir waren da auch Platte der Woche, aber man kann das echt nach verfolgen und es ist ja auch kein Geheimnis, dass wir da arbeiten. Ich verstehe, dass das nach außen so aussieht, aber die Chefs würden das niemals tun. Ansonsten haben uns schon viele Studentenradios gespielt, die übrigens nicht nur Indierock spielen, und wir machen viel online. Im Endeffekt schicken wir was wir haben immer an unsere Online-Kontakte raus, müssten uns aber wahrscheinlich viel mehr dahinter klemmen und die tausend Leute zurückrufen und fragen, ob sie’s schon gekriegt haben und ich weiß nicht, ob’s mir da an Biss fehlt oder an Interesse, aber es läuft auch so und ich muss mich da nicht irgendwo reinsetzen.
rap.de: Und du machst dieses Label komplett mit Pressearbeit und so weiter?
Fiva: Ja, mit
Radrum zusammen. Wobei ich fairer Weise sagen muss, dass er in letzter Zeit viel mehr macht als ich. Zum Vertrieb zum Beispiel könntest du mich jetzt gar nichts fragen. Wir machen das bestimmt nicht alles richtig und allen, die zu uns neu aufs Label kommen, sagen wir auch, was wir machen. Wir sehen uns als Plattform und können ein bisschen was für die Produktion tun, finanziell vor allem. Wir können die wenigen Kontakte, die wir haben, anfixen und sagen so und so ist es, wir machen ein bisschen Promo, weil wir keine Promoagentur haben, und das können wir dir bieten. Ich wollte ja auch nie ein Label machen, weil ich mir immer dachte, dass es wahnsinnig schwierig sein muss, Menschenware zu vermarkten und mit den Enttäuschungen und Erwartungen der Künstler umzugehen. Aber wir gehen da jetzt mit einer sehr gesunden Einstellung ran und sagen ja auch immer gleich, was bei uns möglich ist und was nicht. Es läuft auch und bisher haben wir wie gesagt mit keinem Minus gemacht, wobei wir natürlich auch nicht so groß kalkulieren und zehntausend Alben von einem pressen, den wir bei uns raus bringen. Somit haben wir im schlimmsten Fall genullt und das lässt uns entspannt sein.