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Terry Lynn
Autor/Interview: Oliver Marquart
28.12.2008 Terry Lynn
Stimme der 3. Welt - radikal und elektronisch

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rap.de: Könntest du dir auch ein direktes politisches Engagement vorstellen?

Terry Lynn: Ich habe gesehen, was die Politik meinem Land angetan hat. Ich will kein Teil davon sein. Ich habe gesehen, was Politiker getan haben, und wenn es in der Politik darum geht, will ich damit nichts zu tun haben. Ich tue das kleine bisschen, was ich tun kann. Und das ist Musik.


rap.de: Wie kann Musik denn konkret dabei helfen, diese gravierenden Probleme zu überwinden?

Terry Lynn: Well, ich bin keine Präsidentin oder Königin. Es sind die Big Players, die das Geld hätten, etwas zu verändern. Wenn sie es aber nicht tun, ist es meine Pflicht, meinen kleinen Anteil zu leisten. Ich denke, Bob Marley hat ein starkes Statement hinterlassen und es kam wundervoll an. Ich glaube nicht, dass sein Werk umsonst war. Es hat Wurzeln geschlagen.

rap.de: Hat Bob Marley dich denn auch in deiner musikalischen Entwicklung geprägt?

Terry Lynn: Oh, als ich aufgewachsen bin, habe ich viel Yelloman gehört, das war mein erster Eindruck von Dancehall/Reggae-Musik. Später habe ich dann festgestellt, das Musik Poesie ist, die man mit Beats unterlegt. Ich habe früh angefangen, selbst zu schreiben. Meine Mutter schrieb auch Gedichte, vielleicht kommt meine poetische Ader daher. Also, ich war ein Kind auf der Straße und hörte Typen an der Ecke auf irgendwelchen Instrumenten rumtrommeln und singen, und ich dachte mir, hey, das kann ich auch. Da habe ich herausgefunden, dass ich das liebe. Und es tun will. Ich habe auch andere Jobs versucht, habe in der Hotelindustrie gearbeitet, im Hollyday Inn in Montego Bay. Aber es war nicht das Richtige für mich. Mein Herz und meine Seele waren nicht richtig dabei, die Musik hat mich gerufen. Also bin ich dem Ruf gefolgt, denn das ist, wo mein Herz ist.

rap.de: Abgesehen von Bob Marley: Fünf oder sechs Künstler, die dich inspiriert haben?

Terry Lynn: Eine Countrysängerin, Amy Lou Harris, ich mag ihre Form von Country. Lauryn Hill, wir kommen aus einem ähnlichen Background. Tracy Chapman. Marcia Griffith, ein Teil von den I-Threes (Bob Marleys Backgroundsängerinnen – Anm. d. Verf.) und Lady Saw, die von Anfang am Start war.

rap.de: Inspirieren dich also vor allem weibliche Künstler?

Terry Lynn: (lacht) Ja, weil ich eine Frau bin. Versteh mich nicht falsch, ich mag auch Sizzla, Gentleman oder Bob Marley. Aber es hat mich am meisten inspiriert, eine Frau über starke Dinge reden zu hören, über Liebe, über Politik, über das System. Ich beschränke mich aber nicht auf Frauen, ich mag männliche Künstler genauso. Daft Punk mag ich zum Beispiel sehr. Ich liebe ihre Musik. "Kingstonlogic“ ist ja von Daft Punks "Technologic“ inspiriert.

rap.de: Hattest du als Frau anfangs mit Widerständen zu kämpfen?

Terry Lynn: Eigentlich nicht. Ich war als Tomboy verrufen, weil ich viel mit Jungs rumgehangen habe. Es waren nun mal hauptsächlich Jungs, die auf der Straße rumhingen und an der Ecke reimten. Es gab zwar musikalische Battles, aber es wurde nie körperlich. Warum sollte man gegen ein Mädchen kämpfen? Das wäre dumm, denn wenn sie gegen dich gewinnt, dann würdest du dich nur lächerlich machen. Irgendwann habe ich jedenfalls festgestellt, dass ich mich nicht nur auf der Straße ausdrücken will, dass ich es auf ein anderes Level bringen und mich der ganzen Welt verständlich machen will. Ich hatte verschiedene andere Genres gehört, und wollte weltweit gehört werden. Also ging ich zu verschiedenen Studios in meiner Gegend und lernte dort, auf einen Beat zu reimen. Nun, ich bin in Jamaika geboren, also ist die Musik von dort meine erste Inspiration, aber das ist noch lange nicht alles. Ich will die jamaikanische Musik nicht bashen, aber es war schwierig für mich. Denn wenn man versucht, anders zu sein, ist das nicht einfach. Aber Abwechslung ist nun mal die Würze des Lebens. Dancehall dagegen ist ein Riddim-Game. Ich habe noch nie von einer anderen Musik gehört, in der 15, 20 Leute auf denselben Beat rappen. So kann man kaum etwas einzigartiges und nur dem eigenen Verständnis verpflichtetes schaffen. Es ging jedenfalls nicht in die Richtung, in die ich wollte. Dann traf ich zum Glück meinen kreativen Partner Phred Music. Phred kommt eigentlich aus Kanada, lebte dort aber mit ein paar Jamaikanern und kam so mit der Kultur in Berührung. Er hat ein breites Verständnis von jamaikanischer Musik, er kann mir Sachen über meine eigene Musik erzählen, die nicht mal ich weiß (lacht). Er kam damals auf mich zu und fragte mich, was ich so mache. Ich sang ihm einen meiner Songs vor und am nächsten Tag nahmen wir ihn in einem anderen Studio auf. Seitdem haben wir uns entschieden, denselben Pfad gemeinsam zu gehen. Und hier sind wir.

rap.de: Ihr teilt also eine gemeinsame Vision von jamaikanischer Musik?

Terry Lynn: Ja. Er versteht die Kultur. Er war schon als Kind oft in den Ferien auf Jamaika. Er ist nicht irgendein weißer Typ, der keine Ahnung hat, nichts versteht und einfach nur „Tu dies oder das“ sagt. Wir haben eine gemeinsame Idee, daher kommt unsere Vision. Und aus der heraus haben wir das Album gemacht.

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Kommentare:
???   28.12.2008
Wer is diese Frau!? hahaha

yippieyo   28.12.2008
sehr cool.. leider interessiert es wieder so gut wie niemanden.. zu beiträgen mit politischem hintergrund ist immer am wenigsten feedback. ist sehr schade, aber wie sie es selbst sagt, es wird alles auf uns zurückkommen.

BeatBAUER   28.12.2008
Zitat:"...Ignoranz und Feindseligkeit brechen. Liebe besiegt alles." Ich finds toll, wenn Menschen die Welt verbesseren wollen - vorallem mit so großen Revolvern. Super ! Ja, ja die "Liebe" ... *stöhn*

I shot HipHop   28.12.2008
Ihr solltet Euch unbedingt mal ihr Video "The System" reinziehen. Ein Hammer Text und krasse Bilder dazu.

@beatbauer   28.12.2008
du urteilst zu früh. was würdest du denn machen wenn du in einem ghetto aufwächst und die polizei nach lust und laune leute erschießt und sich nur gangster draußen rumtreiben... klar, sich selbst bewaffnen! es bringt nix zu hoffen, dass man verschont bleibt... man muss sich wehren können in einem umfeld das willkürliche gewalt an die tagesordnung legt... selbst in deutschland laufen schon genug leute mit messer rum und das NICHT ohne grund. das hat mit liebe hin liebe her nix zu tun...

samba   28.12.2008
das ist ja schön und gut. aber wie wird einem den in anderen ländern vom staat unter die arme gegriffen, wenn man seine künstlerische kreativität ausleben möchte? Zudem muss ich im Monat mit 400 € auskommen und dafür gehen 300 € direkt für Miete weg. Natürlich ist das alles nicht schön, aber ich heule nicht rum, solange ich nicht meinen Arsch hochkriege und mehr mache, als drüber zu reden, wie leider die meisten Musiker. In Gaza, da ahben die Leute echte Probleme

Harro Ganz   29.12.2008
Gutes Interview, mehr davon.

krasserati   29.12.2008
mann wie goil is das denn?! terry lynn rockt!

@samba   29.12.2008
in den slums in dritte-welt-ländern hast du keine möglichkeit beruflich nach oben zu steigen. es ist eine logische schlussfolgerung, dass du aus der armut in einen beruf (falls überhaupt) übergehst, der für ungebildete leute ist. man kann alles schaffen wenn man will mag stimmen, aber das ist hier nicht realistisch...

toddler   31.12.2008
"man kann alles schaffen was man wirklich will2 ist eine der größten und perfidesten lügen des kapitalismus. in wahrheit sind sehr viele menschen auf dieser erde ohne den hauch einer chance, irgendetwas zu "schaffen".

yotodayeah   03.01.2009
ich hab ja erwähnt, dass es hier nich realistisch is ;) die knarre is in der hand von terry lynn am rechten fleck und der grund dafür sind wir...

LW84 aka Lea-Won   08.01.2009
habe das interview nicht ganz gelesen. aber danke für die hinweise hier bei den kommentaren. das "system" lied und video fand ich sehr gut.

J-nis the PAINes   10.01.2009
Jetzt mal abgesehn vom Inhalt, auch soundtechnisch is das extrem unpopulär. Da is ja General Levy noch melodischer. So kann man diese Inhalte nicht an die vermitteln die sie mal zo Ohren bekommen sollten. Kann sein dass der Vergleich mit Jungle jetzt nen bischen hinkt, aber noch mal wieder jenseits davon is ihr sound auch nicht besonders innovativ und jaaaa sie scheint aus dem ganzen ghettoding auch wieder ne Frage der Ehre zu machen. Also meinetwegen kann Terry Lynn morgen wieder aufhören musik zu machen.

joejackjim   12.01.2009
mal abgesehen vom quatsch: das ist der shit und wers nicht merkt, pennt eben weiter, hält aber bitte seine fresse (schnarchen stört).

S-E-N   16.02.2009
ist das nicht die uschi von gentleman's 'jah, jah never fail'?

julakim   05.05.2009
Hier ein Interview auf englisch mit ihr über urbane Gewalt von ar2com (architecture to communications). http://www.ar2com.de/radiofavela-blog/world-wide-crisis/

Ulf Wedler | Musikredaktion DISCO MAGAZIN   14.08.2009
SINGLE DES JAHRES: "Kingstonlogic" Electro ist back! Hier rotzt und karzt es, wie in den Anfangstagen des Techno.