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Terry Lynn
Autor/Interview: Oliver Marquart
28.12.2008 Terry Lynn
Stimme der 3. Welt - radikal und elektronisch

Man sollte meinen, dass eine Frau von der Insel, die in Deutschland vor allem mit Sonne und Rauchkräutern assoziiert wird, den trüben Novemberhimmel über Berlin ziemlich deprimierend findet. Doch die JamaikanerinTerry Lynn zuckt bei entsprechender Nachfrage nur mit den Schultern. Sie hat, wenn überhaupt, ganz andere Sorgen. Sie ist nicht in Europa, um Urlaub zu machen, sondern will ihre Message verbreiten.
Eine Message, die das Leben der Jamaikaner abseits von Sonne und Gras beleuchtet und die teils katastrophalen Lebensumstände schonungslos auf elektronischen Beats anprangert. Ihr Sound fußt zwar durchaus im traditionellen Dancehall, geht aber durch die Produktionen der europäischen Electro-Produzenten Olivier Giacomotto und WILDLIFE! den entscheidenden Schritt weiter. Terry Lynn ist damit eine jener Vertreterinnen einer neuen Weltmusik, die gerade überall in den bislang vergessenen Elendsvierteln der sogenannten Dritten Welt entsteht und ihre Stimme erhebt.
Zuhören lohnt sich – auf jeden Fall. Nicht nur, wenn sie singt.




rap.de: Du warst das neunte von neun Kindern und bist nicht gerade in einer noblen Gegend von Kingston aufgewachsen. Musstest du dich von Anfang an durchkämpfen?

Terry Lynn: Naja, da ich in Waterhouse, einem so genannten Ghetto, aufgewachsen bin, und man dort immer wieder an einen Punkt kommt, wo es schwierig wird, Essen auf den Tisch zu bringen, musste ich schon früh draußen auf der Straße sein und meiner Mutter helfen. Dadurch habe ich einen Eindruck davon bekommen, was wirklich auf den Straßen los ist.

rap.de: Und das wäre?

Terry Lynn: Den Leuten wird die grundlegende Infrastruktur verweigert, um als richtige menschliche Wesen zu leben und zu überleben. Sie verhungern vielleicht nicht, aber die wichtigsten Dinge, die einen angemessenen sozialen Standard ermöglichen, werden ihnen vorenthalten. Sie haben zwar fließendes Wasser und Strom, aber es gibt noch andere, ebenso wichtige Dinge im Leben. Das System gibt einem siebzehnjährigen Kind dort nicht wirklich die Möglichkeit, sich auszudrücken, sein Talent in welcher Form auch immer auszuleben. Die Leute müssen viele Dinge tun, um zu überleben, und die Regierung tut nicht genug, um ihnen zu helfen.

rap.de: Was sollte die Regierung denn tun? Müsste mehr für Bildung ausgegeben werden?

Terry Lynn: Ja. Die Schulen stehen zwar jedem offen, aber es ist sehr teuer, aufs College zu gehen. Nur ein paar Wohlhabende können sich das leisten. Die sogenannten Reichen.

rap.de: Warum so genannte?

Terry Lynn: Weil sie es sich zwar leisten können, 200.000 jamaikanische Dollar im Monat aufzubringen, um ihre Kinder auf die Schule zu schicken. Viel ist das aber eigentlich auch nicht. Die Hälfte der Jamaikaner lebt von 3000 in der Woche, das sind 150 US-Dollar. Damit kommt man nicht weit.


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Kommentare:
???   28.12.2008
Wer is diese Frau!? hahaha

yippieyo   28.12.2008
sehr cool.. leider interessiert es wieder so gut wie niemanden.. zu beiträgen mit politischem hintergrund ist immer am wenigsten feedback. ist sehr schade, aber wie sie es selbst sagt, es wird alles auf uns zurückkommen.

BeatBAUER   28.12.2008
Zitat:"...Ignoranz und Feindseligkeit brechen. Liebe besiegt alles." Ich finds toll, wenn Menschen die Welt verbesseren wollen - vorallem mit so großen Revolvern. Super ! Ja, ja die "Liebe" ... *stöhn*

I shot HipHop   28.12.2008
Ihr solltet Euch unbedingt mal ihr Video "The System" reinziehen. Ein Hammer Text und krasse Bilder dazu.

@beatbauer   28.12.2008
du urteilst zu früh. was würdest du denn machen wenn du in einem ghetto aufwächst und die polizei nach lust und laune leute erschießt und sich nur gangster draußen rumtreiben... klar, sich selbst bewaffnen! es bringt nix zu hoffen, dass man verschont bleibt... man muss sich wehren können in einem umfeld das willkürliche gewalt an die tagesordnung legt... selbst in deutschland laufen schon genug leute mit messer rum und das NICHT ohne grund. das hat mit liebe hin liebe her nix zu tun...

samba   28.12.2008
das ist ja schön und gut. aber wie wird einem den in anderen ländern vom staat unter die arme gegriffen, wenn man seine künstlerische kreativität ausleben möchte? Zudem muss ich im Monat mit 400 € auskommen und dafür gehen 300 € direkt für Miete weg. Natürlich ist das alles nicht schön, aber ich heule nicht rum, solange ich nicht meinen Arsch hochkriege und mehr mache, als drüber zu reden, wie leider die meisten Musiker. In Gaza, da ahben die Leute echte Probleme

Harro Ganz   29.12.2008
Gutes Interview, mehr davon.

krasserati   29.12.2008
mann wie goil is das denn?! terry lynn rockt!

@samba   29.12.2008
in den slums in dritte-welt-ländern hast du keine möglichkeit beruflich nach oben zu steigen. es ist eine logische schlussfolgerung, dass du aus der armut in einen beruf (falls überhaupt) übergehst, der für ungebildete leute ist. man kann alles schaffen wenn man will mag stimmen, aber das ist hier nicht realistisch...

toddler   31.12.2008
"man kann alles schaffen was man wirklich will2 ist eine der größten und perfidesten lügen des kapitalismus. in wahrheit sind sehr viele menschen auf dieser erde ohne den hauch einer chance, irgendetwas zu "schaffen".

yotodayeah   03.01.2009
ich hab ja erwähnt, dass es hier nich realistisch is ;) die knarre is in der hand von terry lynn am rechten fleck und der grund dafür sind wir...

LW84 aka Lea-Won   08.01.2009
habe das interview nicht ganz gelesen. aber danke für die hinweise hier bei den kommentaren. das "system" lied und video fand ich sehr gut.

J-nis the PAINes   10.01.2009
Jetzt mal abgesehn vom Inhalt, auch soundtechnisch is das extrem unpopulär. Da is ja General Levy noch melodischer. So kann man diese Inhalte nicht an die vermitteln die sie mal zo Ohren bekommen sollten. Kann sein dass der Vergleich mit Jungle jetzt nen bischen hinkt, aber noch mal wieder jenseits davon is ihr sound auch nicht besonders innovativ und jaaaa sie scheint aus dem ganzen ghettoding auch wieder ne Frage der Ehre zu machen. Also meinetwegen kann Terry Lynn morgen wieder aufhören musik zu machen.

joejackjim   12.01.2009
mal abgesehen vom quatsch: das ist der shit und wers nicht merkt, pennt eben weiter, hält aber bitte seine fresse (schnarchen stört).

S-E-N   16.02.2009
ist das nicht die uschi von gentleman's 'jah, jah never fail'?

julakim   05.05.2009
Hier ein Interview auf englisch mit ihr über urbane Gewalt von ar2com (architecture to communications). http://www.ar2com.de/radiofavela-blog/world-wide-crisis/

Ulf Wedler | Musikredaktion DISCO MAGAZIN   14.08.2009
SINGLE DES JAHRES: "Kingstonlogic" Electro ist back! Hier rotzt und karzt es, wie in den Anfangstagen des Techno.
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