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Public Enemy - eine der einflussreichsten Gruppen der Hip Hop Geschichte. Eine Band, auf die man sich nach wie vor bezieht, geht es um politischen und sozialkritischen Rap. Heute beginnt Ihre Deutschlandtournee und das haben wir uns zum Anlass genommen, ein bisschen Geschichtsarbeit zu leisten. Wie aus Konzertveranstalterkreisen zu hören war, soll unter dem Titel "Masters Of Black Music" eine Konzertreihe etabliert werden, die 6 bis 8 mal im Jahr Hip Hop Helden der Vergangenheit nach Deutschland und oder Europa bringen will. rap.de wird diese Konzerte in Form einer losen Folge begleiten und Euch das notwendige Geschichtsbewusstsein liefern. Getreu dem Motto "Each one - teach one". Teil 2 dann im Februar. Voraussichtlich mit DE LA SOUL. Stay tuned!
Die nachhaltigste Erinnerung, die ich an Public Enemy habe, hat gar nichts mit Public Enemy zu tun, oder nur indirekt.
PE sollten an diesem Abend im Jahr 1991 in München im Zirkus Krone spielen. Als Vorgruppe der Beastie Boys, die zu diesem Zeitpunkt mit ihrem Album "Paul’s Boutique“ größer waren als Public Enemy, zumindest in Deutschland. Die drei weißen Jungs haben die schwarzen Politaktivisten deshalb mit auf Tour genommen, weil sie selbst ein paar Jahre zuvor von Public Enemy auf die selbe Art unterstützt wurden und so griffen die neuen Stars den alten noch mal unter die Arme und alles war schön und weich im Butterblumenland. (Dabei fällt mir ein: Vielleicht war es genau anders herum und PE waren größer als die Beasties – auf jeden Fall war es irgendwie One Love.)
Ich selbst kam aus Stuttgart und trampte nach München. War ja nicht weit und mit ein bisschen Glück hatte man es in 4 Stunden geschafft. In München, das wusste ich, konnte ich bei K. und T. übernachten, einem Pärchen, das später dadurch bekannt wurde, dass es in Berlin den legendären Kit Kat Club aufgemacht hat.
Als ich die Wohnung der beiden betrat, die wie immer unabgeschlossen war, bot sich mir das folgende Bild: K. lag auf dem Bett, las in einem Buch und hatte ihren Arsch frei gelegt. T. stand hinter ihr, schlug mit eine 9schwänzigen Peitsche auf ihren Hintern und keulte sich einen.
Ich weiß nicht mehr, ob sie fertig gemacht oder ob sie aufgehört haben, als sie mich bemerkten, auf jeden Fall war das ein sehr einprägsames Bild.
Später gab es dann noch handgemachte Avocadocreme und ein bayerischer Bauunternehmer rief an, der von K. in einen Sack gesteckt werden wollte – aus sexuellen Motiven. Ganzkörpermassage mit Handentspannung. Das war alles ziemlich aufregend.
Am Abend dann war ich im Zirkus Krone und die Mauer aus Lärm, die dort wie ein Tsunami über mich hereinbrach, war die nächste intensive Erfahrung des Tages. Public Enemy errichteten eine Wall Of Death aus Sound und das ganze ließen sie dann gekonnt über einem zusammenkrachen. Von den Beastie Boys, die damals in ihrer experimentellen Jazzphase und kurz vor der experimentellen Rockphase (Ill Comunication) standen, weiß ich nichts mehr. Kann übrigens auch sein, dass ich eigentlich nur wegen einem Sticker dort war, der auf einer N-Factor Platte klebte, die ich mir ein paar Tage zuvor gekauft hatte. Auf diesem Sticker wurde nämlich für diese Tour geworben und deshalb wusste ich davon, hatte ich die anderen PE Touren, unter anderem jene mit Anthrax, doch verpasst gehabt. (Von N-Factor habe ich übrigens seit damals nie wieder etwas gehört.)
Ein Jahr zuvor waren Public Enemy nämlich mit Anthrax auf Tour, was wir alle nicht so richtig einordnen konnten, und irgendwann kann ich mich erinnern, dass wir zum Ende eines Public Enemy Konzerts nach Böblingen gefahren sind, wo sehr viele amerikanische Soldaten bei der Show waren und ich gesehen habe, wie einem weißen Typen von einem Schwarzen, im Vorbeigehen die Kappe vom Kopf gerissen wurde. Da waren die Fronten auf jeden Fall ein bisschen verhärtet und die faszinierende Militanz von Public Enemy bekam etwas feindseliges und ungastliches.
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