Staiger: Aber das Bedürfnis nach dem Thema Sexualität ist da und vielleicht ist es an den Medien oder auch an den Leuten, die da was ändern wollen, das einfach anders darzustellen. Aber ich halte es nicht für den richtigen Weg, das komplett totzuschweigen oder generell zu verbieten.
Nika: Also. Ich bin ein sexuell aktiver, entwickelter und experimentierfreudiger Mensch. Das muss jetzt nicht unbedingt in eurem Artikel stehen! (lacht)
Staiger: Das wird die Schlagzeile, damit dieser Artikel gelesen wird.
rap.de: Wir gehören nämlich auch zu den Medien, die sich an diesen Sex-Geschichten aufgeilen.
Nika: Ich weiß nicht, ob ich ein komplett Porno-freies Leben will, aber ich kann verstehen, warum diese Frauen gegen Pornos sind. Es gibt halt diese Sexualisierung der Gesellschaft und es ist mittlerweile ja auch nachgewiesen, dass diese permanente Beballerung durch Sex wirklich Schäden anrichtet, gerade bei Jugendlichen. Die können so keine gute Sexualität entwickeln. Frauen werden in Pornos eben auch immer dargestellt wie Schlampen und dumme Weiber.
Staiger: Wie puritanische Mormoninnen.
Nika: Ich weiß es nicht. Der Mensch steht im Endeffekt eben auf Poppen, das ist nun mal so. Ist doch so, oder? Ich jedenfalls. (lacht) Ich glaube auch, dass Alice Schwarzer gerne Sex hat, aber es braucht halt auch immer Kontrollinstanzen. Wenn die nicht da wären, würde das vielleicht ausarten. Ich finde es zum Beispiel schlimm, dass auf „Rap City Berlin“ ein Video gezeigt wird, bei der original einer Frau eine Pille ins Glas geschmissen wird und verstehe auch nicht, wie so etwas an der Prüfstelle vorbei kommt. Ich persönlich kenne drei Frauen, denen das passiert ist. Und was sehr erstaunlich ist: jede Frau, mit der ich spreche, kennt auch wieder welche, denen so was passiert ist. Sexuelle Gewalt wird eben auch zu 98 Prozent von Männern ausgeübt und vielleicht ist es einfach so, dass man als Frau immer aufstehen muss, wenn so was passiert. Wenn es gerade um den „Arschficksong“ geht, dass man genau dann aufstehen und sagen muss „Ey, so nicht“, denn wenn man es nicht macht, artet das immer mehr aus.
rap.de: Aber ist es gerade bei so einer Podiumsdiskussion, die vom Grundsatz her richtig und wichtig ist, nicht kontraproduktiv, wenn sich eine Alice Schwarzer da hinsetzt, die ja in ihrem Leben nicht unbedingt so viel mit Hip Hop zu tun hat. Oder sich, das unterstelle ich jetzt einfach mal, nicht so differenziert damit beschäftigt hat, dann aber diese extreme Position einnimmt und sagt, das wäre alles Frauenverachtend und verurteilenswert. Wenn ich das im Publikum als Rapfan höre, dann…
Nika: Das hat sie aber nicht so gesagt!
Alice Schwarzer: Ich habe Anfang der Neunziger die Böhsen Onkelz in Schutz genommen. Ich hatte eine Talkshow im Fernsehen gemacht, zu der ich Stefan Weidner auch eingeladen hatte, weil ich fand, die Kritik an den Böhsen Onkelz wäre nicht berechtigt. Das sind gute Musiker. Die waren hart drauf, aber nicht rassistisch, man muss schon sehr genau hingucken. Rap ist Revolte, da kann es auch mal hart hergehen. Aber DAS ist ja eine Menschenverachtung und die Propagierung einer Brutalität… Wenn ich Hip Hop machen würde, egal ob Mann oder Frau, würde ich mich fragen, was mit unserer Musik los ist.
rap.de: Es klingt bei ihr aber immer mit. Auch dadurch, dass sie immer wieder mit diesem Beispiel, immer wieder mit Sido kommt.
Nika: Ok, Frau Schwarzer ist 65 Jahre alt. Was ich wollte war, verschiedene Frauen, die verschiedene Ansprüche an den Feminismus haben, zusammen auf die Bühne zu setzen und wir machen nun mal ein Hip Hop Festival und deshalb spielt der Hip Hop in dieser Diskussion eine Rolle. Aber für mich persönlich ging es vor allem darum, dass Thema Feminismus aufs Parkett zu bringen. Auch, dass wir eben immer wieder von vorne anfangen müssen. Sookee erzählt was und Alice sagt, dass sie das früher auch schon gemacht haben. Sie hat damals in den 70ern ihre Artikel geschrieben und gedacht, sie hat da was ganz tolles entdeckt und neues geschaffen und Jahre später sieht sie ein Buch, in dem eine Frau vor fünfhundert Jahren genau dasselbe geschrieben hat. Das ist natürlich auch total frustrierend. In den letzten Jahren war Feminismus total verpönt und jetzt kommt das in den Medien gerade wieder hoch und ist total in und wir fangen wieder von vorne an und zwar genau da, wo sie damals vor dreißig Jahren schon standen.
Staiger: Was wäre denn jetzt ein echter, nachhaltiger Fortschritt?
Nika: Also was das Endziel wäre? (lacht) Gleichberechtigung, gleiche Freiheiten, gleiche Löhne, keine Beschneidungen mehr, keine Zwangsehe – das hat eben alles mit Feminismus zu tun und wäre schön. Jetzt in diesem Moment aber ist für mich wichtig, dass mit diesem Festival hinzukriegen. Denn damit habe ich die Möglichkeit, ein bisschen zwischen Alice Schwarzer und den Mädchen, mit denen ich arbeite, zu vermitteln. Viele reden ja vom Generationenkonflikt und Mütter-Töchter-Krieg, aber ich sehe das alles nicht so. Und wenn ich hier bei einem Hip Hop Festival eine Podiumsdiskussion mit Alice Schwarzer organisiere, dann habe ich das gemacht, weil ich dachte, es wäre eine gute Idee. Und ich fand’s super, auch wenn viele sagen, es wäre eine Scheißdiskussion.
Staiger: Was hältst du von der Textzeile „Unrasierte Türkenfotze, Türken raus!“?
Nika: Das ist eine ziemlich sinnlose Textzeile finde ich. Was hat das eine jetzt mit dem anderen zu tun?
Staiger: Die Zeile ist von den Böhsen Onkelz, die Alice Schwarzer…
Nika: …schwer verteidigt hat.
Staiger: Ich wollte es nur einwerfen. Vielleicht hat Alice Schwarzer nicht nur keine Ahnung von Hip Hop, vielleicht hat sie auch von anderen Dingen keine Ahnung.
Nika: Ja… Vermutlich hat sie diese Textzeile nicht gehört.
rap.de: So was kann vorkommen. Vielen Dank für das Gespräch.
clientell 21.08.2008 Gutes Interview welches auch mal gut (nach)recherchiert wurde. Man(n) sollte vielleicht wirklich hoffen das mehr Frauen zu HipHop finden, wäre evtl. auch eine Möglichkeit etwas mehr ausgeglichenheit und vielleicht sogar etwas mehr Anspruch zurück in die Musik zu bringen. Leider spielen die Massenmedien aber ihr eigenes spiel so das solche Bemühungen eher wie ein Tropfen auf dem heißen Stein wirken. Man kann Nika nur viel Glück und Erfolg für die Zukunft wünschen.
Droux 21.08.2008 Jau nettes Interview was auch zeigt das feminismuss != männer feindlich ist ;) ... wobei ich bei der Frau Schwarzer immer nicht so ganz sicher bin ... ist sie jetzt feministin oder männer feindlich ;)
oder beides .. jedenfalls hat sie sich für mich selbst in abseits geschossen wegen der Onkelz sache ... ich hab absolut nichts mit rechtsrock am hut und verachte diesen auch, aber songs wie "türken raus" (glaube zumindest das die zeile aus dem song stammt, welcher ja imho auch der einzige rechtsradikale song war (faschistische haben die glaube ich mehrere)) kennt man irgendwie (auch Frau Schwarzer) bzw an denen kommt man nicht vorbei wenn man die band objektiv betrachtet und beurteilen will.
J-nisthePAINes 21.08.2008 Yo Staiger fett. Kp ob ich das jetz genau richtig verstanden hab, aber ich denke wir denken: Frauen brauchen einfach mehr Eier! Gleichberechtigung, R-e-s-p-e-c-t und blablabla, aber im endeffekt sind noch 90% von denen die das sagen schleimige wendehälse. Also sind frauen schleimige wendehälse ohne Eier? Ich meine die die's nicht sind kann man an einem rechnenschieber abzählen. Sieht in dem sinne bei den Peniswesen auch nicht rosig aus, aber auf jeden fall besser
steve b. 25.08.2008 hey warte mal,
bist du nicht frueher im kitkatclub mit fast nichts an rumgehuepft....geil,du bist es, wir hatten mal das vergnuegen auf der tanzflaesche,....
foxy 30.08.2008 hallo staiger, ich wünsche dir auch ein paar titten, damit du endlich im rapgame beachtung findest...