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feature | Nika Kramer
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Nika Kramer
Autor/Interview: lisa/staiger
Fotos: staiger
20.08.2008 Nika Kramer
Über Pornos, Powermoves und Feminismus

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Staiger: Wie ist das, würdest du eine Rapperin unterstützen, weil sie eine Frau ist, obwohl sie schlecht ist?

Nika: Wie viele schlechte männliche Rapper werden denn bitte unterstützt? Hast du dir mal diese „Rap City Berlin“-DVD angeguckt? Da sind keine Frauen dabei, nur Pappnasen!
Ich möchte, dass mehr Frauen im Hip Hop sind, denn je mehr überhaupt da sind, umso mehr Gute sind dann auch dabei. Nehmen wir mal Leute die Graffiti malen, da sind welche dabei, die nicht gut malen, aber trotzdem Hut ab, die machen ihr Ding. Die wollen dabei sein und tun halt was. Sie finden es schön, ich find’s scheiße – egal!

Staiger: Das ist eine gute Einstellung. Sie sind glücklich mit dem, was sie tun.



Nika: Genau. Was war noch mal die Frage?

Staiger: Ob die Qualität entscheidend dafür ist, ob du jemanden unterstützt.

Nika: Es geht erst mal darum, mehr Frauen reinzubringen. Je mehr Frauen da sind, desto größer ist der Prozentsatz derer, die gut sind. Wie gesagt, guck dir diese „Rap City“-DVD an, da sind wirklich nur ganz wenige drauf. Ein paar Frauen, die richtige Scheiße labern sind auch da drauf. Und wo sind die anderen? Da will ich eben zeigen, dass es die auch noch gibt. Ich unterstütze ja eben auch Mitmenschen, damit sie besser werden. Und eine Frau, die jetzt noch nicht so gut ist, wird durch meine Unterstützung vielleicht auch besser. Du machst das ja mit Sicherheit auch: dass du Freunde unterstützt, wenn sie dich darum bitten.

Staiger: Nee! Ich sage „Du bist zwar mein Freund, aber du bist scheiße.

Nika: Die Berliner Mädels waren ja auch zusammen im Studio und haben einen We B*Girlz Track gemacht und das ist auch nicht immer alles mein Geschmack. Ich bin alt, ich bin 40, ich höre lieber irgendwelchen beschwingten Flower-Power-Rap. Die Berliner Rapperinnen sind aber ein bisschen härter geworden und wenn die das auf den Tracks dann auch so wollen und so rüberbringen, dann ist das ok. Ich sage auch, wenn ich was nicht so toll finde.

rap.de: Du hast den Feminismus jetzt mehrmals angesprochen. Wie würdest du diesen Begriff für dich definieren?

Nika: Für mich bedeutet Feminismus einfach, dass Frauen gleiche Rechte und gleiche Möglichkeiten haben. Natürlich gibt es viele verschiedene Definitionen davon, aber das ist meine. Ich finde es halt blöd, wenn Mädels das so direkt abtun. Eine Freundin von mir hat ein Magazin gemacht, das hieß „We Ain’t Hoes“ und das fing an mit dem Satz „We ain’t hoes, we ain’t feminists“. Wir sind keine Huren und wir sind keine Feministinnen, als wären das zwei Dinge, die man auf keinen Fall sein will. Ich lese seit 15 Jahren die Emma und finde nicht immer alles gut, was Alice Schwarzer macht. Muss man ja auch nicht, aber sie hat für Frauen eine Menge erreicht und mich auch über Sachen zum Nachdenken angeregt, über die ich mir sonst nie einen Kopf gemacht hätte. Meine Mutter hat immer gesagt, eine Beziehung würde nur über „die drei großen S“ funktionieren: schenken, schlucken, schweigen. Mit schlucken meinte sie jetzt nicht „schlucken“, sondern runterschlucken. Dass eine Beziehung halt nur funktioniert, wenn eine Frau ihre Gedanken für sich behält. Ich wollte diese Feminismus-Diskussion auch einfach mal wieder so ein bisschen in die Köpfe bringen. Dass verschiedene Frauen mit ihren verschiedenen Standpunkten zusammentreffen und darüber diskutieren. Ich hätte gerne auch Lady Bitch Ray dabei gehabt, die ja auch sagt, sie wäre eine Feministin. Wobei es eine Frechheit ist, dass sie behauptet, man wäre keine Feministin, wenn man sie nicht gut fände. So was würde eine Feministin nie sagen.

Sookee: Mein Auftrag ist tatsächlich, die Kategorie Geschlecht zu überwinden. Es gibt Interessensgemeinschaften. Und es gibt nicht mehr Männer und Frauen, sondern es gibt Leute, die sich für das eine Ding interessieren und Leute, die sich für das andere Ding interessieren und die jeweiligen Gruppen sind ganz heterogen. Schwesternschaft ist eine gute Sache, aber ich will Geschwisterlichkeit.

Staiger: Warum ist das oft so humorlos?

Nika: Wir haben eben nicht alle den gleichen Humor. Ich kenne Feministinnen, die sind locker und entspannt und gehen ganz offen damit um. Das sind gerade ältere Frauen, so wie Martha Cooper zum Beispiel. Viele jüngere Frauen beschäftigen sich nur oberflächlich damit und sagen dann direkt, dass sie nichts damit zu tun haben wollen. Und dann gibt es diesen so genannten „Neuen Feminismus“, der in den Medien z. B. mit Charlotte Roche dargestellt wird.

Staiger: Was hältst du von Pornoseiten für Frauen?

Nika: Ich glaube nicht, dass wir so was brauchen! (lacht) Wenn ich einen Porno will, dann geh ich in die Videothek, dazu brauche ich keine Pornoseiten. Ein Ex-Freund von mir hatte mal eine Telefonrechnung von 600 Euro, weil er sich einen Virus auf einer Pornoseite eingefangen hat und immer, wenn er den PC angeschaltet hat, hat sich dieses Programm eingewählt zu irgendeiner Nummer nach Hawaii oder so.

Staiger: Als es noch keine DSL-Standleitung gab.

Nika: War das damals so? Na ja, zumindest hatte ich ihn dann erwischt!

rap.de: Richtig so!


Staiger: Aber es ist ja auch so, dass Alice Schwarzer schon dieses Bild von einem unsexy Feminismus bedient. Auch diese „PorNO“-Kampagne kommt ja ziemlich lustfrei und schon nahezu puritanisch rüber.

Nika: Findest du?

Staiger: Ja. Auch auf diesem „Arschficksong“ rumzureiten – da wird einfach nur schlechter Sex beschrieben. Generell ist in den Arsch gefickt zu werden, bis man blutet wahrscheinlich eher schlechter Sex… Es gibt sicherlich Menschen, die das mögen, aber an sich ist Analsex ja dann interessant, wenn er anders praktiziert wird. Das muss auch immer alles zum richtigen Zeitpunkt kommen. Das ist auch ein Punkt, wo ich sage, ok, „Auf die Knie und blas mir Einen“ ist ein durchaus interessanter Satz, der im Zuge des Liebesspiels zum richtigen Zeitpunkt auch erotisch sein kann. Aber keinesfalls zum kennen lernen. Aber die Frage ist ja nicht, warum er das rappt, sondern warum sich so viele dafür interessieren und das kaufen. Natürlich propagieren die Medien so was, aber es wird auch einfach gekauft, weil es interessant ist.

Nika: Ich denke nicht, dass ein starker Bedarf an einem "Arschficksong" besteht, sondern dass es deshalb gekauft wird, weil man ja als junger Mensch auch immer diesen Protestbedarf hat. Ich habe früher AC/DC gehört und meine Mutter fand das grauenhaft und dachte, es wäre die Musik des Teufels. Oder auch wenn ich in Schwarz gekleidet auf ein Iron Maiden-Konzert gegangen bin, mit Kajal unter den Augen und die Haare toupiert. Und natürlich habe ich die Musik dann umso lauter aufgedreht. Ich glaube nicht, dass diese ganze furchtbare Lyrik, die es im deutschen Hip Hop gibt, unsere Kinder zwangsläufig ruiniert und ich glaube auch, dass man den Kindern da teilweise zu wenig Intellekt zugesteht. Mir hat das nicht geschadet, ich habe allerdings auch eine gute Erziehung genossen und meine Mutter hat auf mich aufgepasst. Wenn man das jetzt aber alles so laufen lässt, ohne Kontrollinstanz, dann weiß ich nicht, was passiert. Wie entwickeln sich Menschen dann?

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Kommentare:
clientell   21.08.2008
Gutes Interview welches auch mal gut (nach)recherchiert wurde. Man(n) sollte vielleicht wirklich hoffen das mehr Frauen zu HipHop finden, wäre evtl. auch eine Möglichkeit etwas mehr ausgeglichenheit und vielleicht sogar etwas mehr Anspruch zurück in die Musik zu bringen. Leider spielen die Massenmedien aber ihr eigenes spiel so das solche Bemühungen eher wie ein Tropfen auf dem heißen Stein wirken. Man kann Nika nur viel Glück und Erfolg für die Zukunft wünschen.

Droux   21.08.2008
Jau nettes Interview was auch zeigt das feminismuss != männer feindlich ist ;) ... wobei ich bei der Frau Schwarzer immer nicht so ganz sicher bin ... ist sie jetzt feministin oder männer feindlich ;) oder beides .. jedenfalls hat sie sich für mich selbst in abseits geschossen wegen der Onkelz sache ... ich hab absolut nichts mit rechtsrock am hut und verachte diesen auch, aber songs wie "türken raus" (glaube zumindest das die zeile aus dem song stammt, welcher ja imho auch der einzige rechtsradikale song war (faschistische haben die glaube ich mehrere)) kennt man irgendwie (auch Frau Schwarzer) bzw an denen kommt man nicht vorbei wenn man die band objektiv betrachtet und beurteilen will.

J-nisthePAINes   21.08.2008
Yo Staiger fett. Kp ob ich das jetz genau richtig verstanden hab, aber ich denke wir denken: Frauen brauchen einfach mehr Eier! Gleichberechtigung, R-e-s-p-e-c-t und blablabla, aber im endeffekt sind noch 90% von denen die das sagen schleimige wendehälse. Also sind frauen schleimige wendehälse ohne Eier? Ich meine die die's nicht sind kann man an einem rechnenschieber abzählen. Sieht in dem sinne bei den Peniswesen auch nicht rosig aus, aber auf jeden fall besser

steve b.   25.08.2008
hey warte mal, bist du nicht frueher im kitkatclub mit fast nichts an rumgehuepft....geil,du bist es, wir hatten mal das vergnuegen auf der tanzflaesche,....

foxy   30.08.2008
hallo staiger, ich wünsche dir auch ein paar titten, damit du endlich im rapgame beachtung findest...