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feature | Nika Kramer
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Nika Kramer
Autor/Interview: lisa/staiger
Fotos: staiger
20.08.2008 Nika Kramer
Über Pornos, Powermoves und Feminismus

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Nika Kramer - Über Pornos, Powermoves und Feminismus

We B*Girlz - Das ist eine Bewegung

http://www.rap.de/features/793
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Der August steht ganz im Zeichen der Mädels: im Rahmen We B*Girlz-Festival finden den gesamten Monat über diverse Workshops und Veranstaltungen von und für die Damen in unserer wunderbaren Kultur statt. Wir haben uns mit der Organisatorin des Ganzen, Nika Kramer, getroffen, ein sehr öffenes Gespräch über Hip Hop, Feminismus und schlechten Sex geführt und schlußendlich festgestellt, dass es doch Dinge geben mag, von denen Alice Schwarzer keine Ahnung hat. Außerdem haben wir für euch die interessantesten Aussagen der Podiumsdiskussion zum Thema "Frauen im Hip Hop" zusammengetragen. Have Fun.
(Alle Fotos wurden auf der Graffiti Box Jam aufgenommen. Auf den Bildern sieht man Nika Kramer zusammen mit Martha Cooper.)

rap.de:
Du hast beruflich ja erst einige andere Sachen gemacht. Wie bist du zu Hip Hop gekommen?


Nika: Hip Hop gehört habe ich immer, aber die Kultur so richtig erfahren habe ich erst mit 34. Da wo ich in Oldenburg gewohnt habe, gab es nicht so viel Hip Hop. Das war ein Dorf draußen auf dem Land, wo dann mal „2Pac“ ans Bushäuschen gesprüht war. (lacht) Also die Kultur wirklich erfahren habe ich erst, als ich mit 34 angefangen habe, bei MZEE Records zu arbeiten. Akim Walta hatte mich damals eingestellt, weil er an einem Hip Hop Buch arbeitete und eine Frau brauchte, die gut Englisch konnte. Da ich Fremdsprachenkorrespondentin bin, war ich geeignet. Kennen gelernt hatte ich ihn auf irgendeiner Party in Berlin und habe dann auch angefangen, alles was auf Englisch geschrieben werden musste, Cover, Texte, und so weiter, nebenbei zu machen. Dann hat er mich gefragt, ob ich für einen Monat nach Köln kommen könnte, weil er mir dieses „Hip Hop Files“-Projekt vorstellen wollte und ich könnte dann von Berlin aus für ihn arbeiten. Also bin ich nach Köln gekommen und wir haben dann dieses Buch zusammen mit Martha Cooper fertig gemacht. So habe ich Martha kennen gelernt. Wir haben uns super gut verstanden, sind sofort Freundinnen geworden. Als wir dann mit den „Hip Hop Files“ auf Promotion Tour waren, haben wir B-Girls getroffen. Martha war sofort von diesen Frauen angetan und fand auch immer, dass die Frauen im Hip Hop viel zu wenig dokumentiert werden würden. Als sie damals in New York angefangen hatte, Hip Hop zu fotografieren, waren das halt hauptsächlich Jungs. Daraufhin hat sie mich gefragt, ob ich mit ihr zusammen dieses Buch „We B*Girlz“ machen will, was wir dann auch gemacht und infolge dessen verschiedene Events organisiert haben. Wir haben Veranstaltungen in New York gemacht, in Frankreich und beim „Battle Of The Year“ machen wir das jährliche We B*Girlz Battle. Ich fand Hip Hop so faszinierend, weil ich das vorher immer nur als Außenstehende gekannt hatte. Praktisch das, was ich in den Medien und im Radio gehört habe, aber dann war ich total begeistert von dieser Kreativität. Früher war ich auch schon mal auf Raves und auch zweimal auf der Love Parade. In der Technokultur war damals der am coolsten, der am meisten Pillen geklinkt hat. (lacht) Im Hip Hop muss man Leistung zeigen und gut werden, um Respekt zu kriegen. Ich finde das gerade für Kids total klasse und wollte das promoten und allen zeigen, wie toll Hip Hop ist.


Staiger: Wann war das genau?

Nika: So vor sechs Jahren.

Staiger: Das hat sich seither stark verändert, oder?

Nika: Nein, finde ich nicht. Hip Hop besteht ja auch nicht nur aus Rap. Wenn ich mir die Bereiche Breakdance und Graffiti angucke, finde ich nicht, dass das alles in Richtung Kapitalismus geht.
Ich finde, Hip Hop ist immer noch eine sehr kreative Kultur. Gerade als wir an dem B-Girl-Buch gearbeitet haben, haben wir ja quasi in ganz Europa und den USA B-Girls gesammelt. Das ist so dynamisch, was die machen und sie verkörpern so ein tolles Frauenbild – gerade Breaken ist extrem hart und schmerzhaft. Diese tollen Frauen haben einem selbst so einen Kick gegeben, dass ich das dann in New York auch selbst versucht habe. Ich hatte dann eine Knie-OP… (lacht) Wenn ich mir meine Nichten anschaue, die ihre Zimmerwände mit Postern von Mary-Kate und Ashley Olsen tapeziert haben, weil sie die so toll finden – da komme ich immer und sage „Ey, da muss ein B-Girl ran!“. Mit dem „We B*Girlz“-Projekt wollen wir dieses Rollenbild auch promoten. Das Buch hat viel Geld gekostet und leider wenig eingebracht, aber die Mädels sind stolz darauf und das ist wichtig.

rap.de: Wann ist die Idee für das We B*Girlz Festival, das jetzt gerade in Berlin stattfindet, entstanden?

Nika: Kleinere Veranstaltungen haben wir ja immer gemacht und es gibt auch in Minneapolis ein Frauen-Hip-Hop-Festival, das „B-Girl Be“. Da war ich mal, fand die Veranstaltung toll und das, was wir jetzt hier machen, ist eigentlich dasselbe. Frauen die breaken, Frauen malen Graffitis, Frauen geben Workshops, nur ist das dort etwas kleiner und die haben nicht so viele Rapperinnen dabei, wie wir sie jetzt hier haben. Am 29.08. im Cassiopeia sind dreißig Acts dabei, was vielleicht etwas übertrieben ist, aber die wollten alle auftreten.

Staiger: In eurem Begleitheft zum Festival sprichst du davon, dass du einen Fehler mit den Veranstaltungen gemacht hast.

Nika: Ich habe den großen Fehler gemacht, dass ich von Anfang an wusste, dass ich mehr Geld brauche für die gesamte Veranstaltung. Ich war mir immer sicher, dass wir noch Sponsoren kriegen, weil wir hier ein tolles Projekt haben, aber das hat nicht ganz geklappt. Wir haben Nike, die geben uns Support und Red Bull, aber das liegt auch daran, dass ich bei Red Bull arbeite. Ich bin seit drei Jahren für die als Texterin tätig und die haben auch ganz klar gesagt „Wir sind so am Markt positioniert, wie wir das wollen. Auch ohne euch!“ (lacht) Auf jeden Fall supporten die uns, weil sie es cool finden, was wir machen. Coca Cola Light hat gesagt „Die Frauen, die ihr da habt, entsprechen nicht unserem Frauenbild". Deren Rollenmodell ist „Ally McBeal“, also magersüchtige Frauen in kurzen Röcken. Die starken Frauen will ja keiner haben, die passen ja auch in keine Marketingkampagne. Klar, wir haben ein paar Sachen von Eastpak und Carhartt bekommen und auch Goodies für die Tänzerinnen und die Leute, die hier arbeiten, das ist natürlich schon schön. Bei Nike passen wir rein, die haben in ihren Videos ja auch immer starke Frauen. Aber gut, vielleicht hätte ich einige Veranstaltungen einsparen und auch das Magazin nicht mehr machen sollen. Das war extrem viel Arbeit. Die ganzen Frauen, die hier bei uns arbeiten, sind entweder Praktikantinnen oder Freiwillige.

Staiger: Die dann nach Beendigung des Praktikums aufs Abstellgleis geschoben werden, wie Bianca Ludewig es in der Podiumsdiskussion mit Alice Schwarzer formuliert hat.

Nika: (lacht) Die aufs Abstellgleis gehen? Hat sie das gesagt?

Bianca Ludewig: Ich würde schon sagen, dass es einen gewissen Gegenwind gibt, man kann sich bei gewissen Sachen ja schon fragen, ob das ein Zufall ist. Gerade im Popjournalismus ist das extrem. Es gibt sehr wenige Frauen, es ist alles männerdominiert. Ich glaube, wenn man jetzt die letzten fünf Jahre bei der Juice oder Backspin betrachtet, könnte man mal eine genaue Analyse machen. Klar gab es hier und da Praktikantinnen, die auch mal was geschrieben haben, aber die, die da regelmäßig was als Redakteurin geschrieben haben, kannst du echt an einer Hand abzählen und das ist ja kein Zufall.

rap.de: Sie meinte, dass Frauen im Popjournalismus eigentlich immer nur Praktikantinnen sind und danach praktisch verschwinden.

Nika: Aber sie ist doch auch da, oder nicht?

rap.de: Ja, sie ist wahrscheinlich die Einzige.

Nika: Also, unsere Praktikantinnen verschwinden auf jeden Fall nicht auf dem Abstellgleis, das sind alles Schulpraktikanten. Teilweise gehen die auf die L4-Akademie, machen eine Ausbildung zur Eventkauffrau und müssen von den drei Jahren Ausbildung, für die sie auch Schulgeld zahlen, eineinhalb Jahre Praktikum machen. Das ist natürlich auch ein tolles Konzept für eine Schule. Die haben sich alle beworben auf dieses Praktikum, das ich bei einer Praktikumsbörse im Internet eingetragen habe, wo sich die Mädels von den Schulen umgucken. Es sind sogar zwei aus der Schweiz da, wo es einen Mindestlohn für Praktikanten gibt, der bei 800 Euro oder so liegt. Aber die haben sich entschieden, hierher zu kommen und das Festival mit zu machen, weil sie da Bock drauf hatten. Ich habe bei Akim damals auch als Praktikantin angefangen, mit 34 Jahren. (lacht) Ich habe da ein halbes Jahr Praktikum gemacht und meinte dann „Entweder, du gibst mir jetzt Geld, oder ich bin weg!“ und da konnte er dann schon nicht mehr anders.

rap.de: Das ist auch mein Plan.

Staiger: Wie läuft es denn so bisher mit dem Festival?

Nika: Die Workshops sind am Anfang etwas mau angelaufen, laufen aber jetzt viel besser. Im Allgemeinen bin ich ziemlich zufrieden. Es ist das erste Mal, dass ich ein Festival in dieser Art mache, ich habe noch nie so ein Riesending organisiert. Ich habe jede Menge Leute, die mich unterstützen, mir helfen, hinter mir und auch wirklich auf Abruf bereit stehen. Das sind alles Leute, die auf diesem Sektor mehr Erfahrung haben als ich und zu denen ich quasi eine stehende Telefonleitung habe. Klar, wenn man so was das erste Mal macht, macht man auch ein paar Sachen falsch und lernt dazu.


rap.de: Warum brauchen Frauen eigentlich ein eigenes Festival? Das gab es so in der Form für Männer ja auch nie.

Nika: Also ich glaube bis letztes Jahr ist zum Beispiel beim Hip Hop Kemp in Tschechien keine einzige Frau aufgetreten. Von daher gab es das schon irgendwie.

Staiger: Aber das wurde ja nicht ausdrücklich als Männerfestival geplant und angekündigt.

Nika: Nein, das ist richtig. Viele Frauen in der Hip Hop Szene sagen mir, dass sie das nicht brauchen. Martha Cooper und ich werden oft dafür kritisiert von Frauen, die stark in der Szene verankert sind, dass wir die Szene aufsplitten wollen. Das wollen wir aber nicht. Hip Hop ist eine Kultur, bei der Männer, Frauen, Kinder und mittlerweile sogar Opas und Omas mitmachen. Wenn ich starke Frauen treffe, die sagen „Brauche ich nicht. Ich brauche auch keinen Feminismus, denn alles ist gut. Wir sind alle gleichberechtigt und können alles erreichen, was wir wollen…

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Kommentare:
clientell   21.08.2008
Gutes Interview welches auch mal gut (nach)recherchiert wurde. Man(n) sollte vielleicht wirklich hoffen das mehr Frauen zu HipHop finden, wäre evtl. auch eine Möglichkeit etwas mehr ausgeglichenheit und vielleicht sogar etwas mehr Anspruch zurück in die Musik zu bringen. Leider spielen die Massenmedien aber ihr eigenes spiel so das solche Bemühungen eher wie ein Tropfen auf dem heißen Stein wirken. Man kann Nika nur viel Glück und Erfolg für die Zukunft wünschen.

Droux   21.08.2008
Jau nettes Interview was auch zeigt das feminismuss != männer feindlich ist ;) ... wobei ich bei der Frau Schwarzer immer nicht so ganz sicher bin ... ist sie jetzt feministin oder männer feindlich ;) oder beides .. jedenfalls hat sie sich für mich selbst in abseits geschossen wegen der Onkelz sache ... ich hab absolut nichts mit rechtsrock am hut und verachte diesen auch, aber songs wie "türken raus" (glaube zumindest das die zeile aus dem song stammt, welcher ja imho auch der einzige rechtsradikale song war (faschistische haben die glaube ich mehrere)) kennt man irgendwie (auch Frau Schwarzer) bzw an denen kommt man nicht vorbei wenn man die band objektiv betrachtet und beurteilen will.

J-nisthePAINes   21.08.2008
Yo Staiger fett. Kp ob ich das jetz genau richtig verstanden hab, aber ich denke wir denken: Frauen brauchen einfach mehr Eier! Gleichberechtigung, R-e-s-p-e-c-t und blablabla, aber im endeffekt sind noch 90% von denen die das sagen schleimige wendehälse. Also sind frauen schleimige wendehälse ohne Eier? Ich meine die die's nicht sind kann man an einem rechnenschieber abzählen. Sieht in dem sinne bei den Peniswesen auch nicht rosig aus, aber auf jeden fall besser

steve b.   25.08.2008
hey warte mal, bist du nicht frueher im kitkatclub mit fast nichts an rumgehuepft....geil,du bist es, wir hatten mal das vergnuegen auf der tanzflaesche,....

foxy   30.08.2008
hallo staiger, ich wünsche dir auch ein paar titten, damit du endlich im rapgame beachtung findest...