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Dresta (RaportaZ)
Autor/Interview: Nora
Fotos: Alexander Bell
20.09.2007 Dresta (RaportaZ)
Der Reporter des Raps

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rap.de: Beobachtet ihr oder verfolgt ihr deutschsprachigen Rap? Wie empfindet ihr die Entwicklung der letzten Jahre die Tendenz zu Gangster Rap?  

Dresta: Wir haben ja 2005 mit "Gangsta Gangsta" sogar eine EP zu diesem Thema rausgebracht. Damals war das gerade der absolute Boom von Gangsta-Rap in Deutschland. Viele Artist haben das als ziemlich peinlich in ihren eigenen Songs behandelt, wie zum Besipiel Curse in seiner Albumsingle oder auch Olli Banjo, der zwei Monate vor unserem EP-Release auf der Juice CD auch einen Song hatte, der "Gangsta Gangsta" hieß und in die gleiche Richtung ging. Ebenso wie diese beiden, haben wir unsere Kampagne damals aber nicht als generelle Verurteilung von Gangsta-Rap gesehen, auch wenn die Medien das in ihren Headlines gerne so dargestellt haben. Ich bin selbst mit Westcoast in dieses Rapding gekommen, habe alle Alben von Ice Cube oder N.W.A und habe das auch immer gefeiert. Es ging uns einfach darum, dass neben den paar echten Street-Rapleuten, die es ja nun auch in Deutschland hier und da in den krassen Gegenden gibt, einfach wahnsinnig viele Möchtegern-Typen auf diesen Zug aufgesprungen sind. Jeder tat plötzlich, so als ob er der krasse Rap-Gangster oder Ober-Zuhälter wäre. Diese stumpfe Kopiererei fanden wir als Gruppe, die über viele Jahre in der Szene gewachsen ist und die ursprünglichen Ideen von HipHop noch gelebt hat, einfach zu bescheuert. Da wollten wir Stellung beziehen und anstatt uns mächtig aufzuregen haben wir die Sache dann eben verarscht. Ich meine, klar: Wenn jemand gerade in der Pubertät ist und rebellieren will ist das schon geil für den, sich so was wie Frauenarzt oder die frühen Bass Sultan Hengzt Sachen reinzuziehen. Aber für jeden, der aus dieser Phase raus ist, ist doch klar, dass das alles nicht stimmt. Es ist dann vielleicht immer noch Unterhaltung und es gibt ja auch Action- und Pornofilme, die sich großer Beliebtheit erfreuen, aber das hat für mich nichts mit dem Gedanken von HipHop zu tun. Ein 50Cent kann so was erzählen, weil er eben wirklich 9 Mal angeschossen wurde und auch an traurigen Beispielen wie Proof, 2Pac, Big Pun, etc. sieht man, dass die Sache bei denen einfach wirklich so heftig abläuft. In Deutschland habe ich noch nichts von einer Schießerei zwischen Optik Records und Snaga&Pillath gehört, weil die einen ein Problem mit den anderen haben. Ich weiß auch gar nicht, warum sich manche offenbar ein Deutsches Compton wünschen wo dauernd wer abgeknallt wird. Jeder der ein bisschen Grips im Kopf hat, sollte froh sein, dass es hier anders läuft, auch wenn sich die Umstände immer weiter verschlimmern. Da braucht man nicht allen weiß machen, wie heftig es doch hier selbst in Buxtehude wäre und das auch noch cool sei. Ist aber auch nur unsere Meinung gewesen und wir hatten über unsere Presse- und TV-Partner eben die Möglichkeit diese Meinung vielen Leuten mitzuteilen.

rap.de: Nach dem was du gerade gesagt hast und wenn man schon so lange dabei ist, kann man dann Voraussagen treffen, was der nächste Trend ist, was wird als nächstes auf MTVIVA rund laufen wird?

Dresta: Also auf jeden Fall wird da kaum noch Deutschrap laufen! Die filtern ja ganz krass aus was denen einen Vorteil bringt wenn es da läuft und was nicht und das Interesse an Deutschrap geht in den großen Medien auf jeden Fall nach unten. Das hat auch sehr viel mit diesem "Gangsta, Bling Bling, Nutten und Koks"-Image zu tun und jeder noch einen draufsetzen will um in diesem GhettoRap-Spiel überhaupt noch aufzufallen. Die großen Firmen wollen zum Beispiel immer weniger in HipHop-Magazinen ihre Werbung schalten, weil sie keinen Bock haben ihr neues Handy neben irgendwelchen Pistolenläufen oder Mordszenarien zu platzieren. Wenn diese Investoren fehlen, gehen die Magazine langsam kaputt, was man auch an den sinkenden Auflagen und fallenden Anzeigenpreisen merkt. Obwohl alle davon labern verkauft kaum noch einer etwas. Wir haben ja über Sony die echten Zahlen von einigen Acts als Vergleich und sehen, dass da kaum was geht. Das hat natürlich auch viel mit Downloads zu tun aber auch damit, dass momentan vieles in dieselbe Richtung geht.
Ich denke, dass die Gangsta-Pimp-Welle jetzt langsam übersättigt ist und sich ein gewisses Gleichgewicht einstellen wird. Insgesamt wird die Rapszene meiner Meinung nach aber auf jeden Fall auch viel jünger werden, weil dieses Image von Rap den Leuten einfach irgendwann zu blöd wird. Es ist ja auch eine sehr junge Jugendkultur aber andere Musikrichtungen, wie zum Beispiel Rockmusik, die anfangs ja auch sehr jugendlich und rebellisch war, haben es geschafft, die Leute kontinuierlich anzusprechen und sind deshalb auch so groß geworden. Wenn HipHop nicht diesen Sprung schafft, wird er sich, statt sich weiter zu vergrößern, sicherlich bald wieder verkleinern, denn die nächste Generation will nicht dasselbe machen wie die vorige. Die wollen dann vielleicht alle Elektro-Crunk-Punk hören und lassen sich die Haut grün färben um sich abzugrenzen.

rap.de: Erkläre doch mal bitte den folgenden Satz aus dem Pressetext: „…lässt Dresta auf dem Song Game Over, dessen Spielzeit nicht zufällig 6:49 beträgt,..“

Dresta: "Game Over" ist ja die RaportaZ-Geschichte von Gründung bis Schluss. Also sozusagen ein Song über unsere Zeit im HipHop-Game, die jetzt zu Ende ist. Der Erfolg in diesem "Game" hängt von so vielen Faktoren ab, dass man letztendlich neben harter Arbeit auch einfach Glück haben muss. Es ist also ein Glückspiel in denen ganz wenige sehr reich werden und tausend andere gar nichts oder kaum was bekommen. Genau wie beim "6 aus 49"-Lotto. Die Spielzeit 6:49 Minuten bei „Game Over“ ist also ein versteckter Hinweis darauf, dass das "Game" von dem da gesprochen wird ein Glückspiel ist. Wir haben unseren Einsatz auf jeden Fall wieder rausgekriegt, aber bevor wir alles verzocken, hören wir jetzt lieber auf, weil wir an diesem Spieltisch eine lange, gute Zeit hatten und nicht zuletzt noch das Haus und die Frau verzocken wollen…

rap.de: Ok, mir geht ein Licht auf. Tricky. Im Zusatzmaterial sieht man, wie ihr im Auto irgendwas hört, was ihr bei MySpace aufgetan habt. Deutscher Rap hat sich ja auch durch das Internet enorm verändert, dadurch, dass nämlich auch Junge XY im tiefsten Buxtehude der gut rappt leichter Gehör finden kann und gleichzeitig viel leichter an Platten von anderen Künstlern und Kontakte kommt, andererseits der Markt aber auch überflutet wird. Wie siehst du das, welchen Einfluss hat das Internet auf Rap?

Dresta: Das Internet hat, glaub ich zumindest, nur innerhalb der Szene einen wirklichen Einfluss, aber dort einen sehr starken. Viele Typen verbringen jeden Tag sehr lange bei MySpace um ihre Klicks zu bekommen und Freunde zu sammeln und sind dann cool. Es veröffentlicht ja auch jeder eine Download EP oder ein Download-Album und je jünger der User ist, desto mehr postet er auch seine, leider meist pubertäre Meinung, in zig Foren. Außerhalb der Szene interessiert das die Presseleute oder andere aber einen ziemlichen Scheiß und das ist auch gut so. Sogar die Künstler selbst sagen ja immer wieder, dass sie kaum oder gar nicht auf diese Portale gehen, weil sie das zu heftig beeinflussen würde oder einfach die Zeit Verschwendung ist. Ich versuche auch immer, da möglichst wenig drauf zu geben, denn im Prinzip kann da irgend so eine Kinderclique plötzlich als Meinungsmacher agieren. Wenn ich auf MySpace bin, höre ich mir zum Beispiel nie was an, sondern bestätige nur die Freundesanfragen, weil man ja auch nicht unhöflich sein will und dann gehe ich wieder raus. Zum Glück verlangen die Leute, die in entsprechenden Positionen sitzen, auch mehr als eine billige MySpace Visitenkarte. Da geht es dann eher darum, welche Tonträger man hergestellt hat, wo man aufgetreten ist und was man an besonderen Dingen vorweisen kann. Wo kämen wir denn da auch hin wenn man seine Karriere nur über das Internet betreibt? Trotzdem ist das Web innerhalb der Webuser natürlich enorm wichtig und vielleicht wird es auch noch wichtiger, aber ich denke, dafür ist es zu unpersönlich. Ich hoffe zumindest, dass die Menschen immer noch mehr Wert auf Persönlichkeit legen als auf Bits und Bytes. Für die Informationssuche nach Kontakten etc. ist das Internet allerdings top. Also wenn man das Ganze als Arbeitsgerät versteht, kann es schon von ziemlichem Nutzen sein.

rap.de: Rapper sind ja inzwischen überall präsent und teilweise ja auch zu richtigen Promis geworden. Ihr seid jetzt lange dabei. Kennst du so etwas? Das Leute auf euch zukommen und euch als Star sehen und erkennen? Die Leute haben ja auch oft das Gefühl einen Künstler tatsächlich zu kennen, weil sie die Musik dieses Künstlers gehört haben.

Dresta: Auf mich kommen nicht so viele Leute zu und sprechen mich auf das Musikding an. Ab und zu passiert das schon mal auf der Straße, wenn mal auf einer Party bin oder komischer Weise auch oft beim Frisör aber bei mir ist das nicht so oft. Man merkt aber übrigens, wenn einen jemand erkannt hat. Kann ja auch immer sein, dass es Leute sind, die hier bei uns im HipHop-Niemandsland was gegen einen haben, weil sie einem den Erfolg mit RaportaZ nicht gönnen oder meinen, man hätte das nicht  verdient. Die trauen sich aber erst recht nicht, einen anzusprechen, sondern warten dann lieber, bis sie über Internet eine Mail schreiben können, weil sie sich da sicher fühlen. Meinen DJ sprechen die Leute da viel öfters an aber der wirkt auch offener. Ich vermittle auf den ersten Eindruck angeblich eher so eine "lass mich in Ruhe"-Ausstrahlung, wird mir öfters gesagt. Ist eigentlich auch tatsächlich so. In Mails lese ich aber schon oft, dass ich dem einen oder anderen aus der Seele sprechen würde und so. Aber so extrem ist das nicht. Es gibt dann eher aus unserem HipHop-Umfeld Leute, denen man anmerkt, dass sie komisch reagieren, wenn sie Leute aus meinem Umfeld kennen lernen, die mit HipHop gar nichts zu tun haben. Mein kompletter, fester Freundeskreis zum Beispiel hat fast gar nichts mit HipHop zu tun und das sieht man ihm auch an. Das scheint auf manche komisch oder zumindest sehr unerwartet zu wirken.

rap.de: Na gut, dann wünsche ich dir und euch in jedem Fall viel Erfolg bei dem was ihr in nächster Zeit so anpackt….Danke für das Interview. Hast du noch was?

Dresta: Ja, auch besten Dank für das Interview und "Danke" auch an alle Fans und auch Hater die RaportaZ über die Jahre begleitet haben. Ihr habt uns gezeigt, dass wir ein bischen was bewegen konnten mit unserer Musik und letztendlich ne Menge Leute erreicht haben. Das ist ein gutes Gefühl. Es hat sich auf jeden Fall gelohnt!



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Kommentare:
herd 2   29.09.2007
ich finds leider schlecht....

Hund   29.09.2007
HA HA ... die opfer hören endlich auf.... geht mal lieber arbeiten ...

el_duderino   01.10.2007
schade, dass ihr aufhört. gerade angesichts der aktuellen entwicklung von deutschrap ist es traurig, wenn einige der wenigen rapper, die noch ehrliche musik machen und auf posen und image-getue verzichten, das game verlassen. hoffe man hört euch doch nochmal auf dem ein oder anderen feature-track, hoffe auch dass ihr die jungs von ginex weiterhin supportet und vielleicht dazu beitragt, dass kassel nicht ganz von der rap-landkarte verschwindet. ansonsten wünsch ich euch viel glück für die zukunft. peace

Harry Jane   01.10.2007
Alles wahre Worte auf jeden Fall. Schade, dass gerade Raportaz aufhören haben echt immer gute sachen gemacht.

Chill mal   01.10.2007
irgendwie ist die Tragweite und Bedeutung der Raportaz im "Game" jahrelang an mir vorbei gegangen, komisch dabei dachte ich eigentlich ich hätte Ahnung von Hip Hop, na ja...

AcTiON   02.10.2007
find ich mit das langweiligste was im deutschen sprechgesang gibt!

Lexor   03.10.2007
An eurer stelle wär ich mal ganz still. Habts wohl einfach net mit hintergründigen Texten...Sido fan???

und tschüss...   06.10.2007
@el duderino: "die noch ehrliche musik machen und auf posen und image-getue verzichten" hast du dir schon mal die promo fotos reingezogen? wenn das nicht billigstes posen ist. limo leasing,etc. @lexor : "Habts wohl einfach net mit hintergründigen Texten" der hintergründigste text bringt gar nichts, wenn die musik beschissen ist. dieser vogel geht mal gar nicht. hör mal in das album rein. das netteste was ich dazu sagen kann ist, das herr dresta ein unglaublich talentierter zerstörer astreiner beats ist. der track ma und pa ist da mein paradebeispiel. wie kann man so einen krassen beat einfach so wegschmeissen. er ist beschissen berappt. und die hook ist einfach ne frechheit. eines der überflüssigsten releases des jahres. im intro gesprochen von curse hört man deutlich wie latex dem ist für wen der gerade was runterlabert. dresta - wayne?

H4T3R   04.04.2008
Oh Man wie arm ist das denn, es gibt nur einen Dresta und der kommt aus Compton und nicht aus diesen scheiss Kassel, gibt s eigentlich nur noch Wannabes in Deutschland