Alles hat ein Ende, so nun auch die musikalische Karriere von DJ Os Chill und Dresta, gemeinsam besser bekannt als die RaportaZ. Sie haben es geschafft Kassel/Göttingen auf der Raplandkarte erscheinen zu lassen und nach 8 Jahren im "Game", einem Demotape, zwei EPs und drei Alben, unzähligen Live Auftritten und einigen Videos, verabschieden sie sich mit einem letzten Release, nämlich "Augenlieder" und zugehöriger DVD. Den kommerziellen, großen Durchbruch haben sie nie geschafft, aber vielen Rap Fans etwas geben können. Bevor sich Dresta ganz zurückziehen konnte, haben wir ihn nocheinmal zu seinen Ansichten über Rap heute und Anderes befragt.
rap.de: Ok, lass uns direkt anfangen. Was waren die wichtigsten Stationen der RaportaZ Karriere?
Dresta: Also gegründet haben wir uns nach einer sehr langen Fan-Phase 1999. DJ Os Chill war schon länger Deutschrap-Fan aber ich fand das damals erst seit ungefähr zwei Jahren gut. Vorher war ich mehrere Jahre lang ausschließlich Westcoast-Fan. Damals, so Mitte der Neunziger, waren wir als HipHop-Leute ja noch die totalen Außenseiter. Wir haben damals alle noch bei den Eltern in der Nähe von Göttingen gewohnt und da gab es weder eine Szene oder sonst was. Nur alle drei Monate eine Jam im Göttinger "Juzi", die ab Ende der 90er immer beliebter wurden, als sich dann auch so eine Art Szene hier gebildet hat. Als wir 2001 die erste Demokassette. rausgebracht haben, war das deshalb eine sehr wichtige Station, weil man damit plötzlich etwas Besonderes geschafft hatte. Tatsächlich war das der erste HipHop-Release Göttingens. Ich selbst war damals gerade zum studieren nach Kassel gezogen, aber auch da gab es zu der Zeit glaub ich nur drei, vier Demokassetten, einen Untergrundsampler und zwei schon damals recht veraltete Platten. So haben wir uns sozusagen zum ersten Mal platziert. Andere wichtige Stationen waren dann der Start unserer Website Anfang 2003. So etwas hatten damals auch noch nicht viele und in Kassel und Göttingen waren wir sogar die einzige Rapband mit einer Internetpräsenz. Unser Debutalbum "mit Reimen Gewissen" hat uns dann zu einem richtigen Act gemacht und wir haben mit Molotow unseren ersten Sponsor bekommen. Aber auch so Sachen wie erste TV-Berichte, große Artikel in den Szene- und anderen Medien, eine Stadtmagazin-Titelseite und letztlich unser Label-Deal bei SonyBMG waren sehr wichtige Stationen, die RaportaZ zu einem festen Begriff in Rap-Deutschand gemacht haben, wenn wir es auch nie zu den Top-Ten geschafft haben.
rap.de. Was war der absolute Höhepunkt eurer Rapkarriere?
Dresta: Der uneingeschränkte Höhepunkt ist das aktuelle und letzte CD-/DVD Album "Augenlieder". Schon jetzt ist klar, dass das Ding einen wirklich sehr großen Schub nach vorne bringt und die Medien gehen sehr heftig da drauf ab. Das ist aber auch berechtigt, finde ich, denn auch wenn es letztendlich in der Schublade geendet wäre, wäre es von der Qualität, von den Ideen und dem ganzen Drumherum trotzdem die Spitze unserer musikalischen Laufbahn. Klar gab es auch andere Geschichten, die einfach hammer waren wie zum Beispiel Voract von GangStarr zu sein, "Platte der Woche" bei RTL2 oder von laut.de die Auszeichnung als "eines der besten Deutschrapalben des Jahres" mit unserem Crewprojekt 'RaportaZ-family'.
rap.de: Was bringt einen dazu, was ist der Auslöser dafür zu sagen: „Ich höre auf mit rappen.“? War das ein bestimmtes Erlebnis oder eher eine Konsequenz aus vielen Dingen?
Dresta: Ne, das wurde mit der Zeit einfach immer klarer, dass es ein Ende haben muss und deshalb konnte ich auch schon lange auf dieses Ende in Form meines Soloalbums hinarbeiten und es möglichst gut planen. Der größte Faktor ist dabei auf jeden Fall, dass sich die Sache einfach nicht auszahlt. Wir sind das ganze Rap-Ding ja eh nie unter der Hinsicht gefahren, dass wir damit viel Geld verdienen wollten, aber der durchschnittliche Downloader macht sich überhaupt keine Vorstellung davon, was da an Arbeit drinsteckt. Wie eingangs erwähnt hatten wir nie einen professionellen Background. Wir haben uns wirklich alles von Punkt 0 an selbst erarbeitet, selbst beigebracht und vor allem auch selbst finanziert. Vielleicht haben andere die Möglichkeit, aus einem riesigen Pool an Beats auswählen zu können, sich dann mal 2 Wochen hinzusetzen und 15 Tracks zu schreiben und aufzunehmen. Dann kümmert sich jemand anderes darum, dass alles auf CD zu bringen und fertig. Kann ich aber nicht glauben. Wieder von anderen weiß ich, das sie einen Geldgeber haben. Wir bekommen zwar auch von einigen Sponsoren gut Geld, aber das reicht trotzdem höchstens, um die Kosten zu decken. Ich will hier echt nicht übertreiben, aber die letzten 2,5 Jahre habe ich an nichts anderem gearbeitet als an dem Musik-Ding. Klar bin ich noch zum Job gegangen, und hab auch mal Zeit mit der Freundin verbracht, aber alles nur auf das Minimalste runtergedreht oder sogar das noch mit dem Musik-Job verknüpft. Das kostet eben alles ein wahnsinnig viel Geld und sehr viel Zeit… Und dann hast du einen wirklich guten Tonträger hergestellt, größtenteils auch selbst die Musik produziert, die Grafik gemacht, Webdesign, Pressegeschichten und so weiter und dann wird es auch noch nur wenig gekauft. Das kotzt einen echt an auch wenn ich schon verstehen kann, dass viele kein Geld mehr für Musik ausgeben wollen, weil es sich einfach alle anderen auch aus dem Netz laden. Da ist der Trost auch recht klein, dass wir mit dem letzten Album auf Platz 3 der illegalen Downloadcharts waren. Promoeffekt hin oder her, aber das ist schon schädigend. Besonders toll ist auch, wenn unsere Labelagentur von SonyBMG dann sagt: "Mit so einem hochqualitativen Album und eurer guten Pressearbeit hättet ihr noch vor 4 Jahren auf jeden Fall noch 20.000 von einem Album verkauft." Das wären bei 7 Euro pro CD dann 140.000 Euro - pro Album! So wie es heutzutage läuft, steht der Gewinn aber in keinem Verhältnis zu dem großen Aufwand. Man muss es eben tun, weil man Musik machen will und mit diesem letzten Album kann ich das Kapitel sehr zufrieden zuklappen und zum nächsten übergehen. Das ist dann zum Beispiel auch ein weiterer Grund, dass ich mich im Job noch in die Position bringen will, die mir eine gesicherte Zukunft bringt. Ich für meinen Teil finde auch, dass es mit 30 Jahren auch vom Alter ein guter Zeitpunkt ist, zu gehen, denn ich fühle mich auch irgendwann mal zu alt für das ganze Ding, wenn andere Freunde schon Kinder kriegen, Häuser bauen und den ganzen Scheiß. Es passt einfach alles gut um jetzt mit dem größten Hype zu gehen, statt irgendwann einfach in der Versenkung zu verschwinden.
rap.de: Klingt plausibel. Was würdet ihr heute in Hinblick auf eure Laufbahn anders entscheiden, anders machen?
Dresta: Ein paar Dinge würde ich schon ändern. Wir würden zum Bespiel nicht bei unserem ehemaligen Manager signen, der uns dann um ein paar tausend Euro Sponsorleistungen beschissen hat und uns zu einem Rap-Popact biegen wollte. Ich hätte auch unser Crewprojekt "RaportaZ-family" ganz anders aufgezogen, mit dem Wissen wer wirklich Bock drauf hat und wer eigentlich nur die Chance gesehen hat, seinen Fame und die eigenen Möglichkeiten auf unserem Rücken zu pushen. Im Endeffekt kann man ja immer Sachen besser machen wenn man dies oder das vorher gewusst hätte, aber ich glaube, man ist an den Problemen auch gewachsen. Wenn Sachen schief gelaufen sind oder man von Leuten betrogen wurde, steigt ja auch das Selbstbewusstsein, vor allem, wenn man die Karre dann doch selbst wieder aus dem Dreck gezogen hat. Durch all die Dinge, die man aus eigener Kraft geschafft hat, merke ich auf jeden Fall auch, dass ich sehr selbstsicher geworden bin und auch mit Leuten viel besser umgehen kann - im Guten wie im Schlechten. Da die Sache ja nun auch kein Flop geworden ist, wie bei einem Autofreak, der zig-tausend Euro in seine Karre steckt und das Ding dann am nächsten Baum zerbrezelt, bin ich letztendlich auch zufrieden, wie es gelaufen ist - mit Höhen und Tiefen.
rap.de: Ein Tip für ganz junge Rapper die gerade erst am Anfang stehen?
Dresta: Auf jeden Fall den großen Tip, realistisch an die Sache ranzugehen und nicht diese ganzen Märchen zu glauben. Heute ernsthaft als Rapper anzufangen ist eigentlich ein sehr schlechter Plan. Die paar Ausnahmen, die man dauernd in den Medien sieht, sind eben Ausnahmen und niemand interessiert sich für die hunderste Bushido-Kopie aus dem Ghetto der Großstadt. Die meisten fangen ja an, weil sie etwas cool finden und wollen es dann genauso machen. Das ist aber genau der falsche Weg, denn man kann überhaupt nur unter die hundert kommen von denen es dann Einer zu einem gewissen Status schafft, wenn man eben etwas anderes macht. Auch eine gute Marketing-Strategie ist von Anfang an wichtig - auch wenn es erst mal nur auf kleiner Ebene ist. Da sind schon so Sachen wie ein gutes Logo oder der Name wichtig - siehe PrinzPi mit No Peanuts, den ich übrigens sehr schätze. Du kannst die beste Musik der Welt machen, aber wenn der erste Eindruck nicht stimmt, hast du schon mal sehr schlechte Karten, weil sich niemand von den Leuten, die dir weiterhelfen könnten, für dein Produkt interessiert - denn solche Leute haben für gewöhnlich sehr viele Anfragen, aus denen sie in kurzer Zeit ausfiltern müssen. Als wir mal bei Universal Records in Berlin waren, hatte ein einziger A&R zum Beispiel knapp 300 CDs auf seinem Schreibtisch gestapelt. Das waren die Anfragen für den von ihm betreuten Musikbereich von zwei Wochen. Der schmeißt die ersten Hundert schon mal ungehört weg, weil das Cover scheiße ist oder weil es nicht mal eines gibt. Selbst bei Labelanfragen die an uns gingen haben wir in der ganzen Zeit auf jeden fall weniger als 10 Demos bekommen, die überhaupt nur ein einigermaßen anständiges Aussehen hatten - so mit Cover, Foto und Infotext. Viele Newcomer scheinen zu denken, dass diese "ich bin der Geilste"-Attitüde schon von vornherein dazu gehört. Deshalb wird es bei den meisten auch nicht über den Freundeskreis als Fanbase hinaus gehen - ist ja aber auch ok. Da bleibt denen dann sicher auch viel erspart.
Hund 29.09.2007 HA HA ... die opfer hören endlich auf.... geht mal lieber arbeiten ...
el_duderino 01.10.2007 schade, dass ihr aufhört. gerade angesichts der aktuellen entwicklung von deutschrap ist es traurig, wenn einige der wenigen rapper, die noch ehrliche musik machen und auf posen und image-getue verzichten, das game verlassen. hoffe man hört euch doch nochmal auf dem ein oder anderen feature-track, hoffe auch dass ihr die jungs von ginex weiterhin supportet und vielleicht dazu beitragt, dass kassel nicht ganz von der rap-landkarte verschwindet. ansonsten wünsch ich euch viel glück für die zukunft. peace
Harry Jane 01.10.2007 Alles wahre Worte auf jeden Fall. Schade, dass gerade Raportaz aufhören haben echt immer gute sachen gemacht.
Chill mal 01.10.2007 irgendwie ist die Tragweite und Bedeutung der Raportaz im "Game" jahrelang an mir vorbei gegangen, komisch dabei dachte ich eigentlich ich hätte Ahnung von Hip Hop, na ja...
AcTiON 02.10.2007 find ich mit das langweiligste was im deutschen sprechgesang gibt!
Lexor 03.10.2007 An eurer stelle wär ich mal ganz still. Habts wohl einfach net mit hintergründigen Texten...Sido fan???
und tschüss... 06.10.2007 @el duderino: "die noch ehrliche musik machen und auf posen und image-getue verzichten" hast du dir schon mal die promo fotos reingezogen? wenn das nicht billigstes posen ist. limo leasing,etc.
@lexor : "Habts wohl einfach net mit hintergründigen Texten" der hintergründigste text bringt gar nichts, wenn die musik beschissen ist. dieser vogel geht mal gar nicht. hör mal in das album rein. das netteste was ich dazu sagen kann ist, das herr dresta ein unglaublich talentierter zerstörer astreiner beats ist. der track ma und pa ist da mein paradebeispiel. wie kann man so einen krassen beat einfach so wegschmeissen. er ist beschissen berappt. und die hook ist einfach ne frechheit. eines der überflüssigsten releases des jahres. im intro gesprochen von curse hört man deutlich wie latex dem ist für wen der gerade was runterlabert. dresta - wayne?
H4T3R 04.04.2008 Oh Man wie arm ist das denn, es gibt nur einen Dresta und der kommt aus Compton und nicht aus diesen scheiss Kassel, gibt s eigentlich nur noch Wannabes in Deutschland