rap.de: In einem Song auf deinem Album klingt es so, als wärst du enttäuscht von Deutschen. Was genau meinst du damit?
Colos: Das hat eine Vorgeschichte. Ich bin in Berlin groß geworden und habe mich nie als Ausländer gefühlt. Wir leben hier alle untereinander, zusammen. Und dann war ich mal für ein paar Monate in Sachsen. Erstmal zwei Wochen in Chemnitz, dann sechs Monate in Leipzig und da habe ich gesehen, dass es komplett anders ist. Ich hatte davor gedacht, ganz Deutschland wäre so wie Berlin. Hier verstehen wir uns, egal ob Deutscher, egal ob was, man fragt nicht, wieso, man lebt miteinander. Dort war es katastrophal und dort haben mich die Deutschen enttäuscht. Ich bin nicht von allen Deutschen enttäuscht, ich bin einfach nur von einigen enttäuscht, die nicht versuchen, die gar kein Kontakt haben wollen. Ich rede auch deutsch, aber in Chemnitz oder Leipzig habe ich es nicht einmal geschafft, mich mit einem Deutschen anzufreunden. Ich hab ja nicht gesagt, dass ich es nicht will, ich habe es auch versucht, aber es kamen keine Kontakte, ich musste nur mit meinen Landsleuten bleiben. Und das hat mich enttäuscht. Aber ich weiß, dass nicht alle Deutschen so sind. Es hat immer damit zu tun, dass sie kein Kontakt zu Ausländern haben und nur Schlechtes hören und sich daher gleich abgrenzen. Sie haben Vorurteile, das ist der Grund und das weiß ich und sag daher nicht gleich, dass sie blöd sind.
rap.de: Ja, das ist ein großer Unterschied zu dem weltoffenen Berlin. Was meinst du, kann man als Deutschstämmiger stolz auf Deutschland sein? Es gibt ja immer die Diskussion, ob man als Deutscher eine deutsche Fahne aufhängen dürfen sollte oder so. Wie siehst du das?
Colos: Man sollte das auf jeden Fall machen dürfen. Ich arbeite als Türsteher und ich habe einige Freunde, die aus dem Osten kommen. Ich verstehe mich super mit denen und finde es auch super gut, wie sie sind. Sie sind einfach deutsch und sagen: "Ich bin Deutscher, ich habe eine deutsche Fahne und das heißt nicht, dass ich rassistisch bin." Jeder sollte das Recht haben, auf seine Herkunft, seine Nation stolz zu sein. Wenn du das nicht hast, dann hast du keine Identität. Egal, was mit meinen Landsleuten ist, ich sage auch, ich bin ein stolzer Albaner, ich habe meine Fahne, das ist meine Herkunft, das ist meine Kultur. So sollten auch die Deutschen damit umgehen. Wie bei der WM, da haben sich viele getraut und das fand ich auch gut. Selbst Ausländer sind mit deutscher Fahne herumgefahren und das fand ich auch gut, denn wir leben auch in Deutschland und repräsentieren damit Deutschland, mit allem, was wir machen. Und ich finde, die Deutschen sollten das auch machen, sie sollten keine Angst davor haben. Natürlich gibt es eine Vorgeschichte, aber was können wir dafür, ich meine, was könnt ihr jetzt dafür? Und mal ehrlich, hätte Hitler damals keinen Knall bekommen, wärt ihr jetzt vielleicht immer noch so, die ganze Welt. Man weiß nie. Aber man sollte nicht verbieten, stolz zu sein. Das ist scheiße. Denn im Endeffekt ist das das Einzige, was sie haben.
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rap.de: Auf deinem Album hast du ja auch einen Song, wo es genau darum geht, um Identität. Meinst du, dass viele in Deutschland lebende Ausländer vergessen haben, woher sie eigentlich kommen?
Colos: Ja, auf jeden Fall, sehr, sehr viele, sehr viele Jugendliche. Und sie identifizieren sich gleich mit falschen Sachen, sie denken einfach nur, es reicht, wenn sie einen auf Gangster tun und sagen „Ey, ich bin Araber“ oder „Ey, ich bin Albaner“, nur damit die Leute denken: Oh, der ist ja gefährlich. Aber das eine hat mit dem anderen nicht zu tun. Wenn du über deine Herkunft redest, dann solltest du deine Sprache gut können, dann solltest du dich an deinen Glauben halten und solltest Wissen über dein Land haben, solltest wenigstens einmal da gewesen sein. Sonst, wenn du in Deutschland geboren bist und noch nie in deiner Heimat warst, dann bist du für mich ein Deutscher und dann solltest du auch ein Deutscher sein. Aber nicht so auf „Ich bin der Über-Dings, was weiß ich“ machen und keine Ahnung haben, was da wirklich los ist. Als Beispiel: Die meisten Türken hier in Deutschland, die kannst du gar nicht mit den Türken in der Türkei vergleichen. Wenn du in die Türkei gehst, sind die Türken ganz anders. Und die hier halten immer noch fest an falschen Werten, das ist das Problem. Deswegen sage ich auch: Identität. Ich rede da z. B. mit meinem kleinen Bruder, und sage ihm: "Mach nicht die selben Fehler wie ich und identifizier dich nicht mit irgendwelchen Möchtegern-Gangstern, die dir sagen, als Ausländer kannst du nur was als Krimineller erreichen. Das ist Schwachsinn. Du sollst lieber deine Sprache können, deine Herkunft kennen, Respekt vor den Eltern haben, denn das ist eigentlich unsere Herkunft. Und Respekt ist sehr groß geschrieben auch vor älteren Menschen." Wie gesagt, hier und da kann man gar nicht vergleichen. Das ist das Problem, was ich mitbekommen habe.
rap.de: Du hast gerade den Glauben angesprochen. Bist du ein gläubiger Mensch?
Colos: Ich bin ein sehr gläubiger Mensch. Das heißt jetzt nicht gleich, dass ich fünfmal am Tag bete oder sonst was, aber in meinem Inneren bin ich ein gläubiger Mensch und das zählt für mich. Ich habe auch Respekt vor anderen Leuten, vor anderen Glauben. Das ist so der Punkt, wo andere sagen: "Der ist das, deswegen brauch ich kein Respekt zu haben." Das ist Schwachsinn. Bei uns im Islam wird ja auch gesagt: Du musst anderen Glauben genauso respektieren, wie deinen eigenen, sonst darfst du kein Muslim sein. Aber viele interpretieren das heute falsch und viele haben keine Ahnung und nehmen das gleich an. Es ist leichter zu hassen, als zu lieben. Das ist das Problem.
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