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rap.de: Wie lang hast du insgesamt an „Leben im Exil“ gearbeitet? Hast du das schon länger geplant, weil du sagst, das ist das Album, was ich schon immer machen wollte?
Colos: Im Endeffekt habe ich zwei Monate daran gearbeitet. Dann war es fertig. Die meisten Ideen waren schon vorher da, nur die Möglichkeit, sie rauszubringen war nicht da. Ich musste mir immer vom Vertrieb anhören: Du bist nicht so bekannt, das verkauft sich nicht, das ist momentan nicht der Trend, blablabla, halt solche Gründe. Bei Mellowvibes war das nicht so. Ben hat gesagt, er macht so ein Album und bringt das Ding raus, ich steh hinter dir und wir gehen bis aufs Ganze und ich habe gesagt, okay. Dann war das Ding in zwei Monaten auch ganz fertig. Ich hab halt nur gewartet. Themen waren da, ich habe halt persönliche Sachen geschrieben.
rap.de: Das hört man auf jeden Fall und das find ich sehr beachtenswert. Denn es ist ja, wie du schon sagst, nicht der aktuelle Trend. Warum hast du trotzdem so ein Album gemacht, obwohl der Trend dagegen spricht? Was war die Ambition dahinter?
Colos: Das ist meine Richtung! Wenn mich jemand fragt, was mein Style ist, sag ich immer: "Das wahre Leben. Das ist mein Style." Die Leute sind langsam auch von dem ganzen Gangstarap und allem drum und dran angekotzt. Die meisten schwimmen mit der Masse, das ist normal. Nur bei mir … Das ist halt das, was ich immer machen wollte, so wie ich schon gesagt habe. Sowas schreibe ich gerne - persönliche Sachen. Es ist mir egal, was die Leute denken. Das ist genau das, was ich machen wollte und ich habe jetzt die Leute gefunden, die mich dabei unterstützen. Wir haben es einfach riskiert. Keiner hat gesagt, das würde reinhauen oder die Leute würden das feiern, oder sonst was, keiner. Wir haben es einfach probiert, die Resonanz ist gut und wir zeigen damit, dass wir richtig liegen.
rap.de: Denkst du, du hast für die deutsche Rapszene ein Zeichen gesetzt, dass es ein bisschen persönlicher werden kann, das ganze Rapgeschäft?
Colos: Ich glaube schon, irgendwie. Ich kann es nicht sagen, aber ich hoffe es. Ich hoffe, dass ich Leute dazu bringe, endlich mal zu sehen, dass es keine Schande ist, zu sagen: Ich habe Fehler gemacht. Die meisten rüsten sich damit, wie gefährlich sie sind. Das ist halt Schwachsinn. Wenn du älter wirst und erwachsen, dann denkst du auch anders. Und ich finde es keine Schwäche und keine Schande, wenn du sagst: Ey, ich hab die und die Fehler gemacht und ich sag zu dir, mach diese Fehler nicht. So wie ich das sehe, so mach ich auch meine Musik. Und ich hoffe, dass sich die Leute was Neues trauen und sich auch trauen, das zu machen. Wie gesagt, ich bin auf jeden Fall ganz vorne mit dabei.

rap.de: Denkst du, du hast jetzt eine gewisse Vorbildfunktion den Jüngeren gegenüber? Denen halt zu sagen: "Mach diese Fehler nicht, die ich gemacht habe." Gehst du auch so an deine Texte heran, wenn du sie schreibst, dass du dir sagst: "Ich muss aufpassen, was ich sage, die Kinder könnten das falsch verstehen"?
Colos: Also, ja und nein. Erstmal schreib ich so, wie ich schreiben will, so, wie ich denke. Aber jetzt sehe ich, dass ich irgendwie so eine Vorbildfunktion habe, weil ich sehe, wie die Leute mich ansprechen, auch viele kleine Kinder, viele Landsmänner von mir. Die schreiben mir Emails: „Ey, wir sind stolz auf dich! Du sagst genau die Wahrheit, genau das hat gefehlt! Und dass du noch dazu Albaner bist, freut uns nur noch mehr!“ Weil bei dem ganzen Gangstagelaber die meisten übertreiben. Wie gesagt, die meisten schwimmen in der Masse. Ich weiß jetzt, dass ich eine Vorbildfunktion habe, weil ich das mitkriege und passe deswegen mittlerweile auch gern auf. Natürlich kann man nicht jedes Wort auf die goldene Waage legen. Das geht nicht. Im Endeffekt bin ich ja auch so gesehen ein Entertainer und ich muss auch gute Musik machen.
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