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Phlatline Russia
Fotos: Phlatline Presse Fotos
03.01.2006 Phlatline Russia
Phlatline Russia: Wind Of Change!

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Michi: Erstmal das allgemeine Problem eines jeden Festivals: Die Sponsoren. Potenzielle Sponsoren zu finden, diese dann anzuwerben, eine Lokalität finden, alle Rechte klar machen. Eben diese allgemeinen Dinge. Es war aber auch so, dass Valera und ich erstmal Wege finden musste, das hier überhaupt zu realisieren, denn ist vor uns noch niemand diesen Weg gegangen. So etwas gab es hier einfach noch nicht.    

Dima: Sie mussten jede einzelne Tür selber öffnen. Es gab keinen Schutz, keine Unterstützung, jede Tür musste erst von ihnen geöffnet werden. Es ist so schon schwer etwas in Russland zu organisieren, aber wenn man dann auch noch der Erste ist…Vielleicht ist das in Deutschland anders, aber in Russland geht ohne gute, persönliche Kontakte und den nötigen Schutz / Unterstützung nichts. Aber unterm Strich ist, glaub ich, alles ganz gut verlaufen. Das Festival fand ja statt. Ich muss auch sagen, dass hier eine sehr warme und herzliche Atmosphäre herrschte. In Deutschland war das ein wenig unterkühl. Doch um dir da einen besseren Eindruck zu verschaffen, solltest du das Interview mit den Leuten von der After Show Party führen. (lacht) Frag einfach mal  die Saian Supa Crew, oder die Beatnuts, wie es ihnen hier gefallen hat. Ich hoffe, dass es in Deutschland auch irgendwann einmal so wird. (lacht)
   
rap.de: Wie war denn die generelle Reaktion auf das Splash?    

Michi: Lass mich eine russische Site zitieren: rap.ru, das Pendant zu rap.de schrieben, dass im russischen HipHop Vokabular eine neue Vokabel hinzugefügt wurde: Splash! Das sagt alles und wir wollen da auch nicht weiter drauf eingehen. (lachen)    

rap.de: Was macht denn die russische HipHop Szene aus? Wie vertreiben die Leute hier ihre Sachen: Indie, aus dem Rucksack heraus, oder gibt es Majors wie Universal, die Artist dann pushen?    

Michi: Das kann Valera eigentlich ganz gut beanworten.  

Valera: Nee, ich glaube Dima sollte was dazu sagen.  

Dima: Ja, ich antworte. Ich erzähl euch alles! Stell mal das Mirko näher zu mir (lachen) Es gibt keine russische HipHop-Szene. HipHop wird hier in Galmour-Musik (lies: R’n’B) unterteilt, die die ganzen Neureichenkids hören, wenn sie im Klub sind. Und dann gibt es den harten Underground Rap. Das geht soweit, dass selbst wenn es einen Künstler geben sollte, der den goldenen Mittelweg geht, er nicht supportet wird und seine Konzerte nicht besucht werden. Die Leute, die im Untergrund sitzen denken sich „Ich bin nicht cool, ich brauch das alles nicht. Ich hab kein Dolce Gabana, kein Versace. Ich gehört da nicht hin“. Diejenigen, die das Geld und alles haben sind aber auch nicht gewillt, in einen „einfachen“ Klub zu gehen, sich praktisch tiefer zu stufen. Dadurch entsteht ein Unverständnis. Außerdem sind nur die Wenigstens wirklich gut in Englisch, das heißt, es wird auch nicht wirklich viel von den Texten der Ami-Acts verstanden. Dazu kommt, dass es leider wenig wahre Rapper in Russland gibt. Also solche Leute, die sich mit der Kultur auseinandergesetzt haben und auch wirklich wissen um was es geht.    

Valera: Sogar Leute, die in den Charts sind, kennen sich nicht aus.  

Dima: Sogar diese ganzen Promo-Gruppen, die ein jeder Klub engagiert, um die Musik zu verbreiten, kennen sich nicht wirklich aus. Sie versuchen sich zwar ständig cool darzustellen und tun so, als ob sie Ahnung haben, doch wenn man sie fragt wer z.B. Ciara ist, können sie nicht antworten. Es heißt in solchen Fällen dann immer, dass der Act noch zu unbekannt ist. Die Leute gehen auch nicht so ab auf die Musik, wie es die Leute in Deutschland tun. Als ich in Deutschland war, hab ich ein paar Partys besucht. Dort ist es den Leuten egal, ob Reggeaton, R’n’B, oder HipHop läuft; Sie wollen einfach tanzen. Hier haben die Leute noch ein paar Komplexe. Sie wollen immer ein extra Ding haben.  

rap.de: Was machen dann eigentlich die Künstler, wenn es hier so schwer ist, zu verkaufen?
Wie funktioniert das hier?  

Dima: Das verkauft sich nicht gut, weil du einen sehr stark ausgeprägten Schwarzmarkt hier hast. Das ist schon so eine Art Geschäftszweig. Es macht keinen Sinn, Geld in die Promotion rein zu stecken, wenn es keine offiziellen Verkäufe gibt. Sie verdienen ja nichts daran. Das ist auch einer der Gründe, warum internationale Künstler nicht unbedingt in Russland auftreten wollen. Das wiederum führt hier zu einer Art Paranoia, die sich so äußert, dass wenn wirklich ein Artist herkommt, die Leute sich zwar lange darüber unterhalten werden, aber dennoch nicht auf sein Konzert gehen, weil sie glauben, dass sie verarscht werden. Die Meisten glauben dann tatsächlich, dass da nur ein Double auf der Bühne steht. Daher werden hier auch wenig internationale Künstler unterstützt. Das gegenseitige Vertrauen fehlt.  

Michi: Und um auf die Problematik der russischen Künstler einzugehen: Die Leute, die im Untergrund sitzen und noch nicht so bekannt sind, machen die Musik nur für sich und ihre Jungs. Also nur für den Untergrund. Ihnen reicht das. Aber gleichzeitig verstecken sie sich auch dahinter.  

Valera: Weißt du, im Prinzip sind sie genauso dogmatisch, wie diese ganzen aufgestylten, reichen Kids, die in die R’n’B Klubs gehen. Jeder hört nur seine Musik und bleibt auch nur bei seiner Musik. Sie können einfach nicht aus diesen Strukturen ausbrechen und sagen: „Jungs, ich bin nicht länger Untergrund, sondern vereine beide Welten. Sowohl das Eine, als auch das Andere.“ Sie haben einfach Angst sich in diesem Extrem nach vorn zu bewegen. Und das ist auch der Grund, warum sich die Kultur schlecht bzw. gar nicht entwickelt und verbreitet.

Dima: In Russland gibt es derzeit einen wirtschaftlichen Aufbau. Jeder versucht Geld zu machen. Das ist die allgemeine Bewegung. Dadurch, dass es keine sozialen Sicherheiten gibt, denkt jeder nur an sich, denkt nur an Geld. Deshalb gibt es nur wenig engagierte Leute, die sich ehrlich einer Sache verpflichtet haben. Erst überlegt man, was man dabei verdienen kann und dann wird weiter gesehen. Im Musikbusiness ist das zu einem ein Fehler der Promoter und zum anderen ei Fehler der Leute, die versuchen, Künstler aufzubauen und raus zu bringen. Das geht soweit, dass es dem Promoter mehr bringt, wenn sein Künstler ein Interview macht, als dem Künstler selbst, da der Promoter Geld für das Interview nimmt. Wenn wir ein Foto mit jemanden machen wollen, oder ein Interview im Rahmen des Splash, um die Leute zu präsentieren, fragen sie uns sofort, ob wir nicht zahlen wollen. Sie handeln mit uns. „Gebt uns 100 Dollar. Hier habt keine 100 Dollar? Auch O.K, dann gibt uns weniger. Hauptsache ihr gebt uns was.“ Solange es einfach diese soziale Sicherheit nicht geben wird und die Leute kein Geld in der Tasche haben, von dem sie sich Essen kaufen können, macht es auch kein Sinn über andere Sachen nachzudenken. Aber umso weiter sich der Markt entwickelt, umso besser ist das für die Kultur. So spielt sogar McDonalds eine Rolle für die Kultur…Schau, im Radio spielen die „Gasolina“. Aber das ist auch der einzige Reggaeton-Tune. Die Leute wissen nicht, was das ist. Und ich meine damit die Radio-DJs! Sie wissen noch nicht mal, dass der Track von Daddy Yankee ist. Weißt du, wie der Track angesagt wird? „Und jetzt kommt der Sommerhit von….jetzt kommt „Gasolina“!“ Und das, obwohl der Track in jedem Auto läuft.    
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Kommentare:
me   08.01.2006
wo sie recht haben , haben sie recht! Weiter so jungs!

respect   09.01.2006
nicht schlecht, was die auf die beine gestellt haben, aber russland wurde mir durch das interview sehr unsympathisch ...

ru   17.01.2006
Wieso den unsympatisch?

Headache   25.02.2006
erstmal propz an phlatline für das was ihr auf die beine gestellt habt und immer noch stellt. ihr scheut euch keine mühe um headz eine party der extraklasse zu bieten, ich liebe das splash!, allerdings kann ich die russische version leider nicht besuchen, da ich gleich in die armee eingezogen werden würde(ihr wisst ja wie das ist). nun aber mein anliegen: ihr habt schon recht, ihr seid ein wichtiger teil für die hip hop-entwicklung in russland, leider muss ich aber auch einwenden, dass eure prognose über hip hop in russland zu 50% straight up bullshit ist. tut mir leid das zu sagen, ist nicht als diss gemeint, allerdings werft ihr alles zu sehr über einen kamm. es gibt auf der einen seite nur harten underground-rap und auf der anderen nur glamour-r'n'b und keiner wagt es, die "goldene mitte" zu finden? Absolut niemand der künstlerisch anspruchsvollen Rap macht hat auch nur den Hauch einer Chance bezüglich kommerziellen Erfolg? Jungs,wart ihr die letzten 10 Jahre im Koma oder was ? Was ist mit Kasta, Jug (Juzhnaja Golovareza), Detsl, Master Sheff, sind die nicht künstlerisch anspruchsvoll, laufen deren Videos nicht auf rauf und runter auf MTV, haben die nicht Gesangsfeautures auf ihren Alben, ohne jiggy zu klingen? Es gibt keine Hip Hop-Szene bzw. Hip Hop lebt nicht? Wie definiert ihr Hip Hop im guten Zustand? Für mich ist es die Lage in Russland, wo noch hauptsächlich in den U-Bahn-Stationen, in den Bunkern,in den Treppenhäusern gekickt wird! In Europa ist Hip Hop wesentlich KOMMERZIELLER, nicht PRÄSENTER(wobei dies ebenfalls nicht missverstanden werden sollte, ich liebe europäischen hip hop...) Ihr habt schon recht, das Land ist korrupt und betrügerisch, es hat ziemlich die Nachteile des Kapitalismus zu spüren bekommen, besonders die ungleichmäßige Verteilung was Besitz angeht, wovon Russland ganz besonders betroffen worden ist. Deswegen ist die Lage für musiker besonders schwer, einfach auch weil sich die meisten bürger nicht mal eben so original-tonträger leisten können und darum der schwarzmarkt floriert. das mit den produzenten und labels stimmt auch. durch lügen und betrügen kommste halt weiter in der föderation. allerdings könnt ihr nicht auf der gesamten hip hop-szene rumhacken, vergesst nicht solche hervorragenden künstler wie kres, big black boots, pauk, ligalize, etc. Und kommerzielle Misserfolge und die nicht nicht-informiertheit der bevölkerung bedeuten nicht die nicht-existenz der szene, ganz im gegenteil. ich würde eher sagen kommerzielle ausschlachtung ist die größte bedrohung für das game. guter hip hop ist meistens sowieso ÜBERALL auf der Welt von kommerziellem Misserfolg betroffen, da ist russland sogar nicht viel schlimmer, sondern besser. Während hierzulande Bravo nur sowas hirnrissiges wie aggro oder tokio hotel pusht, pusht es in russland das letzte solo-album von hamil(von kasta), was für mich (meine meinung, muss sich nicht jeder anschließen) ein mit herzblut gemachter und tiefsinniger meilenstein des russichen rap ist. Auch wenn die Masse in Sachen Musik desinformiert ist, hierzulande ist es auch nicht viel besser. Ok, in Russland ist es schon extremer, aber was erwartet ihr von einem Land wo der kommerzielle musikmarkt zu 70% von 30 diversen Ruki Verh-Kopien und die Nachrichten jeden Tag zu min. 30% von diversen Reden Putins beherrscht werden. Und zu den DJs: Glaubt mir,in Deutschland sind die meisten auch nicht viel besser, ausserdem sind die besten in Russland auch nicht in irgendwelchen R'n'B-Clubs, sondern in tighten Underground-Jams, und wehe ihr wollt mir erzählen die gäbe es in Moskau und St.Petersburg nicht(BUAHAHAHAHAHAHA). Bei Bekannteren gibt's es auch gute, darunter z.B. DJ Xobom oder DJ Vadim. Niemand ist auf dem selben Level wie ihr? Niemand hat es geschafft, russische Künstler mit internationalen zu verbinden? Was ist mit Sheff? Hab ich von seinem feature mit Guru nur geträumt? Naja, ihr hör lieber auf, bevor ihr alles missversteht. Es ist nur so: zu 50% liegt ihr schon richtig, zur anderen Hälfte jedoch nicht. Versteht mich nicht falsch, ich BEWUNDERE EUCH für eure mühe und euer bestreben, und ich zweifel nicht daran dass ihr einen wichtigen schritt für russischen hip hop geleistet habt. Moskau ist meine Heimatstadt und ihr gebürt mein Herz, genau so wie Hip Hop mein Herz gebührt. Leider kann ich erstmal nicht dahin bevor ich die deutsche Staatsbürgerschaft bekomme, naja, wir sehen uns auf dem deutschen splash!. Peace out

Silverberg   16.03.2006
Mir ist irgendwie aufgefallen, dass der russische Rap im Vergleich zum deutschen irgendwie... gehaltvoller ist. Ich frage mich, warum das so ist, wirklich schwer zu sagen. Solche Sachen, wie sie Bushido und Savas und all die vielen, vielen anderen machen, sind zwar kool anzuhören, aber es geht da um nichts, nur Ego-Boasting und Dissen. Ich habe nichts gegen einen guten Battletext einzuwenden, aber ein ganzes Album damit zu füllen ist doch irgendwie armselig. Klar, in Deutschland gibt es sehr gute MCs, aber irgendwie wird man im Moment von Scheiße zugeschwalt. Die letzten zehn russischen Rap-Albums, die ich gehört habe, hatten fast durchgehend etwas zu sagen, da werden richtige Gedanken ausgesprochen und richtige Geschichten erzählt - das ist hier echt selten. Dass die Phlatline-Menschen keinen einzigen Rapper nennen wollten, war schon arrogant, also wirklich, Kasta, Smoki Mo und Scheff sind wirklich auf sehr hohem Niveau. Und wozu undbedingt irgendwelche dummen Kolloborationen machen? Mir kommt das vor, als hätten die Deutschen Minderwertigkeitskomplexe und müssten das mit amerikanischer Beteiligung aufwerten. Einen Saul Williams haben werde die Russen noch die Deutschen und er wird bestimmt nicht durch Nachahmung auftauchen. Und warum macht Curse jetzt solche R'n'B Kacke! Örg.