Login: 

feature | Jeru The Damaja
< 1 2 3 >
Jeru The Damaja
Autor/Interview: Philipp Killmann
Fotos: "Rah Rah"
13.10.2005 Jeru The Damaja
Findet Eure Gemeinsamkeiten!

Mit Freunden teilen

jeru the damaja

rap.de: Wie wichtig ist dir als Rapper die Message?

Jeru: Ich glaube, wenn man eine Form hat, durch die man etwas zum Ausdruck bringen kann, dann sollte man das tun. Selbst wenn... Also ich kenne ja mich, und ich habe schon mit mir persönlich eine Menge Probleme, verstehst du? Ich bin nicht immer perfekt, ich bin nicht immer conscious und ich tue nicht immer das Richtige. Doch wenn ich die Chance habe, etwas zu sagen, dass die Menschen noch jahrelang beeinflusst, dann muss ich das tun.
rap.de: In einem Song von Saul Williams gibt es einen Vers, der ungefähr so geht: „[…] ich liebe HipHop, so wie ich meine Mutter liebe / deshalb würde ich die meisten Rapper nicht zum Essen mit nach Hause bringen […]“. Stimmst du damit überein?

Jeru: Saul ist ein netter Kerl. Aber ich stimme damit nicht überein, weil mir so etwas eigentlich egal ist (lacht)! Über so was hab ich keine Meinung. Ich mache mein Ding und das war’s. Ich würde niemanden mit zu meiner Mutter bringen, weil ich nicht der Typ für so was bin. Ich würde auch keinen netten Typen mitbringen.

rap.de: Ich erinnere mich an eine deiner Shows in Deutschland. Das Publikum war entsprechend „weiß“. Also hast du in deinen Raps das Wort Nigga durch Brother ersetzt. Trotzdem haben das ein paar Typen nicht geschnallt und weiterhin Nigga gerufen. Wie empfindest du so etwas?

Jeru: So was passiert halt. Ich nehm’ es hin, wie es ist. Du kannst nicht erwarten, dass es alle checken! Als ich diese Songs machte, da dachte ich nicht darüber nach, dass ich sie mal vor ausschließlich weißem Publikum spielen würde. Nicht, weil ich das nicht wollte, sondern weil ich halt aus einer bestimmten Umgebung komme, verstehst Du? Man macht die Sachen so, wie sie der Umgebung, in der man lebt, entsprechen. Ich weiß es halt nicht besser! Aber als ich dann „die andere Seite“ sah, da wollte ich nicht, dass man mit dem Wort Nigga gedankenlos umgeht. Denn auf gewisse Weise ist es nun mal ein abwertendes Wort. Nicht nur auf gewisse Weise - es ist immer abwertend. Es ist nie ein freundliches Wort, auch nicht wenn wir es untereinander sagen! Das wollte ich ändern. Ich wollte nicht, dass jeder Nigga sagt. Ich will nicht, dass die weißen Kids glauben, dass es cool ist, zu sagen: „Du bist mein Nigga.“ Denn wenn die das nicht verstehen, dann ist das mein Fehler.

rap.de: Ein ´conscious´ Zug!

Jeru: Vielen Dank, Mann! Wie gesagt, ich versuche es! Ich weiß, dass ich mit mir selbst schon eine Menge Probleme habe. Schließlich bin ich ein Mensch. Als Mensch wird man immer Seiten haben, die nicht perfekt sind, die man selbst ändern möchte. Es gibt Dinge, für die musst du zuerst dich verändern, damit du sie verändern kannst. Und darauf kommt es an!

rap.de: Würdest du sagen, dass die „Weißen“ in Amerika sensibler mit dem Wort Nigga umgehen?

Jeru: Ich glaube, alle Menschen wissen darüber Bescheid. Sie benutzen es, wann immer sie wollen. Die Menschen werden bestimmten Problemen gegenüber sensibler oder unsensibler, wenn sie wollen, verstehst Du!? Wenn es praktisch für sie ist.
rap.de: Zu wem hast du aufgesehen als du jung warst?  

Jeru: Was Musik angeht oder allgemein?
rap.de: Allgemein.

Jeru: Zu denen im Viertel. (Lacht) Zu Leuten, die niemand kennt.
rap.de: Wer waren die?

Jeru: Gangster, Killer. All so’n dummer Scheiß - das war mein Einfluss. Man wollte sein wie diese Typen, weißt du. Bis man da auf eine bewusste Art und Weise von weg kommt.
rap.de: Denn auf dem bereits erwähnten Konzert sagtest du, dass du früher ein Gangster gewesen wärst. Was hat dich die Richtung ändern lassen?

Jeru: Ach, mein Vater sagte immer, ich solle mich bessern. Meine Mutter sagte immer, ich solle mich bessern. Es dauerte bloß eine Weile, bis mir das einleuchtete, verstehst Du? Man sieht seine Freunde sterben, ins Gefängnis gehen, sieht was für blöde Sachen passieren. Ist man smart, kapiert man das. Ist man’s nicht, sitzt man in der Falle.
rap.de: Wie alt warst du, als du davon wegkamst?

Jeru: Ich kam davon los, als ich ungefähr neunzehn, zwanzig Jahre alt war.
rap.de: Von da richtete sich dein Fokus auf HipHop? Oder warst du schon immer auf HipHop fixiert?

Jeru: Ich konzentrierte mich immer schon auf HipHop!
rap.de Aber von da an nahmst du es ernster?

Jeru: Ich habe halt einfach mein Game im HipHop entwickelt, das ist alles. Es war ein fließender Übergang von einer Sache zur anderen, verstehst du? Ich sagte mir nicht plötzlich: Hör´ damit auf, und das war’s dann. Sondern ich fing an, das eine mehr als das andere zu machen. Bis das eine irgendwann ganz aus meinem Leben verschwand. Die eine Sache wurde stärker als die andere!
rap.de: Würdest du also sagen, dass HipHop dir half von der Straße wegzukommen?

Jeru: Oh ja, ohne Zweifel! Denn HipHop ist etwas, wo ich ausdrücken kann, was in mir vorgeht, und wo ich, bis zu einem gewissen Grad, lehren kann. Ich kann über gewisse Probleme sprechen und trotzdem überleben, und immer noch Geld machen, ohne dass ich gewisse Dinge tun muss, wie stehlen, Leute überfallen usw.
rap.de: Es gibt die Leute, die sagen, die 5% Nation hätte nichts mit Kriminalität zu tun. Aber es gibt auch welche, die sagen, dass die 5% Nation in den Achtzigern eine der kriminellsten Gruppen in beispielsweise Brooklyn war. Wie denkst du darüber?

Jeru: Ich denke, dass sie die Brüder waren, die anderen Brüdern auf gewisse Weise das Leben retteten. Der Grund, weshalb sie mit Kriminalität assoziiert wurden, ist der, dass wenn man ins Gefängnis kommt, man Schutz braucht! Deshalb bekamen gerade im Gefängnis viele Brüder Wissen über ihr wahres Selbst! Das waren nicht bloße Kriminelle. Nein, sie halfen den Brüdern, verstehst du? Auch mir haben viele Brüder geholfen! Im Sinne von Wissensaustausch und droppin’ jewels („Weisheiten vermitteln“) und so.
rap.de: Woher stammt eigentlich dieser Ausdruck to drop jewels?

Jeru: Das kommt von Jesus! Jesus sagte, man soll keine Perlen vor die Säue werfen. Alles hat seinen Bezug! Keine Sache ist aus dem Nichts entstanden.
< 1 2 3 >
 Dieses Feature versenden
 Kommentar schreiben
 zur Featuresliste
Kommentare:
Amoebe   29.11.2005
Super Interview mit interessanten Fragen, vielen Dank!

Jazze Pha   01.02.2008
Was haben Jeru The Damaja & Wise Intelligent eigentlich gegen Eminem? Er macht auf jeden Fall krasse Musik.

Smoothie   17.01.2010
mein favourite oldschool rapper