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MURS
30.11.1999 MURS
The End Of The Beginning

Wochenlang habe ich mir jeden Morgen als erstes diese Story auf „God´s Work“ angehört, von MURS, der mit seinem Hangover zum (fiktiven) Job fährt, wegen der vor sich hinschleichenden „fucks on the fast lane“ gegen seine Windschutzscheibe brüllt und seinem Chef am liebsten eine abziehen würde. Auch das Tourleben mit seinen Jungs von den Living Legends im Bus ist oft nervend - Grouch versucht ProTools auf seinem Labtop zu installieren, während sich die anderen darüber streiten, welcher Film nun geguckt wird und wer das letzte Gras weggeraucht hat. Hat einer die Grippe, haben sie alle. Weshalb der Track zum Aufstehen funktioniert? Wahrscheinlich deshalb, weil „God´s Work“ trotz des dargestellten Stresses sound- und vibemäßig extrem warm und entspannt geworden ist, ganz anders also als der DefJux-Stuff der ersten Tage. Dies gilt jedoch nicht nur für die Single, sondern fast für das gesamte Album, welches den Titel „The End Of The Beginning“ trägt. Murs geht damit atmo-mäßig den Weg weiter, den schon RJD2 und Mr. Lif mit ihren Alben „Deadringer“ und „I Phantom“ eingeschlagen haben: Weg vom eher düsteren, oft metallischen und abstrakten Klang der Werke von Cannibal Ox, Aesop Rock und El-P, hin zu einem Sound, der zum Frühling und v.a. zum Sommer passt. Murs selbst hat eine angenehm ruhige Art und einen extrem trockenen Humor. Leider musste ich das Interview mit ihm aus Termingründen am Telefon führen und war selbst dort noch zu spät. Als ich mich mit der Erklärung entschuldige, ich sei im Plattenladen hängengeblieben, meint Murs nur kurz: „You old motherfucker.

rap.de: In „God´s Work“ rappst du ja unter anderem von deinem Dayjob. Was machst du 9-to-5-mäßig?

Murs: Nichts. Ich habe aber allerdings mal für ein Jahr in Tucson / Arizona gelebt, und da ist es wirklich langweilig, wenn man keinen Job hat. Deshalb habe ich mir einen gesucht - ich arbeitete für ein paar Monate in einem Plattenladen. Ich musste auch einfach etwas Kohle machen und konnte nicht den ganzen Tag weed-rauchend in der Ecke sitzen. Schließlich habe ich da meinen eigenen Plattenladen namens „Heaven“ aufgemacht und war dann jeden Tag da.
rap.de: Inzwischen lebst du ja wieder in L.A. - weshalb bist du denn nach Tucson gegangen?

Murs: In meiner Nachbarschaft in L.A. sind damals ein paar Sachen außer Kontrolle geraten - es gab etwas zu viele Waffen, und ich selbst war auch in ein paar dämliche Geschichten involviert. Deshalb sagte ich mir, dass ich da mal für eine Weile raus muss, um etwas durchzuatmen.
rap.de: Der Track „Transition Of A Rider“ ist interessant - du rappst über deine Leidenschaft für´s Skaten...

Murs: Den haben meine Freunde aus Orange County produziert, mit denen ich früher immer geskatet bin - sie heißen Patchworks. Als das Album beinahe fertig war, habe ich mich gefragt, welches von den Elementen, die mein Leben ausmachen, auf dem Album noch fehlt. Also habe ich mich entschieden, einen Song über Skateboarding zu machen, und die Jungs gebeten, einen Beat aus Sounds vom Skaten zu produzieren. Sie haben dann zum Beispiel ein Tailslap als Snare benutzt - ca 90% der Sounds des Tracks sind echte Skateboardsounds. Wenn ich nicht gerade auf Tour bin, versuche ich auch nach wie vor noch so viel wie möglich zu skaten. Ich fahre auch in Pipes, allerdings eher in kleinen – die, in denen ich fahre, sind nicht höher als acht Fuß.
rap.de: Auf deiner Platte wird auch deutlich, dass du ein großer Filmfan bist. Welche Filme magst du besonders?

Murs: Z.B. Big Lebowski, der spielt ja auch in L.A. Meine Lieblingsszene ist die, in der die Nihilisten mit diesem deutschen Akzent zum Dude meinen „Give us the money Lebowski or we fucks you up“. Ansonsten alle Filme von Kevin Smith, Juice, Pulp Fiction und Snow Day. Im Moment stehe ich aber besonders auf die Matrix, weil dieses Jahr der zweite Teil rauskommt - darauf bin ich gut vorbereitet (lacht). Memento, der Film, in dem der Typ sein Kurzzeitgedächtnis verloren hat, war auch ein verrückter Film - man muss ihn aber ein paar Mal gesehen haben, um ihn zu verstehen...
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