Mein Weg zu meinem Rap: Interview mit Gerard über musikalische Einflüsse, „AAA“, Futuresfuture

„Mein Weg zu meinem Rap“ soll musikalische Werdegänge deutschsprachiger Rapper aufzeigen. Wie sind sie das erste Mal mit Rap in Berührung gekommen, was hat sie motiviert, selber anzufangen zu rappen? Welche Künstler haben sie auf ihrem Weg beeinflusst und wie sind sie zu ihrem ganz eigenen Soundbild gekommen? Interviewt werden vor allem Künstler, die einen innovativen, einzigartigen Soundentwurf in ihrer Musik verwirklicht haben.

Zum Einstieg widmen wir uns der Entwicklung von Gerard, der gerade sein Label Futuresfuture gegründet hat und 2017 sein neues Album „AAA“ veröffentlicht.

Was war deine erste Berührung mit Rap, welche Künstler hast du gehört?

Ich bin erstmals mit 14, 15 mit Rap in Kontakt gekommen und habe in der Anfangszeit viel EinsZwo und Dynamite Deluxe gehört, aber auch MOR, und später dann Savas. Wie das glaube ich jeder gemacht hat, der jetzt in meinem Alter ist und mit 14 angefangen hat. Dynamite Deluxe, EinsZwo, MOR, Savas, die waren so meine Einstiegsdroge in Deutschrap.

Wie kam dann der Gedanke bei dir auf, das Ganze auch mal selbst ausprobieren zu wollen? Es gibt ja genug Leute, die das alles gerne konsumieren und es dann dabei belassen.

Der kam eigentlich relativ schnell. Ich hab mehr oder weniger sofort angefangen, als ich gemerkt habe, wie „einfach“ man HipHop machen kann. Ich hab vorher halt schon acht Jahre Klavier gespielt, Schlagzeug gelernt, und war eh immer schon musikalisch. Ich hatte aber nie eine Band, denn ich kam von einem Dorf, wo außer mir, glaube ich, keiner musikinteressiert war. Als ich dann Rap für mich entdeckt habe und bei den gekauften Tapes auch gleich die Instrumentals dabei waren, habe ich einfach angefangen, auf denen zu rappen. Kurze Zeit später kam dann dieser ganze HipHop eJay-Krams und es war plötzlich recht einfach, selber Beats zu machen. Der Übergang von Konsument zu Produzent war relativ fließend.

Also warst du am Anfang nicht nur MC, sondern auch Produzent für deine Tracks?

Ich hab anfangs, bei meinen ersten Releases, noch wirklich alles selber gemacht, hab dann aber relativ schnell gemerkt, dass mir der frische Zugang auf textlicher Ebene fehlt, wenn ich mich zu lange mit einem Beat beschäftige. Deshalb setze ich mich jetzt immer mit einem Produzenten zusammen. Während er produziert, gehe ich auch einfach mal kurz raus, komme wieder und dann ist ein neues Element da. Oder ich sage, welches Element ich geil finde. So habe ich vom Text und Konzept her irgendwie mehr frische Ideen.

Folgt dein Sound denn einer geradlinigen Entwicklung? Hast du da ein Ziel vor Augen, wo du sagst: Da möchte ich irgendwann stehen, so soll sich das mal anhören?

Das Ziel habe ich schon, aber ich bin sehr flexibel was den Weg dorthin betrifft. Ich glaube, man muss das auch immer so ein bisschen nehmen, wie es kommt. Ich höre ja die ganze Zeit sehr viel auf SoundCloud, Produzenten, die man noch nicht kennt, und treffe mich dann immer wieder mit Leuten und mache ein paar Skizzen. Mit den Produzenten, mit denen es am meisten klickt, mache ich dann das Album. Und das ist vielleicht auch mit das Wichtigste, denn die Herangehensweise des Produzenten inspiriert ja. Wenn man so grundlegend die selbe Vision hat, dann geht das ganz gut.

Singst du jetzt auch öfter? Du hast ja die Hook bei der ersten Singleauskopplung „Luftlöcher“ gesungen.

Ja, ich rappe aber auch noch viel und auch eher wieder mit dem UK-Flow. Bei „Neue Welt“ war es ja eher so ein Singsang-Flow, aber jetzt ist in den Strophen auch wieder richtig Rap angesagt. Und singen tue ich eben auch. Ich hatte vorhin ja von Everything Everything gesprochen – der singt immer alles so mit Kopfstimme. Und das mache ich bei „Luftlöcher“ z.B. am Anfang auch. Solche kleinen Einstreuer sind viel zu finden, aber halt eher mal so als Bridge oder Hook. Von der Gesang-Rap-Ratio her ähnelt es „Blausicht“.

Was ist für dich denn Rap und was nicht? Und ist es dir überhaupt wichtig, in diesem Rahmen zu bleiben?

Nein, es ist mir eigentlich nicht wichtig. Obwohl ich ja mit Rap groß geworden bin und mich auch als echten Raphead bezeichnen würde. Ich würde auch bei vielen Rapquizzes gewinnen, denke ich. Aber am Ende des Tages ist es mir natürlich trotzdem egal. Ich finde auch, dass in Zeiten des Streamings Genres immer mehr verschwimmen. Man muss nicht mehr in einen Plattenladen gehen, wo in der einen Ecke HipHop und in der anderen Ecke Pop steht.
Aber ich glaube schon, dass ich es „verdient“ habe, von der Rapcommunity respektiert zu werden, weil ich rappen kann und weil meine ganze Attitude von HipHop geprägt ist. Ich mache in meinen Tracks ja auch nicht wirklich was anderes als Sampling, nur halt aus verschiedenen Genres. Und Rap hat mich gelehrt, dass ich die musikalische Freiheit habe, zu machen, was ich will. Deswegen, finde ich, ist das, was ich mache, immer noch Rap.

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