Absztrakkt

Deutschrap in 2011 ist offener geworden. Offener für Soundentwürfe, die sonst immer ein Randdasein fristeten. Wie beispielsweise Absztrakkt: Der Mann aus Lüdenscheid rappt mit seinen Kumpels von 58Muzik seit etwa zehn Jahren, blieb dabei aber immer weitestgehend unentdeckt von der breiten Masse. Das ändert sich nun plötzlich recht schnell, erst kam eine Free-EP über rap.de, dann Interviews in praktisch allen wichtigen HipHop-Medien (wie etwa das hier vorliegende). Auch die rap.de-Redaktion stand auf dem Terminplan des ruhigen, fast stoisch wirkenden Rappers, so ruhig, dass das Aufnahmegerät beinahe vor Manager André von 58Muzik statt vor Absztrakkt gestellt worden wäre. Der Sauerländer kommentiert das trocken: "Ich bin eher der zurückhaltende Typ, stelle ich immer wieder fest." Und schon sind wir mittendrin in einem Gespräch über Geist, Konzepte, Ideale, Musik und, na klar, über den Buddhismus, zu dem Absztrakkt sich bekennt.
 
rap.de: In deiner Musik bist du allerdings nicht so zurückhaltend.

Absztrakkt: Vielleicht ist das ja gerade das. Dass es dann halt erst rauskommt. Ich bin persönlich schon ein eher ruhiger Typ. Aber als Rapper nicht.

rap.de: Wirst du beim Rappen zu einem anderen Menschen?

Absztrakkt: Das ist eben meine Art, zu performen. Ich fand selber Rap auch immer geil, wenn das rüberkam. Wenn jemand eine gewisse Energie vermittelt. Auch wenn man es von den Worten her nicht versteht, dass man trotzdem weiß, der Typ, der das da gerade macht, hat ein Anliegen. Dem ist da gerade etwas wichtig und das kommt durch.

rap.de: Welche Rapper waren das, bei denen du dieses Gefühl hattest?

Absztrakkt: Zum Beispiel Chuck D. von Public Enemy. Auch die Wu-Tang-Sachen fand ich immer geil. Wu-Tang habe ich mir ziemlich viel gegeben. Vor allem RZA finde und fand ich immer am geilsten.

rap.de: Als Rapper oder als Beatmaker?

Absztrakkt: Beides. Der ist für mich ein musikalisches Genie.

rap.de: Dieser Sound hat sich auch selbst geprägt, oder?

Absztrakkt: Ja.

rap.de: Und um diesen Sound hat sich in Lüdenscheid eine eigene Szene entwickelt?

Absztrakkt: Ja. Das ist in diesem Rapgame, wenn man es so nennen will, ein eigener Ast an diesem Baum. Ein eigener, starker, dicker Ast.

rap.de: Sondert ihr euch bewusst vom Rest der Szene ab?

Absztrakkt: Natürlich freut man sich immer, wenn das bei anderen Leuten ankommt. Wenn denn Anfragen kommen. Nicht nur an mich, sondern auch an die anderen X-Men Clan-Member, wir sind ja alles unterschiedliche Typen, jeder zieht auch andere Leute an. Jemand, der Questgott gut findet, muss nicht unbedingt Absztrakkt gut finden und umgekehrt. Wenn da irgendwas entsteht und man die Leute selber gut findet, die Interesse haben, kann da durchaus auch was zustande kommen, warum denn nicht? Wir schotten uns nicht ab.

rap.de: Sprich, der Ast findet auch andere Äste gut, wie zum Beispiel Hiob, Morlockk, JAW oder Marcello.

Absztrakkt: Diese Äste tragen eben Früchte, die sich im Geschmack nur minimal unterscheiden. Zum Beispiel Dilemma oder Jotta. Für mich ist das alles eine Suppe. Trotzdem ist für mich 58 trotzdem noch was eigenes, das hört sich schon noch anders an.

rap.de: Verstehe, das ist also Mengenlehre: Es gibt den 58-Kreis und einen etwas größeren Kreis, in dem noch andere Kreise drin sind.

Absztrakkt: Das ist gar nicht mal so falsch, das so auszudrücken.
 

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