The Game

Der Ärger war groß, obwohl er abzusehen war und wir uns ehrlich gesagt auch nichts anderes erhofft hatten. Als wir die Nachricht bekommen haben, dass The Game erst nach seinem Auftritt für ein Interview bereit stehen würde, war uns allen schon klar, dass dieses Interview wohl nie zustande kommen würde. Dass der Abend aber so frustrierend werden würde, das war dann doch überraschend. 



Angefangen bei den falschen Versprechungen irgendwelcher Agenturen, die uns nach Hamburg lockten, über die Vorgruppen, die sich zwar vielleicht Mühe gegeben haben, aber nicht wirklich zündeten, bis hin zu einem halbstündigen Medley der größten Hits der letzten 80 Jahre, bei denen The Game Snoop Dogg Strophen nachräppte oder Michael Jackson honorierte… heiße, rote Wellen des Ärgers brechen sich Bahn und man fühlt sich einfach nur verarscht. Von vorne bis hinten. Als Fan. Als Konzertbesucher und als Journalist sowieso. 

Ganz ehrlich: Es kotzt uns an und wenn sich da nicht grundlegend etwas verändert bei den Bookern und Promotern und vor allem bei den Künstlern selbst, dann wird auf dieser Seite in absehbarer Zeit, kein amerikanischer Hip Hop mehr vorkommen. Zumindest nicht in Interviewform. 

Mit DJ Chrystal begann also die Black Wallstreet Show und es wurden zwei Bands aus dem amerikanischen Mutterhaus vorgestellt.

The Menace glänzten mit einem Eazy-E und einem Tupac Verschnitt, nur durchtrainierter und an den anderen Act kann ich mich schon gar nicht mehr erinnern. Beachtlich daran war eigentlich nur die Schnürtechnik, um die immer noch extrem breiten Hosen über den Schuhen zu halten und bei dem anderen fragte man sich A) Wie hält die Hose eigentlich, wenn sie unter dem Arsch sitzt und B) Eigentlich müsste man bei dieser Position doch schon fast sein Geschlecht sehen, aber da ist nichts?

Als dann The Game die Bühne betrat, brandeten die ersten Fuck Jay-Z Rufe auf und man dachte sich: Ok. Die Menschen sind euphorisch und wollen ihrem Idol gefallen. Deshalb schlagen sie sich auf seine Seite und verhöhnen seinen Feind. Als dann aber The Game selbst in die Fuck Jay-Z Rufe einstimmte, da glitt die Situation ins Lächerliche.

Wir stellten uns vor, wie der Jigga mit zweimal ausverkauftem Madison Square Garden im Rücken in seinem Penthouse sitzt und per Youtube mitbekommt, dass The Game im Hamburger Übel und Gefährlich vor 800 Leuten steht und "Fuck Jay-Z“ brüllt. Wir stellten uns weiter vor, dass der gute Sean einfach ermüdet weiterklickt und The Game immer noch "Fuck Jay-Z“ brüllt. Leider hört ihn Jay-Z nicht mehr. Er ist schon weg. Und irgendwie konnten wir uns nicht dagegen wehren, dass diese Situation etwas Armseliges hat. Als dann noch die Menge mit der obligatorischen Schampus-Flasche nass gespritzt wurde und Game kurz darauf ein paar Dollarscheine aus seiner Hose nestelte und hinterher schmiss, untermalt von Konserven-Schusssounds vom DJ, wurde man vom Klischee-Overkill geradezu überrollt.

Währenddessen gab es High Living hinter der rechten Seite der Bühne. Dem Backstage-Bereich, wo die "normalen“ Menschen, ohne Elefantenbaby-große und womöglich auch –schwere Ketten, neben einem kaputten Spiegel auf einer siffigen Couch saßen und neben dem bereitgestellten Kasten Mineralwasser, den selbst mitgebrachten Wodka tranken. Willkommen in einem Leben voller Glamour und Exzess, willkommen im Leben eines deutschen Voracts.

 


 

Nicht die Tatsache, dass The Game nur 800 Leute anzieht und in einem Hamburger Underground Club spielt, ist armselig. Das finden wir sogar cool. Aber die vollkommen lächerliche Inszenierung als Superstar plus die neiderfüllten Disstiraden… so auf den Hund gekommen, wollen wir eigentlich niemanden sehen. Und schon gar nicht The Game.
   

Eine einfache, ehrliche Rap Show hätte uns gereicht. Scheiß auf das Interview. Eine einfach ehrliche Auskunft: "Sorry Freunde, aber The Game ist müde nach dem Konzert und gibt keine Interviews mehr." Auch das können wir akzeptieren.

Wenn dann aber ein abgehalfterter Ex-Star auf der Bühne posiert, nicht mehr rappt, seine müden Kollegen neben ihm frustriert im Takt zu schunkeln versuchen und ab und zu lahm die Hand heben, dann ist das einfach zu wenig. Das passt dann vielleicht in den Madison Square Garden mit viel Pyrotechnik und LED Wänden, aber für einen Untergrund Gig ist das einfach lame.

Wir wissen schon! Klar! Man muss sich auch auf der untersten Ebene als Star inszenieren, um als Star anerkannt zu sein, aber ehrlich, warum soll ich mir The Games Lieblingsplattensammlung anhören? Was ist das für eine Scheiße, wenn die Hälfte seines Konzertes tatsächlich daraus besteht, dass der Hauptkünstler die größten (Rap)Hits der letzten 20 Jahre anspielt, jeweils mit dem Intro oder der ersten Strophe???? Das ist keine Hommage. Das ist nicht up and smoke und wir geben Respekt an Biggie und Pac. Das ist einfach scheiße und es bleibt einfach scheiße. Das ist "Ich verarsche mein Publikum, weil ich sowieso drauf scheiße“, das ist peinlich und unwürdig. So etwas darf man sich als zahlender Gast auch nicht gefallen lassen.   

Nach drei weiteren Stücken war der Spuk dann vorbei und ein trauerartiger Geschmack breitete sich in unseren Mündern aus, als The Game mit weiteren "Fuck Jay-Z“ und "Rocafella Killa“ Rufen von der Bühne ging. Man konnte ihn schon nicht mehr sehen, da brüllte er immer noch ins Mikrofon und irgendwie war diese Situation bezeichnend für den gesamten Abend und vielleicht auch für die gesamte Karriere des Chuck Taylor.

Die ersten Gäste verließen schon den Raum. Auf der Bühne standen die letzen Reste der Hampelmännertruppe herum. Aus den Lautsprechern quäkte die nörgelnde Stimme, die allerdings ohne echte Wut ihr "Fuck Jay-Z“ brüllte und man dachte sich: Das also bleibt am Ende? Ein trauriger Diss? Mehr nicht?

All das sind Dinge, auf die man den MC sicherlich hätte ansprechen können. Vielleicht gab es deshalb aber auch keinerlei Möglichkeit, den versprochenen Interviewtermin wahrzunehmen. Hinter der linken, der "besseren“ Seite der Bühne, warteten nach der Show allerdings nicht nur der ein oder andere Journalist, sondern eben auch jede Menge leicht bekleidete junge Mädchen, die sich unter Kichern auf die Homies und Wasserträger von The Game verteilten. Auf die Frage, ob es denn jetzt noch eine Möglichkeit gäbe, mit dem Künstler persönlich zu sprechen, wird nur sehr widerwillig und wie unter großen Schmerzen geantwortet. Gereiztheit macht sich auf beiden Seiten breit und erst auf penetrantestes Nachfragen wurde einem dann endlich mitgeteilt: "Nein. Keine Interviews mehr."

 
Auf der Rückfahrt herrschte gereiztes Schweigen und man konnte nicht umhin, zu denken, dass man gerade einen richtigen Loser bei der Arbeit beobachten musste. Black Wallstreet ist eine Verlierertruppe… und das tut weh.

PS: An dieser Stelle wollen wir ausdrücklich betonen und nachtragen, dass Out4Fame als Organisator der Tour keine Schuld trifft. Wir denken, dass sich die Jungs bestimmt sehr viel Mühe gegeben haben und sich den Abend in Hamburg ebenfalls ein bisschen anders vorgestellt hatten.

Es geht auch gar nicht so sehr darum, ob wir ein Interview bekommen oder nicht. Wir hätten es gerne geführt und wir denken, dass wir auch ein interessantes Interview mit The Game hätten führen können, weil wir vom Wert unserer journalistischen Arbeit überzeugt sind. Aber wir erwarten wie jeder Konzertbesucher, dass sich der auftretende Künstler Mühe gibt und dass man uns als Medienvertreter zumindest insofern respektiert, dass man uns eine ordentliche Absage gibt. Nuffsaid.

Hinterlasse einen Kommentar

Please enter your comment!
Please enter your name here