Harris

Es ist schon einige Jahre her, dass Harris und Dean Dawson "Gras, Becks und Zärtlichkeit" als Maxime ausriefen und so als Spezializtz zu einer DER Rap-Combos im deutschen Hip Hop-Zirkus wurden. Seinen Ruf als partywütiger aber zugleich auch verdammt entspannter MC zementierte Harris außerdem mit seinen Mixtapes, auf denen er altbekannten Ami-Hymnen wie "In Da Club" oder "Drop It Like It’s Hot" seinen Stempel aufdrückte. Angefangen hatte der Berliner damals übrigens als DJ und genau darüber haben wir dann auch mit ihm gesprochen. Außerdem wurde die Frage geklärt, warum bei Hip Hop Parties eigentlich so gut wie nie Deutschrap aufgelegt wird und woran man erkennt, welche Droge der aktuelle Gesprächspartner eingeworfen hat. Tait Alta.

rap.de: Zu erst einmal musst du mir das Konzept von "Ab In’ Club“ erklären. Das ist ein Harris-Mixtape mit DJ Sweap und Pfund 500?

Harris: Ja, so kann man das ausdrücken.

rap.de: Wer hat da was gemacht?

Harris: Also Sweap und Pfund

rap.de: Wer sind die überhaupt?

Harris: Das sind zwei DJs aus der Schweiz, einer aus Zürich, einer aus Schaffhausen. Pfund 500 war der Erste, der damals die Spezializtz in die Schweiz geholt hat. Das war so 1997, 98. Der hatte immer Riesenjams gemacht, da waren auch Franzosen. So hat man sich halt kennen gelernt. Sweap war zu der Zeit, glaube ich, noch nicht sein Partner, der kam dann irgendwann dazu und hat eben ein Studio in Zürich. Immer wenn ich in der Stadt war, war ich bei ihm. Pfund ist meistens auch noch dazugekommen und über die Jahre hat sich da eine Freundschaft entwickelt. Erst haben sie das Tape mit Savas gemacht, dann das mit Fler, auf denen ja auch Sachen von mir drauf waren, und irgendwann kamen sie an und meinten "Ey, mit dir müssen wir auch eins machen“. Die Hälfte der Songs, die da jetzt drauf sind, hatten wir sowieso schon vor längerem gemacht, als ich während der EM da unten war. So kam es, dass wir dann halt schon fünf Dinger hatten und uns gesagt haben "Ach komm, rufen wir noch ein paar andere Leute an und fragen sie, ob sie Bock haben,“ und dann hatten wir ein Mixtape. Die Grundidee stammt von denen und die meiste Arbeit stammt von denen. Sie haben das zusammengemixt, die Beats rausgepickt, die kamen mit Ideen wie "Berliner Boy“, was ich von mir aus nie gemacht hätte, weil ich "American Boy“ als Track jetzt gar nicht so killer finde.

rap.de: Wer ist Sarah G.?

Harris: Keine Ahnung, die kenne ich gar nicht. Das ist von deren Manager, der eigentlich ein Berliner ist, dann aber einen Job in Zürich bekommen hat und jetzt einfach dageblieben ist, wohl eine Bekannte aus Hamburg. Ich hatte damals gesagt, dass sie für die Hook unbedingt eine Frau finden müssen, die eben nicht aus Berlin kommt und über den "Berliner Boy“ singt. Die Grundidee von DJ Sweap war natürlich Bintia, aber das wollte ich nicht. Das sollte schon was anderes sein und dann kam Benji halt mit Sarah G. Ich habe meine Strophe geschrieben, die haben mir irgendwann das Teil geschickt und ich war glücklich.

rap.de: Diese Idee mit den deutschen Lyrics über Ami-Beats stammt eigentlich so ein bisschen von dir, oder? Zumindest gab es mal ein Mixtape, wo ich zum ersten Mal gehört habe, dass das jemand auf deutsch gemacht hat.

Harris: Die eigentliche Grundidee so etwas zu machen, stammt von Bock Auf’n Beat und Derezon. Die haben damals Mixtapes gehabt und zu mir gesagt, als "In Da Club“ raus kam: "Das musst du machen! Darüber musst du eine Strophe schreiben“. Also bin ich zu Derezon ins Studio gegangen, habe die erste Strophe geschrieben, die haben das dann auf ihrem Mixtape raus gebracht und die Resonanz darauf war so krass… Das ging richtig ab und Langenfeld, Bock Auf’n Beat und Derezon haben mich angerufen und gesagt, ich müsste noch eine zweite Strophe machen. Ich fand das zwar langweilig, hab mir dann aber gedacht: "Na gut, mach ich das halt“. Gott sei Dank habe ich das gemacht. (lacht)


rap.de: Das haben dann viele Andere ja auch gemacht, Savas zum Beispiel.

Harris: Franky Kubrick… Das von ihm mit Missy Elliot fand ich überkrass. "Gossip Folks“ hatte er ja auch gemacht, das war schon krass. Das waren Sachen, die ich auf jeden Fall gefeiert habe. Wir wollten dann auch zusammen "Rockwilder“ machen, aber sorry, Franky – ich hab’s dann mit Siggy gemacht. Aber ich würde mich jetzt nicht als Erfinder von diesem Konzept sehen, das auf keinen Fall. Gerade das "In Da Club“ hatte zu der Zeit ja auch schon Beyonce gemacht. Da gab es 16, 17 verschiedene Versionen mit tausend verschiedenen Rappern auf diesem Beat.

rap.de: Aber trotzdem war es was Neues, das mal auf deutsch zu machen. Und das hat ja auch funktioniert, plötzlich waren die Texte tausendmal cooler.

Harris: Und clubtauglicher. Derezon meinte dann auch, er könnte das jetzt auflegen, weil das ein Amibeat ist. So kriegt man deutschen Rap dann auch mal on the Map.

rap.de: Okay, aber was ist da jetzt das Geheimnis? Weil es ein Amibeat ist? Weil es schon ein Hit ist und deshalb auch mit einem anderen Text funktioniert?

Harris: Ich würde sagen beides. Dadurch, dass das ein Hit ist und die Leute das kennen, sind die erst mal nicht abgeschreckt. Früher war das so, auch im Radio, dass das immer zu sehr verstanden wurde. Das war dann zu fremd für die. Der Ami Beat macht das bekannter und man kann schon fast sagen "familiärer“. Die Leute lassen dann auf einmal diese deutschen Lyrics zu. Sogar die, die Deutschrap echt hassen, kommen zu mir und sagen "Ey, ich feier ‚Wo Ist Mein Gras’“. Die kennen dann auch nichts anderes von mir, nur die Sachen, die auf den Amibeats sind. Das ist ganz komisch. Aber ich habe ja eigentlich auch die Taktik, dass ich den Flow des Rappers übernehme, auch wenn ich das jetzt hier eigentlich nicht sagen darf. Eins zu Eins den Beat und den Flow – dieses Gefühl, dass die Leute schon kennen. Das macht sie dann auch noch gefügiger, vor allem im Club. Die raffen dann oftmals gar nicht, ob das jetzt auf Deutsch oder auf Englisch ist, weil wir schon so eingeenglischt sind mit unseren Worten. Im Club besoffen verstehst du das dann gar nicht richtig und bei "Drop It Like It’s Hot“ merken sie es erst, wenn ich "Wooo ist mein Graaaaas“ sage. Und dann kommt so: "Ach, das ist deutsch? Das ist ja lustig!“. Das Flow-Übernehmen ist auf jeden Fall ein guter Trick.

rap.de: Jetzt ist aber natürlich die Frage: Sind deutsche Beats immer noch schlecht?

Harris: Auf gar keinen Fall.

rap.de: Aber warum…

Harris: Du kiffst immer noch nicht, oder?

rap.de: Nein. Was ich meine: Sind dann die deutschen Flows schlecht oder warum gibt es keine deutschen Clubhits?

Harris: "Fuffis Im Club“, "Türlich, Türlich“, "Reimemonster“…

rap.de: "Türlich, Türlich“ ist jetzt aber unfassbar alt. Gibt es keine aktuellen Hits?

Harris: Hm, ein aktueller Hit, den man im Club spielen kann…Tja, alles jetzt von unserem Mixtape.

rap.de: Es gab ja eine Zeit lang von deutschen Rappern immer die Aussage, dass sie clubtaugliche Beats haben wollen. Keiner von diesen Songs hat es geschafft. Was wirklich abgegangen ist, war "Türlich, Türlich“, das vielleicht darauf angelegt war, wo die Worte "Club" oder "Party" aber noch nicht mal drin vorgekommen sind. Dann gab es noch "Mein Herz Schlägt Schneller" von… Äh, Dings.

Harris: Boah, krass. Ja stimmt, wobei ich "Deine Mudder“ öfter aufgelegt habe.

rap.de: "Reimemonster" war auch so ein Ding und dann halt "Fuffies Im Club". Alles andere hat nicht funktioniert, woran liegt das?

Harris: Weil die Sachen vielleicht dafür gemacht wurden, das aber nur funktioniert, wenn man es nicht darauf angelegt hat. Ich habe natürlich auch versucht, gezielt für den Club Sachen zu machen, ob jetzt "Schöne Menschen“ oder "Jiggy“. Die Leute raffen das aber nicht, die sind allgemein zu sehr Ami-fixiert. Die kriegen auch im Radio oder Fernsehen nur englische Sachen und du hast als deutscher Act nicht so die Chance, dich den Leuten aufzuzwingen. Wenn die immer nur Fifty, Jay Z und Eminem kriegen, haben ein Marteria oder ein Sido eben nicht die Chance, im Club gespielt zu werden. Die werden gezwungen, Ami-Sachen zu hören, und wenn dann ein Deutscher kommt und denkt, er kann Jay Z oder 50 Cent nachmachen, dann geht das schief. Vielleicht, weil es zu sehr gewollt ist. Das ist bei anderen Sachen glaube ich auch so. Wenn du krampfhaft versuchst, eine gute Radio- oder Fernsehsendung zu machen oder ein Auto zu bauen, dann ist das nicht so gut, als würdest du es locker flockig machen.

rap.de: Glaubst du, dass Amerikaner anders produzieren?

Harris: Ja, auf jeden Fall. Ich war mal bei Just Blaze mit Ghostface damals, der hatte ja auch auf dem zweiten Crew Mixtape einen Song. Deshalb war ich damals mit Dean auch da. Die gehen da lässig an die Beats ran und, das klingt jetzt scheiße und ich glaube, ich disse damit generell alle Deutschen, auch mich, aber die gehen es im allgemeinen "realer“ an. Sie machen da jetzt nichts Großes draus und sagen: "Ich mache jetzt Musik“. Die machen es einfach. Die denken nicht groß darüber nach, was sie gerade machen, außer vielleicht ein Timbaland, der eine halbe Mille von Jay kriegt. Aber da gibt es auch genug Youtube-Sachen, wo man sieht, wie Just Blaze oder Timbaland an etwas sitzen, bei dem jeder weiß, was danach daraus geworden ist. Das ist diese Gemütlichkeit von denen, die wir hier in Deutschland von der Produzentenseite aus nicht haben. Weil das alle eben zu verkrampft wollen.

rap.de: Von Timbaland gab es mal eine beeindruckende Szene in dem „Fade To Black“-Video, wo er tanzt. Man hat den Eindruck, er liebt Musik, er macht gerne Musik, er tanzt gerne zu seiner eigenen Musik – er geht einfach voll ab. Er wusste ja auch, dass er dabei gefilmt wird und ihn dann auf der Jay Z DVD Millionen Leute sehen. Und der tanzt wie ein Vollidiot! (lacht)

Harris: Das ist bei denen so, dieses Gefühl. Wenn ich das mal beschreiben müsste… Rocky hat mir dieses Gefühl gebracht, wie er einen Beat einfach so gezaubert hat. Aber er feiert das dann selbst nicht so. "Grundkurs“ ist für mich Überparty – das Original, nicht der Remix. Das ist mit einer meiner größten Hits. Er weiß auch gar nicht, was er macht, und ich glaube, das ist bei vielen Leuten so. Die wissen nicht, was sie drauf haben. Die könnten richtig was machen, sind aber zu sehr festgefahren in was ganz Komischem.

rap.de: Jetzt hast du ja als DJ…

Harris: Dazu muss ich noch mal für alle sagen: Ich war schon DJ, bevor ich gerappt habe. Ich bin durch das DJing zum Rappen gekommen. Ich habe Instrumentals aufgelegt und auf die habe ich Wannabe-Freestyles gemacht.

rap.de: Also so richtig Kool DJ Herc mäßig?

Harris: Ja, nur vom Afro-Negro am Adenauerplatz. Da kamen dann Araber hin, Amis aber auch Deutsche, die mich dann gefragt haben, was ich da mache. Und ich so: "Na, auf deutsch rappen halt“. Und die fanden das voll krass. Zu der Zeit gab es in Berlin gar nicht so diesen Deutschrap. Ich wollte auch nie Rapper werden, DJ auch nicht. Ich bin da einfach so reingerutscht. Ich kam grad aus Jamaika zurück und bin in einen Club gegangen, in dem ein Freund von mir aufgelegt hat, der zu faul war Platten rauszusuchen. Also hab ich da den Selecta gemacht. Als mir dann mehrere Leute sagten, dass ich ein Händchen für die passende Musik hätte, brachten sie mir die Techniken bei und ich hab mein Ding gemacht. Optik. Krass, auf einmal Prime-Time DJ. Um ein Uhr im Club hab ich da die Leute auseinander genommen. Klar, muss man auch raus und Demos verteilen, aber wenn man etwas gut kann, dann nimmt es schon seinen Lauf. Aber das wird alles noch hier in Deutschland. Wir stehen ja noch am Anfang.

rap.de: Wir stehen aber schon sehr lange am Anfang. Rap in Deutschland ist jetzt schon gut 19 Jahre alt und damit bereits in der Pubertät. Er muss sich einfach nur neu erfinden. Manchmal bin ich traurig darüber, wie es sich so entwickelt hat.

Harris: Meinst du, du hast irgendwann keinen Bock mehr drauf?

rap.de: Nein, aber Rap hat sich am Anfang besser entwickelt, als wir noch alles scheiße fanden. Jetzt ist alles zu soft, die Leute wollen Respekt dafür, dass sie schon so lange dabei sind, aber es muss auch jemand da sein, der ihnen sagt, dass es scheiße ist, was sie machen.

Harris: Aber es gab früher auch sehr viele gute und positive Sachen.

rap.de: Ja, aber es gab richtige Camps, die sich bekriegt haben. Jeder hat gemeint, er hätte die allein glückselig machende Interpretation von Rap und damit haben sie sich bekriegt und die Sachen waren gut. Heute streiten sie sich über Verkaufszahlen und wer da weniger verkauft, wenn alle weniger verkaufen. Keiner streitet mehr um die Kunst, keiner prollt mehr mit seinen Raps, gedisst wird wer weniger verkauft. Es gibt zuviel echten Hass, es muss mehr Rap-Hass geben. Ich fänd es einfach cooler, wenn der eine disst, der andere einen Disstrack zurück bringt und das war’s. Heute wollen sie sich alle direkt umbringen. Es sind keine Antworten mehr sondern Drohungen. Das nervt mich. Ich bin doch Old-Schooler.

Harris: Du bist Dinosaurier! Noch mal zehn Jahre drauf und du bist ein Fossil.

rap.de: Noch mal zurück zu deiner Rolle als DJ. Du hast Erfahrungen damit. Du legst doch viel Deutsch-Rap auf.

Harris: Ja, aber immer noch zu wenig. Obwohl ich einen neuen Rekord habe, der bei 2:13 Stunden liegt. Satte zwei Stunden Deutschrap im Club und alle feiern.

rap.de: Warum hört man es trotzdem so wenig, wenn die Leute sich sehr wohl für Deutschrap interessieren? Auf rap.de laufen internationale Themen auch nicht so gut wie nationale. Die Leute wollen deutschen Rap.

Harris: Die Leute, die auf rap.de gehen, sind aber nicht zwingend die Leute, die in den Club gehen. Wahrscheinlich kennen die, die in den Club gehen noch nicht mal rap.de.

rap.de: Woher kriegt der Club-Typ seine Information über Rap her?

Harris: Von MTV und Viva und seinen Freunden wahrscheinlich. Als Deutscher hast du nicht die Chance wie ein Ami. Hier geht keiner in den Club und wünscht sich Savas. Die Leute wollen tanzen und abgehen. In einem Club wie Planet in Nürnberg kann ich überhaupt keinen Deutschrap spielen. Der durchschnittliche Club-Gänger ist da dein Nachbar oder Kfz-Mechaniker, der Das Ding hört, also Ami-Shit. Wenn ich da eine deutsche Platte spiele, dann ist die Tanzfläche leer.

rap.de: Der Radiosender sagt aber wenn er deutsche Musik spielt, schalten die Hörer weg. Und du sagst, die Leute wollen keinen deutschen Sachen, weil die Radios sie nicht spielen.

Harris: Es ist ja noch nicht mal so, dass die Leute sie nicht wollen. Die kennen es gar nicht erst. Bei Ami-Shit ist es egal, da tanzen die Leute auch wenn sie es nicht kennen.

rap.de: Wie kriegst du dann die deutschen Sachen unter?

Harris: Über Bootlegs. Über Ami-Beats, ich fang an mit dem was sie kennen und dann mit den deutschen Sachen, die es geschafft haben, "Türlich, Türlich“, "Reimemonster“, "Fuffies im Club“, "Mein Block“ und so ne Sachen. "Schöne Menschen“ weil ich da bin, normal. Ich fang einfach an und guck dann worauf die Leute so abgehen. Dann entscheide ich danach, wie ich weitermache. Entweder es funktioniert oder es funktioniert eben nicht. Manchmal gucken sie mich an, drehen sich um und gehen einfach, Alter. Dann zück ich immer schnell Beyoncé "Crazy In Love“, Alter. Das rettet mich immer. (lacht) Ich habe aber Gott sei Dank immer coole Veranstalter, die das auch feiern, dass ich Deutschrap spiele. Dann gibt es aber auch welche, die zu mir sagen ich soll kein Deutschrap spielen, wobei dann 500 von 1000 Leuten im Club Savas-, Aggro-, oder Optik-T-Shirts tragen.

rap.de: Also kennt der Veranstalter sein Publikum nicht?

Harris: Null. Aber ich spiel dann meist trotzdem was Deutsches. Und wenn’s abgeht, dann hol ich alles raus, was ich dabei habe. So war das da in Ingolstadt, wo ich meinen Rekord aufgestellt habe. Da habe ich Sachen angefasst, bei denen ich nie im Leben gedacht hätte, das ich die mal auflegen kann. Wie "Mach Mal Halblang“ vom DJ Desue-Album. Das war krass. Die sind abgegangen wie Schmitz Katze da. Auf jeden

Fall bin ich auch weit zurück gegangen. "Füchse“ habe ich gespielt, Joe Rilla Sachen.

rap.de:  Du bist einer der wenigen, die aktiv rappen und Deutschrap feiern. Die meisten deutschen Rapper behaupten oft, sie hörten gar keinen deutschen Hip Hop.

Harris: Danke, Savas. (lacht) Scherz. Beste Line von Savas. Die Line drückt perfekt die deutsche Mentalität in Sachen Deutschrap aus. Er war der erste, der es gesagt hat.

rap.de: Wie soll man aber denn etwas nach vorne bringen, was man gar nicht mag?

Harris: Kein Plan. Und wenn du Leute fragst, wie sie deutschen Hip Hop finden, dann sagen sie dir, dass sie Fler nicht mögen. Raff ich schon mal nicht. Und wenn du fragst warum, dann zucken sie nur mit den Schultern. Die wissen gar nicht, wieso sie was nicht mögen. Wenn du ihnen dann noch "Böser Engel“ von Fler vorspielst, dann ist die Kinnlade erst mal unten. Genau so ist es auch mit anderen Sachen.

rap.de: Fühlst du dich da auch, als hättest du so einen Lehrauftrag?

Harris: Nee, aber ich mag es nicht, wenn Leute schlecht über uns reden. Ich weiß, dass wir es drauf haben. Und wenn ich "wir“ sage, dann meine ich uns, Deutschrap. Wir haben’s einfach drauf und ich weiß, dass wir noch viel, viel mehr machen könnten. Mich regt das auch auf, wenn ich sehe, was eigentlich alles möglich ist. Zum Beispiel Amerika, das ist natürlich ein viel größerer Markt, das versteh ich auch, aber ich weiß auch, dass wir in Deutschland gerade voll kaufkräftig sind und auch dicke Marken haben. Warum macht Porsche nicht Werbung mit Savas? Auch wenn das nicht unbedingt Rap betrifft, aber warum macht nicht Audi Werbung mit Xavier? Auch Getränke, früher Punica-Jam, kannst du dich da noch erinnern, oder Obi-Beats? Da hab ich mir gedacht: "Jetzt geht’s ab! Diese Marken haben’s gerafft, Deutschrap ist Macht.“ Stell dir mal vor Obi oder Punica hätten das weiter durchgezogen. Alle Leute kennen Punica, die hätten sich ihre Leute großgezogen. Ich hatte das damals schon im Kopf, dass man sich seine Käufer erziehen kann, die wachsen doch mit, Alter. Das ärgert mich einfach, weil ich weiß, im Deutschrap geht viel mehr. Und wenn mehr Leute zugeben würden, dass sie bestimmte Sachen auch feiern, statt diesem: "Nee, ich kann jetzt nicht zugeben, dass Harris oder Savas cool ist, oder auch mal ein Bushido-Song.“ Wenn wir das wegkriegen könnten, ginge auch bei uns mehr. Dann können wir auch als Einheit ein bisschen mehr nach draußen gehen und viel mehr erreichen.

rap.de: Es gibt ja die Theorie, dass die Werbeträger ausgestiegen sind, als Massiv angeschossen wurde. Dass es ihnen dann doch zu heiß wurde.

Harris: Ja, aber das war ja viel später. Das war ja dieses Jahr noch, ich rede von der Zeit vor fünf, sechs Jahren. Ich weiß noch, wie wir immer Jägermeister getrunken haben. Wir haben schon immer Jägermeister getrunken, aber es wäre schon cool gewesen, von denen einen Batzen Geld zu bekommen. Dann hätte mir es auch mehr Spaß gemacht und Jägermeister wissen gar nicht, was die noch alles hätten machen können. Baaamm, Alter! Wenn auch andere Firmen, die dick Para haben oder auch Deutschland überhaupt ein bisschen mehr investieren würden, dann würde es auch schon "Kurz und schmerzlos 2" oder "Kanak Attack 2“ und ähnliche Filme geben. Das war auch genau diese Zeit, als auch diese geilen HipHop-angelehnten Filme rauskamen. Guido, unser Manager hatte das, glaube ich, als Überraschung organisiert, dass dieser Bengel in einem der beiden Filme – ich verwechsle die immer – in den Puff reingeht und da läuft auf einmal ein Spezializtz-Song. Ich so… Ey, mir sind ein Meter Haare gewachsen, so starke Gänsehaut hatte ich. Schon bis diese Szene kam dachte ich nur: "Bor, was ist das für ein geiler Film.“ Und dann geht der in den Puff rein und mein Song läuft und ich so: "Alter, krass, wir werden alle so reich.“ (Gelächter)

rap.de: Und seid ihr reich geworden?

Nein Mann, es kam kein Obi-Beats mehr, keine Punica-Jam mehr. All diese Sachen, bei denen ich dachte, dass jetzt dieser große Deutschrapboom für uns kommt, gab es dann auf einmal nicht mehr.

rap.de: Es gibt ja auch das Problem, was ja auch viele Festivalbesucher haben, dass sie einen Act haben, den 500 Besucher total geil finden und 3500 total scheiße. Und davon gibt es ja extrem viele. Also es gibt kaum Acts, auf die sich ein größeres Publikum einigen kann. Woran liegt das?

Harris: Hm… Geschmäcker, einfach. (lacht) Keine Ahnung, ob es daran liegt, dass die Leute vielleicht ein bisschen überfüttert sind, aber damit habe ich mich jetzt noch nicht so befasst.

rap.de: Ja gut, aber beim Auflegen hast du das Problem ja quasi im Kleinen. Da musst du ja dann diese 2000 Leute ja irgendwie auch zufrieden stellen.

Harris: Aber das geht eigentlich. Ich glaube, dass Auflegen auch noch mal etwas anderes ist, als wenn du die Leute dazu noch direkt siehst und das dann auch noch ne Stunde lang ertragen musst.

rap.de: Ja, aber im Endeffekt ist doch ein Festival machen so etwas Ähnliches wie ein DJ-Set gestalten, nur eben größer. Meinst du, du könntest die Leute vom Splash-Festival gut beraten?

Harris: Ja! Sehr gut!

rap.de: Du denkst also, auch die Festivalmacher begehen Fehler?

Harris: Ja, machen sie. Habe ich ihnen aber auch schon oft genug gesagt. (lacht) Aber ey, wer bin ich denn?

rap.de: Einer wenigen, die erfolgreich deutschen HipHop im Club auflegen.

Harris: Ja, aber keiner will auf mich hören. (Gelächter) Weil, wer bin ich denn? Das ist ja auch so’n Ding, du musst den Leuten ja auch erst mal beweisen, dass du es drauf hast. Ich dachte ja, ich hätte das geschafft mit Highnachten. Damit habe ich einigen Leuten gerade in Berlin auf jeden Fall ne Schelle gegeben, weil sie es einfach nicht geschafft haben, hier mal ein anständiges Festival auf die Beine zu stellen und dann komme ich um die Ecke mit meinem Partner und mach Highnachten. Und die Columbia-Halle war full! Full! Zwei mal, pamm, Alter!

rap.de: Warum gibt’s das nicht mehr?

Harris: Kein Bock mehr. Zu viel graue Haare, Alter. (Gelächter) Nur um zu beweisen, dass ich das kann. Weißt du, was geil wäre? Splash, Harry Edition! Ich würde ein Über-Lineup klarmachen. Nur ganz wenige Amis zum Beispiel, ich will keine Amis auf meinem deutschen Festival sehen. Dann lieber ein paar Europäer mehr oder so, weißte? Primär deutsch. (schreit) DEUUUTSCH! (Gelächter) Aber das ist so ein alltägliches Problem, das ich mit den Veranstaltern von Festivals habe, auch mit dem Splash. Das ist jetzt kein Hate, die machen das ja auch gut, ich liebe Splash, ich hab mich da jetzt nie beschwert oder so. Natürlich ärgerst du dich mal über den ein oder anderen Act als HipHop-Fan. Viele Sachen sag ich da manchmal auch weil ich einfach Fan bin. Nicht als Rapper, nicht als DJ, ich mache das einfach weil ich HipHop liebe. Dazu gehört dann eben auch, dass ich mich mal über das Lineup aufrege oder dass schon wieder ausgerechnet DER da ist. Dann denke ich mir nur: "Warum? Du hättest du doch lieber den oder den oder den genommen.“ –  "Ich versteh ja, aber der will viel Geld“ – "Ja, dann nimm doch DEN, der will nicht so viel Geld und den wollen auch alle sehen.Splash, Harry Edition. Kommt bald, Alter. (lacht) Hach, ja.

rap.de: Um mal auf dein neues Produkt einzugehen. Wie habt ihr das eigentlich GEMA-mäßig geklärt?

Harris: Ich kenn die alle. (Gelächter) Ich hab die angerufen, hab denen gesagt: "Yoooo

rap.de: … und die Lizenzen alle geklärt. (Gelächter) Bis Track 10 handelt jeder Track von Kokain. Es gibt zumindest in jedem Track Anspielungen darauf.

Harris: (lange Pause) Was, Alter?

rap.de: Welche Rolle spielt Kokain im Partyleben?

Harris: Ne große auf jeden Fall, aber… (Gelächter)

rap.de: Bis Greckoe kommt, ausschließlich. Jeder Track, wirklich jeder.

Harris: (verwirrt) Echt? Bei "Letzte Nacht“, wo denn da? Bei dem "HaHaHarry“?

rap.de: Also, du kannst gerne noch mal durch hören, aber meiner Meinung nach auf jeden Fall. Vielleicht auch nicht…

Harris: Doch Michael sagt auf jeden Fall… (überlegt) Marteria?

rap.de: Marteria, der kifft, glaube ich, nur.

Harris: Und beim "Swagger Like Us“ Remix? Sagt Siggi irgendwas über Koks? Du machst mich voll wuschig, Alter. Aber, ja, ist auch komisch, dass du in Clubs eigentlich koksen kannst, aber nicht kiffen.

rap.de: Man riecht es nicht.

Harris: Aber ich sehe in Clubs allgemein, dass mehr gekokst als gekifft wird. Also ist Koksen zwar für Party nicht wichtig, aber es gehört dazu, wie der Drink oder das Tanzen, glaube ich.

rap.de: Aber es ist auch mehr geworden in den letzten Jahren.

Harris: Das glaube ich nicht, also davon weiß ich nichts. Ich fand es früher schlimm. Aber ich glaube, das liegt daran, dass ich früher selber schlimmer war. Also um mich herum gibt es jetzt nicht so viel davon. Das ist sehr, sehr selten eigentlich. Ich weiß, dass es immer noch da ist, weil ich es ja sehe, wenn ich auflege und da im VIP rumsitze. Dann siehst du schon, wie die sich dann ihre Lines legen. Das find ich dann halt immer krass, denn wenn du dann kiffen willst heißt es dann immer "Das geht hier nicht.“ – "Ja und der zieht Koks.“ – "Das ist egal, das riecht man nicht.“ Dann fliegst du raus, mit Armhebel und allem durch so ne Notluke. Weil du dir einen Joint angemacht hast und der Typ hat da 15 Kilo auf dem Tisch liegen und sieht aus wie so ein Eisbär oder so was und die kratzen sich die Scheiße dann immer noch so ab. Assi-Shit. Lasst die Finger von den Drogen, kein Koks, ja? Muss nicht sein.

rap.de: Warum nicht?

Harris: Ist nicht so gut, ist teuer und … illegal. (Gelächter) Es ist, glaube ich, nicht gut für einen. Ich weiß, dass es nicht gut ist.

rap.de: War es für dich auch nicht gut?

Harris: Nein. Weil irgendwann denkst du, du bist King Kong, stehst vor dem Spiegel und – bei mir war es zum Glück so – kriegst Angst vor dir selber. Und das

war der Moment, wo ich gesagt habe: "Fick das! Fick das, aber richtig! Ich will das nie wieder, Alter!“ Manche, die können das kontrollieren und die geben sich das dann vielleicht auch öfters, aber ich weiß auf jeden Fall, dass das aus dir keinen guten Menschen macht. Also wenn du regelmäßig Koks ziehst, veränderst du dich. Ich hab schon genug Menschen gesehen, die das verändert hat und diese Menschen sind nicht lustig drauf. Die geben das nicht zu, weil sie es selber nicht sehen, weil es für sie keine Veränderung gibt, aber wir sehen die Kieferakrobatik . Für ihn ist alles normal, aber sein Kiefer – er macht es einfach.

rap.de: (lacht) Er mahlt die ganze Zeit.

Harris: Ja, Kieferakrobatik nenne ich das, Kieferfitness.

rap.de: Was gehört deiner Meinung nach zu einer guten Party?

Harris: Gute Laune ist die Grundvoraussetzung. Du brauchst nicht mal Musik um ne Party zu machen, wenn du gute Laune hast. Du kannst deine eigene Party machen, mit dir selber. Du brauchst nur gute Laune. Wir beide feiern auch gerade ne Party, ich hab gute Laune.

rap.de: Aber wenn du jetzt eine CD wie diese machst, sprichst du natürlich von einer anderen Art Party. Also was gehört dazu?

Harris: Also eigentlich gehört für mich zu einer Party schon Alkohol, auf jeden Fall. (lacht) Ein guter DJ, oder überhaupt gute Mucke. Gute Laune, ich finde echt, man sollte nicht auf eine Party oder in einen Club gehen, wenn du irgendwie nur deinen Stress abbauen willst. Dann geh erst mal in den Boxring oder so, mach schön Training. Kann auch Fußball sein, oder geh pokern. Aber in den Club sollte man echt nur kommen, wenn die Stimmung gut ist und wenn man weiß, wie viel man trinken sollte oder kiffen oder koksen, mir doch egal. Und natürlich ich. Ich darf nicht fehlen, dann hast du ne gute Party. Eine richtig gute Party.

rap.de: Wie gelingt es dir, gute Laune zu haben? Ich meine, du wirst ja auch älter. Party machen ist für dich ja auch Arbeit mittlerweile.

Harris: Nee, Arbeit nervt und ich mach gerne Party, also ist es keine Arbeit. Ich hab das Glück, nein, ich bin gesegnet damit, dass ich immer gerne Party mache, dass ich schon immer gerne flippe. Ich mach das einfach gerne. Ich würde es noch viel, viel, viel öfter und auch gerne woanders, in anderen Ländern machen, wenn ich könnte und gebucht werden würde. Ich hab noch viel mehr Energie, mein Akku ist nicht leer.

rap.de: Wie oft wirst du gebucht?

Harris: Wenn ich Glück habe, einmal die Woche. Wenn es richtig rund läuft, dann Freitag, Samstag und noch ein Booking unter der Woche. Manchmal lege ich drei Mal nacheinander auf. Das ist mies. Die letzen drei Tage waren so. Hättest du mir die SMS nicht geschickt, wäre ich immer noch am Schlafen. Aber ich will Party machen und dass ich das als DJ noch kontrollieren kann und das Privileg hab als Rapper dahin zu kommen, macht gute Laune. Im Grunde kriege ich mehr Liebe als Hass, ich habe nie Stress. Die gute Resonanz macht einfach gute Laune. Ich komme aus Berlin raus, ich sehe Deutschland, die Leute schreien "tight, Alta“ und ich denk mir "geil Alta“. Als Rapper kannst du nicht dauernd unterwegs sein und jedes Wochenende gebucht werden, das gibt’s einfach nicht. Zeig mir mal einen. Ich glaube deswegen sind manche auch so demotiviert und hören auf, weil sie nicht regelmäßig gebucht werden.

rap.de: Savas war früher jedes Wochenende gebucht.

Harris: Ja, früher. Und was ist jetzt? Wenn ich mir jetzt die Bookings angucke, in der Juice oder so, das ist alles viel weniger als früher. Und auch irgendwie immer die gleichen Leute. Früher waren ganz viele am Touren und ganz unterschiedliche auch. Aber ich kann meinen Shit jedes Wochenende zu den Leuten bringen.

rap.de: Wie gut ist solch eine Arbeit mit Familie vereinbar?

Harris: Sehr gut. Ich bin ja meist fünf Tage die Woche zuhause. Ich bring meine Kinder, ich hol sie wieder ab, chille mit denen nachmittags und abends gehe ich ins Studio und mach einen Hit, Alter. Oder auch nicht. (lacht) Andere Väter sind gar nicht da unter der Woche und sehen die Kinder nur abends. Oder gar nicht. Also ist mein Party-Lifestyle voll vereinbar mit Familie.


rap.de: Aber wie lange ist denn so ein Lebensstil möglich?

Harris: Verdammt lange! (lacht).

rap.de: Aber irgendwann sind Partys auch zu Ende. Was machst du dann?

Harris: Trotzdem weiter Party. Spaß. Natürlich habe ich auch Träume wie jeder andere. Ich möchte gerne mehr schauspielern und einen Club haben. Ich möchte gerne an mehreren verschiedenen Projekten teilnehmen. Ich habe gute Ideen, ich könnte mich als Berater einer Plattenfirma sehen. Mir würde es Spaß machen, bei Sony oder Universal rumzusitzen und Hip Hop neu an die Leute zu bringen, auf meinen eigenen freshen Style. Ich kann Probleme gut durchschauen. Ich könnte Problemsolver sein. Wenn Def Jam auf mich gehört hätte, gäbe es die immer noch.

rap.de: Was sind die momentanen Fehler der Labels und was sind deine Vorschläge? Schauen wir uns mal die Releases an, die hoch angelegt waren und nicht das gehalten haben, was sie versprochen haben. B-Tight?

Harris: Es wurde zuviel Wert auf Sido gelegt. Man hat nicht das draus gemacht, was es hätte werden können. Auch als das Sido-Album schon raus war, hingen noch die Banner von Südberlin Maskulin. Und das darf nicht sein.

rap.de: Okay. Marteria?

Harris: Das war unfassbar. Die haben den rausgeschickt und der war viel unterwegs, aber trotzdem nicht genug Promo. Seine ganze Story hätte man viel besser vermarkten können, das Model, der Fußballer. Man hätte mehr draus machen können. Ich weiß noch, als ich eine MTV-Werbung gemacht habe und er dabei war. Er hat mich angequatscht und mir erzählt, dass er auch rappt und ich habe es gesehen, dass da was ist. Ich wusste, ich sehe ihn wieder und ich sah ihn wieder. 

rap.de: Du warst auch einer der ersten, der die Royal Bunker Tapes gekauft hat. Hast du da auch schon Leute gesehen, die groß hätten werden können? Oder warst du da eher der gnädige Star, der den Newcomern eine Chance gibt?

Harris:  Nee, auch wenn Bunker und GBZ offiziell nicht zusammen gewirkt haben und es auch kein Geheimnis ist, dass ein paar Leute sich da gerne die Köpfe eingehauen hätten, haben wir uns immer den Respekt gezollt, der nötig ist um klarzukommen. Ich stöber auch gerne. Es ist mir auch wichtig, dass wir als Berliner nach außen hin Einheit präsentieren.

rap.de: Was ist bei Prinz Pi falsch gelaufen? Er hat ja auch Tracks gemacht mit Abgeh-Charakter. Spielst du so was auch?

Harris: An für sich auch. Auf Uptempo. Aber der Fehler da war, dass er zu Universal gegangen ist. Was ich gelesen und gehört habe ist, dass die Leute das nicht cool fanden. Ich finde ihn jetzt cooler. Als ich ihn live auf der Pre-Listening Party gehört habe, dachte ich ,er wird feuern, aber hat wohl nicht so hingehauen. Überall in Deutschland hängen neongrüne Riesenplakate und es ging nicht so viel. Aber wer bin ich Alter? (Pause) Ein Harris Altaaaaaaaaaaa !!!! (lacht)

rap.de: Was hast du raptechnisch noch für Ziele?

Harris: Ein fettes Solo-Album. Ich will ein neues Mixtape machen auch wenn ich letztes Jahr eins gemacht habe, das mehr aus Frust entstanden ist, weil "HARRYge Angelegenheiten“ nicht so geil abging.

rap.de: Über welches Label würdest du es dann releasen?

Harris: Keine Ahnung. Ich bin nicht an Sektenmuzik gebunden, zumindest nicht, dass ich wüsste. Aber ich glaub, einen Harry könnten die gut vermarkten. Ich mach mir keine Gedanken, hauptsache es geht ab. Meinetwegen auch als free Download.

rap.de: Wie hat sich das eigentlich damals entwickelt, dass du mit Sido ein Projekt hattest? Da treffen ja zwei Generationen von Rap aufeinander.

Harris: Ja, war auch so. Ich habe das gar nicht weiter verfolgt. Mein Album war da schon raus und Siggi wollte gerade "Mein Block“ drehen. Er wurde mir dann vorgestellt und es war ihm eine Ehre, also hat er mich gefragt, ob ich auf sein Album will. Sido hat mir dann was vorgespielt und ich fand’s krass. Ich dachte nur: "Was ist das für ein Mensch? Wie krass rappt er?". Und der Rest ist Geschichte. Wir sind direkt zusammen auf Tour gegangen. Erst haben wir Optik geschoben wegen unseren unterschiedlichen Fans, aber es ging alles direkt voll klar. Es war unfassbar. Perfekte Symbiose. Alle schreien: "Ihr seid meine Lieblingsrapper“. Also wurden wir die Lieblingsrapper.

rap.de: Was ist mit den Spezializtz? Ihr wart ja schon der erste erfolgreiche Berliner Act. Was ist da passiert?

Harris: Gibt’s noch. Wir machen nur keine Mucke mehr zusammen. Der Anfang war super. Der Typ, der uns gesignt hat war cool, er hat alles klar gemacht und ist aber direkt danach zu Universal. Wir waren da bei Columbia. Als der Typ aber weg war, war alles komisch und wir sind dann weg von Columbia. Dann gab es Palaver mit Mercury, die Island Def Jam machten. Die sind genau dann gekommen als Def Jam überlegte, einen Ableger machen wollten. Guido meinte dann: "Scheiß auf Def Jam Germany, wir machen einfach ein Def Jam 2000 Logo drauf." Und danach war es dann komisch, auf einmal sollten ganz neue Leute an die Sache, die nichts mit HipHop zu tun hatten. Ich hatte dann keinen Bock drauf. Die wollten mir erzählen, wir sind Pop-Musiker also haben wir rebelliert. Komische Leute wurden gesigned mit denen wir nichts zu tun haben wollten.

rap.de: Glaubst du, dass die deutsche Plattenindustrie Hip Hop verstanden hat?

Harris: Nein. Auf keinen Fall. Jemand wie du sollte bei Universal sitzen. Die Bosse peilen das nicht, dieses HipHop-Ding. Die leben das nicht, in den USA gibt es diese Leute, hier nicht. Die Leute hier sind keine HipHopper.

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