Homezone #11: Mit Marz auf Stippvisite in Kreuzberg

Homezone ist ein Interview-Format unseres Autors Alexander Barbian. Er trifft und begleitet aufstrebende wie etablierte Künstler aus den Gefilden des deutschen Sprechgesangs durch deren Kieze, in deren Lieblingskneipen und zu deren Stammspäties. Für die elfte Ausgabe hat er den Stuttgarter Marz in seine Hood Berlin-Kreuzberg eingeladen …

Mittwoch, der 6. September. In wenig einleuchtenden Zeitabständen fängt es immer wieder an, wie aus Eimern zu schütten. Dieser triste Nachmittag liefert die so knallharte wie nicht wegzudiskutierende Einsicht, dass es sich mit diesem Sommer heuer endgültig erledigt zu haben scheint. Tatsächlich ist es draußen schon derart ungemütlich, dass man dem Schicksal einen triftigen Grund abverlangt, die warme, windgeschützte Bude in letzter Konsequenz verlassen zu müssen. Dieser Grund ist an jenem frühen Abend jedoch allemal gegeben, denn Marz ist extra aus dem weit entfernten Schwabenländle angereist, um auf Berliner Boden ein bisschen Welle für sein neues Tape zu machen, das Ende diesen Monats erscheinen wird.

Eigentlich wollte ich mit ihm tief in den Berliner Süden, genauer nach Alt-Mariendorf fahren, um einen prägenden Teil seiner Geschichte zu beleuchten. „Wenn schon Homezone in Berlin, dann doch wenigstens in Al-Mariendorf“ hatten wir beschlossen. Aber jetzt kommt uns dieser ätzende Regen dazwischen. Das Schicksal will es nicht anders, wir müssen in Kreuzberg verweilen …

Vielleicht ist das wiederum gar nicht so schlimm, denn dieser Marz ist auch ohne eine mit seiner Person verbindbare Kulisse im Hintergrund origineller Charakter genug. Ein Ästhet durch und durch. Ein Paradiesvogel. Ein schräger Visionär, unter dessen Schirmherrschaft pinke Vinyls gepresst und wenn nötig auch mal einige Scheine hin geblättert werden, wenn sich dadurch die Möglichkeit eröffnet, ein Video inmitten einer Horde Flamingos in freier Wildbahn zu drehen … Naja, lest selbst.

Kurz zum Rahmen der ganzen Sache: Deine eigentliche Homezone ist unumstritten, das wird in deinen Texten ja auch nicht zu knapp erwähnt, Stuttgart. Trotzdem hast du einen engeren Bezug zu Berlin, insbesondere zu Südberlin …

Ja, eigentlich sogar ausschließlich Südberlin-Bezug. Ich bin quasi das Gegenteil vom zugezogenen Schwaben, der die In-Bezirke aufmischt. Es ist so, dass meine Mutter hier seit 1992 lebt und inzwischen in Steglitz, Neukölln, Mariendorf und Lichtenrade gewohnt hat. Die längste Phase war aber die in der Rathausstraße in Alt-Mariendorf … Für mich war das insofern eine wichtige Zeit, weil ich dort angefangen habe, mich für Rap zu begeistern. Ein Fun-Fact ist, dass meine Mutter damals in unmittelbarer Nähe der Bahlsen-Keksfabrik gelebt hat, wo damals ja auch Savas‘ Studio war.

Mit „Hoes. Flows. Flamingos.“ schließt du am 29.09. deine Mixtape-Triologie ab, die du 2013 begonnen hattest. In der Zwischenzeit hätte man sich schon damit abfinden können, dass du es bei zwei Tapes belässt, schließlich liegt das letzte schon gute drei Jahre zurück. Hat dich jetzt doch noch der Ehrgeiz gepackt, das Triple voll zu machen?

Ja, definitiv! Dass das Ganze eine Trilogie werden soll, war spätestens nach dem zweiten Tape klar. Trotzdem habe ich mir immer konsequent meinen Platz abgesteckt. Das bedeutet, dass ich, wenn ich Mixtapes mache, normal Beats picke, recorde und scratchen lasse, ich aber im Album-Kontext stets und ausschließlich mit Band funktionieren will. Für die Zukunft heißt das, dass jedes Album von mir ganz selbstverständlich in Zusammenarbeit mit den Bixtie Boys entstehen wird … Und wenn auf einem Release nur „Marz“ drauf steht, dann deshalb weil „nur“ ein Mixtape mit gepickten Beats dahinter steckt. Das Album fiel zwischen die Tapes, aber das war ein genau der richtige Zeitpunkt. Die ersten beiden Tapes hatte ich zum freien Download angeboten. Das hätte ich zwar ewig so weiter machen können, aber ich glaube, dass ich dann irgendwann stagniert wäre. Ich musste einfach den nächsten Schritt wagen. Und jetzt, über ein Jahr später, hatte es mal wieder Sinn gemacht, ein Mixtape zu droppen, auch um die Trilogie endlich fertig zu stellen.

Was haben Tomatoes, Kollabos und Flamingos gemeinsam? Oder anders: Was ist der gemeinsame Nenner der drei Tapes?

Der gemeinsame Nenner bin ich (lacht). Aber nicht nur: Was die drei Scheiben zusammenhält ist sicherlich das sehr ähnliche Soundbild und der klassische Mixtape-Charakter, den jede auf ihre Weise hat. Die Tapes unterscheiden sich in der Art ihrer Entstehung, also meiner jeweiligen Arbeitsweise. Das erste Tape war ja wirklich das typische Debüt: Ich hatte Jahre lang mal hier mal da ein bisschen was gemacht, irgendwann zwei Videos gedreht und beschlossen, das Ganze zu vertiefen, falls diese Anklang finden sollten. Das zweite Tape, also „Hoes. Floes. Kollabos.“, war dann ein klassischer Selbstläufer, zu dieser Zeit war einfach das Feedback da. Da kam plötzlich ein Lakmann um die Ecke und meinte: „Ey, ich hab das Tape gefeiert, lass ma‘ einen Song machen!“ Gerade die Entstehung von jenem Laki-Track war dann der Zeitpunkt, an dem ich damals beschlossen habe, gleich eine komplette neue Platte zu machen. Als die dann fertig war, habe ich das Ganze erst mal ruhen lassen und mich voll auf das Album konzentriert, das dann im Frühjahr 2016 erschienen ist. Und jetzt, auf dem letzten Teil der Trilogie, haben wir viele, sowohl personelle als auch inhaltliche Weiterführungen eingebaut und eine Menge Verbindungen zu den Vorgängern hergestellt. Ein gutes Beispiel ist der Song „Triff mich erneut“ mit den Jungs von Witten Untouchable … Das ist sozusagen die Fortsetzung von „Triff mich“, einem Track, den ich mit Döll für das Tomatoes-Tape aufgenommen hatte.

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