Interview mit Olli Banjo: „Ich versuche einen Sound mit eigener Handschrift zu entwerfen“

Olli Banjo ist ein interessanter Gesprächspartner. Mit seiner klaren politischen Haltung und viel Erfahrung im Rap ist der Kölner vielen anderen weit voraus. Wir trafen uns zu einem normalen Interview, führten aber ein cooles, lockeres Gespräch über aktuelle Ereignisse im Rapgame, seine Spotify Playlist und natürlich auch über sein kommendes Album „Großstadtdschungel“.

Versuchst du, deine Musik immer dem aktuellen Stand anzupassen?

Ich versuche einen Sound mit eigener Handschrift zu entwerfen, der immer nach mir klingen muss. Man ist natürlich beeinflusst von der Musik, die man hört, wie jeder andere auch, aber ich versuche doch, dass die Mucke dann nach mir klingt. Ich versuche keine Trends aufzugreifen, aber ich glaube, genau das ist es: gar nicht erst versuchen. Wenn man eigenständig ist, ist man auch zeitlos. Zeitlose Musik machen, das ist der Punkt.

Dadurch, dass du deine Tracks auf dem neuen Album weitestgehend selbst produzierst hast, hast du es ja selbst in der Hand.

Man hat so eine Komplettvision. Wenn man mit der Musik anfängt und auch den Text dazu hat, das ist dann schon geil. Das heißt aber nicht, dass ich in Zukunft nicht wieder mit Beatmakern arbeiten werde.

Mit „Großstadtdschungel“ ist das Rapgame gemeint, bezogen auf kämpfen und töten, um zu überleben. Was hältst du von den Morddrohungen und Aktionen die Momentan abgehen? 

Ich find’s zum kotzen. Mich fuckt es ab ehrlich gesagt. Für mich hat Rap noch nie was mit Gewalt zu tun gehabt. Natürlich hab ich früher N.W.A. gehört usw. aber ich finde es geht einfach zu weit. Es geht nicht mehr um Rap, sondern nur um Geld.

Denkst du, du kannst daran etwas ändern?

Ich hoffe. Ich hab das früher nicht so wahrgenommen, hab auch Texte geschrieben die nicht immer so astrein waren sag ich mal, hab mich auch hinreißen lassen zu irgendwelchen Unsinn aber ich war noch nie gewaltverherrlichend in meinen Tracks und auch nie sexistisch. Ich merk jetzt so was man für einen krassen Einfluss auf junge Leute hat. Die reflektieren überhaupt nicht, ist das jetzt cool, was der sagt oder sagt er das wegen Rap. Die differenzieren nicht, wenn was gesagt wird, dann hat er halt recht und es wird im eigenen Sprachgebrauch und im Leben umgesetzt, dem bin ich mir in den letzten Jahren schon bewusst geworden und darüber, wie viel Verantwortung man dann doch hat.

Du gehst ja auch auf die N****kind-Line von Fler ein und dass es darauf nie einen Shitstorm gab. Was hältst du generell von der aktuellen N-Wort-Debatte?

Einfach das Wort weglassen sag ich zu allen. Mit Fler hab ich letztens telefoniert, er hat mir erklärt, was da gewesen ist. Wir sind cool, alles ist geklärt. Ich bin ein Pazifist, aber jeder muss einfach damit rechnen, dass wenn er sowas zu einem Schwarzen sagt, er dann ’ne Ohrfeige kriegt. Ist einfach so.

In deinen Tracks „Wir sind das Volk“ mit KC Rebell und „Skinhead“ rappt ihr teilweise aus der Perspektive von Nazis. Hat es Überwindung gekostet und war es schwierig, sich in die Gedanken hineinzuversetzen?

Es hat keine Überwindung gekostet, es war sehr naheliegend. Ich kenne ja diesen Talk und diese Menschen und begegne ihnen. Vor ein, zwei Jahren war diese Pegida-Disskussion noch viel krasser als heute. Da ging mir einfach dieser Satz „Ich bin kein Nazi aber“ auf den Sack. Okay, fuck you, Alter, sag so nen Satz doch nicht. Und deswegen sag ich ja auch „Ich bin kein Nazi aber du bist ein N****, Ich bin kein Nazi aber ich liebe Hitler“ – um denen das mal vor Augen zu halten, denn genau das heißt, dass du ein Nazi bist.

Das sind die sogenannten „Nazis mit Tarnung“

Ganz genau. Das sag ich übrigens in „Skinhead“.

Du bist nicht der erste Rapper der Tracks gegen Nazis macht. Hast du dich dazu von den aktuellen Geschehnissen gedrängt gefühlt?

Auf jeden Fall. Ich wollte halt mal ganz klar Stellung beziehen. Ich bin mir vorgekommen wie so ein Sofa-Che Guevara, immer nur auf Facebook irgendwas posten und so, aber nein. Du hast doch ’ne Stimme. Die Leute hören dir zu. Dann musst du das machen hab ich mir gedacht. Deshalb ist das ganze Album ein relativ politisches Album geworden.

Du hast bei Spotify deine eigene Playlist. 

Ja genau, ich hab vor ein paar Wochen damit angefangen ’ne eigene Playlist zu machen und die auch immer zu aktualisieren und das will ich jetzt auch durchziehen.

Welche Neuerscheinungen und aktuellen Tracks würdest du momentan hinzufügen?

Im Moment auf jeden Fall die Diplo & Skrillex-Platte. Die ist schon richtig geil. Ich feier halt so Future-Beats Sachen.

Und von deinem eigenen Album?

„Rosa Panzer“, weil ich beide Strophen von PA und mir super finde und die Hook ist super schön. Das Thema ist zwar politisch, aber man kann den Song auch einfach genießen, der macht auch einfach Spaß. Dann „Wir sind das Volk“ mit KC Rebell, ist ja auch ein politisches Ding. Und „Verdammt lang her“ mit Prinz Pi, weil’s um die Kindheit geht, um die Vergangenheit.

Großstadtdschungel (Limited Fan Box)
  • Olli Banjo, Großstadtdschungel (Limited Fan Box)
  • Bassukah (Goodtogo)
  • Audio CD

Olli Banjo feat. Prinz Pi – Verdammt lang her [Video]

Gestern war ich 16 und morgen bin ich tot und die meiste Zeit dazwischen ein kompletter Idiot.

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