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Redaktion - “Der Blog der rap.de-Redaktion”
Es schreibt die Redaktion über aktuelle Geschehnisse, Nonsens und was sie bewegt.
21.11.2007
Redman im 2be
Freitag Abend (9. November), Berlin / 2be Club genauer gesagt. Seit langer Zeit bin ich nicht hier gewesen und es dauert auch nicht lange, bis ich checke warum.
Erstmal das übliche, Jacke los kriegen, akklimatisieren, an die Bar für ein Bier oder ähnliches. Aber selbst vor diese profanen Vorhaben stellen sich größte Hindernisse an diesem Abend. Allein das Durchkommen durch diese Masse von Leuten ist nervenaufreibende Schwerstarbeit, die eine Garderobe ist voll, man muss warten, bis eine weitere öffnet, an keiner Bar gibt es mehr normales Bier.
"Nur noch Beck’s Lemon, Orange, Level7...!" Okay, ganz schön hart, aber tatsächlich ernst gemeint. Man konnte wohl nicht damit rechnen, dass so viele Leute kommen, wenn Redman in Berlin auftritt...Aber es ist leider Realität, und das ja im Grunde auch zu Recht. Das wird sich später auch zeigen, aber erstmal ist man damit beschäftigt, nicht dauernd von irgendwelchen zum Teil sehr betrunkenen Leuten rumgeschubst zu werden. Die Stimmung ist irgendwie nicht gerade friedlich. Jeder will nach vorne, jeder will was sehen / und natürlich gesehen werden. Und dann wäre da noch die Sache mit den Fotos. An der Kasse hat man die handfeste Drohung mitbekommen, dass, wenn man beim Fotografieren erwischt wird, sofort eine Anzeige bekommt. Eine Drohung, die nur zum Teil wahr gemacht wird, ja wahr gemacht werden kann. Einmal seh ich es, direkt vor mir wird ein Typ, der mit seinem Handy versuchte, ein Foto zu machen, brutalst von einem der Security Leute aus dem Laden gezerrt. Es sollte nicht das Letzte mal sein, dass ich diesen schon gemein gefährlich aussehenden Türsteher / Modell Fitness Studio plus Assitoaster - in Aktion erlebe. Weiter vorne jedoch, in der Masse, kann eh kein Mensch was dagegen machen, dass munter drauflos fotografiert wird.

Ich kann nicht anders, als das Redman Konzert in Beziehung zu seinem Publikum zu setzen und da klaffte in meinen Augen und zu meinem baren Entsetzen ein riesiges Loch.
Mein Gefühl war, dass die meisten Leute nicht da waren, um wirklich Redman zu feiern, weil seine Musik ihnen etwas bedeutete, sondern vielmehr um sich mal wieder selbst zu feiern / keine Ahnung, was es da zu feiern gibt. Diese aggressive, proletenhafte, narzisstische Ich-bin-der/die-geilste-Stimmung führte, gepaart mit der Überfülltheit des Clubs und dem Mangel an anständigen Kaltgetränken, aber letztlich doch zu einer erheblichen Eintrübung des Erlebnisses. Für einen Großteil der Leute hätte es wahrscheinlich gereicht, zum allerletzten Song zu kommen, das war nämlich "Da Rockwilder".
Dabei hatte Reggie Noble so viel mehr zu bieten an diesem Abend. Nicht nur, dass er vor allem sehr viel altes Zeug spielte (z.B. von der Muddy Waters LP), was unglaublich gut ankam, vor allem bei den echten Heads, denen man das anmerkte, nein, seine ganze Bühnenpräsenz, seine Delivery, sein Flow / das alles kam sehr gut zum Tragen. Und er war deutlich gut gelaunt, unterhielt das Publikum nicht nur mit seinen Skillz, sondern auch mit seinem Gerede zwischen den Songs, was etwas comedyhaftes hatte. Genau das hatte ich auch erwartet. So fragte er die verdutze Menge, wer denn das beste und meiste Weed habe: die Schweiz, Amsterdam oder Berlin? Das zeigt einfach den Schalk in ihm / auch wenn er sich wie gewohnt selbstironisch von uns beschimpfen ließ. "Put your middle finger in the air, like this okay, and now say ‚Fuck you, Redman!’” Sicherer kann einem die Aufmerksamkeit des Publikums gar nicht sein. Auch konnte man ihn dabei beobachten, wie er sich des heiklen Themas "Is Hip Hop Dead?” annahm. Anders als in so manchem Interview bezog er hier ganz klar Stellung und nannte ein paar Artists, die seiner Meinung nach heute noch wirklich Hip Hop vertreten. Ob der Großteil der Leute im 2be allerdings etwas mit Namen wie Talib Kweli oder Mos Def etwas anfangen konnte, wage ich zu bezweifeln. Ob er das überhaupt ahnte? Ihm kanns egal sein, die Menge hat er so oder so gerockt und nebenbei noch clever seine Gilla House Crew eingeführt, die ihn auf der Bühne unterstütze und bald mit eigenem Album an den Start kommt.
Als der "Real Hip Hop"-Traum vorbei war und der DJ wieder den normalen Betrieb aufnahm, schien alles schon wieder so weit weg. Zu hören war wieder grenzdebiles "Umbrella...ella..ella..."- Gestammel von Rihanna und prollige Dirty South Beats. Schade, dass nicht alle wirklich zugehört hatten beim Funk Docta. Oder auch zum Glück für sie. Aber im Gegensatz dazu mussten sich diejenigen, die er erreicht hatte mit seiner Message, dann doch wieder mit der Frage auseinandersetzen, die mit Hip Hop und Tod zu tun hat. Gut, dass es noch MCs wie Redman gibt, die solch einen Bekanntheitsgrad besitzen, um den Leuten den Unterschied zwischen guter und schlechter Musik zu erklären. Auch wenn die nicht zuhören, steter Tropfen höhlt vielleicht ja doch mal den Stein.

-Stefan-

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16.11.2007
Download! Ja Bitte! Oder doch, Nein Danke?

Im Zeitalter des Internets gibt es nichts, was es nicht gibt. Jeder der ein gewisses Know-How hat, kann sich nach Belieben Internetseiten bauen, kann seinem Computer in einen Server verwandeln oder kann einfach ein MySpace Profil bauen um sich zu repräsentieren.

Letztere gehören wohl auch zu denen, die mir bzw. uns mit Mails traktieren, dass sie diejenigen sind, die Rap aus Deutschland aus dem Verderben retten. Letztere gehören auch zu denen, die die best besuchteste MySpace Seite haben. Letztere gehören auch zu denen, die besser als alle anderen sind und JA!!! letztere gehören auch zu denen die eine gewisse Grundkenntnis davon haben, wie man eine Download LP/EP, Maxi oder was auch immer ins Netzt stellen kann. Sei es nun über eine eigene I-Net Page oder mit Hilfe eines so genannten File-Sharing Anbieters a lá Rapidshare. Diese Art von "Veröffentlichungen" ist sicher eine feine Sache. Sie kostet kein Geld, erfordert nicht viel Aufwand und lässt sich, so die Hoffnung all derjenigen, die diese Veröffentlichungstaktik verfolgen, sicherlich auch leicht verbreiten.

DOCH ACHTUNG!!! DEM IST NICHT SO!!!

Man muss bedenken, dass jeder der rappt, und nicht bei einem halbwegs gut laufenden und finanzstarken Label unter Vertrag ist, genau die gleiche Idee bzw. Möglichkeit hat das, Internet für sich zu nutzen. Demnach multipliziert sich die Anzahl an Free-Download LPs, derer, die NOCH nicht so bekannt sind, dass sie für Magazine etc. relevant sind, täglich.

Und das wird uns als rap.de-Redaktion auch täglich in mehr oder weniger interessanten Mails mitgeteilt.

Wenn wir alle mal ehrlich sind. Ist es nicht viel schöner eine gepresste CD aus dem Presswerk in den Händen zu halten. Sich die Aufmachung und die designerische Gestaltung des Booklets anzuschauen nicht viel interessanter, als dem Downloadmanager zuzuschauen wie der "Downloadbalken" sich füllt? Ich denke schon.

Aus eigener Erfahrung kann ich euch auch sagen, dass eine CD, die Fertig aus dem Werk kommt und im schönen 25er Kartons verpackt ist, einen richtig stolz werden lässt, auf das was man in mühevoller und wochenlanger gar monatelanger Arbeit im Studio kreiert hat. Klar ist das ein finanzieller Aufwand, den man dafür aufbringen muss, nur lohnt sich alleine der Anblick schon! Ein alter Hase im Rapgeschäft rappte einmal folgende Zeile: "Kennst Du die Pracht einer Platte die sich dreht, wenn auf dieser Platte dein Name steht?" Und er hatte schon damals Recht und wie ich finde hat er heute noch viel mehr Recht mit dieser Aussage!

Leute ihr wollt doch sicherlich auch einmal eine eigene CD von Euch, wohlmöglich auch mal mit einem Foto von Euch auf dem Cover im CD-Regal stehen haben. Oder etwa nicht?

Wir wollen euch nicht den Mut und eure Motivation nehmen, eure Alben ins Netz zu stellen, doch erwartet anschließend nicht, dass die Mega-Downloadzahlen die 100.000 Marke erreichen. Macht Euer Ding, zieht es durch solange bis ihr gut genug seid, eure Alben pressen zu lassen. Und diese mit Hilfe und Zusammenarbeit eines Vertriebes (sehr, sehr wichtig) auf den Markt und in die Läden zu stellen. Dann klappt es vielleicht auch mit einer "Rapkarriere".

Doch denkt immer daran... Reich werdet Ihr durch Rap nie!!!

MT


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12.11.2007
Hip Hop, Erwartungen und das Spiel mit Klischees
Mindestens einmal am Tag bringen wir in der rap.de-Redaktion eine Meldung über die Verhaftung eines Rappers, einer Rapperin oder wahlweise auch RnB-Sängers, Sängerin / vornehmlich in den USA . Das war für mich nichts neues, schließlich hört man davon immer wieder, die Jungs und Mädels da drüben haben’s eben gerne skandalös, dachte ich mir. Doch je öfter man darüber schreibt, liest und recherchiert, desto mehr fängt man an, darüber nachzudenken, auch über die übertriebenen Ausmaße, die manch eine Diskussion über eine vielleicht nur nebenbei gefallene Äußerung, in den Staaten auslöst und wie begierig das vor allem von den Internetmedien aufgegriffen wird.

Nehmen wir zum Beispiel die Diskussion um den Beef zwischen Kanye West und 50 Cent. Da wird eine Aussage getroffen, wie sie gedankenloser nicht sein kann. 50 Cent behauptet, dass er mehr Platten verkaufen wird als Kanye, sonst wird er kein Soloalbum mehr releasen. Und jetzt? Sollen wir jetzt glauben, dass er das tatsächlich in die Tat umsetzt, nachdem er klar unterlegen ist? Kein 50 Cent Album, nie mehr? Wer’s glaubt. Denken wir an Jay-Z!

Dabei stellen sich zwei Fragen: Hat 50 wirklich geglaubt, er könne den einfach momentan den Nerv der Zeit und der Leute treffenden Ye überbieten? Und: war er es überhaupt selber, der sich diesen PR-Coup ausgedacht hat? Vermutlich nicht, aber das ist eine andere Geschichte.

Allein schon der Gedanke an diese "Wette" muss einen doch eigentlich erschauern lassen und man fragt sich, worum es hier eigentlich geht. Im eigentlichen Sinne, oder vielleicht auch nur im weitesten Sinne doch wohl um Kunst, um Musik, genau. KRS One hat das in einem Interview sehr treffend formuliert: Wir müssen aufhören, Qualität oder "künstlerische Exzellenz" mit Verkaufszahlen messen zu wollen. Das Platten kaufende Volk kann doch nicht im Ernst als Maßstab für gut oder schlecht gelten, weil sie diese Platte kauft, jene aber nicht. Was im Umkehrschluss natürlich auch nicht bedeutet, dass diese Platten, die die Leute kaufen, schlecht sind, natürlich nicht. Es ist nur eben kein Maßstab. Insofern hätte Fiddy sich wirklich zurücklehnen können und sagen: "Love it or leave it alone, I don't give a f*ck..." Das entspräche viel mehr dem Gedanken der Kunst und dem angemessenen Umgang mit Musik als Kunstform. Aber wie das so ist, wo Geld, viel Geld im Spiel ist, zählen solche Dinge nicht oder sind zumindest zweit- oder drittrangig.

Zurück zu den Verhaftungen. Zum Fall T.I. Um das mal vorauszuschicken: es ist natürlich nicht zu billigen, dass jemand, egal wer es ist, sich ein großes Waffenarsenal anlegt, und sich dann auch noch erwischen lässt / in Amerika, wo es einfach wie fast nirgends ist, legal an Waffen zu kommen. Natürlich darf man sich fragen: Was will dieser Typ mit so vielen Waffen? Natürlich muss auch ein Rapper die Konsequenzen seiner illegalen Handlungen erfahren.

Aber ihn wie einen Schwerverbrecher zu behandeln und ihn erst nach langem Zögern für 3 Millionen Dollar Kaution (!) freizulassen, um ihn dann unter "Hausarrest" zu stellen, ist nun auch wieder eine hoffnungslose Übertreibung und so typisch amerikanisch wie dieses Waffensammeln, das T.I. offensichtlich betreibt. Auch die medienwirksamen Sympathiebekundungen von allen Seiten und Protagonisten des Rapgames, sowie die Diskussionen, ob es nun eine "Verschwörung" der amerikanischen Politik/Justiz/Exekutive gegen die Hip Hop Welt gebe, dass Rapper als solche und vor allem auch auf Grund ihrer Hautfarbe unter besonderer Beaufsichtigung der Behörden stehe, muten doch recht aufgesetzt an. Im Grund ist das alles doch nur Publicity, man kennt ja diesen Spruch: schlechte Publicity ist besser als gar keine. Also egal, was kommt, es wird begierig aufgegriffen, auch von den Medien, die diese Farce gerne, auch zur eigenen Bereicherung mittragen. Hauptsache, es wird geredet, und möglichst unter der Bedienung aller klassischen Klischees (schwarzer Rapper, klar, muss kriminell sein), die auch die Künstler selbst immer wieder gerne bedienen und sich damit unter Wert verkaufen, ja vielleicht sogar ausverkaufen.

Das Thema Rassismus, das viel zu ernst ist, als dass man damit PR machen sollte, kommt dabei unter die Räder, obwohl es ja scheinbar immer präsent ist. Die Hip Hop Protagonisten sollten aufhören, dieses Spiel, das die Medien und die Öffentlichkeit ihnen aufdrängt, um genau jene Problematik unter den Teppich zu kehren, mitzuspielen, nur um kurzfristige Publicity zu erlangen. Leute wie T.I. sollten eigentlich intelligent genug sein, zu begreifen, was gespielt wird. Dass der amerikanische Otto Normalbürger (weiß, mittleres Einkommen) genau solche Meldungen als Bestätigung für das sieht, was er sowieso schon immer gedacht hat. Der große schwarze Mann ist böse und kriminell. Der latente Rassismus gerade dieser Bevölkerungsgruppe, die sozusagen den Mainstream in den Staaten darstellt, ist Realität, auch wenn das hierzulande oft nicht so gesehen wird. Man muss aber nur einmal da gewesen sein und sich mit diesen Leuten, die diesen Mainstream verkörpern, unterhalten. Dann wird einem vieles klarer.

Nachrichten solcher Art, die ich oben beschreiben habe, sind also mit Vorsicht zu genießen. Irgendwo steckt immer ein bisschen Politik und das große Geschäft dahinter. Das beweist auch Nas' neuester Streich, nämlich seine Absicht, sein nächstes Album "Nigger" zu nennen. Bei allem Respekt und Verständnis (welches man durchaus aufbringen kann, wenn man sich darüber Gedanken macht), muss man sich aber schon fragen, ob es nicht einfach Kalkül ist, um letztlich mehr Platten zu verkaufen, auch wenn ich ihm in jeder Hinsicht zutraue, dass er dieses "N Word", wie es in den USA nur noch heißt, auf gewohnt intelligente Weise in seinen Texten zur Diskussion stellen wird.

So wird er dann doppelt gewonnen haben. Auf der einen Seite mehr verkauft, auf der anderen Seite wieder bewiesen, wie smart er ist. Er hat dann nämlich den Spieß umgedreht und die Art und Weise, wie mit rassistischen Klischees PR gemacht wird, düpiert und für seine Zwecke ausgenutzt. Gerissen.

-Stefan-
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