Rapde-Redaktion - “Hoes, Flows und Meinungen” Journalistisch wertvolle Beiträge von den fabelhaften Menschen der rap.de-Redaktion.
07.08.2008
Die Bravo, Verführer unserer Jugend Die Jugend von heute ist unmöglich. Da sind sich nicht nur alte Leute, denen im Bus kein Sitzplatz angeboten wird, einig, sondern auch "Experten" in irgendwelchen halbprominent besetzten Talkshows. Sexuelle Verwahrlosung, zu Gewalt aufrufende Musik, keine moralischen Werte mehr / ganz recht, es ist ein Trauerspiel. Gott sei dank gibt es engagierte Menschen die sich auflehnen gegen diese Verwahrlosung unserer Kinder. (Unserer ist in diesem Fall natürlich solidarisierend zu sehen, ich für meinen Teil habe keine. Und alle minderjährigen Leser hoffentlich auch nicht! So.) Die "Deutsche Vereinigung für eine christliche Kultur" hat es sich mit der Aktion "Kinder in Gefahr" zur Aufgabe gemacht, gegen all das vorzugehen, was nicht zu Vereinbaren ist mit den wirklich wichtigen Werten. Gott. Keuschheit. Moral. Die Möglichkeit, wirklich noch Kind sein zu dürfen in unserer verrohten Gesellschaft. Als aktive Organisation, die natürlich auch Dinge bewegen möchte, braucht man zuallererst ein Feindbild. Das ist sehr wichtig, denn so bekommt man Aufmerksamkeit. Fragt die Jungs von Shok Muzik, gemäß dem Fall, dass es sie überhaupt noch gibt. Die wissen, wie das läuft.
Die Wahl der DVCK e.V. fiel wenig überraschend auf das Jugendmagazin BRAVO, der Papiergewordene Sündenpfuhl sozusagen. Natürlich gibt es überall in den Medien Blasphemie, Unmoral und Pornographie, aber "der Feind Nr. 1 der Kinder ist die Zeitschrift BRAVO, die jede Woche mit einer Auflagenstärke von 800.000 Exemplaren erscheint und schon von Kindern ab sechs Jahren gelesen wird, wie der Verlag in einer Presseerklärung vom 29. Juni 1999 selbst zugibt." Vor neun Jahren also gab es mal eine Presseerklärung, die anscheinend sofort archiviert wurde und nun lange genug darauf gewartet hat, das Licht der Öffentlichkeit zu erblicken und den Leuten da draußen verdammt noch mal die Augen zu öffnen! Und wenn man sich den Appell, welcher auf der Internetseite der Vereinigung an Horst Köhler, Angela Merkel und Ursula van der Leyen geschickt werden soll, genau durchliest und etwas darüber nachdenkt, dann haben sie zweifelsohne Recht. Was wird UNSEREN Kindern denn da vorgesetzt und als "cool" und "toll" dargestellt? "Oralsex", "Sadomasochismus", "Jugendliche beim Geschlechtsverkehr", "Zerstörungsorgien" der Gruppe Tokio Hotel!!! Ich werde mir diese Zeitschrift bei nächster Gelegenheit kaufen und mich tiefer in diese verstörende Thematik einarbeiten müssen.
Noch schlimmer geht es allerdings auf der Internetseite des unlöblichen Magazins zu, wie Prof. Dr. Dieter Dahl ganz richtig erwähnt. Die Seite geht "weit über das zulässige Maß von Aufklärung hinaus. Seitenweise Vorführungen von bebilderten Sex-Stellungen mit teils obszönen Untertiteln nehmen den jungen Menschen jegliches Schamgefühl und lassen schon bei den Heranwachsenden, besonders den Jungen, eine fordernde Erwartungshaltung entstehen." Diese führt zu einer Entemotionalisierung der Partnerschaft, für Liebe bleibt in unserer kalten, grausamen Welt kein Platz mehr. Doch selbst der körperliche Verkehr mit einem anderen Menschen scheint nicht skandalös genug zu sein, die BRAVO setzt noch einen drauf: "Dort wo ein Sexpartner nicht zur Hand ist, wird der Solosex, d.h. die Selbstbefriedigung, bebildert eingeübt und zwar nach Jungen und Mädchen getrennt. Natürlich für jeden einsehbar. Wem Vagina und die zahllosen Penisse noch nicht deutlich genug sind, kann sie dank Software vergrößern, ausdrucken und als E-Mail versenden." Bei dieser Gelegenheit kommen einem schauerliche Bilder sexhungriger Kinder in den Kopf, wie sie sich gegenseitig Bilder von vergrößerten Vaginas und Penissen schicken. Sie sitzen in abgedunkelten Zimmern, hören dabei frauenverachtende Rapmusik und trinken Alkohol!
Wohin das alles unsere Jugend führt, verschweigt Prof. Dr. Dahl natürlich auch nicht. Ein mutiger Mann, ein Aufklärer. "Es entstehen dann seelische Zerstörung, Haltlosigkeit, Fehlorientierungen, nicht zuletzt andere Süchte, vor allem Drogensucht." Die BRAVO-Verantwortlichen locken Kinder, ungeformte und leicht beeinflussbare Menschen, direkt in die Hölle. Wissentlich! Was steckt dahinter? Ist es George Bush? Al Quaida? Rick Ross??? Lasst uns dagegen vorgehen, Freunde. Für ein höheres Ziel, für eine bessere Welt!
Straßenkredibile Bus-Schlägereien Ich möchte heute über Klischees sprechen. Klischees in unserer wunderbaren Kultur, die da heißt "Hip Hop". Man hat ja gerade von den Anhängern einer jeweiligen Musikrichtung immer ein bestimmtes Bild im Kopf. Indierock - so individuell, dass man sie schon von weitem an ihrer einheitlichen Uniformierung erkennt, Heavy Metal - hassen alles, töten Tierbabys, immer etwas ungepflegt, Reggae - enervierend entspannt und friedlich, ultraliberale und unrealistische Weltanschauung, Pop - leicht zu befriedigende Konsumenten, denen es zu anstrengend ist, sich mit weniger eingängiger Musik zu beschäftigen, Jazz - anstrengend, langweilen mit musikwissenschaftlichen Gesprächen und schlussendlich die experimentielle Neu-Klassik. Hierbei habe zumindest ich den Verdacht, dass niemand sich wirklich derartige Platten anhört. Viel mehr scheinen manche Leute damit anzugeben, weil sie dem Irrglauben verfallen sind, dadurch interessant zu wirken. Um das hier ein für allemal klarzustellen: NEIN! Keine Frau der Welt findet das super! Es ist nicht erotisch!
So. Zurück zu Hip Hop, denn wir sind rap.de und straßenkredibil tu se fullest. Klischees. Ja. Fans des Sprachgesangs als solchem müssen sich ja viel gefallen lassen. Den Nachsatz "...aber ich bin nicht dumm" jedes Mal, wenn man nach dem eigenen Musikgeschmack gefragt wird, bringen zu müssen, ist im höchsten Maße belastend. Ebenso wie die Reduzierung des "Hip Hoppers" auf reine Äußerlichkeiten. Entweder er trägt sackartige Hosen, kleidähnliche Shirts und Käppies mit geschmacklosen Aufnähern, oder aber Ghetto-Ketten, den sogenannten Boxer-Haarschnitt und in die Socken gesteckte Picaldi-Jeans zu illegal erworbenen Air Max. Gut, kommt tatsächlich vor, ist aber natürlich nicht die Regel.
Die Ausschlachtung primitivster Klischees und die damit einhergehende Verurteilung einer Jugendkultur findet sich seit neuestem, vielleicht auch schon seit längerem und nur für mich seit neuestem, sogar in Justizforen. Auf 123recht.net können dort angemeldete Nutzer sich über gerichtliche Streitfälle austauschen oder auch einfach Fragen über die Rechtslage an sich stellen. Unter der Überschrift "Zahn beschädigt" schildert ein ebensolcher User eine natürlich rein hypothetische Begebenheit, zumindest vermittelt das der mit "Mal angenommen" eingeleitete Text. Worum geht es also? "Mal angenommen Person A hört im Bus sehr laute Hip Hop Musik über sein Handy. Person B möchte diese Musik aber nicht hören und bittet Person A, diesen Lärm abzuschalten. Person A wird danach frech und beschimpft Person B mit Hurensohn. Daruafhin betitelt Person B Person A mit Assi." Halten wir fest: Person A ist ein asozialer Hip Hopper, wie Person B ja dann auch ganz treffend bemerkt, deshalb diskreditiert er sein Opfer nicht mit den Worten "Was geht es Sie an, Sie Horst!?", sondern beschimpft es als "Hurensohn". Person B, oder auch der Hurensohn, hört womöglich Indierock und sagte zuvor etwas wie "Mach deine Scheiß Mucke aus, du behinderter Hopper!". So pflegen sich pubertierende Jugendliche von geschätzten 14 Jahren nämlich zu unterhalten.
Einen Hinweis auf das eher junge Alter der Akteure findet sich im folgenden Absatz: "Das nächste Mal, als Person A und B im Bus zusammentreffen wirft Person A ständig 5-Cent-Münzen und Smarties auf Person B." Aha. Smarties. Gefährlich. Unkontrolliertes Gewaltpotenzial scheint in diesem Hip Hopper zu lauern und nur auf einen explosiven Ausbruch zu warten. Dieser folgt dann natürlich auf dem Fuß: "Daraufhin betitelt Person B Person A abermals mit Assi. Das nutzt Person A um zurück in den Bus zu rennen und Person A mehrmals stark in die Gesichtsregion zu schlagen. Person B kann sich nicht wehren, weil er sich zwischen 2 Sitzreihen befindet, eine Schultasche zwischen seinen Füßen am Boden steht und der Bus an der Stelle der Sitzplätze zu niedrig ist um komplett aufrecht zu stehen." Es handelt sich also um einen Angriff auf eine sich nicht wehren oder gar flüchten könnende Person. Keine Spur von Zivilcourage? Doch! "Auch nach einer blutigen Lippe erfolgt kein Abbruch der Schlag-Aktion. Person B reißt während der andauernden Schlagserie die Goldkette von Person A ab. Person A schlägt weiterhin auf Person B ein, es wird allerdings von Außenstehenden versucht, Person A zu überreden den Angriff abzubrechen und den Bus zu verlassen."
Man stelle sich das so vor: Junge wird angeblich blutig geschlagen, von einem aggressiven und sich völlig außer Rand und Band befindenden Rap-Fan (!), der natürlich eine Goldkette (!!) trägt, und neben ihm stehen irgendwelche "Außenstehenden" (der Plural impliziert, dass es offensichtlich Mehrere waren) und reden auf den immer wieder Zuschlagenden ein. Mutig! Nun will man natürlich unbedingt wissen, wie es weitergeht. Gibt es Tote? Kommen Gang-Kumpanen des bösen Hip Hoppers oder gibt es gar ein Drive-by-Shooting? Nein. Was folgt ist langweilig und wirkt gelinde gesagt etwas abstrus. Person B, wir erinnern uns, der "Hurensohn", merkt, dass er noch die Kette von Person A, dem "Assi", in den Händen hält. Dieser will sein vermutlich extrem wertvolles Schmuckstück beim nächsten Aufeinandertreffen der Beiden zurück und bekommt es auch sofort ausgehändigt. Die juristische Frage, die den Autor dieses Textes nun umtreibt, ist die Folgende: "Was kann rechtlich auf Person A und Person B im jeweiligen Fall zukommen?"
Hallo? Es war eine Prügelei. Dem Einen wurde ein Zahn nahezu ausgeschlagen, dem Anderen fehlt nichts. Was soll denn gerichtlich gesehen auf den Hurensohn zukommen? Interessant wäre es auch zu wissen, welche Person der 123recht.net-Nutzer war. In dieser rein hypothetischen und nur zu Beispielzwecken angeführten Geschichte. Womöglich gibt es in der nächsten Men’s Health-Ausgabe einen Psychotest mit dem Titel "A oder B: sind sie mehr Assi oder Hurensohn? Finden sie es heraus!". Aber die Hip Hopper sind ja sowieso alle böse. Yo!
Die finale Vernichtung der Erde Freunde und auch Nicht-Freunde, wir werden alle sterben. Bald. Zumindest sagt das Walter Wagner und der muss es wissen, denn er ist Kernphysiker. Am 21. Oktober soll nämlich in Genf der weltweit größte Teilchenbeschleuniger eingeweiht werden, dramaturgisch hochklassig von orchestralen Klängen untermalt. Das ist keine ironische Übertreibung, nein, es wird tatsächlich "Freude, schöner Götterfunken" von Ludwig Van Beethoven gespielt. In diesem Teilchenbeschleuniger sollen Schwarze Löcher vom Umfang eines Staubkorns hergestellt werden, die aufgrund ihrer Größe jedoch ungefährlich sind. Eigentlich. Natürlich besteht aber die Möglichkeit, dass da was schief geht. Zum Beispiel, dass ein derartig hergestelltes Loch in den Kern der Erde abwandert und sich von der dort vorhandenen Materie ernährt und somit anwächst. Würde dies eintreffen, könnte die gesamte Erde innerhalb von gut 50 Monaten komplett verschlungen werden. 50 Monate, das sind etwas mehr als vier Jahre, oder, damit ihr euch das etwas greifbarer vorstellen könnt, zwei Alben mit bisher unveröffentlichtem Material von Tupac.
Warum möchte man überhaupt potenziell Welt-auslöschende Dinge herstellen? Nun, zum einen ließe sich so eventuell ein "Quell unerschöpflicher Energie" herstellen, zum anderen könnten bei den Versuchen so genannte "Wurmlöcher" entstehen, mit denen man angeblich durch die Zeit reisen kann. Zum Beispiel nach Los Angeles im Jahre 1996, um Tupac kurz vor seinem bevorstehenden Tod zu sagen, dass er sämtliche Tracks, die er bisher noch nicht an die Öffentlichkeit gebracht hat, augenblicklich vernichten sollte. Wobei man, wie wir aus diversen Science Fiction-Romanen wissen, niemals versuchen sollte, die Vergangenheit zu ändern, um die Zukunft zu beeinflussen. Denn sonst verschiebt sich das Raum-Zeit-Kontinuum und plötzlich wacht man auf und ist ein Käfer. Wie bei Kafkas "Die Verwandlung".
Zurück zum Ende unseres Planeten. Wissenschaftler aus den Vereinigten Staaten haben nun Klage gegen CERN, die für den Teilchenbeschleuniger verantwortliche Organisation, eingereicht. So macht man das in den USA nämlich: Der Kaffee bei McDonalds ist entgegen aller Erwartungen heiß und wir haben ihn uns über die Hose verkippt? Verklagen wir sie! Die Welt wird von menschengemachten Schwarzen Löchern verschlungen? Das bringen wir vor Gericht! Wenn das kein Stoff für den nächsten großen Hollywood-Blockbuster mit BruceWillisTomCruiseWillSmith ist, dann weiß ich auch nicht.