Rapde-Redaktion - “Hoes, Flows und Meinungen” Journalistisch wertvolle Beiträge von den fabelhaften Menschen der rap.de-Redaktion.
28.08.2008
Videodreh von Prinz Pi
Samstag, Elf Uhr morgens in Berlin-Mitte, angekommen bei einer kleinen Nobel-Location namens "Less Rain", in der auch schon Künstler wie Eminem, Angelina Jolie und viele weitere Stars geschwoft haben.
Dieses mal geht es jedoch um einen viel größeren Star oder eher gesagt zwei, denn es ist der Tag des Videodrehs von niemand Bekannterem als Prinz Pi und seinem Kollegen Biztram. Ich selbst hatte noch all den Restalkohol vom Freitagabend in meiner Blutbahn und nicht einmal gefrühstückt, was dort wiederum nicht wirklich jemand zu interessieren schien, denn innerhalb kürzester Zeit wurde mir auch schon ein Bier aufgebrummt (ja ich wurde gezwungen!). Das Völkchen, welches sich wegen dem Videodreh dort traf, war kunterbunt.
Im Gegensatz zu vielen anderen Hip Hop Videos, wo sich sonst nur breitgebaute Männer mit noch schwereren Goldketten und Kampfhunden positioniert aufstellen, auch vergleichbar mit Figuren auf einem Schachbrett, sah es dort etwas anders aus.
Als ich das erste Mal die Location betrat, traute ich meinen Augen nicht: überall lagen schon jetzt betrunkene Menschen auf dem Boden verteilt, von halbnackten Models, über Emo-Röhrenjeans-Menschen, bis hin zu Oberkörper freien Muskelmännern. Doch einer fiel mir sofort auf, er sah aus, als wäre ihm eine volle Sprühdose in der Hand explodiert.
Kein Witz, was auch immer er davor getan hatte, Fakt ist, dass er aussah, als hätte ihn jemand mit einer grünen Farbdose attackiert. Die nächste Szene bestand daraus, dass Biztram einem Mädchen eine Flasche ins Gesicht schlug, wie man das von einem Kavalier auch nicht anders gewöhnt ist. Glücklicherweise war das Blut nicht echt, glaube ich.
Das skurrilste Bild beziehungsweise Foto entstand jedoch vor der Tür, denn ein Kameramann von No Peanuts entschied sich, vor versammelter Mannschaft einen schicken, braunen Stringtanga über den Kopf zu stülpen, als wäre es das normalste der Welt und damit einige Zeit auf offener Strasse rumzugammeln.
Aber wer glaubt, dass das schon alles war, hat sich getäuscht, denn die gleiche Person entschied sich kurze Zeit später auch noch dazu, die wohlgemerkt goldenen Schuhe von Prinz Pi abzulecken. Es ist schon wirklich bedenklich, was manche Mitarbeiter so für ihre Vorgesetzten alles machen.
Dreizehn Uhr, alles wartet auf das Catering, auch ich mit meinem immer noch zu leeren Magen. Dann ging es aber glücklicherweise schneller als erahnt und schon war ein nettes, zünftiges Buffet in einer Ausfahrt für uns alle bereit zur Attacke. Brav in einer Reihe standen Kameramann, Ton, Licht, Models, Schauspieler, Künstler, Freunde und Kollegen mit ihren Plastiktellern den Gehweg entlang. Es gab Curry Chicken mit Reis, Gemüse und vielen weiteren Beilagen, "Yammi!"
Das erste Mal an diesem Tag herrschte Totenstille, denn alle waren am Essen, um sich eine neue Basis für den nächsten Suff anzulegen. Ich durchschaute das Spielchen sehr schnell, doch es blieb auch mir nicht erspart und so hielt ich kurze Zeit später wieder ein Bier in meinen Händen, so ein Mist! Es ließ auch nicht lange auf sich warten bis die ersten mit Vodka-Mischen vor mir rumtaumelten. Oh man, wie soll das denn gegen Siebzehn Uhr hier abgehen, ich meine wir haben es doch gerade mal halb Zwei?
Eins steht fest, das Geld, was No Peanuts mittlerweile von Universal zur Unterstützung bekommt, ist mit Sicherheit durchdacht angelegt, denn ohne Spaß kann auch kein vernünftiges Video entstehen! Ich bedanke mich an dieser Stelle noch mal bei allen für die lustigen Stunden und hoffe auf ein baldiges Wiedersehen, am Besten mit noch mehr Alkohol und zu noch früherer Stunde.
Nazi-Wochen in Brandenburg Eigentlich würde ich lieber über das Kapitel der Bushido-Biografie schreiben, welches vorab veröffentlicht wurde, da es im fertigen Buch nicht erscheinen wird. Das ist witzig, schreibt sich schnell und fünf Millionen Menschen können sich wieder über die Relevanz dieser Thematik aufregen. Aber, manche von euch werden es nicht glauben, es gibt dringlichere Themen, die man, obgleich sie nicht direkt etwas mit Rap zu tun haben, angesprochen werden sollten. Auch an dieser Stelle. Denn es gibt Dinge, mit denen sollte man sich beschäftigen. Ja, man wird gerade als Schüler an allen Enden und Ecken mit dem Thema Nationalsozialismus konfrontiert und eigentlich ist man nicht der Meinung, persönlich eine Mitschuld tragen zu müssen, 63 Jahre nach dem Ende des dritten Reichs. Man kann aber versuchen, es besser zu machen und dafür zu sorgen, dass so etwas nie wieder passiert. Wie ich jetzt auf dieses Thema komme? Folgendes Plakat entdeckte ich mitten in der Ortschaft Lubolz, Brandenburg, wo ich am Wochenende aus privaten Gründen verweilte. Ein weiteres hing übrigens direkt am Bahnhof. Man steigt aus dem Zug, sieht das und eigentlich könnte direkt daneben ein Banner mit der Aufschrift "Willkommen in Lubolz in Brandenburg. Wir sind Neo-Nazis." hängen.
Die Aufschrift ist übrigens die Folgende: "Am 17. August 1987 wurde der 93-jährige Rudolf Hess, nach 46 Jahren Isolationshaft, vom britischen Geheimdienst ermordet. Seitdem begleitet die Widerstandsbewegung in Deutschland und Europa seinen Todestag mit den Rudolf Hess Gedenkwochen." Ich habe augenblicklich damit angefangen, dieses Plakat abzureißen, sehr zum Unverständnis einer Bekannten. Sie meinte, es wäre egal und ich sollte das hängen lassen und ich würde hier ja sowieso nicht wohnen. Diese Einstellung halte ich für falsch. Während ich sie mit erhobener Stimme, womöglich hörte man mich auch am anderen Ende von Lubolz, darüber aufklärte, wer Rudolf Hess ist und weshalb man diesem Menschen zumindest nicht auf eine derartige Art und Weise gedenken sollte, fahren Einwohner des betreffenden Ortes an mir vorbei und starren mich überrascht bis pikiert an. Ich weiß nicht, wie oft sie schon an diesem Plakat vorbeigefahren sind, ich weiß auch nicht, was ihnen in diesen Momenten durch den Kopf gegangen ist, aber eigentlich würde ich es gerne wissen.
Zuhause habe ich mich dann erstmal in die Materie "Rudolf Hess-Woche" eingelesen und bin bei meiner diesbezüglichen Recherche im Internet (einfach mal ein paar der Internetseiten besuchen, die auf dem Poster angegeben sind. Sehr aufschlussreich, sehr erschreckend, sehr wütend machend) auf Forenbeiträge gestoßen, in denen von organisierten Plakatierungskampagnen die Rede ist. Immer unter dem Slogan "Rudolf Hess / es war Mord!". Der Stellvertreter des Führers, bei den Neo-Nazis gerne als "Friedensflieger" betitelt, wurde damals bei den Nürnberger Prozessen in zwei von vier Anklagepunkten als schuldig befunden und zu lebenslanger Haft verurteilt. Offiziell wird von einem Selbstmord des Häftlings ausgegangen, Zweifel an der tatsächlichen Todesursache wurden allerdings immer wieder laut. Hess war an der organisierten Vernichtung der Jude maßgeblich beteiligt und das, meine lieben Freunde, ist ohne jeden Zweifel Mord. Dementsprechend: es gibt wohl wenig unangebrachteres, als einen Massenmörder zum Märtyrer zu stilisieren und ihn in groß angelegten Aktionen zu feiern. Auch wenn ihr bei so was nicht mitmacht und es verurteilt, dann macht was gegen solche Veranstaltungen. Und wenn ihr nur das Scheißplakat abreißt.
Ansonsten gibt es zur allgemeinen Neo-Nazi-Situation ein ziemlich interessantes Zitat von Hitler selbst: "Wenn das deutsche Volk diesen Krieg verliert, hat es sich als das schwächere erwiesen und ich werde ihm keine Träne nachweinen." Denkt mal darüber nach.
Tolles zum Wochenende In erster Linie wollen wir euch, liebe Leser unterhalten. Deshalb sehen wir respektive Ich respektive die Person, die vielleicht mal anstelle von mir hier einen Blog postet, es als unsere wichtigste Pflicht, euch über superererererrrererereree Dinge zu informieren. Gerade zum Wochenende. Vielleicht habt ihr mal kein Geld, um wegzugehen, die Freundin/der Freund hat Schluss gemacht, ihr wartet auf das Einsetzen der Wehen... Kurzum, ihr habt nichts zu tun.
Was haben wir also tolles gefunden? Drei Dinge. Kommen wir dementsprechend direkt zu
Punkt 1: Der Jugendverein W.A.I.T. spricht sich gegen unehelichen Geschlechtsverkehr aus
Das kennt man ja schon von anderen Gruppierungen. Das Verschmelzen zwischen Mann und Frau ist heilig, sollte von dem Wunsch nach Kindern und damit einhergehender Liebe gezeichnet sein, blablabla. Liebe ist super, Liebe ist schön, aber Liebe findet man eben nicht an jeder Ecke. Sex dagegen schon und deshalb ist es manchmal etwas schwer, beides zu vereinbaren. Dem Ableger der amerikanischen Vereinigung "Washington AIDS International Teens" geht es aber nicht ausschließlich darum, in unserer sexualisierten Gesellschaft die Flagge des Anstands und das Zepter der christlichen Werte hoch zu halten, viel mehr steht die AIDS-Prävention im Vordergrund. "Nur durch Verzicht auf vorehelichen Geschlechtsverkehr kann man dem Risiko einer Ansteckung entgehen.", wird da behauptet. Das ist natürlich nicht richtig. Es gibt keine wissenschaftliche Studie die belegt, dass der Körper direkt nach der Trauung HIV-vernichtende Antikörper bildet und man somit immun gegen diese Krankheit ist. Egal, die "Wartenden" bringen ihre Botschaft trotzdem weiter fröhlich unters Volk und bedienen sich dabei unter anderem auch Breakdance- und Hip Hop-Workshops. Eventuell wird demnächst ein "We B*Jungfrauen because of se AIDS-Risiko"-Festival ausgerichtet. Man weiß es nicht. Sehr witzig auch die Kommentare zu diesem Artikel auf derStandard.at, ein User bringt mit "Verlierergruppe" dann genau das auf den Punkt, was man sich eigentlich schon die ganze Zeit beim Lesen dachte. Ansonsten: schützt euch beim Geschlechtsverkehr, dann ist das Risiko erheblich geringer, an AIDS zu erkranken, als wenn ihr einfach heiratet. Ehrlich.
Punkt 2 und 3:
Zwei wunderbare VIdeos, beide zu sehen bei Youtube, solltet ihr euch unbedingt anschauen. Zum einen wäre da "Florida Lady" von den Herren Frauenarzt und Manny Marc, die sich niemand geringeren als Alexander Marcus, den Mann, der rosa Hosen wieder so richtig en vogue gemacht hat, zusammen getan haben. Herausgekommen ist dabei ein wunderbar trashiges Stück Musik samt herrlichem Video. Dafür bitte hier klicken. Des Weiteren gibt es einen relativ neuen Clip aus dem Hause Vollrausch Rekordz. Das Neue Prekariat präsentiert stolz "Hip Hap" und haben offensichtlich ordentlich Geld in diese Produktion gesteckt. Man beachte das sieben Euro-Tupac-Poster aus dem Baumarkt. All das findet ihr hier.
P.S.: Da wunderbarerweise das indirekte Verlinken nicht funktioniert, hier noch einmal die Einzellinks:
W.A.I.T.-Menschen: http://derstandard.at/?url=/?id=1219060340064 Frauenarzt, Alexander Marcus: http://www.youtube.com/watch?v=39U8eY5wBMg DNP - Hip Hap: http://www.youtube.com/watch?v=p0Dvqt4RBBU