Rapde-Redaktion - “Hoes, Flows und Meinungen” Journalistisch wertvolle Beiträge von den fabelhaften Menschen der rap.de-Redaktion.
08.09.2008
King Zaza und Melancholie-Moritz Man hat es nicht leicht als Interviewer. Umfassende Recherche im Vorfeld, Auswahl einer passenden Location, Ausformulierung geschliffen klingender und journalistisch wertvoller Fragen, für die man sich dann natürlich ebensolche Antworten erhofft, die natürlich meist nicht kommen, im Gespräch selbst dann immer sachlich bleiben, genau nachhaken… Gerade bei längeren Monologen des Künstlers kann man da schon mal gedanklich abschweifen oder unauffällig einnicken, wichtig ist nur, dass es niemand bemerkt. Wird das Ganze gefilmt, gestaltet sich dies natürlich umso schwieriger. Eine gute Stunde lang aufmerksam und interessiert auszusehen ist nicht einfach! Des Weiteren gehen einem Dinge wie "Sehe ich von rechts nicht eigentlich immer total scheiße aus?" oder "Wirken meine Haare einmal mehr wie ein unter Strom gesetzter Wischmob?" durch den Kopf, so rein als Beispiel natürlich. Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind nicht beabsichtigt, zumindest würde ich das nicht zugeben. All das wirkt auf einen ein und ist man ein nicht multitasking-fähiger Mann, kann das schon mal zuviel werden.
Mit einer aus einem Übermaß an Sinneseindrücken resultierenden Überforderung geht jeder anders um, manche wirken hyperaktiv und machen aus ihrer geistigen Verwirrung keinen Hehl, andere werden urplötzlich ganz still und, ja, friedlich. Glückselig-stumpfer Gesichtsausdruck, man bewegt sich kaum noch, ein Bild der Ruhe. Innerliche Ausgeglichenheit erfasst einem bei diesem Anblick und man möchte… schlafen. Inmitten von flauschig weichen Hundewelpen in hellbeige und schokoladenbraun. Derartige Assoziationen bei einem King Zaza Interview im mäßig interessierten Betrachter hervorzurufen ist eine Kunst für sich, ein junger aufstrebender Journalist von der überaus qualifizierten Rap-Website b-stadt.com, die sich ausschließlich mit dem "Westberlin Underground" beschäftigt, hat dies aber geschafft. Ich möchte ihn gerne "Melancholie-Moritz" nennen, wahrscheinlich heißt er aber anders. Die Ausgangssituation ist die Folgende: King Zaza ist links, der B-Stadt-Mitarbeiter rechts im Bild, das die Akteure (dramaturgisch gerissen) mal von näherem, dann aber urplötzlich auch wieder von weiter weg zeigt. Beide sitzen auf einer Bank, der Berliner Rapper spricht, der Interviewer tut die meiste Zeit schlicht und ergreifend nichts. Des Öfteren schaut er Gedanken versunken in die Ferne, wirft einen kurzen Blick auf seinen Notizzettel oder bewegt etwas das Mikrofon, welches er in der Hand hält. Ab und an stellt er auch Fragen, mehr passiert nicht. Eigentlich wünscht man sich nach spätestens fünf Minuten, dass aus der Hecke im Hintergrund irgendein abstruses Tier oder eine geisteskranke Person springt und etwas absolut unpassendes schreit oder tut. "Kokolores mit Wurstsalat! Hepp!" käme mir da so in den Sinn. Man könnte sich aber auch vorstellen, dass es wie bei Monty Python’s Flying Circus ist und Jemand Melancholie-Moritz mit einem Gummihuhn auf den Kopf schlägt. Einfach so. Ich fände das witzig.
Worum es eigentlich in dem Interview mit King Zaza formerly known as Abu Sex geht? Absolut uninteressant, wirklich. Ghetto, Realness, Drogen, Geld, Kollegah ist kein Zuhälter, sondern eine Nutte und sollte sich prostituieren, das übliche also. In jedem Fall möchte man dem jungen Mann von B-Stadt mit dem melancholischen Blick für diese 25 Minuten geistiger Abwesenheit und absoluten Desinteresses am Gesprächspartner den Grimme-Preis verleihen, angucken kann man sich dieses Kleinod des investigativen Videojournalismus auf http://www.b-stadt.com.
Pornorap bei Popstars nur geklaut Jasmina ist jung, man könnte sie durchaus als hübsch bezeichnen und außerdem hat sie einen Penis. Das würde zumindest erklären, warum sie sich als Frau respektive gerade so geschlechtsreifes Mädchen zum Popstars-Casting begibt, um dort folgendes zu "rappen": "Ich fick dich von hinten, hart wie ein Hund. Ich merke, es fängt dir an zu gefallen. Du wirst richtig schreien. Ich fick dich in den Mund." Haben sich natürlich alle darüber aufgeregt, an vorderster Front die Bildzeitung, die, wir wissen es ja alle, von plakativen, sexistischen und potenziell skandalösen Texten rein gar nichts hält. Wie ich finde allerdings aus den falschen Gründen. Denn: es nicht nicht schlimm, wenn 16-Jährige Jugendliche versuchen, mit solchen Texten zu schocken. Das gehört dann doch irgendwie zur Pubertät, wobei ich mich an Zeiten aus meiner noch nicht all zu weit zurückliegenden Jugend erinnere, in der ich immer dann, wenn in einem Lied Worte wie "Ficken" oder "Schwanz" vorkamen, schnell irgendetwas absolut Schwachsinniges gesagt habe, damit mein Vater abgelenkt ist und nicht auf den Text achtet. "Oh schau mal, ein grünes Auto!" - "Häh?" - "Ach, nichts... SCHAFE!!!"
Zurück zu Jasmina. Furchtbar finde ich hingegen wirklich, wenn eine Frau einen Text rappt, der offensichtlich im Original nur von einem Mann stammen kann, da der Inhalt definitiv den Besitz eines Glieds impliziert. Hat sie die Lyrics nicht verstanden? Hat die PISA-Studie recht und das Textverständnis deutscher Jugendlicher ist wirklich schon am Boden? Selbst geschrieben hat die Guteste das Ganze offensichtlich nicht, wie gestern oder vorgestern oder irgendwann in letzter Zeit berichtet wurde, nein, diese lyrischen Perlen sind geklaut! Ja! Und zwar von dem Rapper "Raffa", der Teil des sehr Straße seienden Labels "Street Muzik" ist und aus Wanne Eickel bei Bochum kommt. Dieser rappte die oben angeführten Zeilen nämlich auf dem Track "Ficken". Ich weiß nicht, über was ich mich mehr amüsieren soll. Das jemand von einem Label, das "Street Muzik" (!) heißt, einen Track namens "Ficken" (!!) veröffentlicht, der reimtechnisch wie flowtechnisch ziemlich... schlecht ist, was bei dem Titel schon nicht verwundert, oder die Tatsache, dass dieser dann noch von einem Mädchen (!!!) geklaut wird, dass ihn dann bei einem Popstars-Casting (!!!!) vorträgt.
Zur Website von "Street Muzik" kommt man übrigens unter http://www.street-muzik.de, MySpace haben die Herren auch und oh Wunder, dort kann man sich "Ficken" in ganzer Länge anhören. Hart und unbeschnitten. Wie der Penis von Raffa womöglich. Das wäre doch mal ne Punchline, vielleicht will Jasmina sie für den Re-Re-Re-Call oder so verwenden.
Eine Interrail-Tour durch Europa: Sonne, Alk und Graffiti, baby! Anlässlich unseres alles fickenden Writer-Travelguide-Anstiftung-zu-illegalen-Handlungen--Graffiti-Specials wurde uns der hier folgende Bericht von einer uns nicht näher bekannten Person übermittelt. Schön, dass ich so was mal schreiben kann. Ich fühle mich grad wichtig. Ein bisschen wie ein Undercover-Journalist mit Kontakten in den Sumpf des Verbrechens. An dieser Stelle Danke für diesen Bericht, er passt einfach wunderbar zum Feature. Bla, ich zitier einfach Mal:
"Vor einiger Zeit wollten ein paar meiner Jungs losziehen um die Yards Europas zu penetrieren. Klang in meinen Ohren nach einem Plan. Also Urlaub genommen, Interrail-Ticket geholt und mitgefahren. Mit Bock auf Mullern, Party, Alk, Sonne, Meer und dem Vorsatz, so billig wie möglich durchzukommen ging es dann runter nach Italien. Ach ja, und Bock auf südländische Mädels, aber dieser Plan wurde zähneknirschend nach ein paar Tagen mit der Einsicht begraben, dass da mit dem Gestank, den wir verbreiteten, nichts zu machen ist. Nur so als Beispiel: In Südfrankreich saßen zwei kleine Kinder neben mir im Zug, die sich irgendwann die Nase zuhielten. Scheißgören, gebt mir doch euer Taschengeld, dann geh ich irgendwo duschen. Vielleicht. Kleiner Tip: Wer weder Sitz- geschweige denn Schlafplatz im Zug hat, macht es so wie ich und pennt im Gang. Auf der Gepäckablage. Ein Ticket braucht man da auch nicht. Während unter mir mehrmals Schaffner plus Grenzpolizei durchmarschierten war ich fünfzehn Zentimeter über denen im Reich der feuchten Träume.-
Egal, Italien. Ist ja mittlerweile kein Geheimnis mehr, dass sich dort der ein oder andere Writer vom harten Alltagshustle erholt. Gibt dort so ein paar wunderschöne Städte und Lay-Ups, die gut klar gehen. Uninteressant wo, der Feind in grün liest mit. Hallo auch an euch an dieser Stelle. Wir also als wahrscheinlich die millionsten Graff-Touris dort angerückt und zugeschlagen. Und was da abging übertraf meine Erwartungen bei Weitem. Die Wahrscheinlichkeit, auf andere Writer zu treffen war einfach Mal ungleich höher als auf Bullen oder Ähnliches. Und nicht etwa auf italienische Writer, nein. Deutsche, Belgier, Holländer, Franzosen, Spanier und Asiaten(!). Teilweise auch alle Nationalitäten auf einmal am Train. Unabgesprochen. Wir haben Spots gemacht, die am selben Abend zweimal vor- und einmal nach uns gemacht worden sind. Es kursieren zwar Stories von Leuten, die noch vorm Mullern von Arbeitern/Bullen/wasweißichwas zusammengeschlagen worden und mit ihren eigenen Cans besprüht worden sind, uns blieb so was aber glücklicherweise erspart. Manche Yards werden wohl auch von der Mafia kontrolliert, was zur Folge hat, dass auch mal ein Sprüher erschossen worden ist. Sauber halten um jeden Preis. Und drei Stationen weiter kann man wieder unbesorgt malen. Die Gruselmärchen halt. Das Etablissement, in dem es uns beliebte niederzulassen, war ebenfalls von ausgesprochen vorzüglicher Qualität: Der Keller einer Schule. Weil dort anscheinend Ferien waren, wurde diese nicht benutzt. Der pure Luxus. Es war kühl, dunkel, Pissen gehen konnte man im Nachbarkeller und Kacken im Schulgarten. Alles was man braucht, sogar ein Supermarkt war um die Ecke, bei dem des Öfteren das 5-Finger-Rabattsystem angewendet wurde. Nur fließendes Wasser hatten wir nicht. Aber hey, wozu auch, man schwitzt sowieso irgendwann wieder. Ärgerlich nur, dass die Meisten, die wir im Yard trafen eher aufs Bomben aus waren. Heißt, man hat großes vor, mit Character und so, und hört dann von den Jungs, die man mal wieder zwangsläufig am Train treffen muss, dass sie nur eine Viertelstunde machen wollen. Toll! Und zwanzig Minuten später fangen diese Lappen dann an Blitzfotos zu machen. Auch toll! Da man nicht zwingend auf einen von diesen bärtigen Herkules-Rangierern treffen will, verpisst man sich dann halt auch. Tendenziell ein bisschen stressig das. Lustig auch der Schwulen-Indikator. Eines der malträtierten Yards lag direkt neben einem Park, in dem hinter jedem vierten Baum ein Schwuler stand. War ihr Strich oder so. Wenn Schwule da waren hieß das: Arschbacken zusammenkneifen, durch den Park und auf die Gleise. Wenn keine dort waren hieß das: Irgendwo sind Bullen, also besser aufgepasst. Einfach und sicher, so wünscht man sich das doch.
Anderes Land, das von uns noch beglückt wurde war Spanien. Ähnliche Temperaturen (Arschwasser), ähnliche Bierpreise (70 Cent der Liter(!)) /traumhaft. Und schöne Frauen, aber das Thema hatten wir ja schon. Einen Schulkeller haben wir dort leider nicht gefunden, weshalb verschiedene Parkbänke als Bett herhalten mussten. Leider scheiße-unbequem und vor allem nicht ganz so sicher. Da wacht man schon mal auf, weil einen irgendein Opfer nach Wertsachen absucht. Und manchmal wacht man halt auch nicht auf… Hurensohn! Spanien ließ sich erwartungsgemäß nicht ganz so einfach melken, mithilfe von ein paar Locals wurde dann aber doch noch ein Eisen rausgeschickt. Ansonsten wurde eben ausgiebig gefeiert, gesoffen und Street gemacht. Als wir eines Abends nach ein paar Möllchen mit einem Spanier durch die Straßen zogen, ging ich mit einem Kollegen ein Stück vor, stellte mich an den erstbesten Rollladen und fing an ein Piece vorzuziehen. Als der Spanier dann nach kam rief er nur entgeistert: "Jungs, wisst ihr wo ihr hier seid?" - "nee, wo denn?" - "Na, das ist hier so was wie deren Reichstag!" - "Ja, und?"… das haben wir dann im nächsten Moment realisiert als, ETA-Angst und Kameraüberwachung sei Dank, ein Bullenwagen um die Ecke kam. Nur soviel: Wurde noch eine lustige Paranoia-Nacht, wir sind später aber noch fertig geworden. Natürlich. Unfertig blieb auf der ganzen Tour eigentlich nur ein einziges Streetpiece. Und das haben wir warum auch immer Barfuß und nur mit Boxershorts bekleidet gemacht. War auch irgendwie eine ziemlich blöde Idee, aber das ist eine andere Geschichte. Ausklingen ließen wir die Reise wie echte Deutsche. In Lloret de Mar. Was dort ablief will und kann ich eigentlich nicht beschreiben, hätte aber vorzügliches Videomaterial für einen Tierfilm abgegeben. Die gesamte Mannschaft entwickelte sich kollektiv zu einem saufenden, nur aus Schwanz und Haaren bestehenden Wesen zurück, das pöbelnd und taggend durch die Straßen zog. Da schallte auch mal der Schlachtruf "Iam from Germany and I want to fuck you!!!" durch die malerischen Gassen. Jaja, Charmeure der alten Schule. Im Nachhinein ist mir das auch ein bisschen peinlich. Aber man ist ja im Urlaub und hat auch einen Ruf zu verteidigen.
Resümee? Ich wäre jederzeit wieder dabei und kann auch nur jedem empfehlen, so etwas auch mal zu machen. Leider ist das jetzt schon wieder ein paar Tage her und ich habe das Gefühl, die wirklich erzählenswerten Erlebnisse schon wieder vergessen/verdrängt zu haben, bzw. es sind zu viele, um über alle zu berichten. Das war einen Tour voller Action, Saufen, Mullern und Sonne, wir haben viele nette Leute kennen gelernt sehr wenig Geld ausgegeben. Es ist auch immer wieder schön zu sehen, dass man seinen Urlaub auch anders verbringen kann und trotzdem auf Menschen trifft, die mit einem auf einer Wellenlänge liegen. Es gibt nicht nur die beiden Optionen Pauschaltouri oder Haare nicht mehr kämmen und einen auf Backpacker machen. Du fährst durch Europa, erlebst andere Dinge als die Masse der Touris, siehst andere Sachen als die und bekommst auch einen anderen Blick auf Europa. Klar, die eine oder andere Kirche habe ich nicht besichtigt, aber wollte ich das?"
Soviel dazu, das wollten wir euch selbstredend nicht vorenthalten. Wer ebenfalls Stories oder Reiseberichte loswerden will, immer her damit.