Login: 

weblog von Rapde-Redaktion
<< < 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 > >>
Rapde-Redaktion - “Hoes, Flows und Meinungen”
Journalistisch wertvolle Beiträge von den fabelhaften Menschen der rap.de-Redaktion.
22.09.2008
rap.de goes Nostradamus
Es gibt sie, diese Tage, an denen wir hier in der Redaktion sitzen und uns darüber beschweren, dass "nichts" passiert. Meistens ist dann doch irgendwas geschehen, was aber so uninteressant und nichtig ist, dass man es selbst mit größter Mühe und ausgefeiltester Rhetorik nicht mehr zu einer Nachricht machen kann. Heute ist aber wirklich nichts passiert. Andererseits gibt es trotzdem genug zu tun, denn wir arbeiten mit Hochdruck an einer wahnsinnig spektakulären Sache, die MORGEN im Laufe des Tages online gehen wird. Darauf dürft ihr euch wirklich freuen, es wird die ein oder andere Person sehr überraschen.

Wie auch immer, wir nehmen unseren Auftrag als informierende Internetplattforum natürlich auch bei akutem Nachrichtenmangel ernst und präsentieren euch hier und jetzt die Dinge, die heute NICHT passiert sind. Vielleicht aber irgendwann doch mal passieren und dann waren wir quasi wie Nostradamus und wussten es schon zuvor. Hah!

- Los Angeles: Entgegen aller Gerüchte, wurde 2pac NICHT in einem schwarzen BMW auf dem Mulholland Drive gesichtet. Es handelte sich um den Bankkaufmann Andrè Briquette, der sich auf dem Weg zu Mc Donalds befand und absolut gar nichts mit der toten Raplegende zu tun hat. Er ist noch nicht einmal schwarz.

- Irgendein Gefängnis in den USA: Auch wenn Schamhaarproben aus einer kürzlich gefundenen Wärteruniform etwas anderes beweisen könnten, Rick Ross gibt nach wie vor NICHT zu, früher mal als Wachmann gearbeitet zu haben. Des Weiteren hat er auch NIE DMX festgenommen, was bei der Inhaftierungsfrequenz des Hundeliebhabers als hieb und stichfester Beweis dafür zu sehen ist, dass Ross unmöglich Polizist gewesen sein kann.

- New York: Jay Z hat KEIN Verhältnis mit Kanye West, Beyonce Knowles hat ihn dementsprechend auch NICHT verlassen und der gute Jigga somit nach wie vor "nur" 99 Probleme.

- Irgendwo an der Westcoast: Es wird KEINE "Guinessbuch der Rekorde The Game Special"-Ausgabe geben, obwohl dieser sich erst kürzlich zum weltbesten "Madden NFL"-Spieler der Welt hat küren lassen und nach eigener Aussage "the shit" ist. Eine ZDF-Sondersendung zum Thema "Die 100 wichtigsten Menschen in der Geschichte nach The Game" ist ebenfalls NICHT geplant.

Und zuletzt noch etwas aus unserer Rapublik (dieses Wortspiel ist übrigens zum Kotzen und eigentlich möchte ich es nie, nie, nie wieder lesen):

- Braunschweig: Rap im Newsticker / F.R. hat immer noch KEIN Abitur.


lisa

[ 7 Kommentare / Kommentieren / Versenden / RSS Abonieren ]
15.09.2008
Bushido am Alexanderplatz
Bushido liest am Samstag im Alexa aus seiner Biografie. Das klang interessant und so dachten wir uns natürlich: wir sind ein Medium, wir lieben Rap, wir lieben Sprache, vor allem in geschriebener Form und natürlich lieben wir auch Bushido. Ergo, wir gehen da hin. Missverständnis Numero Uno: das Ganze fand nicht, wie zuvor angenommen, innerhalb des Einkaufszentrum statt, wo es zwar eng, aber auch warm gewesen wäre. Es war draußen und aus mir unerfindlichen Gründen wurde der gesamte Boden vor der Bühne mit Sand aufgeschüttet. Richtig viel Sand. Hätte es nicht gefühlte zehn Grad gehabt, wäre ein leichtes Sommer-Karibik-Feeling aufgekommen. Hatte es aber und daher fühlte man sich, denn Sand speichert nicht nur Wärme, sondern auch Kälte, eher wie Reinhold Messner, nur ohne Bart.



Das anwesende Publikum ließe sich durchaus als gemischt bezeichnen, aber so ist das mit dem Phänomen Bushido: da steht nicht nur der Pubertierende mit "hartem" Gesichtsausdruck in der Ecke ("Sonny Black fickt die Disco, weil ein Gangster nicht tanzt"), da schunkelt zu späterer Stunde auch die Oma mit. Zuerst einmal passierte natürlich, wie bei praktisch allen Auftritten eines Rapkünstlers, absolut gar nichts. Man steht rum, man starrt sich gegenseitig unmotiviert an und sucht verzweifelt nach Gesprächsthemen. Oder man ist rap.de und macht Fotos, wie mein wunderbarer Kollege Xaver. Man nennt ihn in Fotografie-Fachkreisen auch "den Virtuosen". Die Moderatoren, womöglich direkt von der Media Markt-Kasse auf die Bühne befördert (und danach wieder zurück. So war das bei Bushido ja auch, mit dem Bordstein und der Skyline), sorgten nur gemäßigt für Unterhaltung. Kurzer Auszug gefällig? "Während wir hier warten, können wir uns ja schon mal Fragen ausdenken!" / "Was für Fragen?" / "Ach, kennst du eigentlich auch diese neue Knetmasse?" / "In Bushidoform?" / "Kann man machen!". Hoho. Zurück zu Super RTL, bitte.



Schließlich war es dann doch so weit und unser Homeboy Anis F. betrat die Bühne. Um zu lesen, dachte man sich, was einen aber direkt zum Missverständnis Nummer Zwei brachte: er liest nicht, zumindest nicht selbst. Im Allgemeinen schien er wenig scharf darauf zu sein, sich auch nur ansatzweise mit seiner Biografie zu beschäftigen, schließlich wählte er jedoch eine Achtjährige aus, die genau einen Absatz vortrug. Dafür brauchte sie eine gefühlte halbe Stunde und die Handlung beschränkte sich darauf, dass Bushido mit Arafat in einem Auto sitzt und letzterer den Motor abschaltet. Das machte auf jeden Fall Vorfreude aufs Buch und man wollte unbedingt wissen, wie es weitergeht. Kommen Passanten vorbei? Pinkelt ein Hund gegen einen Baum? Fällt ein Sack Reis in China um? Ansonsten war die blonde Schülerin sehr einnehmend und charmant und konnte mit ihrem Mini-Auftritt in der Schule wahrscheinlich ordentlich angeben.



Der Künstler selbst wollte unter keinen Umständen lesen, offensichtlich lief die Generalprobe im TRL-Studio am Tag zuvor nicht optimal. Schade. Egal, dann gab es halt Autogramme für die wartenden Massen. Das zog sich ewig hin, die musikalische Untermalung, bestehend aus genau ZWEI verschiedenen Liedern trieb einen dabei beinahe in den Wahnsinn. Stellt euch vor, ihr wäret drei Stunden lang mit James Brown und einer Horde bezahnspangter Mädchen in einem Fahrstuhl gefangen / genau so. Xaver und ich nutzten die Zeit, die anwesenden Fans zu befragen und stießen dabei auf die ein oder andere sehr interessante Aussage. Burak (17),Ozan und Yusuf (beide 16) zum Beispiel warteten ausschließlich auf den angekündigten Auftritt, das Buch hatte keiner von ihnen gelesen: "Ey, der soll herkommen und uns das Buch vor die Füße legen! Das neue Album laden wir uns runter, "Vom Bordstein Bis Zur Skyline" war am Besten." Auf die Frage, ob eine derartige Aussage nicht gefährlich wäre, weil man im Hause Ersguterjunge mit Raubkopierern ja eher wenig zimperlich umgeht, antworteten die sympathischen jungen Männer wie folgt: "Der soll ruhig ankommen!" Bushido, du weißt Bescheid! Direkt danach trafen wir Alperen. Alperen ist 13 und zum Alexa gekommen, um Bushido zu schlagen, denn er ist ein "Nachwuchsshokker". Während sich mir sofort die Frage aufdrängte, ob die Herren von Shok Muzik überhaupt noch irgendetwas machen, erzählt er weiter und am Schluss wird offenbar: der Junge war schon bei D-Irie zu Hause. Oder Irie-D. Weiß eigentlich jemand, wie der Kerl richtig und offiziell heißt?



Nach soviel straßenkredibler Realness pirschen wir uns an die Kernzielgruppe vom Goldrapper heran: junge Mädchen. Sabrina, Sarah, Kati und Franzi sind zwischen 13 und 17 Jahren alt und für sie gibt es nur einen: "Bushido sieht gut aus, rappt übergut… Wir hören keinen anderen Rap, alle anderen sind scheiße!". Claudia ist 14 und vertritt eine ähnliche Meinung, allerdings findet sie "Ich liebe dich!"-Rufe peinlich. Des Weiteren argwöhnt sie, ob der Rapper seine Biografie auch wirklich selbst geschrieben habe, schließlich kämen da einige Fremdwörter vor, die man in seinen Texten so noch nicht gehört hätte. Lars Amend, den federführenden Autor der Biografie, kennt hier anscheinend niemand. Man hat es nicht leicht als freier Journalist.



Der 21-jährige Tonizia fällt auf, trägt er doch das Logo seines Stars auf den Hals tättowiert. Eigentlich wartet man darauf, dass Specter ihn von hinten anspringt und Geld für die Nutzungsrechte verlangt, aber der Streit um das "B" wurde ja schon vor Jahren beigelegt. Wenn ihr wissen wollt wie, lest das Buch. 19,90 Euro, riva Verlag, oder macht bei unserem Gewinnspiel mit, wir verlosen nämlich fünf Exemplare. Genug der Werbung, zurück zu Tonizia. Er heißt übrigens nicht wirklich so, das ist sein Künstlername. In jedem Fall kann er sehr schön erklären, warum die Biografie für ihn Pflichtlektüre ist: "Man will halt mehr von Bushido erfahren, das ist, als wäre man Hertha-Fan. Es reicht nicht, immer nur die Ergebnisse zu wissen und die Spiele anzugucken, man interessiert sich ja auch für die Spieler." Früher war er auch Aggro Berlin-Fan, seitdem er sido jedoch mal persönlich getroffen hatte und dieser ihn wegen seines Tattoos anpöbelte, gibt es für ihn nur noch Bushido. "Ich bin stolz, Fan von ihm zu sein, es ist mir auch egal, was andere Leute über mich denken." Angesprochen wurde er an diesem Abend auf jeden Fall von mehreren Leuten. Enttäuscht von ihrem Idol sind hingegen Ben (14), Nebiel (16), Ama und Nasek (beide 15): "Er ist nicht nett, er hat uns beim Autogramme geben nicht angeguckt!". Ansonsten hat einer der Jungs noch eine Bitte: "Kannst du schreiben, dass alle Obama wählen sollen?" Natürlich. Da soll noch einmal jemand behaupten, die Jugend wäre politisch nicht interessiert!



Mittlerweile ist die Autogrammstunde beendet und Bushido verabschiedet sich vorläufig, um KURZ auf die Toilette zu entschwinden. Eine halbe Stunde später ist er immer noch nicht zurück, die vorherrschende Tristesse regt zu Spekulationen an: hat der 29-Jährige Darmprobleme oder liest er gerne Bücher auf dem Klo? Vielleicht sogar sein eigenes, man weiß es nicht. Irgendwann ist er dann doch wieder da und performt "Endgegner", "Von Der Skyline Zum Bordstein Zurück", "Alles Verloren" und "Ching Ching". Kurz bevor wir gegen 22 Uhr halberfroren das Weite suchen wollen, treffen wir dann noch mal auf Burak, Yusuf und Ozan von vorhin, die mir ein Bushido-Autogramm schenken wollen. Ich lehne dankend ab, schließlich kann ich das Ghetto weder sehen, noch weiß ich wie es klingt. Das ist auch einfach nicht so mein Ding, Ding.

lisa

[ 19 Kommentare / Kommentieren / Versenden / RSS Abonieren ]
09.09.2008
Heute: Fleißiges Liederraten
Ich habe seit einem Monat Internet. Das erste Mal in meinem Leben. Und ehrlich gesagt, ich fand es immer ein wenig erschreckend, wenn mir irgendwelche Vögel erzählten, sie könnten ohne Internet nicht mehr leben. Geht mal raus ihr Kellerkinder, ist nicht alles about Myspace, Youtube, Skype oder StudiVz.

Irgendwie bleibe ich halt aber leider auch drauf hängen. Schleichend. Ich sehe es schon vor mir: In einem Jahr bin ich ein nur noch vom Koffein am Leben erhaltenes Wrack mit strähnigen Haaren und weißer Haut. Call me Gollum, Baby. Aber das Internet eignet sich unvorteilhafterweise auch wunderbar zur Zerstreuung. Ganz früher hat man in seiner Freizeit, nun ja, weiter gearbeitet, später dann vielleicht Gesellschaftsspiele oder wasweißich gespielt, noch später dann Fernsehen geguckt und heute hängt man halt im Netz ab und tauscht Belanglosigkeiten aus um die Zeit bis zum Tod rumzukriegen. Word.

Aber eben auch unterhaltsame Belanglosigkeiten, geschaffen von Menschen, die offensichtlich viel Langeweile und ein hohes Kreativitätspotenzial besitzen. Und weil ich keine Lust habe obiges Thema weiter auszuführen, teile ich lieber eine solche kreative Belanglosigkeit mit euch. Weil wir wo rap.de sind wollen, dass, wenn Gossip dann in Qualitativ (geht das, oder war das ein Oxymoron? Rhetorik, jemand?).
Für jede Eigenwerbung bekomme ich übrigens ein Gummibärchen.
Um zum Punkt zu kommen: Schon Mal versucht einen Rap-Track als Diagramm darzustellen? Was klingt wie die fixe Idee eines bebrillten Mathestudenten auf Crack /irgendein gestörter Nerd hat es getan. "Rap Represented In Mathematical Charts And Graphs" nennt sich die Fusion aus Rap und Mathe, aus Straße und Student, aus kool und unkool. Ja, ich habe Vorurteile. Und diese "Charts And Graphs" eignen sich hervorragend, um mit seinen Hip Hop-Kommilitonen Rap-Track-Wettraten zu machen. Wie alle rap.de Redakteure habe ich selbstredend ALLE erraten. Zwei Gummibärchen. Falls du jedoch dumm bist, ja falls du dumm bist, kannst du auch einfach auf die Grafiken klicken und bekommst so die Auflösung in Form eines Youtube-Videos, Opfer. Ein einfaches Beispiel: Das hier ist der Track aus dem letzten Jahr mit der alles tötenden Punchline (Das war Ironie. Die Punchline ist schlecht):



Einfach, oder? Hinter dem folgenden Link gibt es die Grafik auch noch mal in größer und mit Auflösung, Brillenträger. Ich habe auch eigentlich keine Lust, noch mehr von diesen Grafiken zu posten, geschweige denn zu beschreiben. Wen es interessiert, und das sollte es besser jeden: Geschätzte dreihundert davon gibt es auf http://jamphat.com/rap/. Mal mehr, mal weniger einfallsreich, mal mehr, mal weniger schwierig zu erraten.

Wir Hip Hop-Fans haben ja von Natur aus einen nicht zu unterdrückenden Spieltrieb, sonst würden wir nicht den ganzen Tag gamblend (Englisch ist tot - es lebe der Anglizismus) in der Hood hocken. Und somit war es mir ein Leichtes, wieder ein paar von euch von draußen vor den PC zu locken… keiner entkommt dem Netz.

xaver

[ 2 Kommentare / Kommentieren / Versenden / RSS Abonieren ]
<< < 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 > >>