Rapde-Redaktion - “Hoes, Flows und Meinungen” Journalistisch wertvolle Beiträge von den fabelhaften Menschen der rap.de-Redaktion.
06.10.2008
Fangeschichten mit Geschlechtsverkehr Es ist Herbst und kalt und nass und eigentlich möchte man die ganze Zeit nur vor dem warmen Kamin in einem Ohrensessel sitzen und dicke Romane lesen, während man heißen Tee trinkt. Mit Rum oder so. Dementsprechend ist es umso schöner, wenn man etwas findet, dass einen voller tief empfundener Freude auflachen lässt und somit etwas Wärme und Sonne in den verregneten und tristen Alltag bringt. In diesem speziellen Fall handelt es sich um eine so genannte "Fanfiction". Das sind Geschichten, in denen Anhänger einer bestimmten Band/eines Musikers/Schauspielers/einer Fernsehserie ebendiese/n in eine frei erfundene Handlung einbauen. Meistens geht es um Liebe und meistens schreiben das pubertierende Mädchen, die das erste Mal in ihrem Leben so richtig verschossen sind. Ich finde so was süß. Ich finde es des Weiteren auch gut, dass junge Menschen sich kreativ betätigen und durch freies Schreiben ihre Ausdrucksweise verbessern. Besonders gut gefiel mir hierbei die folgende Geschichte. Künstler wie andere Akteure werden natürlich anonymisiert.
V. ist mit ihrer Freundin C. nach Berlin gezogen. Sie wohnen jetzt zusammen und sind beide arbeitslos. Früher haben sie in einem kleinen Ort namens Loitsche gewohnt. Dort mussten sie weg, denn irgendetwas total Dramatisches ist passiert. Diese dramatische Vergangenheit bildet übrigens die Nebenhandlung und wird von Kapitel zu Kapitel abstruser. Sie sitzen also in einem Cafè und unterhalten sich, als (oh Wunder) der bekannte Rapper B. vorbeikommt. Dieser verliebt sich quasi auf den ersten Blick in V., die ihn aber gar nicht kennt. Weil es womöglich in Loitsche weder Radio noch Fernsehen gibt.
In jedem Fall muss C. dann to-taal überraschend weg und die Liebesgeschichte nimmt ihren Lauf. B. fragt V. darüber aus, was sie so macht und weshalb sie jetzt in der Hauptstadt ist. Der von ihr angegebene Grund ist übrigens sehr schön: "Na ja eigentlich bin ich nur hier wegen den ganzen Männern und den guten jobs hier wenn man mal einen bekommen würde". B. ist ein Gentleman und bietet ihr sofort eine Stelle als Sekretärin an, weil "ist doch besser als nichts und außerdem können wir uns dann auch näher kommen weil du bist die ganze Zeit dann bei mir und wir können quatschen oder so". V. verspricht, darüber nachzudenken und geht nach Hause.
Dort wird sie natürlich sofort von ihrer Freundin C. gelöchert, die die Unsicherheit von V. bezüglich des Jobangebots nicht verstehen kann. Folgender Dialog entspinnt sich: C: Bist du doof ? Du suchst schon seit Wochen nach einen kack job und da haste mal ein und du sagst jein oder wie ?? O.o ich fass es nicht. Und du weist schon das wir nur wegen dir hier her gezogen sind . V:C. das stimmt nicht du wiest genau warum wir hierher gezogen sind . Nicht wegen mir sondern wegen der Sache . Die wir vergessen wollten . C: Oh man ! Hast du eigentlich mal was von E. oder J. gehört ?? V: Nein ich glaub mal sie haben es nicht geschafft . C: Wieso glaubst du das deine Brüder haben es doch auch geschafft und wir auch ?! V: Ja aber wir haben es auch nur geschafft weil meine Brüder uns in letzter Sekunde gerettet haben und E. und J. haben sie doch nicht mehr in den Trümmern gefunden. C: Oh man hast schon recht . Hat sich B. eigentlich bei dir gemeldet weil ich hab vorhin dein Handy gehört ? V: Ne er hat doch noch nicht mal meine Handynummer O.o C: Achso na ja ey lass ihn aber bitte nicht so schnell rann weil er ist Sexsüchtig und das hat schon was zu heißen . (an dieser Stelle habe ich das erste mal hysterisch aufgeschrien)
Hier stellt sich natürlich die Frage: wer sind E. und J.? Was haben sie nicht geschafft? Was ist damals in Loitsche passiert? Man erfährt es nicht. Noch nicht. Denn zuerst einmal wird V. von B. angerufen. Woher der ihre Nummer hat, weiß man nicht, aber er hat so seine Kontakte, wird im Text angedeutet. Womöglich schlug sein Kumpel A. mal eine Runde im Telefonbuch nach. In jedem Fall verabreden sich beide zum Essen und irgendwie vermittelt sich einem ein dezent rassistischer Grundtenor seitens der Autorin. B: Wir können zum Italiener ?? V: Iiiih zu solch Schmalzlocken .? B: Chinesen ?? V: Hundefressern ?? B: Griechen ?? V: Okay is abgemacht ich komm morgen um 18uhr zum Proberaum und dann gehen wir zusammen zum Griechen und fressen uns fett okay ?
Obwohl man sich romantisch zum "Fett Fressen" verabredet hat, ist sich V. nicht ganz sicher, was sie von der gesamten Situation zu halten hat: "Oh man er ist schon süß aber ich weiß nicht das geht alles ein wenig schnell und außerdem kenn ich ihn erst seit heute und na ja er weiß noch nicht mal was von meiner Vergangenheit . Ich glaub wenn er das wüsste dann wird er mich hassen und na ja ich glaub ich will ihn nicht verlieren ." Ich finde es im Übrigen stilistisch wahnsinnig geschickt, wie sich der Vergangenheits-Nebenerzählstrang entwickelt. Man erfährt Stück für Stück mehr und eigentlich doch nichts.
Beim Griechen, sie isst Gyros ohne Knoblauch (man weiß ja nie, was noch so passiert. höhö), er Pommes mit Majo, will B. dann mehr aus dem Leben seiner Angebeteten erfahren. Die spinnt sich daraufhin eine extrem clevere und absolut authentisch klingende Geschichte zusammen. Politisch korrekt würde ich das aber nicht unbedingt nennen. V. hat mit ihrer Freundin C. zusammen Migranten in einem Wohnheim betreut und ist ihnen bei diversen Dingen im Alltag zur Hand gegangen.
"Und warum bist du jetzt in Berlin und nicht in dem kleinen Dorf?", fragte B. ganz ernst. "Äääähm wwwwweil ......... ist egal, ist nicht so wichtig." stotterte ich. "Ne komm sag, ich werde es auch für mich behalten, versprochen.", grinste er. "Okay also, ich und die anderen wurden wegen den Ausländern Drogenabhängig (ungläubiges, atemloses Keuchen meinerseits, gefolgt von einem schrillen Auflachen), sie haben halt hinter unserem Rücken Drogen verkauft und wir haben es mit gekriegt erst haben sie uns immer etwas ins Trinken gemacht aber dann wurden wir abhängig und wurden dann raus geschmissen, ich und C. sind halt nicht mehr abhängig aber ich weiß nicht was mit J. und E. ist . Wir haben sie schon lang nicht mehr gesehen."
Aha. Das Folgende möchte ich etwas zusammenraffen. Sie lieben sich, sie haben "im Proberaum" Geschlechtsverkehr miteinander ("Wir beide hatten glück das eine Couch da war. Wir haben mit einander geschlafen und es war das beste das mir je passiert ist."), alles ist wundervoll und Sie essen neckisch Weintrauben im Schlafzimmer von B.s Wohnung ("Deine Wohnung is viiiiiiiiel besser als meine , da sist die hübscheste die ich je gesehen hab."). Doch kurz darauf wird alles scheiße, wie es ja irgendwie immer ist, sonst wäre es keine dramatische Liebesgeschichte, und V. erwischt B. mit C. im Bett. Oh nein!
V: Oh mein Gott. Ich habs gewusst. Du bist so eine Mies schlampe. Ich glaub dir gehst nicht mehr gut was soll das ??-.- *schrei* C: Vivi das ist nicht soo wies aussieht wirklich. Glaub mir. V: Komm vergisses du notgeile B!tch. Schön wie er da liegt oda und soo schön nackt -.- Woar ich hass euch. B: Vivi , schaaatz bleib hier. Es tut mir leid . V: Komm halt dein maul. Du C. kannst ihn haben ich werde ausziehen und ihr zwei könnt weiter ficken. B: Das war ein einmaliges ding , ohne gefühle. C: Was ohne Gefühle aber du hats gesagt du liebst mich ?!. B: Ach scheiße.
Zu Recht enttäuscht rennt V. aus der Wohnung. Ziellos streift sie in der großen Stadt umher, als sie einen fremden Mann anrempelt. "Es war mein großer Bruder. Ich hab gedacht er ist gestorben. Weil er hatte doch ein schweren Auto unfall O.o" / hierbei bin ich mit dem Kopf auf der Tastatur aufgeschlagen und habe gefühlte fünf Minuten ununterbrochen gelacht. Es klang selbst in meinen eigenen Ohren etwas psychopathisch, aber ich konnte nicht aufhören. Ich schaffe es aber irgendwann und lese weiter. Die Geschichte mit ihrem Bruder klärt sich dann. Irgendwie sehr abstrus, aber gut, auf derartig überraschende Wendungen der Handlung muss man erstmal kommen:
"Hey kleine, sagmal kann das sein das du meine kleine Schwester bist , die ich seid 5 Jahren suche? Ey ich hab dich überalle gesucht. Mensch wo warst du süüße?" sagt er. "Wo ich war O.o hallo mama hat gesagt du bist tod. Sie hat gesagt du bist bei einem Autonfall ums Leben gekommen." sagte ich etwas sauer und genervt. "Ach du scheiße , nee du ich bin am leben. Ich bin damals gegen eine Straßenlampe gefahren und musste ein Jahr in eine bescheuerte Reaklinik.-.- Das war die hölle und mutti hat mich auch nie besucht. Und als ich aus der Rea entlassen wurde hat mama mir erzählt du willst nichts von mir wissen und ich soll verschwinden für immer aus deinem Leben." Es war irgendwie toll zu wissen noch ein großen Burder zu haben. Nachdem ich ja Eva udn Jule schon verloren hab (was noch nicht bekannt ist xD) ist es toll ein großen Bruder zu haben.
Es ist so rührend, ich habe Tränen in den Augen. Vor Lachen. Nach dem spektakulären Wiedersehen bricht V. aber zu Ch. auf, ein…. Mitarbeiter von B. Der wohnt laut V. recht weit außerhalb, was sie nur bedingt super findet. (Ich bin ganz ehrlich , ich find zum kotzen. In der innen Stadt zu wohnen ist doch besser als am ,,rannt") Der nimmt sie sofort rührend auf, denn die beiden haben sich irgendwann, der Teil der Handlung muss wohl an mir vorbeigegangen sein, kennen- und zumindest von seiner Seite aus auch Lieben gelernt. Nach dem sie stundenlang die Töpfe in der Designerwohnung von Ch. gesucht haben, um "Nudeln mit Tomatensoße" (denn mehr, wird augenzwinkernd verraten, bringt er nicht zustande) zu kochen, verbringen sie schließlich einen romantischen Abend vor dem Fernseher und so endet die Geschichte auch.
Ich liebe die Person, die das geschrieben hat.
P.S.: Ch. ist im wahren Leben übrigens Koch und lebt in Kreuzberg. So viel dazu.
Wir sind alle Neider Musik an sich ist ja weitestgehend Geschmackssache. Natürlich gibt es mehr oder minder objektive Bewertungskriterien, im Endeffekt bedeutet das am perfektesten vorgetragene Produkt jedoch noch lange nicht wirklich gute und in welcher Art auch immer berührende Lieder. Wo der persönliche Geschmack vorherrscht, sind Diskussionen immer schwierig, allerdings möchte ich diesbezüglich jetzt mal einen Punkt ansprechen, der mich schon seit längerem stört: das sogenannte "Neid"-Argument.
Stellen wir uns einfach mal folgende Situation vor: Person 1 streitet sich mit Person 2, denn Person 1 ist ein Fan von, sagen wir mal Massiv, Person zwei hingegen hört lieber Dendemann. Nur so als Beispiel.
Person 1: Ey, was los, du Hund??? Al Massiva ist eine Bewegung. Massiv ist der Beste!
Person 2: Seine Musik spricht mich einfach nicht an.
Person 1: Die Hater sollen sich alle mal ficken!
Person 2: Ich finde es halt nicht so super, wie er rappt!
Person 1: Ihr seid doch alle nur Neider!
Person 2: ICH MAG SEINE MUSIK NUR EINFACH NICHT!!!!
So. Hieran sieht man, dass keinerlei geschmacksspezifische Argumentation zugelassen wird. Massiv ist hierbei nur ein Beispiel, im allgemeinen fällt aber auf, dass der Vorwurf des "Neids" und des damit verbundenen "Hatens" vorallem im Bereich des "Gangster"- und "Straßen"-Raps aufkommt.
Aber mal ganz ehrlich: WARUM??? Worauf soll man als Musikhörer neidisch sein? Natürlich kann man es scheiße und nicht richtig finden, wenn jemand mit Dingen Geld verdient, die man als schlecht empfindet, aber ist man dann neidisch? Ist es nicht viel wahrscheinlicher und auch logischer, dass - wenn überhaupt - zwischen den Künstlern selbst Neid aufkommt? Wieso kann ich nicht einfach etwas rein aufgrund der Musik scheiße finden?
Ich möchte zu einer diesbezüglichen Diskussion anregen. JETZT!
Ein Tag bei rap.de Ich möchte jetzt einen Text schreiben für all Jene unter euch, die mit dem Gedanken spielen, sich für ein Praktikum in der rap.de-Redaktion zu bewerben. Man stellt sich das ja richtig super vor: rum sitzen, Kaffee trinken, bekannte und weniger bekannte Menschen treffen, zu wahnsinnig spannenden Veranstaltungen gehen, CDs vor allen anderen hören und dann auch noch für umsonst, und ab und an dann mal schnell was schreiben.
Manchmal ist es auch so, meistens läuft es aber eher wie folgt ab:
10:08 Uhr: Man stellt fest, dass man mal wieder die erste Person in der Redaktion ist.
10:13 Uhr: Nachdem man sämtliche E-Mails abgerufen hat und einem nichts anderes mehr einfällt, um die Zeit totzuschlagen, wird sich so langsam daran gemacht, durchschnitlich motiviert nach News zu suchen.
10:41 Uhr: Mittlerweile ist auch der Rest der Redaktion eingetroffen, nach ausgedehnter Recherche steht allerdings fest: es ist mal wieder nichts passiert. Wir brauchen aber News. Scheiße.
11:27 Uhr: Nach längerer, unterschwellig angespannter Stimmung erklärt sich schließlich jemand dazu bereit, für alle Kaffee zu holen. Die allgemeine Situation im Raum gestaltet sich daraufhin wesentlich gelöster.
11:52 Uhr: Nach kurzer Diskussion darüber, was am wenigsten uninteressant ist, werden die ersten News geschrieben und online gestellt. Nun kann man sich den wirklich wichtigen Dingen widmen: Pornos besorgen, die für ein bald stattfindendes Interview vonnöten sind. It’s a men’s world.
13:01 Uhr: Hunger. Man ist mittlerweile wieder etwas gereizt, denn: eine CD ist verschwunden. Dazu sollte man sagen, dass eigentlich jeden Tag irgendeine verschwindet, dann aber auch wieder auftaucht. Bei diesem speziellen Tonträger, der übrigens auch ausschließlich vom Chef in den Redaktionsräumen gesichtet wurde, gestaltet sich die Suche relativ kurz. Sie befindet sich im Rucksack des Chefredakteurs. Nachdem dieser rumschrie, dass es ja wohl nicht sein kann, dass die Sachen immer einfach verschwinden. Jetzt darf natürlich niemand mehr etwas sagen. Er muss sich konzentrieren.
13:16 Uhr: Gemeinschaftliches Abtippen irgendeines Interviews. So etwas macht übrigens absolut gar keinen Spaß. Gebt euch da keinen Illusionen hin. Zwischendrin darf man dann noch irgendwelche debilen Kommentare frei schalten, in denen man mal mehr, mal weniger (hängt auch stark vom jeweiligen Redakteur ab) gehasst wird.
15:32 Uhr: Starke Schmerzen in den Händen, des Weiteren sieht man sich gezwungen, auf den ein oder anderen Userkommentar persönlich zu antworten. Zwischenzeitlich müssen auch die Bilder für das Interview bearbeitet werden. Hierbei bitte beachten: NIEMALS, wirklich NIEMALS die Stapelverarbeitungsfunktion bei Photoshop verwenden. Es geht damit definitiv nicht schneller und man wird auch nicht glücklich damit. Man munkelt, der ein oder andere hätte schon mal bis 21 Uhr ausgeharrt, weil das alles nicht so funktioniert hat.
16:39 Uhr: Der Chefredakteur kündigt an, heute früher gehen zu müssen, da er einen wahnsinnig wichtigen Termin um 17:30 Uhr am anderen Ende der Stadt hat.
17:34 Uhr: Der Chefredakteur bricht zum wahnsinnig wichtigen Termin am anderen Ende der Stadt auf. Kaum verlässt er das Gebäude, rufen geschätzte fünfzig Menschen an, die ihn sprechen möchten. Sekretärinnen-Skills sind hierbei absolut notwendig.
18:08 Uhr: Das Interview ist fertig abgetippt, die Bilder fertig bearbeitet, dementsprechend müsste man das Ganze nur noch schnell ins Content Management System einfügen und online stellen. Geht schnell und eigentlich hat man ja auch schon seit acht Minuten Feierabend.
18:30 Uhr: Das System spinnt. Man schreit. Man schlägt auf die Tastatur. Man möchte einfach gehen.
18:38 Uhr: Das Interview ist endlich im Redaktionssystem und online. Stunden später wird einen der Chef anrufen und sagen, dass er die Fotos nicht gut findet und er sie noch mal neu bearbeitet. Aber in diesem Moment ist es egal. Man geht. Man ist müde. Es regnet. Zu Hause gibt man sich in einem Zustand geistiger wie körperlicher Zerstörtheit dem Alkohol hin.
Trotz allem: wahnsinnig super, ich liebe es hier. Ich liebe meine Mitpraktikanten und nicht zuletzt auch unseren wahnsinnig superen Chef. Natürlich. Und ich liebe euch auch, liebe rap.de User. Zumindest manchmal.