Rapde-Redaktion - “Hoes, Flows und Meinungen” Journalistisch wertvolle Beiträge von den fabelhaften Menschen der rap.de-Redaktion.
15.12.2008
Rap gegen Sprache
Man hat ja als Angehöriger respektive Sympathisant der Hip Hop Kultur immer so ein bisschen das Problem, dass man mit wahnsinnig vielen Vorurteilen zu kämpfen hat und sich eigentlich auch permanent für alles rechtfertigen muss. Warum das eigentlich so ist, weiß ich nicht, allerdings könnte es unter anderem daran liegen, dass selbst in seriös anmutenden Medien Hip Hop mit Dummheit gleich gesetzt wird. Es ist wirklich so. Folgendes Beispiel:
Die Webpräsenz der Zeitung "Die Welt" hat einen Artikel darüber veröffentlicht, dass es nun ein Gesetz zum Schutz der neuen Sprache geben soll und dazu passend eine Ausstellung in Bonn mit dem Titel "Man Spricht Deutsch". An sich eine super Sache, auch ich bin für die Stärkung und Erhaltung der deutschen Sprache losgelöst von behinderten Anglizismen und Verballhornungen. Sehr, sehr fragwürdig und definitiv grenzwertig finde ich allerdings diese einleitenden Sätze: "Soeben hat die CDU beschlossen, ein Bekenntnis zur deutschen Sprache ins Grundgesetz aufzunehmen. Als könnte das den sexistischen Rapper beeindrucken, dem nur Reime auf "Motherfucker" einfallen."
DER sexistische Rapper, welcher sprachlich selbstredend limitiert und dumm, sowie massiv und wissentlich am Abbau der deutschen Sprache beteiligt ist, stellt sich also per se gegen derartige Aktionen. Womöglich, weil Rap ja auch eine Kunstform ist, welche ü-ber-haupt-nicht auf die Vielfalt und Schönheit der Sprache angewiesen ist. Rap besteht des Weiteren ausschließlich aus Beleidigungen, Diskriminierungen und Vergewaltigungsfantasien, wie wir alle wissen. Ich möchte brechen. Außerdem möchte ich, dass sich ein Vertreter aus den Hip Hop Reihen dazu berufen fühlt, einen Track aufzunehmen, in dem er tatsächlich alles nur auf das Wort "Motherfucker" reimt, bei einer Titellänge von drei Minuten kann das nämlich durchaus zu anspruchsvollen Wortspielen führen.
Die Frage, warum man in der Bonner Sprach-Ausstellung übrigens nicht auch zeigt, was der Sprech(!)-Gesang mit dem gesprochenen Wort machen und welchen Einfluss ebendieser sowohl im positiven als auch negativen Sinne für das Deutsche haben kann, bleibt offen.
Schwiegertochter Gesucht Ich bin eine intelligente und vielseitig interessierte Frau, allerdings brauche auch ich zwischen Spiegel und Arte-Spielfilm ein bisschen Trash in meinem Leben. Und weil mein Lieblingssender RTL so etwas in Hülle und Fülle liefert, lande ich allwöchendlich vor Sendungen wie "Bauer Sucht Frau" (die aktuelle Staffel ist leider auch schon wieder zu Ende) und "Schwiegertochter Gesucht". Bei letzterem Format werden aktuell wieder junge bis weniger junge und attraktive bis weniger attraktive Menschen gecastet, die sich dann vor laufender Kamera gegenseitig niederküssen und nach zwei Wochen ewige Treue schwören. Das finde ich schön und weil ich auch ein bisschen romantisch veranlagt bin, sollte es so etwas viel öfter geben.
In jedem Fall kann man sich auf rtl.de die Kandidaten der kommenden Staffel angucken und sich vielleicht sogar gleich verlieben. Direkt der Erste ist schon mal nicht komplett abstoßend. Als "Sebastian, der attraktive Fitnessfan" wird er vorgestellt und genau das wird von nun an sein Name sein. Bei derartigen Formaten gibt es nämlich nicht einfach nur Eigennamen, nein, mindestens ein beschreibendes Fürwort muss dabei sein. Zum Beispiel "Fridolin, der fröhliche Frührentner" oder "Karsten, der kratzbürstige Klempner". Zur Musik von Coldplay schlendert "Sebastian, der attraktive Fitnessfan" an einem See entlang und schaut nachdenklich. Kein Wunder, sucht er doch die Frau fürs Leben, die einzige und wahre Liebe, und wo will man die suchen, wenn nicht bei RTL im Abendprogramm? Spätestens als er halbnackt in den hauseigenen Pool springt und man sein großflächiges und dezent geschmacklos anmutendes Rücken-Tattoo zu sehen bekommt, bin ich allerdings etwas abgeturnt und harre der Dinge, die da noch kommen.
"Frank, der romantische Koch" beeindruckt durch ausgefeilte Küchenskills und ja, ihm gegenüber wäre ich nicht abgeneigt, würde er nicht an eine geisteskranke aber sympathische Kartoffel erinnern. Der nächste Kandidat hingegen sieht beinahe aus wie ein normaler Mensch und versucht mit der Show die während den einsamen Sonntagsspaziergängen vorherrschende Leere zu füllen. Auch er wohnt nach einer gescheiterten Beziehung wieder zu Hause bei den Eltern und irgendwie ist das bei einem Mittdreißiger etwas traurig. Andererseits: wo sonst soll man hin, wenn es einem dreckig geht? Wer anderes als die Familie stellt denn die letzte Zuflucht, die letzte Bastion in dieser emotional kalten und Wirtschaftskrisen-gebeutelten Welt dar? Eben.
Mit dem Konstruktiosmechaniker Holger ist dann endlich einer der Freaks am Start, die IMMER in einer derartigen Sendung vorkommen müssen. 41 Jahre alt, noch nie eine Freundin gehabt, dafür zwei Hasen, und in der oberen Etage des elterlichen Hauses wohnhaft. Ihm ist es egal, wie die Frau aussieht, er möchte lediglich eine mit einem schönen Lächeln. Das ist wahnsinnig süß und man wünscht sich mehr solche Männer. Nur sollten die eben nicht Line-Dance im Cowboy-Outfit machen. Bitte.
Gefühlte fünfzig Kandidaten weiter sieht man dann Hulk Hogan, nein, den "aktiven Hundebesitzer Christian" an einem Fluss entlang laufen und schon jetzt freut man sich darauf herauszufinden, wie diese riesige Masse solariumgebräuntes Muskelgewebe am heimischen Küchentisch sitzt und sich von seiner Mutter erzählen lässt, was er zu tun und zu lassen hat. Er selbst bezeichnet sich mit sonorer Stimme als "Papa Bär" und ja, direkt hat man die Vision einer kleinen huschigen Frau, die ihm hinterher putzt. Wirklich der Knaller ist aber die Mutter des Herren, der im Anschluss gezeigt wird. "Ich fände es sehr schön, wenn die neue Frau seine Hobbies teilt. Unser Sohn isst sehr gerne und sie sollte mit ihm ins Kino und in den Zoo gehen." Hierbei sollte vielleicht angemerkt werden, dass das angesprochene Kind runde 44 Jahre alt und bereits vollständig ergraut ist. Trotzdem nimmt er womöglich gerne noch einen Lolly und Zuckerwatte. Aber danach das Zähneputzen nicht vergessen!
Mehr möchte ich an dieser Stelle eigentlich auch gar nicht verraten, der geneigte Leser darf sich aber auf weitere wundervolle Charaktere wie "Sven, den genießerischen Baggerfahrer" oder "Bernd, den lustigen Schlagerfan", der auch gerne mal als DJ Bernie auflegt, freuen. Das gut fünfzigminütige Video kann man hier kostenlos angucken. Ich freue mich auf die neue Staffel von "Schwiegertochter Gesucht" und irgendwann werde ich da definitiv mitmachen. Das wird super.
lisa
P.S.: Warum wird in diesen Shows eigentlich in JEDER, aber auch wirklich JEDER Situation Sekt getrunken? Nicht dass mich das stört, aber die genauen Beweggründe interessieren mich dann doch.
Als rap.de-Neuling ist man wirklich überrascht, wie zuckersüß das Leben als Redakteur einer HipHop-Webseite sein kann, gerade wenn man aus dem harten Fernsehnachrichten-Business kommt. Natürlich wird auch hier hart gehustlet, nur fühlt es sich eben nicht wie harte Arbeit an, während man sie ausübt, vor allem wenn man bei MTV-TRL ist, um sich die ganze Schose mal hinter den Kulissen anzusehen. Dabei sah es zunächst so aus, als wird aus diesem Termin gar nichts mehr. Denn der versprochene Rückruf, der den Besuch bei MTV besiegeln sollte, kam erst wenige Stunden vor Beginn der Aufzeichnung. Letztere fand übrigens wegen der üblichen Gründe (der Showgast hatte den Flieger verpasst) viel zu spät statt, sodass das Publikum, in der Regel bestehend aus Schulklassen und so, sich mittlerweile entnervt verpisst hatte. Das Studio war also, abgesehen von der Moderatorin und dem Studiogast - dem einzigartigem Flava Flav - komplett leer und aus dem Standart-TRL wurde kurzerhand ein TRL Special. Man muss eben flexibel sein im deutschen Musikfernsehen.
Irgendwann in den frühen Abendstunden betreten die Prinzessin und der Hofnarr von rap.de das MTV-Gebäude und werden nach kurzem sinnlosen Rumstehen im Empfangsbereich von der netten Nathalie (oder so) empfangen. Eine wirklich nette, junge Frau mit blonden Haaren und G-Star Hose. Sie gibt sich Mühe, uns zu umsorgen, unterhält sich mit uns über Dieses und Jenes und bringt uns Wasser. In unserer Sitzecke haben wir den perfekten Blick über den riesigen Raum, in dem wir uns befinden. Direkt vor uns scheint wohl so etwas wie die Kantine zu sein, in der sich alle Mitarbeiter versammelt haben und der Dinge harren, die da kommen. Ein schönes Bild, welches auch festgehalten wurde, aber das, wie mir gerade mitgeteilt wird, unscharf geworden ist. Hier muss man anmerken, dass MTV-Mitarbeiter im Übrigen genau so sind, wie man es sich immer vorstellt. Soll heißen: junge Leute, größtenteils irgendwie so Mitte 20 mit ausgefallenen Neo-Hippie-Klamotten, die alle irgendwas darstellen wollen, aber bestimmt nicht drauf antworten könnten, wenn man sie fragen würde, was. Natascha stellt uns bei der Ankunft und während der anschließenden langen Wartezeit ein paar wahrscheinlich wichtige, vielleicht auch total unwichtige Leute vor, deren Namen man nach fünf Minuten wieder vergessen hat, abgesehen natürlich von der bezaubernden Moderatorin Hadnet. Sie trägt einen goldenen (!) Rock, ist ein bisschen sehr schlank, aber noch nicht so eklig schlank wie Collien und natürlich auch nett, sagt uns aber wahrscheinlich auch nur Hallo, weil sie es soll. Irgendwann wird das Warten nervig und Flava kommt und kommt nicht, die MTV-Leute regen sich hier und da mal auf und Nikki läuft immer mal weg um mit einem ihrer zwei Handys zu telefonieren, während ich das Fotografieren mit unserer unglaublich professionellen Kamera für mich entdecke und zahlreiche sinnlose Bilder mache. Auch meine geschätzte Kollegin wird nun zunehmend ungeduldig, bis es irgendwann so gegen acht endlich losgehen kann.
Hastig stürmen alle in das Studio und auch wir huschen hinterher, die Prinzessin schon fauchend "Hier schon Fotos machen!!" Im Studio selbst sieht alles erst mal relativ unspektakulär aus, eben etwas kleiner als im Fernsehen, was viele sicher eh schon wissen. Außerdem befindet sich im selben Raum noch das Viva-Live Studio, auf dessen Requisiten wir unseren Scheiß ablegen, bevor es endlich losgehen kann. Flava betritt kurz nach uns den Raum und während er spricht, herrscht erst mal eine Art Totenstille im restlichen Raum. Er beginnt natürlich mit den üblichen Phrasen wie "Eyy Wassupp", fragte jeden, der ihm die Jacke abnimmt, irgendwas erklären oder ihn verkabeln will freundlich "How you doin’ my man, everything alright?",was ihn natürlich unglaublich sympathisch macht. Außerdem versteht er sich auch direkt mit der Moderatorin, was wohl unter anderem darauf zurückzuführen ist, dass er sie außerordentlich heiß findet, was wiederum auch durchaus nachvollziehbar ist. Natürlich ist er auch behangen mit jeder Menge Ketten und der obligatorischen Uhr (dieses Mal ein eher schlichtes Modell) und einer riesigen Lederjacke mit Fellkragen, die ein glücklicher Praktikant die ganze Zeit halten darf.
Die Aufnahme der Sendung selber verlief relativ unspektakulär. Flava setzte die ganze Zeit sein komisches Grinsen auf und gab sich Mühe, so oft wie möglich "Yeeeaaaah Booooy" und so was in die Kamera zu schreien. Hadnet versuchte sich nach jeder Werbepause im "Flaaavaa Flaaaaaaav"-Rufen und machte das natürlich nicht so gut wie der Meister selbst, auch wenn er diese "Performances" mit einem "I like the way she do that" belohnte. Außerdem betonte er nochmals, wie "hot" er Brigitte Nielsen auch noch nach ihrer Schönheits-OP findet, was ich wiederrum überhaupt nicht nachvollziehen konnte und so ein mittelschwerer Streit mit der werten Kollegin ausbrach, der sich bis zum heutigen Tag zog.
Irgendwann war diese ganze Flava-Flav-Hommage-Show dann auch vorbei und wer sich für die Inhalte von ebendieser interessiert, sollte einfach am Samstag 15 Uhr MTV gucken, da soll das alles ausgestrahlt werden. (Jetzt habe ich auch Nikitas Wunsch nach dem Programmhinweis erfüllt). Bevor sich Flava Flav nach dem Ende der Aufzeichnung dann zu seinem anschließenden Auftritt aufmachte, mussten natürlich noch ein paar Leute mit ihm Bilder machen, unter anderem Hadnets Bruder, dem "biggest PE-fan in the universe". Jedoch hatte Flava keinen Bock auf zu paparazzimäßige Fotos, für die er sich nicht in Szene gesetzt hatte, was mir Nicola (so heißt sie, glaube ich, wirklich) freundlicherweise noch einmal übersetzte. Foofy zog sich dann seine schwere Jacke über, lud obligatorisch alle zu seiner Show im Anschluss ein und verschwand dann aus dem Gebäude. Die MTV-Leute freuten sich dann wahrscheinlich einfach nur, endlich Feierabend zu haben. Hatte ich dann übrigens auch. Lisa nicht. Die "musste" sich dann noch aufs PE-Konzert quälen, für welches es nicht genügend Gästelistenplätze gab, weshalb ICH euch leider nichts davon berichten kann. Aber das hat Prinzesschen bestimmt schon getan. Unter mir. Wo sonst?