Rapde-Redaktion - “Hoes, Flows und Meinungen” Journalistisch wertvolle Beiträge von den fabelhaften Menschen der rap.de-Redaktion.
30.04.2009
Blutiger neuer Eminem-Trailer
Düstere, verwackelte Bilder, The Ring meets Freddy Krueger Sounds und hektisches Atmen. Nein, hierbei handelt es sich nicht um eine weitere Fortsetzung des Films "Blairwitch Project", sondern um den Trailer zum kommenden Eminem Video "3 A.M." Worum auch immer es in diesem Song geht, es scheint ordentlich Blut zu fließen und nicht unbedingt mit Gewalt gegeizt zu werden. In jedem Fall ein krasser Gegensatz zur ersten Single "We Made You", aber seht selbst.
"Bei euch in der Blogsektion passiert ja aktuell nicht so viel, ne?" sagt I., ein Quasi-Arbeitskollege und diese Worte lasten schwer im Raum. Ein bisschen so wie eine Jacke, die an den Schultern zu eng ist, ansonsten aber ganz ausgezeichnet passt und wenn man Dinge aufheben will und sich nach vorne beugt, dann spannt sie aber irgendwie und… Nein, Entschuldigung. Das war kein gutes sprachliches Bild. Sagen wir einfach, diese Worte waren eine nur bedingt subtile Aufforderung, endlich mal wieder einen Blogeintrag zu verfassen und weil ich die Zwischen-den-Zeilen-Leserin Numero Uno bin, sitze ich jetzt eben hier und tippe, was mir gerade so in den Sinn kommt. Worüber könnte man schreiben? Natürlich ist viel passiert in letzter Zeit, sei es nun die Schlägerei beim zehnminütigen Selfmade-Konzert in Berlin oder die Tatsache, dass eins der wichtigsten, wenn nicht DAS wichtigste Label unserer Hauptstadt Royalbunker und Optik in den musikalischen Ruhestand folgt. Im Endeffekt wurde dazu aber auch schon alles gesagt, was nur irgendwie gesagt werden konnte und deshalb lege ich persönlich keinen allzu großen Wert darauf, das alles noch einmal aufzuwärmen.
Was haben wir noch so? "Jung, Brutal, Gutaussehend", das Kollabo-Projekt von den beiden selbsternannten Königen Westdeutschlands, Farid Bang und Kollegah, erscheint im Juni, was für Hip Hop-Musikjournalisten wahrscheinlich bedeutend weniger überraschend kam als für den Rest der Hörerschaft, da so etwas im Allgemeinen schon immer relativ früh durchsickert. Man darf gespannt sein, was für abstruse bis geniale Vergleiche uns hierbei erwarten, ich rechne mindestens mit Sachen wie "Und das wollte ich nur mal so ungefragt in den Raum stellen, wie auf Teller angerichtete Backwaren beim Besuch einer alten Frau". Snuffpro hat auch beschlossen, sich dem epidemieartigen Label-Sterben anzuschließen, Bushido chillt auf den Malediven und macht sich über News auf rap.de Gedanken und… Ist sonst noch was passiert? Man verliert so schnell den Überblick. Man sitzt den ganzen Tag nur in seinem Büro zwischen Rap-CDs, hört Rap-Musik, trifft sich mit Rap-Leuten und liest Dinge, die im Rapzirkus so passiert sind. Irgendwann verkümmern alle anderen Sachen, die das Leben vor einem Job im Musikbusiness bestimmt haben und dein Gehirn verwandelt sich in einen Tisch, auf dem sich Turntables, Sprühdosen, Adidas Superstars und ein eingerahmtes Bild von Torch befinden.
Richtig krass muss es bei diesen hobbymäßigen Bloggern sein, bei denen man oftmals das Gefühl hat, dass sie alle zehn Minuten die Worte "Rap", "Rapper", "Verhaftung", "Diss", "Drogen" und "Hip Hop" bei Google eingeben, um wirklich IMMER auf dem aktuellen Stand zu sein. Respekt an dieser Stelle dafür. Manchmal ist man allerdings auch etwas abgeturnt von dem ganzen Scheiß. Besonders dann, wenn man über die Feiertage mal wieder seine Familie besucht und gefragt wird, wie es denn beruflich so läuft und was man in letzter Zeit eigentlich gemacht hat. Wenn man dann zugeben muss, sich schon zu freuen, wenn man einfach mal ein Konzert besuchen konnte, OHNE dass irgendein kindischer Mist dazwischen gekommen ist, dann ist das meines Erachtens ziemlich traurig. Insbesondere für eine Kultur, deren Maxime es war, die Gewalt auf den Straßen dadurch zu verringern, dass sämtliche Aggressions-Faktoren und Probleme in Texte verpackt und per Rap-Battle ausgetragen wurden.
Jetzt habe ich meine Meinung dazu doch abgegeben… Ach verdammt.
Gestern bei der Newssuche habe ich folgende Ankündigung für die Akte09-Reihe auf Sat1 gefunden: "Mit seiner Autobiografie landete Gangster-Rapper Bushido voriges Jahr auf allen Bestsellerlisten. Nun hat sich ein Team von "Akte 09" aufgemacht, hinter die Kulissen des Buches zu schauen, besuchte ehemalige Weggefährten und seine Ex-Freundin. Bei den Dreharbeiten tauchte der Berliner Rapper plötzlich höchstpersönlich auf und bedrohte die Sat.1-Reporter (heute Abend in "Akte 09", 22.20 Uhr, Sat.1)" Da stellt sich zuerst natürlich die Frage, wen Bushido eigentlich noch nicht bedroht hat. Welcher der vielen Weggefährten des Platin-Rappers allerdings befragt wurde, ist einem von vornherein klar. Niemand anderes als Bass Sultan Hengzt kann die Rolle des ehemaligen Freundes, der zum erbitterten Feind wurde, einnehmen. Ich war in jedem Fall gespannt und wollte mir das auf gar keinen Fall entgehen lassen.
Zumindest was die vermeintliche "Ex-Freundin" betrifft, wurde ich allerdings zutiefst enttäuscht. Statt der im Buch ausgiebigst beschriebenen großen Liebe Jenny, wurde lediglich Fötus-Martina ausgegraben, die sich sowieso alle paar Monate ins Rampenlicht der Boulevard-Medien drängt und bei der man mittlerweile den Eindruck hat, dass die Geschichte um ihre Schwangerschaft samt Abtreibungsdrohungen des angeblichen Vaters Bushido das Beste ist, was ihr in ihrem Leben passieren konnte. Was genau damals zwischen ihr und dem Ersguterjunge-Chef abgelaufen ist, kann immer noch nicht so ganz zweifelsfrei festgestellt werden, zumindest erzählte die "Millionärstochter" nicht mehr ihre "Ich habe das Kind nach einer Operation verloren"-Geschichte, sondern sprach offen von einer Abtreibung, die aus massiven Drohungen des Berliners resultierte.
Wie auch immer. Das Sat1-Team befand sich offenkundig in aufklärerischer Mission und lief mit Kamera durch die Straßen Südberlins, verzweifelt auf der Suche nach IRGENDJEMANDEM, der eventuell etwas zum "Gangster-Rapper" sagen könnte. Hierbei wurde weder vor ängstlich aussehenden Chinarestaurant-Mitarbeitern, noch vor Menschen, die einfach nur ihr Haus verlassen und zur Arbeit gehen wollten, Halt gemacht. Tatsächlich und wenig überraschend durfte Hengzt dann auch noch mal kurz sagen, dass er schon lange vor Bushido Cordon-Jacken getragen hat und als ich mir das alles so angehört hatte, musste ich an die Worte meines ehemaligen Arbeitskollegen Thomas denken. "Oh Gott, was müssen die Leute glauben, was das hier für ein Kindergarten ist!"
Die Reportage näherte sich rasant ihrem Höhepunkt, als das Team sich tatsächlich irgendwann vor Bushidos Haus in Lichterfelde West befindet, wo sie nicht nur (Überraschung) ahnungslose Passanten befragen, sondern auch Nahaufnahmen des Grundstücks liefern, was das Opfer der Begierde, Herr Ferchichi selbst, natürlich alles andere als prickelnd findet und umgehend zur Tat schreitet. Mit energischem Schritt und arabischem Freund im Schlepptau nähert er sich den Reportern, spricht davon, ihnen, sollten sie Aufnahmen seiner Mutter gemacht haben, den Kopf abzuschneiden und bezeichnet die urplötzlich sehr, sehr stummen Fernsehmitarbeiter als Hurensöhne. Bei weitem grandioseste Aussage in der recht einseitigen Unterredung ist zweifellos die Folgende: "Bevor die Bullen kommen, hast du auf die Fresse bekommen. Ganz einfach. Und eine Anzeige wegen Körperverletzung kommt doch gut, oder? Image und so, meinst du nicht? Mehr als 600 Euro Schmerzensgeld kriegst du eh nicht."
"Beleidigen, Bedrohen, Beschimpfen / was Bushido gar nicht leiden kann ist, wenn man hinter seine Gangsterfassade blickt" sind die letzten Worte des Sat1-Sprechers aus dem Off. "Verfolgen, Ausspionieren, Unerlaubt Filmen / was Bushido gar nicht leiden kann ist, wenn derart in sein Privatleben eingegriffen wird" denke ich mir. Und wer will ihm da widersprechen?