Rapde-Redaktion - “Hoes, Flows und Meinungen” Journalistisch wertvolle Beiträge von den fabelhaften Menschen der rap.de-Redaktion.
24.02.2010
Jimi The Homie Blue
Jimi Blue ist nicht nur wahnsinnig erfolgreicher Teenie-Rapper und BRAVO-Günstling, sondern auch Schauspieler. Das sogar noch erfolgreicher, als sein Musiker-Dasein. Die Ochsenknechts sind nämlich abgesehen davon, dass sie alle sehr verrückte Namen tragen, eine echte Schauspielerfamilie. Was liegt also näher, die zwei großen Karrieren, HipHop und Schauspiel, zusammen zu bringen und einen Film über einen selbst als Rapper zu machen? Hat bei Eminem ja auch ganz ordentlich funktioniert.
Die nächsten Wochen dreht Jimi Blue Medienberichten zufolge in Frankfurt. "Homies" soll der Streifen heißen, der von einem reichen Jungen handelt, der einfach mal raus möchte. Raus aus dem behüteten Heim, raus aus dem goldenen Käfig. Endlich mal was erleben!
In der Pressemitteilung liest sich das wie folgt: "Marvin, der aus einer wohlhabenden Familie kommt, fühlt sich in seinem Leben missverstanden und ungeliebt. Er sehnt sich nach Anerkennung und Respekt. Er lernt Rap-Legende D.W. Court (Günther Kaufmann) kennen, der ihn zu genau den Leuten bringt, die er immer gesucht hat."
Jetzt ist natürlich die Frage: Was für Leute hat "Marvin" immer gesucht? Perspektivlose Drogenticker und Banger aus der Nordi, die ihren Frust in Musik verpacken? Und was noch viel wichtiger ist: Haben die auf "Marvin" gewartet, der nach allgemeiner Straßendefinition dann doch eher ein Opfer ist? Können sie ihm die Liebe geben, die er in seinem reichen Elternhaus so vermisst? Ich rate mal: Nein.
Wahrscheinlich gestaltet sich der Film allerdings, wie bereits von urbanen Ochsenknecht-Jugendproduktionen wie "Gangs" gewohnt, eher unrealistisch. Es gibt brennende Mülltonnen, Kampfhunde und jede Menge bedrohliche Blicke, die nach kurzer Zeit in respektvolles Zunicken umschwenken. Weil "Marvin" ganz ganz bestimmt ein krasses Raptalent ist und die ghettoansässige Picaldi Jugend mit seinem Lacoste-Hemd skills-technisch so richtig fickt. Und während der gesamten Laufzeit des Machwerks kommt von irgendwo her treibende, pumpende, düstere aber auch Hoffnung machende Musik. Wahrscheinlich von Jimi Blue selbst.
Ich möchte "Homies" unbedingt sehen. Leider kommt er erst 2011 ins Kino. Trauer.
In einer Beziehung zu leben, in der man sich gegenseitige Inspiration gibt, das ist doch was Schönes. Vor allem große Künstler neigen zu solchen inspirativen Beziehungen, Courtney Love zeigte ihrem Ehegatten die Wonnen eines kleinen, feinen Schüsschen zur Linderung seiner Magenkrämpfe, Yoko Ono zeigte ihrem John dass diese alberne Beat-Musik nun wirklich nicht das Wahre sei, im Gegensatz zu atonalen Klangcollagen und Auftritten in Jutesäcken und auch Jim Morrison und seine Pam waren begeistert vom gemeinsamen Drogenaustausch. Ganz so exzessiv läuft es dann bei Jay-Z und seiner Beyoncè Knowles nicht ab, trotzdem hilft der liebe Jigga auch aus so manchem kreativen Engpass seiner Ehefrau aus. So sagte er in einem Interview mit dem Sender BBC, dass eigentlich er die entscheidenen Moves zum "Put A Ring On It"-Tanz erfunden habe.
"I steal routines from her, she stole many things from me, you know, I see it on stage, the whole, her whole dance. [smiles] I started that. You probably don't know what that is. Yeah, I actually created that ['Put A Ring On It'] dance, it was me, again. I said you should [wave your hands] and she, you know, did it and I wouldn't really tell anybody this but you asked me so I don't want to make it seem like I'm making myself more important.”
Aber natürlich ist es auch mit Schattendasein behaftet, das Beziehungsleben eines Stars. Während sich unsereins am Valentinstag gegen 19:00, ermüdet vom Tagewerk mit Rosen und Boxershort beschenkt, sich gemeinsam die Zähne putzt und dann ermattet ins IKEA-Bett fällt, ist das Leben von Stars wie Jayonce schwieriger, einsamer.
"[On Valentine's Day], she was in Peru and I was in Denver on my way to UK, and it was like a, very romantic. Skype."
Nein, nein, nein, das kann es doch nicht sein. Außerdem haben wir uns gerade vorgestellt, dass es eigentlich geiler wäre, wenn Jay-Z nicht mehr auf so durchgestylten Konzerten auftreten würde, sondern einfach im Cassiopeia. Natürlich auch nicht so als Star, sondern eher so auf Augenhöhe. Jay-Z wäre dann der sympathische Typ, der lustige Geschichten erzählen kann, mit dem aber keiner Kiffen will, weil er immer zieht und nicht abgibt. Oder der nicht zieht, Sachen erzählt, die er im TV gesehen hat und trotzdem nicht abgibt, während alle nervös auf die Tüte starren, die abbrennt. Ab und zu würde Jay-Z dann so Dreadlockjungs nach einer Kippe fragen. Und um 1:02 kriegt er dann eine SMS, sagt grinsend; "Ey, tut mir leid, ich muss los. Die Alte nervt!". Und geht! Das wäre was!
Jay-Z ist ein großer Mann. Nicht nur, weil er musikalisch sehr viel Großartiges gemacht hat und ganz nebenbei auch noch unfassbar reich geworden ist. Nein, der Mann kann es sich auch einfach leisten, auf den aktuellen Haiti-Charity-Run zu scheißen und damit in Kauf zu nehmen, von der Öffentlichkeit geächtet zu werden.
Ursprünglich hieß es, dass der New Yorker neben Künstlern wie dem demnächst inhaftierten Lil Wayne und unserem Lieblings-Wahnsinnigen Kanye West zugunsten der Erdbebenopfer den Klassiker "We Are The World" neu aufnehmen sollte. Schlussendlich wurde der ursprünglich von Michael Jackson und Lionel Richie aufgenommene Track dann aber doch ohne Jiggas charakteristisches Organ realisiert. Jetzt könnte man sich natürlich über fehlende Hilfsbereitschaft und ein unterdurchschnittlich ausgeprägtes Verantwortungsbewusstsein gegenüber anderen beschweren. Der Grund, warum Jay-Z nicht Teil der Song-Neuinszenierung sein wollte, ist aber zumindest aus musikalischer Sicht ein durchaus nachvollziehbarer.
Gegenüber MTV verglich der Jiggaman "We Are The World" mit dem Jackson Track "Thriller" und gab zu, einfach nicht zu wollen, dass diese Songs in irgendeiner Art und Weise verändert werden. Dazu sei er einfach ein zu großer Fan der Musik. "I know everybody is gonna take this wrong: 'We Are the World,' I love it, and I understand the point and think it's great. But I think 'We Are the World' is like [Michael Jackson's] 'Thriller' to me. I don't ever wanna see it touched.”
Natürlich. Man sollte jede Möglichkeit nutzen, Gutes zu tun und seine eigenen überdurchschnittlichen Mittel mit der Welt zu teilen. Aber nehmen wir mal an, er hat Teile seines Multimillionen Dollar Vermögens an die Hilfsbedürftigen auf Haiti gespendet. Hat er dann nicht jedes Recht der Welt, nicht an der Neuauflage eines Songs mitzuwirken, den er im Original schon als perfekt empfindet? "Es gibt Dinge, die unantastbar sind" sagt er und da möchte man ihm einfach beistimmen.
Natürlich wünschen wir dem Hilfsprojekt für Haiti alles, alles Gute. Nichtsdestotrotz 5 Coolness-Punkte an Jay-Z für diesen etwas asozialen aber doch auch souveränen Move eines Musikliebhabers.
Wer übrigens wissen möchte, was richtig, richtig schlechte Coversongs sind / HIER: