Rapde-Redaktion - “Hoes, Flows und Meinungen” Journalistisch wertvolle Beiträge von den fabelhaften Menschen der rap.de-Redaktion.
22.02.2010
Jigga und der Hühnchen-Tanz
In einer Beziehung zu leben, in der man sich gegenseitige Inspiration gibt, das ist doch was Schönes. Vor allem große Künstler neigen zu solchen inspirativen Beziehungen, Courtney Love zeigte ihrem Ehegatten die Wonnen eines kleinen, feinen Schüsschen zur Linderung seiner Magenkrämpfe, Yoko Ono zeigte ihrem John dass diese alberne Beat-Musik nun wirklich nicht das Wahre sei, im Gegensatz zu atonalen Klangcollagen und Auftritten in Jutesäcken und auch Jim Morrison und seine Pam waren begeistert vom gemeinsamen Drogenaustausch. Ganz so exzessiv läuft es dann bei Jay-Z und seiner Beyoncè Knowles nicht ab, trotzdem hilft der liebe Jigga auch aus so manchem kreativen Engpass seiner Ehefrau aus. So sagte er in einem Interview mit dem Sender BBC, dass eigentlich er die entscheidenen Moves zum "Put A Ring On It"-Tanz erfunden habe.
"I steal routines from her, she stole many things from me, you know, I see it on stage, the whole, her whole dance. [smiles] I started that. You probably don't know what that is. Yeah, I actually created that ['Put A Ring On It'] dance, it was me, again. I said you should [wave your hands] and she, you know, did it and I wouldn't really tell anybody this but you asked me so I don't want to make it seem like I'm making myself more important.”
Aber natürlich ist es auch mit Schattendasein behaftet, das Beziehungsleben eines Stars. Während sich unsereins am Valentinstag gegen 19:00, ermüdet vom Tagewerk mit Rosen und Boxershort beschenkt, sich gemeinsam die Zähne putzt und dann ermattet ins IKEA-Bett fällt, ist das Leben von Stars wie Jayonce schwieriger, einsamer.
"[On Valentine's Day], she was in Peru and I was in Denver on my way to UK, and it was like a, very romantic. Skype."
Nein, nein, nein, das kann es doch nicht sein. Außerdem haben wir uns gerade vorgestellt, dass es eigentlich geiler wäre, wenn Jay-Z nicht mehr auf so durchgestylten Konzerten auftreten würde, sondern einfach im Cassiopeia. Natürlich auch nicht so als Star, sondern eher so auf Augenhöhe. Jay-Z wäre dann der sympathische Typ, der lustige Geschichten erzählen kann, mit dem aber keiner Kiffen will, weil er immer zieht und nicht abgibt. Oder der nicht zieht, Sachen erzählt, die er im TV gesehen hat und trotzdem nicht abgibt, während alle nervös auf die Tüte starren, die abbrennt. Ab und zu würde Jay-Z dann so Dreadlockjungs nach einer Kippe fragen. Und um 1:02 kriegt er dann eine SMS, sagt grinsend; "Ey, tut mir leid, ich muss los. Die Alte nervt!". Und geht! Das wäre was!
Jay-Z ist ein großer Mann. Nicht nur, weil er musikalisch sehr viel Großartiges gemacht hat und ganz nebenbei auch noch unfassbar reich geworden ist. Nein, der Mann kann es sich auch einfach leisten, auf den aktuellen Haiti-Charity-Run zu scheißen und damit in Kauf zu nehmen, von der Öffentlichkeit geächtet zu werden.
Ursprünglich hieß es, dass der New Yorker neben Künstlern wie dem demnächst inhaftierten Lil Wayne und unserem Lieblings-Wahnsinnigen Kanye West zugunsten der Erdbebenopfer den Klassiker "We Are The World" neu aufnehmen sollte. Schlussendlich wurde der ursprünglich von Michael Jackson und Lionel Richie aufgenommene Track dann aber doch ohne Jiggas charakteristisches Organ realisiert. Jetzt könnte man sich natürlich über fehlende Hilfsbereitschaft und ein unterdurchschnittlich ausgeprägtes Verantwortungsbewusstsein gegenüber anderen beschweren. Der Grund, warum Jay-Z nicht Teil der Song-Neuinszenierung sein wollte, ist aber zumindest aus musikalischer Sicht ein durchaus nachvollziehbarer.
Gegenüber MTV verglich der Jiggaman "We Are The World" mit dem Jackson Track "Thriller" und gab zu, einfach nicht zu wollen, dass diese Songs in irgendeiner Art und Weise verändert werden. Dazu sei er einfach ein zu großer Fan der Musik. "I know everybody is gonna take this wrong: 'We Are the World,' I love it, and I understand the point and think it's great. But I think 'We Are the World' is like [Michael Jackson's] 'Thriller' to me. I don't ever wanna see it touched.”
Natürlich. Man sollte jede Möglichkeit nutzen, Gutes zu tun und seine eigenen überdurchschnittlichen Mittel mit der Welt zu teilen. Aber nehmen wir mal an, er hat Teile seines Multimillionen Dollar Vermögens an die Hilfsbedürftigen auf Haiti gespendet. Hat er dann nicht jedes Recht der Welt, nicht an der Neuauflage eines Songs mitzuwirken, den er im Original schon als perfekt empfindet? "Es gibt Dinge, die unantastbar sind" sagt er und da möchte man ihm einfach beistimmen.
Natürlich wünschen wir dem Hilfsprojekt für Haiti alles, alles Gute. Nichtsdestotrotz 5 Coolness-Punkte an Jay-Z für diesen etwas asozialen aber doch auch souveränen Move eines Musikliebhabers.
Wer übrigens wissen möchte, was richtig, richtig schlechte Coversongs sind / HIER:
Gestern war der Herr Bushido, wie er nach eigener Aussage selbst von einigen Geschäftspartnern genannt wird, zu Fr. Maischberger in die ARD geladen. Thema der Sendung: "Verzweifelte Eltern: 'Halt's Maul, Alter!". Ursprünglich sollte der Herr, der diesmal nicht etwa im Anzug, sondern im Jogginganzug erschien und einen etwas genervten Eindruck machte (warum wird sich später noch zeigen), in der Diskussionsrunde wahrscheinlich als quasi Insider und Sprachrohr die Sicht der Jugend auf die Eltern darlegen.
Durch den im Vorfeld von ihm ausgeteilten Seitenhieb in Richtung Alice Schwarzer und ihre darauf folgende Antwort (wir berichteten), ging die Diskussion aber zum Großteil in eine ganz andere Richtung. Bushido legte ja in einem kürzlichen Interview bereits dar, dass seine öffentliche Bloßstellung mittlerweile eine Trophäe für Moderatoren und andere Medien-Gesellen aus aller Herren Länder sei. Auch gestern war Jagdsaison.
Wir wissen ja, dass Bushido bei seiner Mutter keinen Spaß versteht, deshalb auch nicht zu Alice Schwarzer wollte, da er mutmaßte, sie würde ihn über das Thema zu provozieren versuchen. Machte sich für die Schwarzer Freundin Fr. Maischberger natürlich sehr gut, dass das gestrige Thema "Erziehung" war und diese kontroverse Szene in Bushidos Film auftaucht, in der ihm seine Mutter das Startkapital für seinen Drogenhandel gab. So war sie nicht müde die Diskussion ständig auf seine Mutter zu lenken und die Runde beispielsweise zu fragen, ob sie denn eine verantwortungslose Mutter sei.
Es nahm zu ihrem Unglück allerdings kein Mitglied der Runde so richtig an dieser öffentlichen Inquisition teil und auch Bushido ließ sich nicht provozieren, sondern blieb sachlich und gewohnt schlagfertig. Natürlich wurde auch zum wahrscheinlich unendlichsten Mal thematisiert, ob er denn die Jugend verrohen würde, ob seine Mutter wirklich seine Lieder gut finden würde usw., eigentlich drehte sich die Hälfte der Sendung nur um Bushido den Buhmann.
Da dieser jedoch solche Tendenzen sehr gut wahrnimmt, höchst angemessen reagiert, um keine Antwort verlegen ist und sich auch an anderen vermeintlich intellektuellen Gesprächsthemen sehr gut beteiligen kann, sah die etwas überhebliche Fr. Maischberger ganz schön alt aus und auch wenn er sich stets von der Szene distanziert, so kommt das sachliche, vernünftige Auftreten eines Rappers in der Öffentlichkeit dem angekratzten Image der Musikrichtung sehr zu Gute. Sehr gut.