Rapde-Redaktion - “Hoes, Flows und Meinungen” Journalistisch wertvolle Beiträge von den fabelhaften Menschen der rap.de-Redaktion.
14.05.2009
Versöhnung zwischen Taichi und Favorite
In diesen Zeiten, in denen die komplizierten Beefverstrickungen, die darüber entscheiden, wer mit wem und wieso unter gar keinen Umständen mit jemand anderem, selbst innerhalb der Szene verankerte Berichterstatter teilweise überfordern, ist es schön zu sehen, dass manche erbitterten Feinde sich auch wieder vertragen können. Einfach so, ohne großes Aufsehen. Ein bisschen wie zwei in helle Pastelltöne gekleidete Kinder, die von einer nahezu farblos aber trotzdem irgendwie warm und herzlich wirkenden Großmutter mit Hut freundlich aber bestimmt getrennt werden. Und am Schluss kriegt jeder einen Labradorwelpen. Gucken wir uns das folgende Bild an, dann handelt es sich bei den beiden Jungs um Taichi und Favorite, während Afro Hesse, der irgendwie doch nicht abgeschobene Rapper ohne Aufenthaltserlaubnis für Deutschland, in die Rolle der ältlichen Dame schlüpft / leider ohne Hut, dafür mit Sonnenbrille.
Foto: Roland Gonzalez
Was war passiert? Beide Akteure traten am vergangenen Samstag bei der Time2Bomb-Winchester Jam in Frankfurt auf und nach diversen Disstracks, in denen sich ordentlich gegenseitig diffamiert wurde, erwartete man eigentlich eine blutige Schlägerei inmitten der schwitzenden und tobenden Masse. Stattdessen aber tat Taichi seine Meinung zum Zwischenfall beim Berliner Selfmade-Konzert kund und kündigte an, sich wieder mit seinem ehemaligen Feind aus ebendiesem Lager versöhnen zu wollen. Lange Rede, kurzer Sinn: Genau das ist dann im Backstage-Bereich auch passiert und jetzt haben sie sich wieder lieb. Kaas übrigens auch, der während des Favorite Auftritts waldorfschulenmäßig seinen Namen tanzte.
Ist das schön? Das ist richtig schön. Wir freuen uns immens und verbleiben zum Abschluss mit einer der wohl ausgelutschtesten Floskeln zum Thema Hip Hop überhaupt: One Love!!
Wir befinden uns aktuell in der Phase des Jahres, in der alle strebsamen Gymnasiasten, die strahlende hochintellektuelle Zukunft unseres Landes, ihre Abiturprüfungen schreiben. Damit sie später auch Rapper werden dürfen. Wer hat das gesagt? Richtig, F.R. Wer schreibt gerade ebenfalls an seinem Abitur? Verrückt, auch F.R.! Das Schlimmste an Schulabschlüssen sind ja definitiv immer die funky Abschluss-Schöööörts mit crazy ausgeflippten Sprüchen, die vor Doppeldeutigkeit und rhetorischer Spitzfindigkeit geradezu strotzen. Und wer gibt jetzt unter einem Motto den ein oder anderen Auftritt, das quasi das Konzertreisen-gewordene Abi-T-Shirt darstellt? Leute, ihr werdet es nicht glauben, es ist F.R.!!!
Unter dem Titel "AbiTour 2009" (ein sehr geistreiches, geradezu wahnwitziges Wortspiel, wie ich finde) wird das junge Rap-Talent mit dem Redbull Tourbus durch die Lande ziehen und irgendwie kann man sich das Ganze gut auf Aufklebern an Golf II-Rückscheiben vorstellen. "AbiTour 2009 / Deutscher Rap will Abi machen, doch für die Nutte reichts zumeist nur zur Hauptschule." Am 12. Mai schreibt F.R. seine letzte Prüfung, wird uns in der offiziellen Presseerklärung mitgeteilt und direkt danach geht’s ab on se Road. Ganze sieben Tage. Vielleicht trinkt der Künstler bei all dem abgefallenen Druck und dem urplötzlich eintretenden Freiheitsgefühl auch ein bisschen Alkohol oder grölt mal kurz. Leise und verschämt. Ist ja ein ordentlicher Junge, der Fabian. Der weiß, was sich gehört.
Wer sich das Spektakel nicht entgehen lassen möchte, dem sei gesagt, dass die ersten drei Tourstops schon feststehen: 12.5. Braunschweig, 13.5. Chemnitz, 14.5. Wolfsburg und danach… Irgendwo anders hin. Informieren könnt ihr euch hier(bitte klicken).
Ich möchte nicht miesepetrig erscheinen, aber zum Schluss habe ich dann doch eine Frage. Was passiert eigentlich, wenn F.R. sein Abitur nicht schafft? "AbiTour 2010 / Jetzt aber wirklich"? Wir drücken die Daumen.