Rapde-Redaktion - “Hoes, Flows und Meinungen” Journalistisch wertvolle Beiträge von den fabelhaften Menschen der rap.de-Redaktion.
01.06.2009
Schwester S. auf Partnersuche
Schon vergangene Woche wollte ich einen etwas gehässigen Blog darüber schreiben, dass Sabrina Setlur jetzt den finalen Schritt zur öffentlichen Selbstvernichtung getan hat. Sie nimmt an einer ProSieben-Kuppelshow teil, deren Intention es ist, "Promi-Frauen" mit willigen und im Idealfall auch nicht komplett verwachsen aussehenden Männern zusammen zu bringen und sie somit von ihrem unfassbar leidvollen und düsteren Single-Alltag in der frisch renovierten Loft-Wohnung zu erlösen. All das wollte ich genussvoll ausschlachten und meine Finger schwebten bereits über der Tastatur, als ich mich plötzlich Zweifel befielen. Ist das nicht eigentlich eine wahnsinnig traurige Geschichte, geradezu ein Sinnbild für den bedeutungstechnischen Absturz einer Person, die früher keine Unbekannte in der deutschen Black Music (ein diskriminierender Ausdruck übrigens. Man denkt irgendwie immer an eklig eingeölte tanzende Menschen, die sich in braunem Zucker wälzen und ekstatisch ihre Körper zu lauer R’n’B-Mucke bewegen) Szene war?
Schwester S. Wir erinnern uns. Die Leiter, auf der Xavier Naidoo, den irgendwie jeder mag und der mir somit ein bisschen unheimlich ist, in Richtung Musikhimmel aka Kollaboration mit RZA emporstieg. Die erste Frau, die vergleichsweise harten Rap machte, und mit Unterstützung des mittlerweile vom Großteil der jüngeren Raphörer eher belächelten Moses Pelham auch kommerziell durchaus erfolgreich war. Nicht zu vergessen ihre Ausflüge in die Schlagzeilen hiesiger Boulevard-Blätter. Zum einen natürlich ihre Kurzzeit-Beziehung zu Tennis-Bobbele (meine Lieblingstextzeile in diesem Zusammenhang "Selbst meine Klitoris is'n Schmecker, bitte frag Boris Becker"), zum anderen ihre Affäre mit einer Zahnärztin, bei der irgendwie auch jede Menge Geld im Spiel war. Das kann ich euch jetzt leider nicht genau aufschlüsseln, weil ich ehrlich gesagt einfach zu faul bin, das an dieser Stelle nachzuprüfen. Ist eigentlich auch egal. Wer sich dazu berufen fühlt, das alles aufzudecken: Die Kommentarfunktion ist euer Freund.
In jedem Fall hatte die Frankfurterin durchaus ihre Hochzeiten (Hoch-Zeiten. Nicht Hochzeiten. Also, vielleicht hat sie zwischendrin mal geheiratet. Ich weiß es nicht. Wie auch immer.), sieht sich nun aber offenkundig dazu gezwungen, einen Lebensabschnittspartner kennen zu lernen. Ist ja auch nicht mehr blutjung die Gute, man bekommt Panik, im Alter allein zu sein / so weit ist das alles verständlich. Wie groß die Wahrscheinlichkeit allerdings ist, per Kuppelshow bei Prosieben die Liebe des Lebens zu finden, kann bezweifelt werden. Mit Sicherheit werde ich mir das Ganze angucken, darüber lachen und es peinlich finden, aber aktuell überwiegt ein Gefühl der tiefen Trauer. Eine Schweigeminute für unsere Schwester Sabrina, hoffen wir, dass die Verzweiflung uns nie so weit treibt.
K.I.Z. haben auf ihrer MySpace-Seite einen kleinen Vorgeschmack auf das dann auch bald mal erscheinende Album "Sexismus gegen Rechts" veröffentlicht. "Straight outta Kärnten" nähert sich vorsichtig das Schaffen des großen österreichischen Staatsmannes Jörg Haider an.
In der gefühlvollen Ballade verarbeiten die Kannibalen in Zivil die große Leere und den Schmerz, den der plötzliche Verlust des "Lebensmenschen" aus Kärnten in die Herzen der Berliner gerissen hat. Dem Mann, der sich dafür einsetzte, dass nicht jeder "Buschneger" Arzt werden kann, dem Mann, der sich gerne mit seinen vielen männlichen Freunden umgab, ihm wird ein musikalisches Denkmal der Extraklasse gesetzt. Wir wünschen euch viel Spaß beim Hören. Und nicht vergessen: Eastcoastrap kommt immer noch von der Ostküste. Und ihr wisst, was das heißt.
P.S.: Ein ehemals enger Vertrauter des Landeshauptmanns, HC Strache, ist selber als begnadeter MC aufgefallen. Mit treffsicheren Punchlines wettert er auf seinem genial produzierten Track " Der Strache-Rap" gegen die Feinde der Gesellschaft. Auch damit viel Freude!
Über Meinung und die, die keine haben Manchmal denke ich, dass ich ADS habe wegen all der Dinge, die ich so sehe und bemerke. Ja, vielleicht hätte man das früher mal einfach sensibel genannt oder so, aber heute denke ich ernsthaft ich habe ADS. Ich bemerke ungefähr 200.000 Dinge gleichzeitig, kriege Vibes ab von Metern Entfernung und all das innerhalb von Sekunden. Diese Tatsache macht es mir sehr schwer, mich lange auf eine Sache zu konzentrieren, aber genau diese Eigenschaft formt starke Meinungen in meinem Kopf.
Vielleicht habe ich diese auch, weil ich ständig nach dem Kern und der Wahrheit forschen muss, als sei eine neurotische Zwangshandlung, aber mein Lebensmotto ist, Wahrheit vor Wohlbefinden. Zurück zur Meinung. Also, wie gesagt, ich bilde immer Meinungen und teile diese auch gerne mit Menschen, damit diese widerlegt oder bestätigt werden können, oder um mein Hirn mit Produktivität zu füttern. Ich finde Meinungen sehr wichtig, denn Meinungen regen Diskussionen an, sie formen Persönlichkeiten und sie bringen Menschen näher oder treiben sie auseinander. Aber am allerwichtigsten ist, Meinungen helfen uns zu selektieren. Selektieren und kategorisieren. Kategorisierungen wiederum, helfen uns dabei eine gewisse Ordnung in unser Leben zu bringen, eine Ordnung die uns davor schützen soll, mehrmals die selben Fehler zu machen und die uns dabei unterstützt, Intelligenz zu entwickeln, uns besser kennenzulernen und unser Umfeld zu bestimmen.
Ich habe für mich entschieden, dass ich in meinem Umfeld gerne Menschen hätte, die keine Angst davor haben, ihre Meinung über mich frei zu äußern, sie gut begründen zu können und sie mir mitteilen, weil sie mich zu schätzen wissen. Alles in einem produktiven Rahmen. Was mich echt anwidert, sind Leute, die von jedem gemocht werden, die aber auch jeden mögen und lieb anlächeln, als gäbe es gleich eine Scheibe Billy-Wurst umsonst. Diese Menschen, die so nichtssagend sind, dass man nichts gegen sie haben kann, aber auch nichts an ihnen findet, dass man ausgeprägt und schätzenswert findet. Das sind Menschen, die mir fast krankhaft oberflächlich erscheinen, die man "nett" und "unkompliziert" nennt. Wenn ich was unkompliziertes will, dann hole ich mir einen Toaster oder eine Universal-Fernbedienung. Ich meine, was soll das heißen? Unkompliziert? Warum schreien Menschen nach Menschen, die alles für sich behalten? Die immer so wunderbar neutral bleiben, um sich in jeder Situation und an jeden Wichser anpassen zu können. Und es ist ja noch nicht mal so, dass sie keine Meinungen haben.. sie haben eine, aber sie sind so egoistisch und voll von sich selbst und Angst davor, von irgendwem vielleicht mal nicht gemocht zu werden, dass sie einfach für sich behalten.
In manchen Situationen ist das ja okay, aber in meinem Freundeskreis will ich solche Leute nicht haben, denn alles was diese Menschen machen, ist zuhören und dann versuchen auf den Zug aufzuspringen. Die Frage bei solchen Leuten ist, sagt man ihnen, was man von ihnen denkt? Eher nicht, oder? Solche Leute sind Sucker. Sie sind Mitläufer. Man vergisst sie auch schnell mal. Irgendwann trifft man sie und man siht an ihrer Kleidung schon, auf wessen Zug sie zuletzt aufgesprungen sind. Was ist mit solchen Leuten los? Ich habe ernsthaft Angst vor ihnen, denn man weiß nie, was eigentlich vorgeht in ihren Gehirnen.
Das Witzige daran ist, solche Leute regieren die Welt.